Erben will gelernt sein

Nachlass Erben will gelernt sein

Ines Baur
von Ines Baur
19.11.2017
Auf einen Blick
  • Es wird geschenkt und vererbt wie nie zuvor. Laut Schätzungen belaufen sich die Beträge auf bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Doch wie legt man in Zeiten der Niedrigzinsphase das Geld an? Kredite tilgen, Wertpapiere kaufen oder das Geld erst einmal parken?
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Die Nachkriegsgeneration überträgt ihr Vermögen – es wird geerbt, vererbt und geschenkt wie noch nie. 109 Milliarden Euro insgesamt haben im vergangenen Jahr die Generation gewechselt. Damit ist ein Höchststand seit Aufzeichnungsbeginn vor 15 Jahren erreicht. Die Erbschaften und Vermächtnisse betrugen laut Statistischem Bundesamt 43,6 Milliarden Euro. Die Schenkungen beliefen sich auf rund 65 Milliarden Euro. Der Wert von Vermögensübertragungen stieg damit bereits das vierte Jahr in Folge. Das freut auch Vater Staat. Die Erbschaftsteuer brachte rund sechs Milliarden Euro, die Schenkungsteuer eine Milliarde Euro ein.

Bei diesen Beträgen spricht das Statistische Bundesamt lediglich von dem versteuerten Nachlass. Inklusive aller Freibeträge dürfte das Vermögen, das die Nachkriegsgeneration Jahr für Jahr hinterlässt, um ein Vielfaches höher sein. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt die Beträge auf bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr.

Erst mal Ruhe bewahren

Bei der Verkündung, geerbt zu haben, sollte der Erbe keinesfalls in einen Kaufrausch verfallen! Geld, das nicht da ist, sollte nicht ausgegeben werden. Bis ein Testament vollstreckt und das Vermögen aufgeteilt ist, geht erfahrungsgemäß viel Zeit ins Land. Das zuständige Amtsgericht muss die Ansprüche klären und einen Erbschein ausstellen. Besteht dann der Nachlass aus einer Immobilie oder Wertpapieren, ist zwar Vermögen vorhanden, doch kein Bargeld. Vielleicht kommt es zu Erbstreitigkeiten? Nicht selten zieht sich dann die Auszahlung des Erbes über mehrere Monate oder gar Jahre hin.

Wenn Bares fließt und der Erbe unschlüssig ist, was er damit machen soll, heißt es: Entspannt bleiben, den Markt und die eigenen Bedürfnisse prüfen. In dieser Zeit ist das Geld gut auf einem Tagesgeldkonto aufgehoben. Es gibt immer Banken, die ein paar Zehntel Prozent Zinsen für ein Tagesgeld anbieten. Bei 50.000 Euro und einem Prozent, bringt das immerhin 500 Euro im Jahr. Nicht viel, aber immer noch besser als eine Nullrunde am Girokonto.

Konten auf Guthaben-Kurs bringen 

Ist das Girokonto überzogen und der Dispo am Limit? Dann sollte der Erbe erstmal für eine schwarze Null auf seinem Konto sorgen. Denn einerseits für ein überzogenes Konto bis zu zehn Prozent Soll-Zinsen zu zahlen und andererseits für eine Sparanlage einen Minizins einzustreichen, das ist ein schlechter Deal.

Hat der Nachlass-Empfänger weitere Kredite am Laufen, ist die Zeit reif für eine Bestandsaufnahme. Welchen Kredit kann er auflösen, welchen durch eine Sondertilgung reduzieren? Eine alte Hypothek zu vier oder mehr Prozent gehört nach Möglichkeit abgelöst. Beim Kreditinstitut kann der Betroffene erfahren, ob eine Sondertilgung möglich ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für einen bestehenden Ratenkredit oder Autokredit.

Immobilie, Aktienfonds, Altersvorsorge?

Wer aus seinem Erbe Bargeld zur freien Verfügung hat, kann für das eigene Alter vorsorgen. Interessant ist ein Immobilienkauf. Mit dem Geldbetrag als Eigenkapital kann eine kleinere barrierefreie Wohnung finanziert werden. Zumal die Zinsen für eine Baufinanzierung nach wie vor günstig sind. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, kann der Erbe dann in die kleinere Wohnung ziehen. Vorteil: Die Miete bringt ein willkommenes Zusatzeinkommen, bis die Wohnung selbst bewohnt wird. Bei einer geplanten Selbstnutzung muss er sich keine grauen Haare wachsen lassen, was die Entwicklung des Immobilienmarktes betrifft. Das kann er dann seinen Erben überlassen.

Wer aus seinem Erbe mehr machen möchte, kann das Geld arbeiten lassen. Zum Beispiel in Form von Aktienfonds. Anfänger sollten sich gut beraten lassen und die Risiken breit streuen. Eine gute Wahl für Fonds-Sparer sind ETFs, die die Entwicklung von großen Aktienindizes wie Dax oder S&P 500 nahezu eins zu eins nachbilden. Für Börsenlaien sind sogenannte Robo-Advisor empfehlenswert. Die digitale Vermögensverwaltung gibt es bereits mit All-in-Gebühren von unter einem Prozent pro Jahr.

Biallo-Buchtipp

Wer kann schon in Ruhe nachdenken, wenn er trauert? Aber genau das müssen viele Menschen, wenn es um die Entscheidung geht: Wie gehe ich mit dem Vermächtnis eines geliebten Menschen um – oder wem vererbe ich mein eigenes, hart verdientes Geld? Und wie viel bekommt der Staat davon? Das neue Buch von Biallo-Gründer Horst Biallo "Hilfe! Ich erbe" bietet die wichtigsten Fragen und Antworten – mit den Fakten, die wirklich entscheidend sind.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de