Schock 2018! Weniger Unterhalt für Trennungskinder

"Düsseldorfer Tabelle" Schock 2018! Weniger Unterhalt für Trennungskinder

Ines Baur
von Ines Baur
23.11.2017
Auf einen Blick
  • Zum Jahreswechsel sinken die Unterhaltsansprüche vieler Trennungskinder.
  • Der Mindestunterhalt erhöht sich, aber Unterhaltspflichtige mit höheren Einkommen zahlen weniger.
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Rund 2,3 Millionen Minderjährige wachsen in Deutschland bei nur einem Elternteil auf. Der Elternteil, bei dem das minderjährige Kind nicht permanent wohnt, ist nach Paragraph 1612a BGB zum sogenannten Barunterhalt verpflichtet.

Wer wissen möchte, wie viel Unterhalt er nach der Trennung für die gemeinsamen Kinder erhält – oder zahlen muss – kann das über die Düsseldorfer Tabelle erfahren. Die Tabelle ist eine bundesweit anerkannte Richtlinie zum Unterhaltsbedarf. Sie wird in Abstimmung mit den anderen Oberlandesgerichten und dem Deutschen Familiengerichtstag erstellt und etwa alle zwei Jahre aktualisiert. Wie auch jetzt zum 1. Januar 2018.

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Bedarfssätze steigen – Einkommensgruppen auch

"Leider gar kein Anlass zum Jubeln!", kommentiert die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes (djb), Maria Wersig die vor einigen Tagen bekannt gewordenen Änderungen. Mit der Aktualisierung geht in der Regel auch immer eine Erhöhung der Unterhaltssätze einher. Logisch, wenn man bedenkt, dass die Lebenshaltungskosten von Jahr zu Jahr steigen. Auch dieses Mal steht zum Jahreswechsel die Erhöhung der Unterhaltssätze für Trennungskinder an.

Aber: Das erste Mal seit zehn Jahren werden auch die Einkommensgruppen angehoben. Die Tabelle beginnt dann mit einem Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen von 1.900 Euro und drunter – statt wie bisher 1.500 Euro. Und das Ende bildet ein Nettoeinkommen von 5.500 Euro statt bisher 5.100 Euro.

Tipp

Wenn auch Sie von der Kürzung betroffen sind, sollten Sie Geld sparen und das Girokonto wechseln.

Steigende Gehälter und wachsende Kinderarmut

Das bedeutet: Die erwirtschafteten Einkommen werden einer niedrigeren Einkommensgruppe zugerechnet. Mit der Folge, dass der Kindesunterhalt sinkt. Das ändert sich erst wieder bei monatlichen Nettoeinkünften von mehr als 4.300 Euro. "In Zeiten steigender Gehälter, sinkender Arbeitslosenzahlen und sogar erhöhter Grundsicherungs- und Sozialhilfesätze einerseits und wachsender Kinderarmut vor allem in Haushalten von Alleinerziehenden andererseits ist das ein fatales Zeichen", so Wersig weiter.

Beispiel: Erhielt ein sechsjähriges Kind bisher bei 2.500 Euro Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen 452 Euro, stehen ihm ab Januar 2018 nur noch 439 Euro zu.

Wichtig: Der ausgewiesene Unterhaltsbedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag. Es wird noch die Hälfte des Kindergelds abgezogen.

Alleinerziehende wehren sich mit offenem Brief

Eine Erhöhung von sechs bis sieben Euro gab es lediglich beim Mindestunterhalt und der entspricht dem Existenzminimum. Beispiel: In der ersten Altersstufe sind es dann monatlich 348 Euro statt 342 Euro. Eigentlich wurde in den vergangenen Jahren die Erhöhung auf die Unterhaltssätze für bessere Gehaltsstufen hochgerechnet. Dieses Mal aber eben nicht. 

"Das werden wir nicht einfach so hinnehmen", sagt Erika Biehn, Bundesvor­sitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter. "Wir werden laut! In Zeiten, in denen die Armut in den Haushalten Alleinerziehender groß ist und die Bekämpfung von Kinderarmut ganz vorne auf die politischen Agenda gehört, ist diese Entschei­dung der Familienrichter nicht nachvollziehbar." Der Verband richtet sich in einem offenen Brief gegen die Kürzungen des Kindesunterhalts.

Immer mehr Kinder wachsen bei einem Elternteil auf

Die Zahl minderjähriger Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen, ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Waren es 1996 noch rund 1,9 Millionen, so sind es 2017 2,3 Millionen Minderjährige. Damit hat sich der Anteil von Kindern, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben, auf mittlerweile knapp 18 Prozent erhöht. Das hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden berechnet.

Innerhalb Deutschlands gibt es deutliche regionale Unterschiede. In Westdeutschland stieg der Anteil von 10,7  im Jahr 1996 auf 16,3 Prozent bis 2015 an. Im Osten gab es im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 16 auf rund 25 Prozent. Das bedeutet: In Ostdeutschland wächst jedes vierte minderjährige Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, im Westen jedes sechste Kind.

Biallo-Lesetipp

Frauen studieren, Frauen arbeiten, Frauen ziehen Kinder groß, Frauen bekommen Quoten – und Frauen verarmen oftmals im Alter. Wer nicht in Altersarmut leben möchte, sollte sich rechtzeitig um seine Finanzen kümmern. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: "Mädels tut endlich was!".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de