Pauschalreiserecht, was ändert sich?

Verbraucherrecht Pauschalreiserecht, was ändert sich?

Caroline Benzel
von Caroline Benzel
06.07.2018
Auf einen Blick
  • Nachteil für Verbraucher: Sie müssen Preis­erhöhungen von bis zu acht Prozent hinnehmen, bevor sie kostenfrei stornieren dürfen. Bisher waren es fünf.

  • Vorteil für Verbraucher: Insolvenzabsicherung ist auch für Reisevermittler Pflicht, wenn Zahlungen direkt an sie gehen.

  • Ein weiterer Vorteil für Verbraucher ist, dass sie künftig mehr Zeit haben, um Mängel anzuzeigen. Bislang war es ein Monat, jetzt haben sie zwei Jahre Zeit.
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Ob das neue Pauschalreiserecht gut oder schlecht für Verbraucher ist – daran scheiden sich die Geister. Grund für die neue Rechtslage ist die sogenannte Pauschalreiserichtlinie der Europäischen Union, die am 1. Juli in Kraft tritt.

Das bisherige Reiserecht war nicht auf das Internetzeitalter vorbereitet. Es stammt aus dem Jahr 1990 als Reisen noch übers Reisebüro gebucht wurden. Heute stellen die meisten Menschen ihre Reise online zusammen.

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Was ist eine Pauschalreise?

Eine Pauschalreise birgt für Reisende große Vorteile. Denn der Reiseveranstalter ist dafür verantwortlich, dass alle Leistungen erbracht werden. Sprich: Wenn das Hotel bei Reisebeginn noch nicht fertiggestellt ist, ein Flug ausfällt, oder der gebuchte Mietwagen zwei Nummern zu klein ist, können Reisende sich mit ihren Beschwerden direkt an den Reiseveranstalter wenden. Sie können bei Mängeln nicht nur den Preis mindern, sondern zusätzlich Schadensersatz für entgangene Reisefreuden verlangen. Diese Möglichkeit haben Individualreisende nicht.

Eine Pauschalreise liegt vor, wenn mindestens zwei Reiseleistungen in derselben Buchung verkauft werden. Das könnten beispielsweise Flug und Hotelaufenthalt oder Flug und Mietwagen sein. Mit Inkrafttreten des neuen Pauschalreiserechts liegt der Teufel aber im Detail. So liegt nicht automatisch eine Pauschalreise vor, nur weil man alle Reisekomponenten zeitgleich auf demselben Reiseportal gebucht hat. Es müssen außerdem alle Reisebestandteile auf einer gemeinsamen Rechnung erscheinen und mit einem Gesamtpreis ausgewiesen sein.

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Wer sich im Internet bei der Flugbuchung eine Zusatzleistung wie eine Hotelübernachtung oder einen Mietwagen vermitteln lässt, muss gut aufpassen: Die Fluggesellschaft gilt nur dann als Veranstalter, wenn zwischen der ersten und zweiten  Buchungsbestätigung nicht mehr als 24 Stunden liegen.

  • Biallo-Tipp: Nur wenn eine Reise ausdrücklich als Pauschalreise verkauft wird, können sich Verbraucher auf den bestehenden Reiseschutz verlassen. Wer unsicher ist, ob es sich um eine Pauschalreise handelt, sollte unbedingt nachfragen.

Ferienhausbuchung ist keine Pauschalreise mehr

Wer Individual- anstatt Pauschalreisen bucht, bewegt sich nicht in einem rechtsfreien Raum. Auch hier werden Verträge geschlossen und die Anbieter müssen die versprochene Leistung erbringen. Anders als bei Pauschalreisen müssen sich die Reisenden direkt mit dem Vermieter, der Fluggesellschaft oder der Mietwagengesellschaft verständigen. Die Möglichkeit Schadensersatz aufgrund entgangener Urlaubsfreuden zu verlangen, gibt es nicht.

Neu ist, dass Ferienhäuser und Wohnungen künftig nicht mehr dem Pauschalreiserecht unterliegen. Auch dann nicht, wenn sie von Reise­ver­anstaltern oder Agenturen angeboten werden. Unzufriedene Reisende müssen sich bei Mängeln dann direkt mit den Vermietern auseinandersetzen.

Außerdem neu eingeführt werden die sogenannten "verbundene Reiseleistungen". Also wenn Reisende kurz hintereinander Leistungen buchen, dabei aber der individuelle Vertragspartner genannt wird sowie separate Rechnungen ausgestellt werden.

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Insolvenzabsicherung ist Pflicht

Eine Neuerung zugunsten der Verbraucher: Auch Reisevermittler müssen künftig gegen Insolvenz abgesichert sein, wenn Zahlungen direkt an sie gehen. Zudem müssen Vermittler genau darlegen, ob es sich bei einer Buchung um eine Pauschalreise oder um eine verbundene Reiseleistung handelt.

Für Reisebüros und Online-Plattformen hat das neue Reiserecht Folgen. Sobald sie eine Gesamtrechnung für alle Reiseleistungen ausstellen, werden sie zum Veranstalter einer Pauschalreise, obwohl sie vielleicht nur eine Reise vermitteln wollten. Wie genau Gerichte solche Fälle handhaben, wird sich zeigen

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Tagesreisen und Reklamationen

Tagesreisen fallen künftig meist nicht mehr unter das Pauschalreiserecht. Der Grund: Erst ab einem Reisepreis von 500 Euro pro Person wird das Pauschalreiserecht angewandt. Die meisten Tagesreisen sind deutlich günstiger. Wiederum ein großer Vorteil für Verbraucher ist, dass sie künftig deutlich mehr Zeit haben, um Mängel anzuzeigen. Bislang hatten Verbraucher lediglich einen Monat Zeit, um Reisemängel anzuzeigen. Jetzt haben sie zwei Jahre lang Zeit.

  • Wichtig: Trotzdem müssen Reisende schon vor Ort auf mögliche Mängel aufmerksam machen diese dokumentieren.

Größere Preiserhöhungen sind möglich

Erhöhte sich der Preis nach der Buchung um mindestens fünf Prozent, so konnten Urlauber bislang kostenfrei den Reisevertrag kündigen. Jetzt müssen Kunden Preis­erhöhungen von bis zu acht Prozent hinnehmen, bevor sie kostenfrei stornieren dürfen. Zudem darf der Veranstalter den Preis bis 20 Tage vor Reise Beginn erhöhen. Nach altem Recht war das nur bis zu vier Monate vor Reisebeginn möglich.

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Biallo-Spezialistin rund um das Thema Mobilfunk. LTE, NFC, UMTS - sie weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für unsere Leser wichtig sind. Nach ihrem Studium der Publizistik hat sie sich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Caroline Benzel arbeitet für Print- und Online-Medien sowie fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de