2020: Etwas mehr Netto vom Brutto

Neue Steuerregelungen 2020: Etwas mehr Netto vom Brutto

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
03.01.2020
Auf einen Blick
  • Unterm Strich überweist Ihnen Ihr Arbeitgeber im Januar 2020 ein wenig mehr als im Dezember 2019.

  • Grund für die Entlastung sind höhere Steuerfreibeträge. Gleichzeitig steigen zwar die Sozialbeiträge. Die geringere Steuer macht das aber mehr als wett.

  • Wie sich der monatliche Nettolohn zum Jahreswechsel entwickelt.
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2020 gibt es bei den Beitragssätzen der Sozialversicherungen nur geringe Änderungen. Vom Bruttolohn gehen durchschnittlich knapp 20 Prozent an die Sozialkassen. Lediglich die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung steigen im Schnitt, dafür sinkt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ein wenig.

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Beitragssätze zur Sozialversicherung

Aufgrund der steigenden Beitragsbemessungsgrenzen ergibt sich für gut verdienende Arbeitnehmer eine etwas höhere Belastung durch Sozialversicherungsbeiträge. Diese wird jedoch durch die durch steigenden Steuerfreibeträge und eine Korrektur des Steuertarifs mehr als kompensiert.

  • Bei der Rentenversicherung bleibt der Beitragssatz unverändert bei 18,6 Prozent. Dieser Satz soll – so rechnet die Bundesregierung – bis Ende 2024 unverändert bleiben.

  • Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Dabei soll es bis Ende 2022 bleiben.

  • Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung beträgt für Versicherte mit Kind 3,05 Prozent. Daran beteiligen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen (außer in Sachsen). Für Kinderlose kommt überall – wie bisher – ein Zuschlag von 0,25 Prozentpunkten hinzu, den bundesweit allein die Versicherten (ohne Arbeitgeberbeteiligung) tragen.

  • Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibt es bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Hinzu kommt ein "kassenindividueller Zusatzbeitrag". Dieser beträgt 2020 im Schnitt aller Kassen 1,1 Prozent (vorher: 0,9 Prozent). Den Beitragssatz und den Zusatzbeitrag teilen sich seit 2019 Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen.

  • Damit steigt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag 2020 leicht auf 19,875 Prozent. Für Kinderlose sind es 0,25 Prozentpunkte mehr – also 20,125 Prozent.

Beitragssätze zur Sozialversicherung 2020 (in Prozent)


Beitragsart

Insgesamt

Arbeitnehmeranteil

Allgemeine Rentenversicherung

18,6

9,3

Arbeitslosenversicherung

2,4

1,2

Krankenversicherung, allgemein

14,6

7,3

durchschnittlicher Zusatzbeitrag

1,1

0,55

Pflegeversicherung

3,05

1,525

Insgesamt

39,75

19,875

Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung für Kinderlose

0,25

0,25

Quelle: biallo.de

Lesen Sie auch: Steuererklärung – Mit der Anlage Vorsorgeaufwand Steuern sparen

Höhere Beitragsbemessungsgrenzen

Wegen der gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) in allen Versicherungszweigen sind jetzt höhere Einkünfte beitragspflichtig. So wird etwa die BBG in der allgemeinen Renten- und Arbeitslosenversicherung im Westen um 200 Euro im Monat auf 6.900 Euro erhöht. Die BBG markiert die Einkommensgrenze, bis zu der Beiträge fällig werden.

Beitragsbemessungsgrenzen 2020 monatlich (in Euro)


Versicherungszweig


West


Ost

Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung6.900,-6.450,-
Knappschaftliche Rentenversicherung8.450,-7.900,-
Kranken- und Pflegeversicherung4.687,504.687,50

Quelle: biallo.de

Die Beitragsbelastung eines relativ gut verdienenden Westdeutschen (mit Kind) mit einem Arbeitseinkommen ab 6.900 Euro brutto steigt um etwa 36 Euro pro Monat (bei einem durchschnittlichen kassenindividuellen Zusatzbeitrag). Die höhere Beitragsbelastung wird jedoch durch eine steuerliche Entlastung kompensiert.

Höhere Versicherungspflichtgrenze

Auch die bundeseinheitliche Versicherungspflichtgrenze in der GKV wurde um 150 Euro im Monat erhöht. Versicherungspflichtig sind hier jetzt Arbeitnehmer, die 2020 im Schnitt brutto bis zu 5.212,50 Euro pro Monat verdienen. Wer ein höheres Arbeitsentgelt bezieht, ist in der Regel versicherungsfrei und kann sich zwischen einer freiwilligen gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, liegt die für sie geltende besondere Versicherungspflichtgrenze bei 4.687,50 Euro im Monat. Etliche PKV-Versicherte rutschen durch die Erhöhung dieser Grenzen 2020 mit ihrem Einkommen wieder in die Versicherungspflicht. Dann können und müssen sie sich in aller Regel wieder gesetzlich krankenversichern.

3
 
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Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
11,25
0,45%
2.
10,00
0,40%
3.
6,25
0,25%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Neue Steuerregelungen

Unterm Strich steigt das monatliche Nettoeinkommen von Arbeitnehmern zum Jahreswechsel 2019/20 durchweg geringfügig. Dafür sorgen neue Steuerregeln.

So gelten auch 2020 verbesserte Regelungen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen. Weiterhin steigt der steuerfreie Grundfreibetrag von 9.168 Euro auf 9.408 Euro. Auch der Kinderfreibetrag erhöht sich um 192 Euro auf 7.812 Euro. Zugleich werden die Tarifeckwerte des Einkommensteuertarifs angepasst. Der Steuertarif wird – wenn man sich ein Koordinatensystem vorstellt – "nach rechts" verschoben, und zwar um 1,95 Prozent. Hierdurch soll die sogenannte kalte Progression ausgeglichen werden. Der progressive – also mit zunehmendem Bruttoeinkommen immer mehr ansteigende – Steuertarif würde ansonsten dazu führen, dass Lohnsteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Besteuerung "aufgefressen" werden.

Durch diese steuerlichen Entlastungen werden auch bei sehr gut verdienenden Arbeitnehmern die zusätzlichen Belastungen durch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen mehr als kompensiert.

Wie sich der monatliche Nettolohn zum Jahreswechsel 2019/20 entwickelt*


Bruttolohn (in Euro)


Nettolohn (in Euro)

2019

2020

2.000,-

1.412,-

1419,-

3.000,-

1.963,-

1974,-

4.000,-

2.476,-

2491,-

5.000,-

2.976,-

2989,-

6.000,-

3.466,-

3485,-

7.000,-

3.971,-

3977,-

* Annahmen: Steuerklasse I/IV, keine Kirchensteuer, mit Kind(ern), gesetzlich kranken- und rentenversichert, 1,1 % Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung.

Quelle: biallo.de

Lesen Sie auch: Steueränderungen 2020 – Die wichtigsten Neuerungen

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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