Steuererklärung 2018: Steuerabzug durch außergewöhnliche Belastungen

Steuer-Serie Teil 3 Steuererklärung 2018: Steuerabzug durch außergewöhnliche Belastungen

von Michael Schreiber
07.05.2019
Auf einen Blick
  • Außergewöhnliche Belastungen können steuermindernd geltend gemacht werden. Dazu gehören etwa Krankheits- und Kurkosten sowie Pflegeheimkosten.

  • Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen.

  • Diese Kosten sind im Mantelbogen der Steuererklärung auf Seite 3 ab Zeile 61 im Detail einzutragen.
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Wie es der Name schon sagt – außergewöhnliche Belastungen haben Steuerzahler zumeist nicht jedes Jahr zu tragen. Auf Seite 3 des Mantelbogens ab Zeile 61 lassen sie sich im Detail eintragen. Diese außergewöhnlichen Belastungen können unterschiedlichster Art sein: Krankheits- und Kurkosten gehören in die Zeile 67.

Das lohnt sich aber nur dann, wenn die Kosten hoch genug ausfallen und nicht von anderer Stelle ersetzt werden. Denn je nach Einkommen und Familienstand sieht der Fiskus einen Eigenanteil (siehe Tabelle unten) vor, den Steuerzahler tragen müssen, bevor sich die Kosten steuermindernd auswirken.

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Zumutbare Eigenbelastung

Diese Praxis hat der Bundesfinanzhof (BFH) zwar jüngst akzeptiert (Az. VI R 32 und 33/13). In einem Urteil vom 19. Januar 2017 (Az. VI R 75/14) hat der BFH allerdings gegen den Fiskus entschieden, dass die bisherige Berechnung der zumutbaren Eigenbelastung durch die Finanzbehörden fehlerhaft und damit für viele Steuerzahler zu hoch ist. Das Finanzamt setzt den jeweils höheren Prozentsatz an, sobald das eigene Einkommen den in der Tabelle genannten Grenzwert überschreitet.

Dagegen hat der BFH entschieden, dass die zumutbare Eigenbelastung gestaffelt nach den in der Tabelle aufgeführten Einkommensstufen erfolgen muss. Davon profitieren alle Steuerzahler mit höherem Einkommen. Die Finanzämter haben mittlerweile eingelenkt und die Steuerabrechnungen für Altjahre automatisch korrigiert. Viele Steuerzahler erhielten daher in den vergangenen Monaten nachträglich Geld zurück.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie Rückerstattungen – zum Beispiel von Ihrer Krankenkasse – bekommen, müssen Sie diese in Zeile 67 angeben. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar.

Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter angewiesen, die Ausgaben Geschädigter für die Reparaturen am Haus und die Ersatzbeschaffung von Kleidung und Hausrat unbürokratisch als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, auch wenn die Opfer keine Versicherung für Hochwasserschäden hatten. Normalerweise verlangt das Finanzamt eine Versicherung und nur Restkosten zählen dann bei der Steuer.

Seit 2013 will der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht mehr akzeptieren. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes leider auch für die unumgänglichen Gerichts- und Anwaltskosten bei einer Scheidung (Urteile vom 18. Mai 2017, Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Tabelle: Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen

Gesamtbetrag der Einkünftebis 15.340 Eurobis 51.130 Euroüber 51.130 Euro
Ledige ohne Kinder5 %6 %7 %
Verheiratete ohne Kinder4 %5 %6 %
Mit ein oder zwei Kindern2 %3 %4 %
Mit drei oder mehr Kindern1 %1 %2 %

Quelle: Einkommensteuergesetz, Stand: Mai 2019

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Seniorenheim oder häusliche Pflege

Auch selbst getragene Aufwendungen für die eigene häusliche Pflege oder die Unterbringung in einem Senioren- oder Pflegeheim kann man selbst als Betroffener steuerlich unter der Rubrik "außergewöhnliche Belastungen" (Zeile 67) in der jährlichen Steuererklärung dem Fiskus in Rechnung stellen. Die Heimunterbringung muss wegen einer Pflegebedürftigkeit, einer Behinderung oder Krankheit notwendig sein. Ein Heimaufenthalt allein aus Altersgründen ist steuerlich nicht absetzbar.

Soweit die Pflegekasse einen Pflegegrad festgestellt hat, gibt es beim Finanzamt keinerlei Probleme mit dem Steuerabzug. Kosten für einen krankheitsbedingten Aufenthalt im Pflegeheim zählen steuerlich auch ohne festgestellten Pflegegrad (BFH-Urteil vom 13. Oktober 2010, Az. VI R 38/09). Das Finanzgericht Niedersachsen hat mit rechtskräftigem Urteil vom 19. April 2018 (Az. 11 K 212/17) entschieden, dass für die Unterbringung in einem Wohnstift maximal ein Betrag berücksichtigungsfähig ist, der rechnerisch auf eine übliche Wohnfläche von 30 Quadratmetern in einem Seniorenheim entfällt – an einer Luxusunterbringung beteiligt sich das Finanzamt also nicht.

Erstattungen der Kranken- oder Pflegekasse oder Leistungen einer privaten Pflegezusatzversicherung müssen gegengerechnet werden (BFH-Urteil, Az. VI R 8/10). Wurde für eine Heimunterbringung die eigene Wohnung aufgegeben, kürzt der Fiskus die absetzbaren Beträge um eine "Haushaltsersparnis" in Höhe des jeweils gültigen Grundfreibetrages für Ledige (2018: 9.000 Euro, 2019: 9.168 Euro), weil der Pflegebedürftige ja auch private Kosten einspart. Sind beide Ehepartner gemeinsam in einem Pflegeheim untergebracht, berechnen die Finanzämter die Haushaltsersparnis sogar doppelt. Diese Praxis hat der BFH mit Urteil vom 4. Oktober 2017 (Az. VI R 22/16) sogar abgesegnet.

  • Biallo-Tipp: Lebt bei Ehegatten ein Partner im Heim, der andere aber noch in seiner Wohnung, darf das Finanzamt überhaupt keine Haushaltsersparnis abziehen.

Was viele auch nicht wissen: Soweit in diesem Kürzungsbetrag anteilige Aufwendungen für die Betreuung und Pflege enthalten sind, gibt es dafür eine zusätzliche Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen.

  • Biallo-Tipp: Damit nichts verloren geht, tragen Steuerzahler die Pflegekosten im Hauptvordruck der Steuererklärung 2018 sowohl in Zeile 67 (außergewöhnliche Belastungen) als auch in Zeilen 68-70 ein.

Auch Angehörige, die für einen Verwandten im Pflegeheim aufkommen müssen, können sich den Steuerabzug für außergewöhnliche Belastungen sichern (BMF-Schreiben vom 10. Januar 2014, Bundessteuerblatt 2014 Teil I Seite 75, Randnummer 10). Das gilt allerdings nur, wenn man direkt an das Pflegeheim bezahlt.

Erstattet man dem Sozialamt die verauslagten Pflegekosten für einen Angehörigen, gibt es dafür nach einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 23. Dezember 2014 (Az. 6 K 2688/14) keine Steuerermäßigung. Als Nachweis verlangt das Finanzamt die Rechnungen des Seniorenheims sowie die Bescheinigung des Pflegegrades oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen H (hilflos).

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Behindertenpauschbetrag und weitere Freibeträge

Bei Behinderung gewährt das Finanzamt gewisse Pauschbeträge. So gibt es für behinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 61-64). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Prozent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt.

Der Pauschbetrag wird als Jahresbetrag gewährt, auch wenn die Behinderung erst während des Jahres eintritt oder wegfällt. Als Nachweis dient ein Schwerbehindertenausweis oder ein Bescheid des zuständigen Versorgungsamtes.

  • Biallo-Tipp: Stellen Sie noch bis Jahresende für sich oder Ihren Angehörigen einen Antrag beim Versorgungsamt und sichern Sie sich damit rückwirkend den kompletten Steuervorteil für 2019 – auch wenn der Bescheid vom Amt vielleicht erst 2020 im Briefkasten liegt.

Hinweis

Pflegekosten und Behindertenpauschbetrag lassen sich leider nicht miteinander kombinieren. Hier müssen Sie selbst genau rechnen, ob sie mit dem Pauschbetrag oder einem Einzelnachweis der Kosten besser fahren.

Wer einen Angehörigen bei sich oder in dessen Wohnung pflegt, erhält einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 65/66). Voraussetzung: Der Gepflegte hat mindestens Pflegegrad 4 oder ein "H" im Schwerbehindertenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen.

Hilfe für Flüchtlinge: Steuerzahler, die aus eigener Tasche für den Lebensunterhalt eines Flüchtlings aufkommen, erhalten bei der Steuerabrechnung einen Unterhaltsfreibetrag von bis zu 9.000 Euro. Der Wert erhöht sich um die übernommenen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für die unterstützte Person. Das gilt selbst dann, wenn die unterstützte Person nicht im Haushalt des Helfers lebt. Den Freibetrag erhalten auch Steuerzahler, die bedürftige nahe Angehörige finanziell unterstützen. Bedingung ist aber, dass sie kein Kindergeld für die unterstützte Person erhalten.

Vergütungen für die nebenamtliche Tätigkeit als Betreuer, Ausbilder oder Erzieher von Flüchtlingen bleiben in Höhe des Übungsleiterfreibetrages von 2.400 Euro steuerfrei (BMF-Schreiben Az. IV C 4 – S 2121/0-09).

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Haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen

Auch haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen dürfen Steuerzahler zur Steuerminderung einsetzen. Details regelt ein Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 9. November 2016 (Az. IV C 8 – S 2296-b/07/10003:008).

Die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, zum Beispiel für die Putzfrau, die Pflegerin oder den Gärtner, geben Steuerzahler in den Zeilen 71-73 des Mantelbogens der Steuererklärung an. Aufgepasst bei Handwerkerrechnungen (Zeile 73): Hier dürfen die reinen Arbeitskosten, aber auch Maschinen- und Fahrtkosten sowie die Umsatzsteuer geltend gemacht werden. Materialkosten gehen dagegen nicht durch.

Das Finanzamt beteiligt sich auch an den Reparaturkosten von Haushalts- und Elektronikgeräten wie Waschmaschine, Fernseher etc. mit 20 Prozent der Rechnungssumme, aber nur bis zur Grenze von 1.200 Euro. Wichtig: Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden.

  • Biallo-Tipp: Selbst als Mieter dürfen Sie Teile Ihrer Nebenkostenabrechnung absetzen – nämlich die Kosten, die auf Hausmeister, Treppenhausreinigung, Schneeräumdienst, Gartenpflege oder Schornsteinfeger entfallen.

Auch für private Umzugskosten gibt es einen Steuerbonus. Nach dem neuen Erlass können jetzt beispielsweise ebenso Lohnkosten für den Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen vor dem eigenen Grundstück steuerlich geltend gemacht werden.

Hausanschlusskosten an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze will das Finanzministerium nun ebenfalls steuerlich fördern, nicht jedoch Gebühren und Beiträge von Zweckverbänden. Das steht im Widerspruch zu einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 20. März 2014 (Az.VI R 56/12). Die BFH-Richter hatten in dem Urteil außerdem eine Ermittlung der Arbeitsleistung im Schätzungswege anerkannt, was von der Finanzverwaltung weiter abgelehnt wird.

  • Biallo-Tipp: Für die Sanierung von Straßen und Bürgersteigen verlangen Kommunen von den betroffenen Anwohnern oft mehrere tausend Euro Eigenanteil als Straßenanliegerbeiträge. Der Bundesfinanzhof muss in einem Revisionsverfahren klären, ob es dafür eine Steuerermäßigung gibt (VI R 50/17). Betroffene wehren sich per Einspruch gegen ihren Steuerbescheid und verweisen auf das Musterverfahren.

Für neu errichtete Eigenheime und Wohnungen gibt es die Steuerermäßigung eigentlich nicht. Bauherren, die ihr neues Domizil bereits bezogen haben und in den Folgemonaten noch Baumaßnahmen am Haus durchführen lassen, profitieren aber von einem aktuellen Beschluss des Bundesfinanzhofes vom 5. Juli 2018 (Az. VI R 53/17). Die Richter stellten zugunsten eines Steuerzahlers und gegen den Fiskus klar, dass die nach Einzug angefallen Kosten für das Verputzen der Fassade als Handwerkerleistungen steuerbegünstigt sind. Betroffene Bauherren machen ihre Kosten in Zeile 73 geltend.

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Biallo-Lesetipp

Was Sie bei Ihren Angaben gegenüber dem Finanzamt beachten sollten, stellt biallo.de in einer Artikelserie zum Thema Steuererklärung 2018 für Sie zusammen: Weitere aktualisierte Beiträge, rund um Mantelbogen und Anlagen zur Steuererklärung, finden Sie in den nächsten Tagen auf unserer Homepage oder in unserem Newsletter. Bisher bereits erschienen sind folgende Artikel unserer aktuellen Steuer-Serie:

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