Verbraucherzentrale nimmt Kreditinstitute in die Pflicht

Kreditwürdigkeit Verbraucherzentrale nimmt Kreditinstitute in die Pflicht

Ines Baur
von Ines Baur
08.11.2017
Auf einen Blick
  • Bei einer Kreditanfrage muss der Verbraucher seine finanziellen Möglichkeiten richtig einschätzen.

  • Das Kreditinstitut muss im Gegenzug sicherstellen, dass der Verbraucher den Kredit auch bedienen kann.
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Wie viel Kredit kann ich mir leisten? Diese Frage sollte sich jeder Darlehensnehmer stellen und der Darlehensgeber ist angehalten, genau das zu prüfen. Seit März 2016 sind Gedlinstitute bei Allgemein- und Immobiliar-Verbraucherdarlehen verpflichtet, vor der Kreditvergabe eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen.

Dazu muss der Darlehensgeber die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers zur Risikoeinschätzung prüfen. Das Ergebnis hilft bei der Entscheidung, ob die Bank einen Kredit genehmigt oder nicht.

Kommt der Darlehensgeber dieser Pflicht nicht nach, kann das Konsequenzen haben. Marcus Köster, Rechtsanwalt im Bereich Verbraucherfinanzen der Verbraucherzentrale NRW sagt: "Versäumt das Kreditinstitut die Prüfung oder patzt es dabei, kann der Kunde unter Umständen Ermäßigungen beim Zinssatz verlangen und muss, wenn die Rückzahlung platzen sollte, keine außergerichtlichen Verzugskosten, zum Beispiel Inkassokosten, bei Zahlungsrückständen leisten."

Findet die Kreditwürdigkeitsprüfung nachweisbar nicht ordentlich statt, steht dem Kreditnehmer eine Reduzierung des Zinssatzes zu. Weiter kann er den Kredit vorzeitig - ohne weitere Kosten - zurückzahlen und muss keine Verzugszinsen bei Zahlungsproblemen entrichten.

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Wenig Infos, kein Dialog

Als Manko sehen die Verbraucherschützer, dass der Schuldner unzureichende Informationen zu seiner Kreditprüfung und oft gar keinen Einblick in die Prüfergebnisse erhält. Es finde kein oder ein magerer Dialog zwischen Darlehensgeber und Darlehensnehmer statt. Der Verbraucher habe kaum Informationen und sei am Ende auf sich allein gestellt, so die Kritik. Die Gefahr, in die Schuldenfalle zu tappen, sei enorm.

Das zeigt das Beispiel eines Ehepaars: Bei der Umschuldung mehrerer Altkredite erhöhte die Bank die benötigte Darlehenssumme von rund 37.000 auf 64.000 Euro. Das hatte eine Steigerung der monatlichen Rate auf rund 750 Euro zur Folge - bei einem gemeinsamen monatlichen Netto-Einkommen von 2.100 Euro, von dem nach Abzug anderer Lebenshaltungskosten ohnehin nur ein Budget von 250 Euro pro Monat übrig blieb. Was bleibt, ist ein Rechtsstreit, der im schlimmsten Fall in die Privatinsolvenz führt.

  • Biallo-Tipp: Nicht nur Banken sind in der Pflicht. Auch der Verkäufer im Elektrofachmarkt oder Möbelhaus sollte bei Abschluss eines Finanzierungsgeschäftes die Bonität des Verbrauchers prüfen. Und nicht nur den Umsatz im Auge haben!
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3,49%
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3,69%
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Darlehensbetrag 3.000 €, Laufzeit 36 Monate

Keine einheitliche Regelung

Ein weiteres Problem ist, dass die Kreditwürdigkeitsprüfung nicht nach einheitlichen Vorgaben erfolgt. Im Gesetz finden sich nur wenige Angaben, wie genau, mit welchen Informationen und in welchen Prüfungsschritten die Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen ist. Die meisten Kreditinstitute haben das Formular "Selbstauskunft” entwickelt.

Der Kunde gibt hier alle relevanten persönlichen, Einkommens- und Vermögensdaten an. Das Einkommen weist er durch Gehaltsabrechnungen nach, Vermögen durch Grundbuch- oder Depotauszüge. Diese Daten werden zusätzlich im Rahmen eines sogenannten Kreditscoring-Systems statistisch erfasst und ausgewertet und fließen in die Entscheidung mit ein.

Dem werden die laufenden Ausgaben wie Miete, Unterhalt, Versicherungen und so weiter gegengerechnet, plus die für den beantragten Kredit zu zahlende Rate. Am Ende der Berechnung muss zumindest der pfändungsfreie Betrag des Familieneinkommens, ein Existenzminimum, verbleiben.

Banken und Sparkassen, die sich an der Befragung der Verbraucherzentrale NRW beteiligt haben, bestätigten, vor der Kreditbewilligung die Einnahmen und Ausgaben der Kunden zu checken. Die Hälfte konzentriert sich jedoch allein auf den Ist-Zustand.

"Verantwortliche Kreditvergabe im Sinne des Gesetzes heißt aber auch, mögliche Veränderungen der Lebensumstände und deren Konsequenzen für Einkommen und Ausgaben während der Darlehenslaufzeit in den Blick zu nehmen", sagt Küster. Absehbare Einschnitte wie die näher rückende Rente einzurechnen, gehöre ebenso dazu wie etwa höhere Ausgaben zu berücksichtigen, weil Kinder auswärts studieren werden.

Checkliste für Verbraucher

Eine realistische Selbsteinschätzung des Verbrauchers vor einer Kreditaufnahme ist Pflicht, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Jeder Einzelne sollte sich anhand einer Checkliste selbst überprüfen:

  • Nur wirklich Notwendiges finanzieren: Nach Möglichkeit eine Finanzierung auf Kredit vermeiden oder auf wirklich dringende Anschaffungen reduzieren. Zum Beispiel Ersatz für die kaputte Waschmaschine.

  • Polster statt Kredit: Jeden Monat 50 Euro oder mehr auf ein Tagesgeld-Konto und die neue Spülmaschine wäre in trocknen Tüchern. Wer ein Polster für "Unvorhergesehenes" schafft, kann sich den Kredit oft sparen.

  • Vorspar-Experiment: Gerade für junge Leute, die noch nie einen Kredit aufgenommen haben, können sich in einem Selbstversuch testen. Einfach jeden Monat den Betrag, den die Rate ausmachen würde, zur Seite legen. Klappt das ohne größere Anstrengung, steht der Kreditaufnahme eigentlich nichts im Weg.

  • Vergleichen: Egal wie verlockend – niemals beim ersten Angebot zuschlagen! Nutzen Sie einen Kreditvergleich. Achten Sie auf den effektiven Jahreszins. Darin sind alle Kosten - einschließlich der Bearbeitungsgebühren - auf die gesamte Laufzeit umgelegt. Mit dem Biallo-Ratenkredit-Vergleich können Sie ganz einfach erkennen, auf welche Summe sich der rückzuzahlende Betrag tatsächlich beläuft.
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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de