Steuererklärung: So füllen Sie die Anlage KAP aus

Steuern auf Kapitalerträge Steuererklärung: So füllen Sie die Anlage KAP aus

von Michael Schreiber
06.08.2019
Auf einen Blick
  • Wer unnötige Steuern vermeiden möchte, sollte sich mit der Anlage KAP zur Steuererklärung beschäftigen. Manchmal ist die Abgabe sogar Pflicht.

  • Bevor Anleger die Anlage KAP ausfüllen, benötigen Sie von Ihrer Bank eine Steuerbescheinigung über die Höhe ihrer Kapitalerträge und Steuerabzüge.
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Einfacher, schneller und gerechter sollte die Steuerabrechnung für Kapitalanleger mit der Einführung der Abgeltungsteuer werden. Zehn Jahre sind seither vergangen – und die Steuererklärung ist für viele Börsianer komplizierter denn je.

Wer bequem ist, spart sich deshalb die ungeliebten Formulare. Für die meisten Anleger ist das sogar legal, weil sich ihre Steuerpflicht mit dem Abzug der Bank direkt an der Quelle erledigt hat. Wer unnötige Steuern vermeiden will, sollte sich aber mit der Anlage KAP beschäftigen. Manchmal ist die Abgabe sogar Pflicht – wer hier nachlässig ist, macht sich strafbar.

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Wichtige Belege und Spielregeln

Bevor Sie die Anlage KAP in Angriff nehmen, brauchen Sie von Ihrer Bank eine Steuerbescheinigung über die Höhe ihrer Kapitalerträge und Steuerabzüge. Manche verschicken den kostenlosen Beleg erst auf Nachfrage. Jeder Ehegatte muss eine eigene Anlage KAP ausfüllen, Erträge aus Gemeinschaftskonten werden dabei aufgeteilt.

  • Biallo-Tipp: Die Eintragungswerte für die Anlage KAP können Sie meistens der Bescheinigung Ihrer depotführenden inländischen Bank, Bausparkasse oder Fondsgesellschaft entnehmen. In der Bescheinigung ist die jeweilige Zeile der Anlage KAP als Eintragungshilfe meist bereits vorgegeben. Sie brauchen die Zahlen also nur zu übertragen. Unterhalten Sie bei mehreren Banken Depots und Konten, müssen Sie die Zahlen für jede Zeile addieren und dann die Summe in das Formular übertragen.Als Service bieten viele Banken zusätzlich auch noch eine Erträgnisaufstellung an, manchmal kostet das extra Gebühren. Für die Steuererklärung ist der Zusatzbeleg nicht erforderlich. Da hier aber die Einzelerträge aufgelistet sind, kann man seine Erträge und Kontoauszüge besser überprüfen.

Einreichen müssen Sie die Steuerbescheinigung beim Finanzamt nicht mehr. Seit der Steuererklärung 2017 reicht es aus, wenn Sie den Beleg auf Nachfrage vorlegen können. Heben Sie auch alle An- und Verkaufsbelege über Wertpapiere so lange auf, bis die Steuerveranlagung für diese Geldanlagen endgültig bestandskräftig ist.

  • Biallo-Tipp: Wer kein Risiko eingehen will, bewahrt die Unterlagen mindestens zehn Jahre auf.

Anträge (Zeilen 4 und 5)

Über die Anlage KAP werden für 2018 alle Veräußerungsgewinne, Zinserträge, Dividenden und anrechenbaren inländischen Steuern sowie im Ausland bezahlte Quellensteuern deklariert. Füllen Sie die Zeile 4 aus, wenn das Finanzamt über die "Günstigerprüfung" klären soll, ob Sie auf alle erzielten Kapitalerträge zu viel Abgeltungsteuer bezahlt haben. Ehegatten müssen beide die Neuberechnung beantragen.

  • Biallo-Tipp: Der BFH hat mit Urteil vom 12. Mai 2015 (Az. VIII R 14/13) entschieden, dass man den Antrag auf Günstigerprüfung vor Ablauf der Einspruchsfrist für den Steuerbescheid gestellt haben muss kann.

Das Finanzamt prüft auf Wunsch auch nur für einzelne Kapitalanlagen, ob die Bank den Steuerabzug korrekt vorgenommen hat (Zeile 5). In diesem Fall brauchen Sie Ihre restlichen Kapitalerträge, bei denen der Steuerabzug in Ordnung war, nicht mehr aufführen.

In diesen Fällen lohnt es sich, die Anlage KAP freiwillig auszufüllen

  • Verfügen Sie in 2018 als Wenigverdiener, Student oder Rentner nur über ein Einkommen bis 16.050/32.100 Euro (ledig/verheiratet), liegt Ihr persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 Prozent. Bei der Prüfung dieser Verdienstgrenze zählen Kapitaleinkünfte mit. Die Beamten berechnen im Steuerbescheid automatisch, ob Sie mit Ihrem individuellen Steuertarif oder mit der Abgeltungsteuer besser fahren. Keine Sorge: Mehr als die bereits abgezogenen 25 Prozent Abgeltungsteuer werden bei der Neuberechnung in keinem Fall fällig. Zuviel einbehaltene Abgeltungssteuer zahlt der Fiskus zurück.

  • Haben Sie im vergangenen Jahr vergessen, Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen oder war das Volumen nicht optimal verteilt, können Sie Steuern zurückholen. Auch andere Fehler beim Steuerabzug lassen sich über die KAP nachträglich ausbügeln.

  • Ruheständler füllen die KAP am besten vollständig aus. Sie erhalten über den Steuerbescheid einen Altersentlastungsbetrag von bis zu 1.900 Euro, den die Depotbank übers Jahr nicht berücksichtigen darf. Sie haben darauf Anspruch, wenn Sie zu Beginn des Steuerjahres 2018 bereits 64 Jahre alt waren. Ehegatten erhalten den Freibetrag doppelt, wenn jeder über ausreichend hohe Einkünfte verfügt.

    • Biallo-Tipp: Ist das für 2019 bisher noch nicht der Fall, lassen sich durch gezielte Aufteilung der Vermögenswerte auch für das laufende Jahr noch bis zu 500 Euro Steuern sparen.

Erklärung zur Kirchensteuerpflicht (Zeile 6)

Sind Sie kirchensteuerpflichtig und hat Ihre Bank im vergangenen Jahr keinen Gotteslohn auf Ihre Kapitalerträge einbehalten, weil sie dem automatischen Steuereinbehalt widersprochen haben, müssen Sie in Zeile 6 eine "1" eintragen. Je nach Bundesland sind acht oder neun Prozent der Abgeltungsteuer als Kirchensteuer fällig. Diese Abgabe müssen Sie über den Steuerbescheid für 2018 nachzahlen.

Für die Nacherhebung der Kirchensteuer reicht es zwar grundsätzlich aus, wenn Sie in den Zeilen 48 die einbehaltene Kapitalertragsteuer und in Zeile 49 den Solidaritätszuschlag ausfüllen. Wenn Sie sich bei der Gelegenheit aber nicht weiter die Mühe machen, den Rest der Anlage KAP auch noch auszufüllen, bezahlen Sie vielleicht unnötig Steuern.

  • Biallo-Tipp: Für kirchensteuerpflichtige Anleger mit Wohnsitz in Bayern und Baden-Württemberg ermäßigt sich die Abgeltungsteuer auf 24,51 Prozent, im übrigen Bundesgebiet auf 24,45 Prozent. Um diesen Steuerrabatt zu bekommen, füllen Sie das Feld in Zeile 6 aus und machen in den Zeilen 7 und 12 die geforderten Angaben.

Lesen Sie auch: Nicht mehr Kirchensteuer zahlen als nötig

Verkauf von Fondsanteilen (Zeile 8a)

Haben Sie im vergangenen Jahr Fondsanteile verkauft, die sie vor 2009 angeschafft haben? Dann sollten Sie prüfen, ob die Bank darauf Steuern einbehalten hat. Diese Altanteile konnten nur bis zum 31. Dezember 2017 uneingeschränkt steuerfrei verkauft werden. Kursgewinne, die alte Fondsanteile seit Anfang 2018 verzeichnen, sind bei einem Verkauf steuerpflichtig.

Lichtblick: Für Verkaufsgewinne bis 100.000 Euro aus Altanteilen fallen pro Anleger keine Steuern an. Ehepaare mit Gemeinschaftsdepot beanspruchen einen Freibetrag von 200.000 Euro. Den Freibetrag müssen Sie aber in der Steuererklärung des Verkaufsjahres geltend machen – die Depotbank ist zum Steuerabzug verpflichtet.

  • Biallo-Tipp: Für im Ausland verwahrte Investmentanteile muss erstmal für das Jahr 2018 die neue Anlage KAP-INV ausgefüllt werden.

Kapitalerträge mit Abgeltungsteuer (Zeilen 7 bis 11)

Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften gehören in einer Summe in die Zeile 7. In Zeile 8 müssen die in Zeile 7 enthaltenen Gewinne aus Aktiengeschäften noch einmal extra eingetragen werden.

Haben Sie in 2018 zum Beispiel nach einem Bankwechsel oder Zuzug aus dem Ausland Wertpapiere wie Zerobonds, Vollrisikozertifikate oder andere Finanzinnovationen verkauft, deren Anschaffungspreis die neue Bank nicht kannte, hat sie den Steuerabzug auf der Basis einer fiktiven Ersatzbemessungsgrundlage (30 Prozent des Verkaufspreises) erhoben und auf der Steuerbescheinigung diese "Ersatzbemessungsgrundlage" bescheinigt. Taucht diese Bezeichnung auf dem Bankbeleg auf, haben Sie mit Sicherheit zu viel Steuern gezahlt.

Über eine Eintragung in den Zeilen 7 und 9 können Sie den überhöhten Steuerabzug der Bank bereinigen lassen. Dazu übernehmen Sie in der jeweils linken Spalte zunächst den von der Bank bescheinigten Wert. Auf einem Extrablatt berechnen Sie nun anhand der An- und Verkaufsbelege des Wertpapiers den richtigen Verkaufsgewinn oder Verlust und tragen die rechnerisch korrigierten Werte dann in der rechten Spalte der Zeilen 7 und 9 ein. Fügen Sie die Abrechnung der Bank über An- und Verkauf bei – das erspart Ihnen Rückfragen des Finanzamtes.

Sie haben im vergangenen Jahr bei verschiedenen Banken Depots und Konten unterhalten und unterschiedlich erfolgreich agiert? Dann können Sie die im letzten Jahr realisierten Verluste bankübergreifend über die Steuererklärung mit Gewinnen verrechnen lassen. Dazu mussten Sie allerdings bis zum 15. Dezember 2018 eine Verlustbescheinigung bei Ihrer Bank abrufen. Verluste aus Aktiendeals gehören in die Zeile 11. Verluste aus allen anderen Wertpapiertransaktionen in die Zeile 10.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie den Termin verschwitzt, müssen Sie sich in Geduld üben. Die Bank hat die roten Zahlen auf das Jahr 2019 vorgetragen – es geht Ihnen also nichts verloren. Sie können bis zum 13. Dezember 2019 erneut eine Verlustbescheinigung bei der Bank anfordern.

Sparer-Pauschbetrag (Zeilen 12 und 13)

In Zeile 12 geht es um die richtige Gewährung des Sparerpauschbetrages. Als Lediger bleiben Kapitalerträge bis 801 Euro steuerfrei, Ehegatten können 1.602 Euro brutto für netto kassieren. Hier müssen Sie angeben, in welcher Höhe die kontoführende Bank, Fondsgesellschaft oder Bausparkasse den Pauschbetrag bereits bei den über die Anlage KAP deklarierten Erträgen berücksichtigt hat. Haben Sie auf der Anlage KAP nicht alle Erträge aufgeführt – zum Beispiel, weil das Finanzamt nur den Steuerabzug für spezielle Geldanlagen überprüfen soll – müssen Sie in Zeile 13 angeben, in welcher Höhe der Sparerpauschbetrag bereits für die nicht offenbarten Kapitalanlagen aufgezehrt wurde.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie aus Versehen zu hohe Freistellungsaufträge bei mehreren Banken erteilt, sind Sie verpflichtet, den zu niedrigen Steuerabzug über die Steuererklärung für 2018 korrigieren zu lassen. Wegducken geht nicht: Der Fiskus bekommt von den Banken automatisch die steuerfrei belassenen Kapitalerträge mitgeteilt und kann so überprüfen, ob das Freistellungsvolumen mehrfach genutzt wird.

Lesen Sie auch: Freistellungsauftrag – Sparerpauschbetrag optimal nutzen

Kapitalerträge ohne Steuerabzüge (Zeilen 14 bis 19)

In die Zeilen 14 bis 19 tragen Sie Kapitalerträge ein, für die bisher keine Abgeltungsteuer einbehalten wurde. Damit sind vor allem Erträge aus Auslandsdepots- und Konten gemeint (Zeile 15), aber auch Zinsen aus Privatdarlehen und Gewinne aus dem Verkauf einer Lebensversicherung (Zeile 14). Guthabenzinsen aus Riester-Verträgen sind in der Ansparphase steuerfrei, die brauchen Sie gar nicht eintragen.

Sind Ihnen Dividenden und Zinsen in einer ausländischen Währung ausgezahlt worden, müssen Sie diese für die Steuerabrechnung mit dem am Zahlungstag gültigen Wechselkurs in Euro umrechnen. Verschweigen sollten Sie unversteuerte in- und ausländische Kapitalerträge nicht. Der deutsche Fiskus wird mittlerweile automatisch von allen EU-Mitgliedstaaten und vielen Steueroasen über Kapitalerträge heimischer Sparer unterrichtet. Auch von privaten Kreditvergaben erfährt das Finanzamt zum Beispiel durch Betriebsprüfungen bei den Kreditvergabeportalen auxmoney.com oder smava.de.

Hat das Finanzamt Erstattungszinsen gezahlt, gehören diese extra in Zeile 19.

  • Biallo-Tipp: Ein streitbarer Steuerzahler wehrt sich per Verfassungsbeschwerde gegen die Versteuerung (BVerfG Az. 2 BvR 482/14), ebenfalls betroffene Steuerzahler können sich an das Musterverfahren per Einspruch dranhängen.

Lesen Sie auch: Steuerfreie Dividenden – Zu schön, um wahr zu sein?

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Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
11,25
0,45%
2.
10,00
0,40%
3.
8,75
0,35%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Ausnahmen vom Abgeltungsteuertarif (Zeilen 20 bis 40)

Diese Rubrik betrifft vor allem Anteilseigner von Kapitalgesellschaften, die von ihrer GmbH Gewinnausschüttungen oder Darlehenszinsen erhalten haben. Doch sie kann auch dann wichtig sein: Haben Sie im vergangenen Jahr Geld an einen nahen Angehörigen verliehen, der finanziell oder persönlich von Ihnen abhängig ist, müssen Sie erhaltene Zinsen in der Zeile 21 deklarieren. Die Erträge werden dann mit dem – im Zweifel höheren – tariflichen Steuersatz versteuert und nicht mit dem günstigeren Abgeltungsteuertarif. Das hat der BFH mit Urteil vom 28.1.2015 (Az. VIII R 8/14) entschieden.

  • Biallo-Tipp: Umgekehrt wird aber auch ein Schuh draus. Wenn Sie Geld an finanziell unabhängige Angehörige verleihen, bekommen Sie für ihre Habenzinsen den Abgeltungsteuertarif (Zeile 14 der KAP). Und das obwohl Ihr Schuldner mit dem Kredit vielleicht in einen Gewerbebetrieb oder ein Mietshaus investiert hat und seinerseits mit den Schuldzinsen kräftig Steuern spart. Das Sparmodell hat der BFH in gleich drei Urteilen ausdrücklich abgesegnet (BFH, Az. VIII R 9, 35 und 44/13).

Gezahlte Steuern (Zeilen 48 bis 53)

Für die Anrechnung von Steuereinbehalten brauchen Kapitalanleger nur noch die Rückseite der Anlage KAP ausfüllen. Die früher dafür notwendige Anlage AUS wird nur noch für die Anrechnung ausländischer Steuern auf andere Einkünfte benötigt, beispielsweise aus der Vermietung einer Finca.

Steuerabzüge der Depotbank oder Fondgesellschaften gehören in die Zeilen 48 bis 53 der KAP. In den Zeilen 54 bis 56 tragen Sie zum Beispiel als Vermieter Kapitalertragsteuern ein, die Ihnen im Rahmen ihrer Vermietungseinkünfte abgezogen wurden.

  • Biallo-Tipp: Auch Steuern auf die verzinslich angelegte Instandhaltungsrücklage einer Wohneigentümergemeinschaft oder die Kapitalertragsteuern auf Bausparzinsen fallen hierunter, wenn mit dem Vertrag eine vermietete Immobilie finanziert wurde.
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Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
211,10
1,05%
2.
151,08
0,75%
3.
140,49
0,70%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Anlage KAP-BET: Erträge aus Beteiligungen

Das Formular muss erstmals für 2018 ausgefüllt werden, soweit Sie Kapitalerträge aus einer Beteiligung an Investmentclubs, Erben- oder Grundstücksgemeinschaften bezogen haben, für die das Finanzamt für alle Beteiligten eine gesonderte Feststellung der Einkünfte vorgenommen hat.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie gemeinsam mit Ihrem Ehegatten Kapitalerträge erzielt, brauchen Sie die Anlage KAP-BET nicht auszufüllen. Denn in diesem Fall sind die gemeinsam erzielten Einkünfte von jedem Ehegatten auf einer eigenen Anlage KAP einzutragen.

Gemeinschaft (Zeilen 4 und 5)

Tragen Sie die Gemeinschaften ein, an denen Sie im Jahr 2018 beteiligt waren sowie das zuständige Finanzamt und die Steuernummer, unter der diese Beteiligung jeweils steuerlich geführt wird.

Kapitalerträge mit inländischem Steuerabzug (Zeilen 6 bis 11)

Hier gehören die anteiligen inländischen Einkünfte hinein, für die bereits deutsche Abgeltungsteuer einbehalten wurde. Die Eintragungswerte für das Formular übernehmen Sie aus dem Feststellungsbescheid des Finanzamtes für diese Gemeinschaft.

Kapitalerträge ohne inländischen Steuerabzug (Zeilen 12 bis 18)

Das Finanzamt fragt in dieser Rubrik die über die Gemeinschaft erzielten Einkünfte ab, die bisher noch keinem Steuerabzug unterlegen haben. Dazu gehören zum Beispiel Erträge aus Auslandsdepots oder Zinserträge aus Kreditportalen im Internet oder Erträge aus privat vergebenen Darlehen.

Kapitalerträge, die dem tariflichen Steuersatz unterliegen (Zeilen 19 bis 23)

Für manche Erträge verlangt das Finanzamt nicht den niedrigen Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent sondern den - oft deutlich höheren - tariflichen Einkommensteuertarif von bis zu 42 Prozent. Übernehmen Sie auch für diese Rubrik die Eintragungswerte aus dem Feststellungsbescheid des Finanzamtes für die Gemeinschaft, soweit die Einkünfte anteilig auf Sie entfallen.

Steuerabzüge auf abgeltungsteuerpflichtige Kapitalerträge (Zeilen 31 bis 36)

Hat die Gemeinschaft auf gemeinsam erwirtschaftete Kapitalerträge bereits Steuern vorausgezahlt, kommen die anteilig auf Sie entfallenden Beträge in diese Zeilen.

Steuerabzüge auf übrige Einkünfte (Zeilen 37 bis 39)

Haben Sie über Ihre Beteiligung Kapitalerträge erzielt, die der Tarifsteuer unterliegen, kommen vorab bereits bezahlte Steuern in diese Zeilen. Das gilt zum Beispiel für den Steuereinbehalt auf Lebensversicherungserträge, soweit Sie diese über die Gemeinschaft und nicht als Einzelperson erzielt haben. Aber auch Steuerabzüge auf steuerpflichtige andere Einkünfte werden hier eingetragen. So zum Beispiel Abzüge aus einer Erben- oder Grundstücksgemeinschaft, die gemeinsam Immobilien vermietet. Die Mühe lohnt sich, denn überzahlte Steuern zahlt das Finanzamt über den Einkommensteuerbescheid zurück.

Lesen Sie auch: Investmentsteuer – Banken zwacken Voarbpauschale ab

Anlage KAP-INV

Das Formular muss erstmals für 2018 ausgefüllt werden, wenn Sie in dem Jahr Investmenterträge ohne deutschen Steuerabzug erzielt haben, etwa aus Auslandsdepots. Haben beide Ehegatten Investmenterträge aus dem Ausland erzielt, gibt jeder getrennt eine Anlage KAP-INV ab.

Laufende Erträge aus im Ausland verwahrten Investmentfonds (Zeilen 4 bis 8)

Der Fiskus unterscheidet bei den laufenden Erträgen zunächst zwischen Aktienfonds (Zeile 4), Mischfonds (Zeile 5) und Immobilienfonds (Zeilen 6 und 7).

Anleger kassieren einen Teil der Ausschüttungen und Verkaufsgewinne ohne Steuerabzug. Die Höhe dieser sogenannten Teilfreistellungen richtet sich nach dem Fondstyp und variiert zwischen 15 Prozent bei Mischfonds, 30 Prozent bei Aktienfonds, 60 Prozent bei offenen Immobilienfonds und 80 Prozent bei Immobilienfonds, die überwiegend in ausländische Immobilien investieren. Bei Verwahrung der Fondsanteile im Inland hat Ihre Depotbank das bereits berücksichtigt, bevor diese für Sie Steuern einbehält und abführt. Für im Ausland verwahrte Fondsanteile müssen Sie sich die Teilfreistellung über die Eintragung in den Zeilen 4 bis 8 direkt beim Finanzamt holen.

Das seit Anfang 2018 geltende System der Teilfreistellungen ersetzt auch die komplizierte Anrechnung ausländischer Quellensteuern für Fondssparer – damit haben Sie künftig nichts mehr zu tun.

Übernehmen Sie alle geforderten Eintragungswerte aus den Bescheinigungen und Kontoauszügen Ihrer ausländischen Bank. In ausländischer Währung erzielte Einkünfte müssen Sie in Euro umrechnen.

  • Biallo-Tipp: Erträge aus thesaurierenden Fonds werden nach der Investmentsteuerreform künftig mindestens über eine Vorabpauschale versteuert. Für 2018 brauchen Sie diese aber noch nicht einzutragen. Die Vorabpauschale für 2018 ist nach der gesetzlichen Fiktion am 2. Januar 2019 als Ertrag zu erfassen, sie gehört also erst in die nächste Steuererklärung.

Gewinne und Verluste aus dem Verkauf von im Ausland verwahrten Investmentfondsanteilen (Zeilen 9 bis 23 und Zeilen 31 bis 40)

Haben Sie 2018 im Ausland verwahrte Fondsanteile verkauft, müssen Sie zunächst auf der Rückseite der Anlage KAP-INV für jeden einzelnen Investmentfonds über das vorgegebene Berechnungsschema den erzielten Gewinn oder Verlust einzeln ermitteln (Zeilen 31-38). Die dafür notwendigen Verkaufsdaten entnehmen Sie den Abrechnungsbelegen Ihrer ausländischen Depotbank über den Verkauf der Fondsanteile (Zeile 35).

Bei den in Zeile 36 einzutragenden Anschaffungskosten für die Fondsanteile ist zu differenzieren: Haben Sie die Anteile erst 2018 gekauft und wieder verkauft, tragen Sie in Zeile 36 ihre tatsächlichen Anschaffungskosten für die verkauften Anteile ein, so wie sie sich aus den Kaufabrechnungen des Depotanbieters ergeben. Die Kaufspesen und Gebühren zählen dabei mit. Haben Sie allerdings 2018 Anteile verkauft, die Sie vor dem 1. Januar 2018 gekauft haben, müssen Sie die fiktiven Anschaffungskosten zum 1. Januar 2018 eintragen, damit der Fiskus nicht zu viel Steuern kassiert (siehe Beispiel)

Verkaufspesen und Gebühren der Bank für die Abwicklung der Transaktion können über die Zeile 37 steuermindernd geltend gemacht werden.

Das Formular sieht Eintragungsmöglichkeiten für drei Investmentfonds vor. Haben Sie mehr verschiedene Fonds verkauft, füllen Sie einfach die Rückseiten weiterer Anlagen KAP-INV aus. Die ermittelten Verkaufsgewinne und Verluste werden dann zusammengefasst auf der Vorderseite der ersten Anlage KAP-INV in den Zeilen 9 bis 23 eingetragen.

Haben Sie 2018 mehrere verschiedene Fonds verkauft, müssen Sie die ermittelten Gewinne den einzelnen Fondsarten Aktien-, Misch - oder Immobilienfonds zuordnen.

Die so ermittelten Werte übertragen Sie auf die Vorderseite der Anlage KAP-INV in die dafür vorgesehenen Zeilen – je nach Fondsart also in die Zeilen 9 (Aktienfonds), 12 (Mischfonds), 15 (inländische Immobilienfonds) oder 18 (Auslandsimmobilienfonds).

Wichtig: Haben Sie Fondsanteile verkauft, die Sie vor dem 1. Januar 2009– also vor Einführung der Abgeltungsteuer– erworben haben, bleibt die für 2018 realisierte Wertsteigerung bis zu einem Freibetrag von 100.000 Euro steuerfrei (siehe Beispiel). Dafür müssen Sie das in Zeile 38 ausgewiesene Ergebnis zusätzlich in die Zeile 39 übernehmen – und danach wiederum zusammengefasst je nach Fondsart in die Zeilen 10 (Aktienfonds), 13 (Mischfonds) oder 16 bzw. 19 (Immobilienfonds).

Für Fondsanteile, die Sie nach dem 31. Dezember 2008 und vor dem 1. Januar 2018 angeschafft haben, muss über die Anlage KAP-INV 2018 ein Gewinn oder Verlust aus der fiktiven Veräußerung zum 31. Dezember 2017 ermittelt werden.

  • Biallo-Tipp: Ein Berechnungsschema sieht die Anlage KAP-INV dafür leider nicht vor. Sie können die fiktiven Gewinne und Verluste aber anhand der Angaben in den Zeilen 31 bis 38 auf einem gesonderten Blatt ermitteln und den so berechneten Wert in die Zeile 40 eintragen. Allerdings haben Sie ja keinen tatsächlichen Verkaufserlös erzielt, deshalb setzen Sie den fiktiven Verkaufspreis Ihrer Fondsanteile am 31. Dezember 2017 an. Auch hier sieht das Formular zunächst nur für drei Fonds Eintragungsmöglichkeiten vor. Falls das nicht reicht, nehmen Sie einfach weitere Anlagen.

Wie gehabt muss dann das für jeden einzelnen Fonds ermittelte Ergebnis nach Fondstypen (Aktien-, Misch-, oder Immobilienfonds) zusammengefasst und schließlich in die Zeilen 11, 14, 17 oder 20 übertragen werden.

Lesen Sie auch: Quellensteuer im Ausland – So vermeiden Sie eine Doppelbesteuerung

Beispiel für KAP-INV

Anleger A hat im Jahr 2007 über seine Schweizer Depotbank Aktienfondsanteile mit Anschaffungskosten von 10.000 Euro erworben. Diese Anteile hatten am 31. Dezember 2017 einen Wert von 15.000 Euro. Im Oktober 2018 verkauft er den Gesamtbestand und erzielt einen Verkaufspreis von 17.000 Euro.

So wird der Vorgang auf der Anlage KAP-INV eingetragen:

  • Zeile 31: ISIN der Fondsanteile (Übernahme aus der Abrechnung der Bank)
  • Zeile 32: Name des Fonds
  • Zeile 33: Eintragungwert "1" (für Aktienfonds)
  • Zeile 34: Anzahl der verkauften Anteile (aus der Abrechnung der Depotbank)
  • Zeile 35: Verkaufspreis: 17.000 Euro
  • Zeile 36: Anschaffungskosten: 15.000 Euro (fiktiver Wert zum 31.12.2017, da Kauf der Anteile vor dem 1.1.2018)
  • Zeile 37: Verkaufspesen - soweit auf der Verkaufsabrechnung der Depotbank ausgewiesen - hier aus Vereinfachungsgründen 0 Euro
  • Zeile 38: Veräußerungsgewinn: 2.000 Euro (Zeile 35 minus Zeilen 36 und 37)
  • Übertrag auf Zeile 9
  • Zeile 39: zusätzlicher Eintrag des Gewinns aus Zeile 38: 2.000 Euro
  • Übertrag auf Zeile 10

Folge: A hat 2018 bestandsgeschützte Altanteile verkauft, die er vor dem 1.Januar 2009 angeschafft hat. Die Wertsteigerung bis zum 31. Dezember 2017 (5.000 Euro) bleibt komplett steuerfrei. Die weitere in 2018 eingetretene Wertsteigerung von 2.000 Euro bleibt zunächst mit einer Teilfreistellung von 30 Prozent für Aktienfonds steuerfrei (600 Euro). Der übersteigende Betrag von 1.400 Euro bleibt bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 Euro ebenfalls steuerfrei. Die Teilfreistellung sowie der Freibetrag werden vom Finanzamt gewährt. Für weitere Verkäufe von Altbeständen hat Anleger A damit noch 98.600 Euro Freibetragsvolumen.

Tipps für Steuersparfüchse

Miese mit Mittelstandsanleihen

Sparer, die 2018 mit hochverzinslichen Mittelstandsanleihen Geld verloren haben, weil die Firma in die Pleite schlitterte, lässt der Fiskus immer noch im Regen stehen. Die Depotbank darf die Verluste nicht bescheinigen. Die steuerliche Abzugsfähigkeit solcher Substanzverluste hat der Bundesfinanzhof aber bereits mit Urteil vom 24. Oktober 2017 (Az. VIII R 13/15) anerkannt. Der Richterspruch ist auch auf private Darlehensverluste übertragbar. Es ist aber immer noch nicht entschieden, ob der Fiskus die Niederlage vor Gericht akzeptiert. Eintrag: Anlage KAP Zeile 10.

  • Biallo-Tipp: Anleger machen realisierte Verluste konsequent über die KAP geltend. Spielt der Fiskus nicht mit, legen sie Einspruch ein und berufen sich auf den BFH.

Zeitenwende bei Aktienverlusten

Um den Wertverlust einer Aktie steuerwirksam werden zu lassen, muss man das Papier eigentlich verkaufen. Das Bundesfinanzministerium war bislang allerdings der Ansicht, dass ein Verlust nicht steuerwirksam wird, wenn der Verkaufspreis für die Papiere gerade mal die Bankspesen und die anfallende Maklercourtage abdeckt (BMF-Schreiben vom 18. Januar 2016, Bundessteuerblatt 2016 Teil I Seite 85). Derartige Verkaufsverluste wurden von den Banken nicht im Verlusttopf für Aktien eingestellt.

Der BFH hat jedoch mit Urteil vom 12. Juni 2018 (Az. VIII R 32/16) gegen den Fiskus entschieden, dass ein steuerwirksamer Verkauf auch dann vorliegt, wenn die Transaktionskosten nicht abgedeckt sind. Außerdem entschieden die Richter aus München, dass Anleger diese roten Zahlen auch bei fehlender Bankbescheinigung über die Einkommensteuererklärung geltend machen können. Der Fiskus hat die Niederlage eingestanden und lässt jetzt den Abzug von Aktienverlusten zu.

Allerdings müssen die Banken erst ab 2020 derartige Transaktionen auch bescheinigen (BMF-Schreiben vom 10. Mai 2019). Anleger müssen deshalb für die Jahre 2018 und 2019 selbst zusehen, dass sie die Verluste über die Steuererklärung abrechnen. Eintrag: Anlage KAP Zeilen 7, 8 und 11.

  • Biallo-Tipp: Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat mit Urteil vom 12. Dezember 2018 entschieden, dass sogar die ersatzlose Ausbuchung wertlos gewordener Aktien zu einem steuerlich abzugsfähigen Verlust führt. Endgültig entscheiden muss jetzt der BFH, seit dem 20. März 2019 ist ein Revisionsverfahren unter Az. VIII R 5/19 anhängig.

Lesen Sie auch: Wie Anleger Verluste steuerlich geltend machen können

Steuerwirksamer "Knock out"

Sind Sie im vergangenen Jahr mit ihren Knock-out-Zertifikaten auf die Bretter gegangen, können Sie die verlorene Investition jetzt uneingeschränkt mit anderen Kapitalerträgen verrechnen. Das hat der BFH kürzlich entschieden (BFH-Urteil vom 20. November 2018, Az. VIII R 37/15). Ob das auch für Zertifikate gilt, die eine dem Basispreis vorgelagerte Stopp-Loss-Schwelle haben, muss der BFH in einem weiteren anhängigen Revisionsverfahren (Az. VIII R 1/17) noch klären.Eintrag: Anlage KAP Zeilen 7 und 10.

Bonus für Lebensversicherungen

Erträge aus ab 2005 abgeschlossenen Lebensversicherungen sind bei Fälligkeit der Police steuerpflichtig. Den steuerpflichtigen Betrag ermittelt der Versicherer anhand der Formel "Auszahlungen minus geleistete Beiträge". Darauf behält er zunächst 25 Prozent Steuern plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein und erteilt dem Kunden eine Steuerbescheinigung.

Versicherungssparer schulden dem Finanzamt aber viel weniger Steuern, falls die Police einer ermäßigten Besteuerung unterliegt. Sie haben Anspruch auf einen Steuerrabatt, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Der Vertrag muss eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren aufweisen und die Auszahlung darf erst nach dem 60. Geburtstag des Versicherungsnehmers erfolgen. Ist das gegeben, ist nur die Hälfte der Erträge zum individuellen Steuersatz steuerpflichtig.

Anleger müssen in diesem Fall selbst aktiv werden und sich den zu viel bezahlten Anteil zurückholen. Dafür füllen Sie die KAP aus und fügen die Original-Steuerbescheinigung der Versicherungsgesellschaft bei. Eintrag: Anlage KAP Zeile 23.

  • Biallo-Tipp: Geringverdiener mit einem Einkommen unter der Pfändungsfreigrenze von 1.133,80 Euro monatlich berufen sich auf ein Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichtes vom 13. Juni 2017 (Az. 8 K 167/16) und beantragen den kompletten Erlass der einbehaltenen Steuern auf die Police aus "Billigkeitsgründen".
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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de