Urlaub bei langer Krankheit auszahlen lassen

Arbeitsrecht Urlaub bei langer Krankheit auszahlen lassen

Max Geißler
von Max Geißler
16.05.2019
Auf einen Blick
  • Arbeitnehmer, die lange krank sind und deshalb ihren Urlaub nicht nehmen können, haben ein Recht darauf, dass ihnen dieser ausgezahlt wird.

  • Der Anspruch verfällt erst 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres.

  • Auch wenn Arbeitnehmer während eines Urlaubs erkranken, sind die freien Tage nicht verloren.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf Erholungsurlaub. Verhindert eine Erkrankung, dass sie Urlaub nehmen können, darf dieser nicht einfach verfallen. Das gilt sowohl, wenn ein Arbeitnehmer auf einer Urlaubsreise erkrankt, als auch wenn er über einen langen Zeitraum krankgeschrieben ist und den Urlaub gar nicht erst nehmen kann.

Sie interessieren sich für Themen rund um Recht und Steuern? Dann abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von biallo.de.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Bargeld für nicht genommenen Urlaub

Das Arbeitsgericht Bielefeld verhandelte den Fall eines Mannes, der in den Jahren 2013 und 2014 dauerhaft krank war. Da er während dieser Zeit keinen Urlaub nehmen konnte, forderte er als Ersatz Bargeld von seinem Arbeitgeber. Dieser lehnte die Forderung jedoch ab. Daraufhin zog der Arbeitnehmer vor Gericht. Mit Erfolg. Die Arbeitsrichter verurteilten den Arbeitgeber, dem bis Ende 2014 im Unternehmen beschäftigten Angestellten, rückwirkend insgesamt 5.300 Euro Bruttolohn auszuzahlen. Ist ein Arbeitnehmer durchgehend arbeitsunfähig erkrankt und scheidet dann aus dem Unternehmen aus, habe er Anspruch auf Abgeltung seines Urlaubs in bar, so die Entscheidung der Bielefelder Richter (AG Bielefeld (Az.: 7 Ca 214/14).

Urlaubsanspruch hat lange Bestand

Den Einwand des Arbeitgebers, dass der Urlaubsanspruch aus dem Jahr 2013 bereits verfallen sei, ließ das Gericht nicht gelten. Ansprüche auf Erholungsurlaube verfallen erst 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres, erklärten die Arbeitsrichter. Daher habe der Mann Anspruch auf beide Jahre. Zum Nachweis der Krankschreibung genügten den Richtern die Bescheinigung der Krankenkasse und die Aussage des behandelnden Arztes.

Was gilt bei Krankheit im Urlaub?

Viele Beschäftigte werden im Urlaub krank und fragen sich, was dann mit den freien Arbeitstagen passiert. Auch hier gilt: Die Urlaubstage verfallen nicht, diese können Sie später erneut einfordern. Allerdings müssen Sie dafür einen neuen Urlaubsantrag stellen. Einfach den bestehenden Urlaub verlängern, das geht nicht! Wichtig: Arbeitnehmer müssen die Arbeitsunfähigkeit vom ersten Krankheitstag an durch ein ärztliches Attest belegen.

Denn nur die Tage, die vom Arzt bestätigt werden, können später wieder auf den Jahresurlaub angerechnet werden. Wer im Ausland erkrankt, sollte aufpassen, dass die Krankmeldung auch den hiesigen Anforderungen entspricht.

Wichtig ist, dass das ärztliche Attest nicht nur Ihre Erkrankung dokumentiert, sondern auch explizit auf eine etwaige Arbeitsunfähigkeit eingeht. Auch dürfen Arbeitnehmer ihren Urlaub nicht automatisch um die Tage der Arbeitsunfähigkeit verlängern. Dies käme einer unzulässigen Selbstbeurlaubung gleich, und dies kann zu Abmahnung oder gar Kündigung führen.

Lesen Sie auch: Kreditkarte mit Reiserücktrittsversicherung: Oft günstiger als eine separate Versicherung

3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
9,90%
0,00
2.
 1,90
8,76%
0,00
3.
3,90
10,55%
0,00

Resturlaub bis Ende März des Folgejahres nehmen

Urlaubstage, die wegen Krankheit nicht im alten Jahr genommen werden konnten, müssen bis zum 31. März des Folgejahres in Anspruch genommen werden. Gelingt dies wegen erneuter oder andauernder Krankheit nicht, so verlängert sich die Frist um bis zu zwölf Monate über diesen Stichtag hinaus. Das heißt ganz konkret, dass Ihr Urlaubsanspruch, wenn Sie länger krank sind, auch ohne entsprechende tarifvertragliche Grundlage erst am 31. März des übernächsten Kalenderjahres verfällt, wie das Bundesarbeitsgericht entschied (BAG, Az.: 9 AZR 353/10).

Lese-Tipp

Für viele Arbeitnehmer rangiert neben dem Urlaub die jährliche Steuerabrechnung auf der Liste der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Was Sie bei Ihren Angaben gegenüber dem Finanzamt beachten sollten, stellen wir für Sie in unserer siebenteiligen Steuer-Serie zusammen:

Ihre Meinung ist uns wichtig
Max Geißler
Max Geißler
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de