US-Tech-Giganten erhalten Datenschutz-Negativpreis

Big Brother Award US-Tech-Giganten erhalten Datenschutz-Negativpreis

Caroline Benzel
von Caroline Benzel
23.04.2018
Auf einen Blick
  • Amazon gewinnt den Datenschutz-Negativ-Preis für die Alexa-Sprachsteuerung, Microsoft für Windows 10.

  • In der Kategorie Politik erhält die Schwarz-Grüne-Regierung in Hessen den Negativpreis.
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Der Verein Digitalcourage hat am Freitag den Negativpreis "Big Brother Award" in den Kategorien Arbeitswelt, Marketing & PR, Technik, Verwaltung, Verbraucherschutz und Politik verliehen. Microsoft gewann den Negativpreis in der Kategorie Technik, Amazon in der Kategorie Verbraucherschutz.

Digitalcourage wirft Microsoft vor, mit dem Betriebssystem Windows 10 Diagnose-Daten zu sammeln und zu senden. Das Problem: Auch erfahrene Nutzer können diesen Datenstrom nicht stoppen.

"Was geht es Microsoft an, ob Sie Ihren Computer eher als Schreibmaschine, als Spielzeug, als Fernseher oder für Bildbearbeitung benutzen? Und was macht die Firma mit dieser Information? Wir wissen es nicht", sagte Frank Rosengart vom Chaos Computer Club in seiner Laudatio über Microsoft.

Laut Microsoft komme es dem Unternehmen indes nicht auf die Abschöpfung der Kundendaten an, sondern es nutze die Diagnose-Daten zur Verbesserung der Software.

Sprachdienste am Pranger

Amazons Sprachsteuerung "Alexa" steht ebenfalls in der Kritik, da der Dienst nicht nur gesprochene Sätze aufzeichne, sondern die Aufnahmen auch noch in der Cloud speichere. Somit könnten diese Daten auch Monate später abgespielt werden.

Digitalcourage befürchtet, Alexa-Nutzer könnten Familienmitglieder oder Gäste überwachen. Zudem sei unklar, wer alles auf die Aufnahmen zugreifen könne. Ebenfalls getadelt wurden die Sprachassistenten Apple Siri, Google Assistant, Microsoft Cortana, Samsung Bixby und Nuance.

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Preisträger kritisiert Digitalcourage

Verärgert reagierte der Preisträger in der Kategorie Arbeitswelt auf die Verleihung. Die Soma Analytics UG aus München ist der Auffassung, dass Digitalcourage bei der Verleihung nicht sauber gearbeitet hat. Das Unternehmen sei nicht vorab kontaktiert worden, um die Vorwürfe auf Richtigkeit zu überprüfen.

Die Gesundheits-App von Soma Analytics soll eigenen Angaben zufolge helfen, stressbedingte Erkrankungen zu vermeiden. Digitalcourage befürchtet, dass Arbeitgeber die Daten nutzen könnten, um erkrankte Mitarbeiter loszuwerden.

Digitalcourage hat Journalisten vorab informiert, wer die diesjährigen Preisträger sind. Journalisten sollten jedoch vor der offiziellen Preisverleihung nicht mit den Gewinnern in Kontakt treten.

Betroffene Unternehmen nicht vor der Veröffentlichung einer Kritik oder eines Tests zu kontaktieren, widerspricht allerdings den Regeln für "Gutes Testen", die das Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz 2014 festgelegt hat. Demnach sollten die Anbieter von Produkten vor der Veröffentlichung die Möglichkeit bekommen, Testergebnisse zu kommentieren.

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Grüne in ungewohnter Rolle

Besonders unangenehm dürfte der Preis für die hessischen Grünen sein. Die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/ Die Grünen im hessischen Landtag haben den Award in der Kategorie Politik für das geplante Verfassungsschutzgesetz gewonnen.

"Der schwarz-grüne Gesetzentwurf enthalte eine gefährliche Anhäufung schwerwiegender Überwachungsbefugnisse, mit denen tief in Grundrechte eingriffen werden könne", heißt es in der Begründung von Digitalcourage.

"Mit sogenannten Staatstrojanern sollen 'verdächtige' Computer heimlich infiziert und ausgeforscht werden, Mitarbeiter staatlich geförderter Demokratieprojekte sollen geheimdienstlich überprüft und kriminelle V-Leute erstmals per Gesetz von strafrechtlicher Verfolgung freigestellt werden", so Digitalcourage.

"Das Gesetz ist nicht beschlossen", sagte Jürgen Frömmrich, der innenpolitische Sprecher der hessischen Landtagsfraktion der Allgemeinen Zeitung zur Verleihung des Negativpreises.

Biallo-Lesetipp

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung soll Verbrauchern mehr Information, Transparenz und Datenschutz bringen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: Datenschutz: Was sich für Verbraucher im Mai ändert.

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Biallo-Spezialistin rund um das Thema Mobilfunk. LTE, NFC, UMTS - sie weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für unsere Leser wichtig sind. Nach ihrem Studium der Publizistik hat sie sich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Caroline Benzel arbeitet für Print- und Online-Medien sowie fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de