Füllhorn mit Steuertücken

Steuerfreie Dividenden Füllhorn mit Steuertücken

von Michael Schreiber
06.04.2017
Auf einen Blick

Einige inländische Firmen zahlen steuerfreie Dividenden aus ihren Kapitalreserven aus. Für vergleichbare Auslandswerte kassiert der Fiskus dagegen Steuern. Der Bundesfinanzhof muss klären, ob das rechtens ist. 

 

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Nur wenige deutsche Aktiengesellschaften bieten ihren Aktionären einen ungewöhnlichen Vorteil. Sie zahlen teilweise schon seit Jahren steuerfreie Dividenden aus und lassen damit Börsianer-Herzen höher schlagen. Wie so oft im Leben hat der Geldsegen Vorteile, aber auch seine Tücken. Anders als bei normalen Dividenden, die aus erwirtschafteten Gewinnen ausgeschüttet werden, greifen diese Firmen für die Ausschüttung auf ihre Kapitalreserven zurück.

Genau genommen sind es Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen und Einlagen früherer Jahre, die hier als "Dividende" wieder zurückfließen. Die Depotbank zwackt auf die Auszahlungen weder Abgeltungsteuer noch Solidarzuschlag oder Kirchensteuer ab. Auch ein erteilter Freistellungsauftrag wird nicht angeknabbert. Brutto für Netto fließt die schöne Dividende aufs Konto des Anlegers.

Aufmerksame Börsianer bemerken jedoch einen anderen Effekt in ihrem Wertpapierdepot. Zeitgleich mit der Auszahlung der Dividende werden die Einstandskurse für die Aktien des Unternehmens um genau den gleichen Betrag gekürzt.

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Steuerfrei oder Steueraufschub

Ob die Dividenden am Ende wirklich steuerfrei einkassiert werden können, hängt einzig davon ab, wann man die Aktien gekauft hat. Wer Deutsche Post, Telekom und Co. (siehe Tabelle) vor 2009 ins Depot gelegt hat, freut sich jetzt in der Zinsflaute über kernige und tatsächlich steuerfreie Dividenden, weil der gesamte Aktienbestand für den Fiskus unerreichbar im steuerfreien Bereich geparkt ist.

Schlechter dran sind Aktionäre, die die Blue Chips ab 2009 erworben haben. Nach der Einführung der Abgeltungsteuer fiel die einjährige Spekulationsfrist für neu gekaufte Wertpapiere – Kursgewinne sind deshalb zeitlich unbegrenzt steuerpflichtig.

Da die steuerfreien Dividenden von dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis für die Aktien abgezogen werden, erhalten diese Anleger genau genommen nur einen Steueraufschub bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich von ihren Aktien trennen.

Das richtige Timing hilft dabei, die Steuerlast in Grenzen zu halten. Steuerfüchse legen den Verkaufszeitpunkt in Steuerjahre, in denen andere Geschäfte nicht so gut liefen oder man nach dem Eintritt in den Ruhestand ohnehin nicht mehr über üppige Einkünfte verfügt.

Deutsche Aktien mit steuerfreien Dividenden in der HV-Saison 2017

AktiengesellschaftHV-TerminWKNDividendeKursRendite
All For One Steeb16.03.20175110001,10 €62,18 €1,77 %
Berliner Effektengesellschaft15.06.20175221300,50 €11,28 €4,43 %
Capital Stage*18.05.20176095000,20 €6,38 €3,13 %
Deutsche EuroShop*28.06.20177480201,40 €38,26 €3,66 %
Deutsche Post28.04.20175552001,05 €31,71 €3,31 %
Deutsche Telekom31.05.20175557500,60 €16,37 €3,67 %
Deutsche Wohnen*02.06.2017A0HN5C0,74 €31,31 €2,36 %
Deutz04.05.20176305000,07 €6,40 €1,09 %
edel24.05.20175649500,10 €2,41 €4,15 %
Einbecker Brauhaus30.05.20176058000,08 €9,40 €0,85 %
Energiekontor 23.05.20175313500,80 €17,59 €4,55 %
Francotyp-Postalia07.06.2017FPH9000,16 €5,15 €3,11 %
Freenet01.06.2017A0Z2ZZ1,60 €30,34 €5,27 %
GEA Group20.04.20176602000,80 €40,55 €1,97 %
Infineon16.02.20176231000,22 €18,81 €1,17 %
Jenoptik07.06.20176229100,25 €23,19 €1,08 %
KPS Consulting 07.04.2017A1A6V40,33 €17,62 €1,87 %
LS telcom09.03.20175754400,05 €7,12 €0,70 %
QSC24.05.20175137000,03 €1,60 €1,88 %
S&T27.06.2017A0X9EJ0,09 €10,39 €0,87 %
TLG Immobilien23.05.2017A12B8Z0,80 €18,22 €4,39 %
WashTec*03.05.20177507502,10 €57,99 €3,62 %
Chorus Clean Energyk.A.A12UL50,35 €12,75 €2,75 %
SHS Viveon06.07.2017A0XFWK0,10 €5,50 €1,82 %
Lloyd Fonds24.05.2017A12UP20,16 €3,26 €4,91 %
Sinner Schrader26.01.20175141900,20 €9,23 €2,17 %
Mühlbauer*10.08.20176627201,50 €52,26 €2,87 %
Quelle: eigene Recherche; Stand vom 04.04.2017
*Dividenden sind nur teilweise steuerfrei

Steuer-Manko für Ausländer

Auch ausländische Unternehmen schütten gelegentlich keine Gewinne, sondern Kapitalrücklagen aus. Darunter tummeln sich grundsolide Versicherungskonzerne wie die Zurich Insurance Group aus der Schweiz ebenso wie der norwegische Lachszüchter Marine Harvest oder die US-Altenheimvermieter Omega Healthcare oder HCP Inc.

Sie alle haben in der Vergangenheit Kapitalreserven an Aktionäre ausgeschüttet und diesen dabei saftige Renditen bis zu acht Prozent beschert. Auf den Bescheinigungen der Bank tauchen dabei unterschiedliche Begriffe wie "Return of capital" (Omega Healthcare, HCP Inc.),"Kapitalherabsetzung" (Marine Harvest) oder "Emissionsprämie (Zurich Insurance AG) auf.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
13,24%
2.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
9,82%
3.
DWS Deutschland LC
DE0008490962
9,70%
Laufzeit: 5 Jahre

Deutscher Fiskus langt zu

Einen Vorteil haben die speziellen Auslandsdividenden- weder die Eidgenössische Steuerverwaltung der Schweiz noch der amerikanische oder norwegische Fiskus behält auf diese Art von Ausschüttungen eine Quellensteuer ein. Die deutsche Depotbank zwackt allerdings von den Dividenden ausländischer Firmen Abgeltungsteuer, Solidarzuschlag und ggf. noch Kirchensteuer ab.

Der Fiskus begründet die unterschiedliche Handhabung bei in- und ausländischen Dividenden mit der Spezialvorschrift des § 27 Absatz 8 aus dem deutschen Körperschaftsteuergesetz. Danach können inländische und sogar im EU-Raum ansässige Firmen ihr Eigenkapital ohne Steuerabzug an die Aktionäre ausschütten.

Die Regelung soll aber nicht für Unternehmen aus Drittstaaten wie USA, Schweiz oder Norwegen gelten (BMF-Schreiben vom 4.4.2016, Az. IV C 2 - S 2836/08/10002). Eine klare gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht.

Ob die Vorgehensweise der Finanzämter rechtens ist, muss der Bundesfinanzhof (BFH) erst noch klären. Derzeit sind unter den Aktenzeichen I R 15/16 und VIII R 47/13 zwei Revisionsverfahren anhängig. In einem weiteren Verfahren vor dem Finanzgericht München (Az. 5 K 2428/13) muss geklärt werden, ob die Kapitalrückzahlungen Schweizer AG´s steuerfrei bleiben.

  • Steuer-Tipp: Legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein und beantragen Sie unter Hinweis auf die beiden genannten Revisionsverfahren vor dem BFH ein „Ruhen des Verfahrens“, wenn Ihr Finanzamt eine Korrektur der von der Bank bescheinigten Kapitalerträge verweigert. So können Sie ohne eigenes Prozessrisiko in Ruhe abwarten und auf einen positiven Richterspruch aus München hoffen.

Biallo-Lesetipp

Was Sie in Ihren Angaben gegenüber dem Finanzamt beachten sollten, hat biallo.de für Sie in einer Artikelserie zusammengestellt. Die Beiträge unserer Serie finden Sie hier:

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de