Mantelbogen: Steuern sparen mit außergewöhnlichen Belastungen

Steuererklärung 2017 Teil 3 Mantelbogen: Steuern sparen mit außergewöhnlichen Belastungen

von Michael Schreiber
16.05.2018
Auf einen Blick
  • Außergewöhnliche Belastungen können steuermindernd geltend gemacht werden. Dazu gehören etwa Krankheits- und Kurkosten sowie Pflegeheimkosten.

  • Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen.

  • Diese Kosten sind im Mantelbogen der Steuererklärung auf Seite 3 ab Zeile 61 im Detail einzutragen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Wie es der Name schon sagt – außergewöhnliche Belastungen haben Steuerzahler zumeist nicht jedes Jahr zu tragen. Auf Seite 3 des Mantelbogens ab Zeile 61 lassen sie sich im Detail eintragen. Diese außergewöhnlichen Belastungen können unterschiedlichster Art sein: Krankheits- und Kurkosten gehören in die Zeile 67. Das lohnt sich aber nur dann, wenn die Kosten hoch genug ausfielen und nicht von anderer Stelle ersetzt wurden. Denn je nach Einkommen und Familienstand sieht der Fiskus einen Eigenanteil (siehe Tabelle unten) vor, den Steuerzahler tragen müssen, bevor sich die Kosten steuermindernd auswirken.

Diese Praxis hat der Bundesfinanzhof (BFH) zwar jüngst akzeptiert (Az. VI R 32 und 33/13). In einem Urteil vom 19. Januar 2017 (Az. VI R 75/14) hat der BFH allerdings gegen den Fiskus entschieden, dass die bisherige Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung durch die Finanzbehörden fehlerhaft und damit für viele Steuerzahler zu hoch ist. Das Finanzamt setzt den jeweils höheren Prozentsatz an, sobald das eigene Einkommen den in der Tabelle genannten Grenzwert überschreitet. Dagegen hat der BFH entschieden, dass die zumutbare Eigenbelastung gestaffelt nach den in der Tabelle aufgeführten Einkommensstufen erfolgen muss. Davon profitieren alle Steuerzahler mit höherem Einkommen.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie Rückerstattungen zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse bekommen, müssen Sie diese in Zeile 67 angeben. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar.

Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter angewiesen, die Ausgaben Geschädigter für die Reparaturen am Haus, und die Ersatzbeschaffung von Kleidung und Hausrat unbürokratisch als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, auch wenn die Flutopfer keine Versicherung für Hochwasserschäden hatten. Normalerweise verlangt das Finanzamt eine Versicherung und nur Restkosten zählen dann bei der Steuer.

Seit 2013 will der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht mehr akzeptieren. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes leider auch für die unumgänglichen Gerichts- und Anwaltskosten bei einer Scheidung (Urteile vom 18.5 Mai 2017, Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Steuerzahler, die aus gesundheitlichen Gründen in einem Pflegeheim untergebracht sind, können diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Das Finanzamt kürzt die absetzbaren Beträge aber um eine "Haushaltsersparnis", weil der Pflegebedürftige durch die Heimunterbringung ja auch private Kosten einspart. Sind Ehepartner gemeinsam in einem Pflegeheim untergebracht, berechnen die Finanzämter die Haushaltsersparnis doppelt. Der Bundesfinanzhof hat diese Praxis der Finanzämter in einem Urteil vom 4. Oktober 2017 (Az. VI R 22/16) bestätigt.

Tabelle: Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen

Gesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 Eurobis 51.130 Euroüber 51.130 Euro
Ledige ohne Kinder5 %6 %7 %
Verheiratete ohne Kinder4 %5 %6 %
mit ein oder zwei Kindern2 %3 %4 %
mit drei oder mehr Kindern1 %1 %2 %

Quelle: Einkommensteuergesetz, Stand: Mai 2018

Ob Steuertipps, das beste Girokonto oder Tagesgeld, der Biallo-Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Bei Pflege und Behinderung gewährt das Finanzamt gewisse Pauschbeträge. So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Prozent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt.

Als Nachweis verlangen die Prüfer vom Amt bei einem GdB von mindestens 50 Prozent eine Ablichtung des Schwerbehindertenausweises vom Versorgungsamt. Wer einen Angehörigen bei sich oder in dessen Wohnung pflegt, erhält einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat mindestens Pflegegrad 4 oder ein "H" im Schwerbehindertenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen.

Hilfe für Flüchtlinge: Steuerzahler, die aus eigener Tasche für den Lebensunterhalt eines Flüchtlings aufkommen, erhalten bei der Steuerabrechnung einen Unterhaltsfreibetrag von bis zu 8.820 Euro. Der Wert erhöht sich um die übernommenen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für die unterstützte Person. Das gilt selbst dann, wenn die unterstützte Person nicht im Haushalt des Helfers lebt. Den Freibetrag erhalten auch Steuerzahler, die bedürftige nahe Angehörige finanziell unterstützen. Bedingung ist aber, dass sie kein Kindergeld für die unterstützte Person erhalten.

Vergütungen für die nebenamtliche Tätigkeit als Betreuer, Ausbilder oder Erzieher von Flüchtlingen bleiben in Höhe des Übungsleiterfreibetrages von 2.400 Euro steuerfrei (BMF-Schreiben Az. IV C 4 – S 2121/0-09).

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen dürfen Steuerzahler zur Steuerminderung einsetzen. Details regelt ein Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 9.11.2016 (Az. IV C 8 – S 2296-b/07/10003:008). Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner geben Steuerzahler in den Zeilen 71 – 73 des Mantelbogens der Steuererklärung an. Aufgepasst bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73): Hier dürfen die reinen Arbeitskosten, aber auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer geltend gemacht werden. Materialkosten gehen dagegen nicht durch.

Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushaltsgeräten wie Waschmaschine & Co. mit 20 Prozent der Rechnungssumme, aber nur bis zur Grenze von 1.200 Euro.Wichtig: Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden.

  • Biallo-Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile Ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen.

Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus. Nach dem neuen Erlass können jetzt beispielsweise auch Lohnkosten für den Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen vor dem eigenen Grundstück steuerlich geltend gemacht werden. Auch Hausanschlusskosten an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze will das Finanzministerium jetzt steuerlich fördern, nicht jedoch Gebühren und Beiträge von Zweckverbänden. Das steht im Widerspruch zu einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 20. März 2014 (Az.VI R 56/12). Die BFH-Richter hatten in dem Urteil außerdem eine Ermittlung der Arbeitsleistung im Schätzungswege anerkannt, was von der Finanzverwaltung weiter abgelehnt wird.

  • Biallo-Tipp: Für die Sanierung von Straßen und Bürgersteigen verlangen Kommunen von den betroffenen Anwohnern oft mehrere tausend Euro Eigenanteil. Der Bundesfinanzhof muss in zwei Revisionsverfahren klären, ob es dafür eine Steuerermäßigung gibt (VI R 18/16 und 50/17). Betroffene wehren sich per Einspruch gegen ihren Steuerbescheid und verweisen auf das Musterverfahren.

Für neu errichtete Eigenheime und Wohnungen gibt es die Steuerermäßigung eigentlich nicht. Bauherren, die ihr neues Domizil bereits bezogen haben und in den Folgemonaten noch Baumaßnahmen am Haus durchführen lassen, profitieren aber möglicherweise dennoch von einem anhängigen Musterprozess beim BFH (Az. VI R 53/17). Die Richter müssen klären, ob die nach Einzug angefallen Kosten für das Verputzen der Fassade als Handwerkerleistungen steuerbegünstigt sind. Betroffene Bauherren machen ihre Kosten in Zeile 73 geltend. Lehnt das Finanzamt ab, legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein.

    3
     
    Anbieter
    Monatliche Rate
    effektiver
    Jahreszins
     
    1.
    1.221,12
    1,28%
    2.
    1.222,00
    1,29%
    3.
    1.222,88
    1,30%
    Betrag 200.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung 60 %
    Ihre Meinung ist uns wichtig
    Michael Schreiber
    Autor
    Jetzt Artikel bewerten
    E-Mail an den Autor
    Michael Schreiber
    E-Mail an den Autor
    Artikelbewertung
    Teilen
    Drucken
    Zur Startseite
    Michael Schreiber
    E-Mail an den Autor
    Newsletter
    Keine News mehr verpassen
    Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
    Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

    Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

    1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
    2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
    3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
    4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
    5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
    6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

    Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de