Erbschaft & Steuerrecht

Schwarzgeld im Nachlass kann für die Erben teuer werden

Update: 07.09.2018
biallo
Anzeige
Den Business-Alltag vereinfachen?
Lassen Sie doch Ihr Geschäftskonto
für sich arbeiten!

Unser Surf-Tipp!
Auf einen Blick
  • Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erben die Deutschen jährlich bis zu 400 Milliarden Euro.

  • Wer unversteuertes Vermögen – sprich Schwarzgeld – erbt, sollte zügig handeln. "Das ererbte Vermögen vom Konto ‚abzuräumen‘, ist kein Ausweg", sagt Ulrike Grube, Expertin für Steuerstrafrecht.
n/a

Schwarzgeld im Nachlass – das ist hierzulande längst keine Seltenheit mehr. Elke Volland, Expertin für Erbschaftssteuerrecht bei Rödl & Partner in Nürnberg, spricht von einer Zunahme von Fällen, in denen die Erben zur Aktivität gezwungen sind: „Diese Entwicklung beruht zum einen auf demografischen Veränderungen und zum anderen auf der Handhabung und dem Umgang mit der Anhäufung von Vermögenswerten durch die Vorgängergeneration.“

Üblicherweise hat nach ihren Erfahrungen die sogenannte Kriegsgeneration in der Vergangenheit häufig sehr sparsam gelebt und Geldanlagen in „sicheren Devisen“ wie etwa Schweizer Franken bevorzugt. Volland erzählt: „Diese Vermögen wurden stets geheim gehalten, um für schlechte Zeiten und für das Alter vorgesorgt zu haben.“ Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG) schätzt, dass noch immer mindestens 400 Milliarden Euro unversteuert in der Schweiz, in Österreich und Liechtenstein lagern.

Lesen Sie auch: Ihre Rechte und Pflichten als Erbe

Schwarzgeld – Vorsicht bei unversteuertem Vermögen aus dem Ausland

Grundsätzlich gilt im Erbrecht: Man kann ein Erbe ausschlagen und zwar innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis des Erbfalles. Wenn der Erbe oder Erblasser im Ausland leben, verlängert sich diese Frist auf sechs Monate. Das sollten sich Erben genau überlegen, denn sie treten in Rechte und Pflichten des Erblassers ein, und dazu können auch steuerliche Pflichten gehören. Vor allem müssen Erben aufpassen, wenn sie über unversteuertes Vermögen im Ausland stolpern, denn sie sind gehalten, diesen nun bekannten Sachverhalt den Finanzbehörden zu offenbaren.

Ulrike Grube, Expertin für Steuerstrafrecht bei der Kanzlei Rödl & Partner, erklärt: „Sie müssen in eigener Person als Rechtsnachfolger nach dem Erblasser für die Versteuerung der Erträge im Rahmen der Einkommensteuer aufkommen. Und Gleiches gilt auch für die Angabe des bisher versteckten Vermögens in der Erbschaftsteuererklärung.“

Lesen Sie auch: Wie Geldanlagen im Ausland zu versteuern sind

Schwarzgeld: Machen Sie beim Erben reinen Tisch

Kommen die Erben diesen steuerlichen Pflichten nicht nach, machen sie sich strafbar: wegen der Nichtangabe in der Erbschaftsteuererklärung und deshalb, weil sie auch zwangsläufig zukünftig diese "ererbten Kapitalerträge im Ausland" in der eigenen Einkommensteuererklärung nicht angeben können oder wollen. Auch die nachzuzahlende Einkommensteuer für den Erblasser müssen die Erben tragen. Zumindest sind diese "Steuer-Altlasten" als sogenannte Nachlassverbindlichkeiten zu betrachten, die die Erbmasse an sich und damit auch die anfallende Erbschaftsteuer verringern.

Wenn Erben gegenüber dem Finanzamt das Schwarzgeld und alle Sachverhalte offengelegt haben, müssen sie mit der Nachzahlung der Steuern zuzüglich sechs Prozent Zinsen pro Jahr auf die jeweils angefallenen Steuerbeträge, sowie einem Strafzins von fünf Prozent rechnen, wenn Steuern in großem Ausmaß hinterzogen wurden. Der Bundesfinanzhof hat den hohen Steuerzins im April 2018 allerdings als "realitätsfern" bezeichnet und von der Politik Nachbesserungen gefordert (AZ.: IX B 21/18).

Lesen Sie auch: Der staatliche Superzins ist bald Geschichte

Wie lange haben Erben zur Offenlegung Zeit?

Ein bisschen Zeit zum Überlegen hat man schon, denn bis zum Zeitpunkt des Erbantritts hat der Erbe noch keine Pflichtverletzung begangen und sich auch nicht strafbar gemacht. Eine etwaige Offenlegung des Schwarzgelds löst beim Erben noch keine Strafbarkeit aus, wenn dies in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Versterben des Erblassers geschieht.

Die erfahrene Juristin Grube warnt: "Das ererbte Vermögen vom Konto ‚abzuräumen‘, ist kein Ausweg, da die steuerlichen Pflichten lange Zeit zurückreichen. In Betracht kämen hier die letzten zehn Veranlagungsjahre, die nicht mit Kalenderjahren identisch sein müssen."

Auch auf eine Verjährung zu hoffen, ist nach ihren Angaben nicht die richtige Strategie, denn die Erbschaftsteuer verjährt frühestens zehn Jahre nach Versterben des Erblassers. Und bis diese alte Steuerschuld verjährt ist, sind zumeist mindestens neun eigene Steuererklärungen der Erben unrichtig abgegeben worden.

Biallo-Lesetipp

"Du bist enterbt!" – diese Nachricht hören Familienmitglieder nach einem Streit immer mal wieder. Doch so leicht geht das nicht, denn es gibt den Pflichtteil. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: " Enterben fast unmöglich".



  biallo


 

Biallo Video Stream

 
 
 
Powered by Telsso Clouds