Stichtag 31. Juli: Last-Minute-Tipps für die Steuererklärung

Recht & Steuern Stichtag 31. Juli: Last-Minute-Tipps für die Steuererklärung

von Michael Schreiber
19.07.2019
Auf einen Blick
  • Stichtag für die Abgabe der Steuererklärung ist seit diesem Jahr der 31. Juli (zuvor: 31. Mai). Wer die Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein anfertigen lässt, hat noch bis Februar 2020 Zeit für die Abgabe.

  • Wer den Stichtag nicht einhalten kann, sollte rechtzeitig beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen. Bei unentschuldigter Fristüberschreitung winken Strafzuschläge.
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Steuerzahler, die für 2018 zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, müssen diese zum 31. Juli 2019 (bisher 31. Mai) beim Finanzamt einreichen. Wer einen Steuerberater beauftragt, hat bis Ende Februar 2020 Zeit. Die zwei Monate Zeitaufschub dieses Jahr haben ihren Preis. Denn Verstöße gegen die Abgabefristen werden von den Finanzämtern künftig automatisch mit Verspätungszuschlägen von mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat geahndet. Einen Ermessenspielraum haben die Beamten künftig nur noch in Erstattungs- oder Nullfällen.

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Wer die Steuererklärung verschwitzt oder auf die lange Bank schiebt, riskiert bares Geld. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erstatten die Finanzämter im Durchschnitt 974 Euro Steuern an Otto-Normalverbraucher zurück – das macht bei einem angenommenen Zeitaufwand von vier Stunden einen Stundenlohn von 243 Euro. Vergleichen Sie das mal mit Ihrer aktuellen Gehaltsabrechnung. Und für viele Steuerzahler ist sogar noch mehr drin – auch wegen neuer steuerzahlerfreundlicher Urteile der Finanzgerichte.

Lesen Sie auch: Steuererklärung – Anleitung zum Ausfüllen

Steuererklärung – Abgabepflicht oder nicht?

Wenn Sie als Arbeitnehmer 2018 nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt waren und keinerlei Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen (Elterngeld & Co.) erhielten, sind Sie zum Ausfüllen der Steuerformulare – samt Mantelbogen und Anlage et cetera – nicht verpflichtet. Doch wenn Sie zum Beispiel Kirchensteuer gezahlt haben, hohe Werbungskosten geltend machen können, nur einige Monate gearbeitet haben oder sich Ihr Familienstand etwa durch Hochzeit verändert hat, lohnt sich die Mühe, die Formulare auszufüllen.

Haben Sie als Arbeitnehmer neben Ihrem üblichen Gehalt noch Nebeneinkünfte oder Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro eingestrichen? Dann haben Sie keine Wahl und müssen die Formulare ausfüllen – per Papier oder über die elektronische Steuererklärung Elster. Gleiches gilt, wenn Sie im vergangenen Jahr mehrere Jobs mit Steuerklasse VI hatten. Oder wenn beide Ehepartner mit der Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor gearbeitet haben. Auch, wenn Sie sich einen Freibetrag auf der elektronischen Lohnsteuerkarte haben eintragen lassen, ist die Steuererklärung verpflichtend.

  • Biallo-Tipp: Bei der Steuererklärung müssen keine Belege mehr eingereicht werden. Nur auf Anforderung der Beamten sollte man sie vorlegen können.
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Online ist Trumpf – Mit Elster geht’s schneller

Sie buchen Reisen online, kaufen online ein – dann sollten Sie nicht zögern, auch die Steuererklärung online zu erledigen. Vorteil: Der Steuerbescheid kommt schneller. Die elektronisch eingereichte Einkommensteuerklärung liegt voll im Trend: Nach Informationen des Digitalverbandes Bitkom gaben im Jahr 2017 bereits 22,1 Millionen Bürger ihre Steuererklärung über Elster online ab. Seit 2012 hat sich die Zahl somit bis dahin fast verdoppelt. Die Finanzverwaltung hält im Internet unter www.elster.de eine kostenlose Steuersoftware für jedermann parat. Sie müssen sich für den Service online registrieren und sich – in der kostenlosen Variante – eine Zertifikatsdatei herunterladen.

Lesen Sie auch: Steueränderungen 2019 – Wie viel Entlastung bringen die Reformen?

Geld sparen mit Werbungskosten

Arbeitnehmer können sämtliche Jobkosten als Werbungskosten über das Steuerformular Anlage N abrechnen. Vorab gewährt das Finanzamt für das gesamte Jahr einen Pauschbetrag von 1.000 Euro. Hat man höhere Kosten, lohnt sich das Ausfüllen des Formulars. Für Arbeitnehmer bringt der tägliche Weg zur Arbeit die meiste Steuerersparnis: Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel rechnen ihre tatsächlichen Fahrtkosten ab. Für alle anderen gibt es die Pendlerpauschale (Zeilen 31-39).

Bei Beschäftigten mit einer Fünf-Tage-Woche akzeptieren die Beamten bis zu 220 Arbeitstage, bei einer Sechs-Tage-Woche bis zu 260 Tage. Für jeden Arbeitstag gibt es 0,30 Euro je Entfernungskilometer. So schaffen Sie bereits bei 220 Arbeitstagen und einem Arbeitsweg von 16 Kilometern leicht den Sprung über den Pauschbetrag. Übrigens dürfen Sie sogar als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft in Ihrer Steuererklärung die Pendlerpauschale ansetzen.

  • Biallo-Tipp: Leiharbeiter können nach einem Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen (Az. 9 K 130/16) die tatsächlich gefahrenen Kilometer abrechnen. Noch nicht abschließend geklärt ist, ob Schichtarbeiter die Pendlerpauschale pro Arbeitstag abrechnen dürfen oder ob das Finanzamt den Betrag halbieren darf. Dazu ist ein Musterprozess vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 42/17).

Für Fachbücher, Büromöbel oder den beruflich genutzten Laptop akzeptieren die Finanzämter ohne Belege 110 Euro pauschal (Zeilen 41/42). Für Kontoführungsgebühren gibt es ohne Nachweis 16 Euro (Zeile 46).

Sind Sie aus beruflichen Gründen umgezogen und hat sich dadurch der tägliche Arbeitsweg um mehr als eine Stunde verkürzt? Dann können Sie als Lediger eine Umzugskostenpauschale von 787 Euro (bei Umzug bis Ende Februar 2018: 764 Euro) abrechnen, Verheiratete tragen den doppelten Betrag ein (Zeilen 45-48). Für Kinder oder andere Familienangehörige gibt es zusätzlich 347 Euro (337 Euro).

  • Biallo-Tipp: Private Umzugskosten gehören als haushaltsnahe Dienstleistung in Zeile 72 des Mantelbogens.

Wer am auswärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung unterhält, kann dafür Kosten bis zu 1.000 Euro monatlich als "doppelte Haushaltsführung" abrechnen (Zeilen 61-87). Darunter fallen Ausgaben für Miete, Einrichtung sowie Familienheimfahrten.

Lesen Sie auch: In Anlage N mit Werbungskosten Steuern sparen

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Sonderausgaben und Co.

Private Ausgaben hat doch jeder – an manchen beteiligt sich sogar das Finanzamt. Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen gehören in den Mantelbogen der Steuerformulare. Die vom Arbeitgeber bescheinigte Kirchensteuer trägt man in Zeile 43 ein. Die vom Fiskus in 2018 zurückerstattete Kirchensteuer übernimmt man aus dem Steuerbescheid für 2017. Auch Spenden und Mitgliedsbeiträge an mildtätige oder gemeinnützige Organisationen oder politische Parteien honoriert der Fiskus mit einer Steuerrückzahlung (Zeile 46-49).

Haben Sie im vergangenen Jahr Ausgaben für Krankheit, Pflege oder Kur, Zahnersatz, Hörgerät oder eine neue Brille aus eigener Tasche getragen, vermerken Sie die Kosten in Zeile 67. Nach Abzug einer Selbstbeteiligung rechnet das Finanzamt im Steuerbescheid automatisch aus, ob Sie darauf eine Steuerrückzahlung erhalten. Menschen mit Behinderung erhalten einen speziellen Steuerfreibetrag, wenn sie die Zeilen 61-64 ausfüllen.

Lesen Sie auch: Steuerabzug durch außergewöhnliche Belastungen

Bares Geld bringen auch Handwerkerrechnungen, Schornsteinfegerkosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen (zum Beispiel Ausgaben für eine Putzfrau, einen Gärtner, Schneeräumdienst, Altenpfleger) in den eigenen vier Wänden (Zeilen 71-73). Bis zu 1.200 Euro Steuerrabatt zahlt das Finanzamt für Arbeitskosten ohne Material zurück, wenn die Rechnungen überwiesen wurden. So kann man das Finanzamt auch am Aus- oder Umbau der eigenen vier Wände oder dem Neubau eines Carports beteiligen.

Beiträge für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung müssen über die Anlage Vorsorgeaufwand geltend gemacht werden. Das bringt meist noch den ein oder anderen Euro Steuererstattung zusätzlich – gerade für Ruheständler, die aufgrund ihrer Rentenbezüge eine Steuererklärung abgeben müssen. Kosten für eine private Haftpflicht- und Lebensversicherung trägt man in die Zeilen 50 und 51 ein. An Sachversicherungen wie Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung beteiligt sich das Finanzamt allerdings nicht.

Lesen Sie auch: Mit der Anlage Vorsorgeaufwand Steuern sparen

Biallo-Lesetipp

Was Sie bei Ihren Angaben gegenüber dem Finanzamt beachten sollten, stellt biallo.de in einer Artikelserie zum Thema Steuererklärung 2018 für Sie zusammen: Weitere aktualisierte Beiträge, rund um Mantelbogen und Anlagen zur Steuererklärung, finden Sie auf unserer Homepage oder in unserem Newsletter. Bisher erschienen sind folgende Artikel unserer aktuellen Steuer-Serie:

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de