Handwerkerbonus: Passgenaue Steuerersparnis

Haushaltsnahe Dienstleistungen Handwerkerbonus: Passgenaue Steuerersparnis

von Michael Schreiber
06.10.2017
Auf einen Blick
  • Für haushaltsnahe Dienstleistungen gelten neue steuerliche Vorgaben.

  • Der Fiskus rechnet künftig auch Hausanschlusskosten an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze steuermindernd an. 
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Stolze 37 Seiten umfasst der jüngste Erlass des Bundesfinanzministeriums zur Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen. Das Anwendungsschreiben kann über den Internetauftritt des Ministeriums (www.bundesfinanzministerium.de) heruntergeladen werden. Der Erlass enthält auch eine Checkliste für Steuerzahler, welche Kosten steuerlich absetzbar sind und welche nicht. Mit dem Schreiben vom 9. November 2016 (BMF, Az. IV C 8 – S 2296-b/07/10003:008) reagierte das Bundesfinanzministerium auf eine ganze Reihe von Finanzgerichtsurteilen zu der Thematik und regelt in der Praxis aufgetretene Zweifelsfragen.

Klare Spielregeln

Der Steuerabzug für haushaltsnahe Dienste und Handwerkerleistungen ist bares Geld wert – sponsert das Finanzamt Grundbesitzern und Mietern doch die Kosten für die Renovierung der vier Wände ebenso wie älteren Menschen den Lohn für eine Pflegekraft, einen Fensterputzer oder Gärtner. Mieter können einen Teil ihrer Nebenkosten steuerlich absetzen, wenn ihnen der Vermieter oder Verwalter den maßgeblichen Anteil der Aufwendungen in der Betriebskostenabrechnung gesondert ausweist. Wer einem Handwerker einen Auftrag erteilt, kann 20 Prozent seiner Kosten – maximal 1.200 Euro pro Jahr - direkt von seiner Steuerschuld abziehen. Das gilt sogar, wenn man den Maler oder Schreiner über ein Onlineportal vermittelt bekommt oder bucht. Voraussetzung ist die Vorlage einer Rechnung und eines Zahlungsnachweises von der Bank. In der Rechnung sollten die Materialkosten gesondert ausgewiesen werden, denn dafür gibt es keinen Steuerabzug. Bar beglichene Handwerkerrechnungen sind für den Fiskus ein rotes Tuch und werden nicht akzeptiert.

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Winterdienst absetzbar

Der Begriff "im Haushalt" kann künftig auch das angrenzende Grundstück umfassen, sofern die haushaltsnahe Dienstleistung oder die Handwerkerleistung dem eigenen Grundstück dienen. Somit können beispielswiese Lohnkosten für den Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen vor dem eigenen Grundstück steuerlich geltend gemacht werden. Auch Hausanschlusskosten an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze will das Finanzministerium jetzt steuerlich fördern, nicht jedoch Gebühren und Beiträge von Zweckverbänden. Das steht allerdings im Widerspruch zu einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 20. März 2014 (Az.VI R 56/12).

Kaminfeger und Co.

Die Prüfung der ordnungsgemäßen Funktion einer Anlage ist ebenso eine Handwerkerleistung wie die Beseitigung bereits eingetretener Schäden oder Maßnahmen zur vorbeugenden Schadensabwehr. Somit können rückwirkend für alle noch offenen Steuerfälle beispielsweise die Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen, Kontrollmaßnahmen des TÜVs bei Fahrstühlen oder auch die Kontrolle von Blitzschutzanlagen durch den Schornsteinfeger begünstigt sein. Die Kosten fürs Kaminfegen sind bereits seit vergangenem Jahr wieder voll begünstigt. Das regelt separat ein BMF-Schreiben vom 10. November 2015 (Az. IV C-4 S 2296/007/003:007). Bisher war nicht klar, ob auch die oft hohen Gebühren eines Schlüsseldienstes für eine Türöffnung als Handwerkerleistungen begünstigt sind. Die Bundesregierung hat dies aktuell bestätigt (Bundestagsdrucksache 18/11220 vom 17. Februar 2017).

Nicht steuerbegünstigt sind nach einem aktuellen Urteil des Finanzgerichtes Nürnberg vom 4. August 2017 (Az. 4 K 16/17) Handwerkerleistungen an Möbeln oder elektronischen Geräten, die der beauftragte Unternehmer in seiner Werkstatt erbringt. Für die Aufarbeitung einer Haus- oder Zimmertür oder eines Möbelstücks oder die Reparatur eines Fernsehers außerhalb der Wohnung gibt es deshalb keinen Steuerbonus.

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Hausnotruf für Senioren bringt Steuerrabatt

Wird innerhalb der eigenen Wohnung von Senioren oder behinderten Menschen ein Notrufsystem installiert, um im Rahmen des "Betreuten Wohnens" Hilfestellung rund um die Uhr sicherzustellen, können die Kosten dafür auch dann geltend gemacht werden, wenn sie mit einer Betreuungspauschale abgegolten werden. Auch wer seine Haustiere zu Hause versorgen und betreuen lässt, erhält ebenfalls einen Steuerrabatt, da Tätigkeiten wie das Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Tieres als haushaltsnahe Dienstleistung akzeptiert wird.

Zweifelsfragen vor Gericht

Die Steuerermäßigung für Handwerkerdienste und haushaltsnahe Dienstleistungen beschäftigt schon seit Jahren die Steuergerichte – zahlreiche Zweifelsfragen rund um den lukrativen Steuerrabatt müssen immer wieder erst durch Gerichtsurteile geklärt werden. Das eröffnet Chancen für Steuerzahler, die ihren eigenen Steuerbescheid per Einspruch anfechten und sich dabei auf anhängige Musterprozesse berufen. So profitieren sie später ohne eigenes Prozessrisiko von einem positiven Richterspruch.

Wenn die Kommune Straßen ausbaut oder Bürgersteige und Abwasserkanäle saniert, kann es für die betroffenen Anlieger teuer werden. Denn oft werden sie von der Stadt oder Gemeinde zwangsweise mit sogenannten Erschließungsbeiträgen finanziell an den Baumaßnahmen beteiligt. Bisher weigern sich die Finanzämter, derartige Kosten in der Steuererklärung als absetzbare Handwerkerleistungen anzuerkennen, wenn die Maßnahme außerhalb der Grundstücksgrenze von der öffentlichen Hand erbracht und per kommunalem Bescheid abgerechnet wird (BMF-Schreiben vom 9. November 2016).

Der Bund der Steuerzahler will die Sache jetzt in einer neuen Musterklage beim Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Az. Az. 3 K 3130/17) klären lassen. Betroffene Hauseigentümer haben ein weiteres Problem, wenn sie die Zwangsumlage steuerlich abrechnen wollen. Den Steuerbonus für Handwerkerleistungen gibt es nur für reine Arbeitskosten, nicht aber für verbaute Materialien. Die kommunalen Bescheide weisen in der Regel aber keine Aufschlüsselung der Kosten aus. Betroffene Steuerzahler berufen sich auf ein Urteil des Finanzgerichtes Nürnberg (Az. 11 K 11018/15) und schätzen die Arbeitskosten mit 50 Prozent des Rechnungsbetrages.

Biallo-Tipp

Rechnen Sie die geschätzten Arbeitskosten in der Steuererklärung (Mantelbogen, Zeile 73) als Handwerkerleistungen ab. Akzeptiert das Finanzamt die Ausgaben nicht, legen Sie gegen den Bescheid Einspruch ein und beantragen unter Hinweis auf den Musterprozess beim FG Berlin-Brandenburg ein Ruhen des Verfahrens.

Ungeklärt ist auch, ob Steuerzahler von der Kommune erhobene Baukostenzuschüsse für die Erstellung einer Kläranlage als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich abrechnen können. Beim BFH ist dazu unter dem Aktenzeichen VI R 18/16 eine weitere Musterklage anhängig.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de