Verdienen Ihre Kollegen mehr als Sie?

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit Verdienen Ihre Kollegen mehr als Sie?

von Horst Peter Wickel
02.08.2017
Auf einen Blick
  • Nach dem Entgelttransparenzgesetz müssen Unternehmen Mitarbeitern Auskunft geben,wie deren Gehalt errechnet wird. Und wie viel Kollegen mit dem gleichen Job verdienen.

  • Das neue Gesetz gilt für Unternehmen mit mehr als 200 Mitabeitern. Betriebe, die mehr als 500 Menschen beschäftigen, sind angehalten, die Entgelte regelmäßig auf Lohngleichheit zu prüfen.

  • Aus dem Gesetz leitet sich kein Anspruch für Arbeitnehmer auf Lohnanpassung ab. Wer sich benachteiligt sieht, dem bleibt nur der bisherige Klageweg.
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Traditionell gehört es zu den Tabuthemen im betrieblichen Alltag. Über Geld spricht man nicht, selbst den Kolleginnen und Kollegen, die in der gleichen Abteilung arbeiten, werden Sie in der Regel nicht verraten, wieviel Geld sie nach der monatlichen Lohn- oder Gehaltsabrechnung ausgezahlt bekommen.

Arbeitsverträge mit Verschwiegenheitsklauseln sind allerdings selten. Bei üblichen Arbeitsverträgen dürfen Sie sich mit Ihren Kollegen über Lohn- und Gehaltshöhen frei unterhalten.

Doch viele Unternehmen tun sich noch immer schwer mit der Gehaltstransparenz. Personalfachleute sind sich einig, dass Intransparenz beim Gehalt noch immer eine Form des Machterhalts für Vorgesetzte darstellt. Führungskräfte können dann Geld verteilen - und ihre Mitarbeiter nicht einmal darüber informieren, wo sie im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen stehen.

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Neues Gesetz soll für Transparenz

Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode haben sich CDU/CSU und SPD auf das neue "Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen" geeinigt.

Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern einen "individuellen Auskunftsanspruch". Arbeitgeber müssen sie darüber informieren, welche Kriterien und Verfahren bei der Ermittlung des Gehalts herangezogen werden.

Befürworter des Gesetzes halten es für einen Meilenstein für mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem soll die neue Regelung dazu beitragen, die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit zu reduzieren. Kritiker bezeichnen es als weiteres Bürokratiemonster, das viel Geld und Zeit kostet.

Kompliziertes Verfahren

Wenn der Arbeitgeber nach Tarif bezahlt, können Beschäftigte ihre Anfrage zur Gehaltshöhe gleich an den Betriebsrat richten. Wenn keine Tarifbindung oder kein Tarifvertrag besteht, können sie Auskunft von der Personalabteilung verlangen. Grundsätzlich allerdings nur alle zwei Jahre, wenn sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben, zum Beispiel durch einen Wechsel des Arbeitsplatzes im Betrieb.

Auskunft gilt es, in Textform beantragen. Und dabei detailliert angeben, auf welche gleiche oder gleichwertige Arbeit im Betrieb sich die Angabe des Vergleichsentgelts beziehen soll.

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Wenig Aussagekraft

Detaillierte Abgaben können Mitarbeiter allerdings nicht erwarten. So erfährt man nicht, wieviel konkret der Kollege in der Werkstatt oder am Nachbarschreibtisch ausgezahlt bekommt. Der Chef muss lediglich erläutern, wie hoch ein sogenanntes Vergleichsentgelt ist und nach welchen Kriterien es festgelegt wird. Dazu müssen die Personaler des Arbeitgebers ein auf das gesamte Jahr gerechneten Median der durchschnittlichen Bruttomonatsgehälter aller vergleichbaren Kolleginnen und Kollegen vorlegen. Aber was ist schon vergleichbar?

Fachanwälte für Arbeitsrecht sind jedenfalls bereits hellhörig geworden. So empfehlen sie Arbeitgebern, in Zukunft vor allem bei der Formulierung von Stellenbeschreibungen vorsichtig zu sein, denn wenn Stellen mit unterschiedlichen Anforderungen nicht genau beschrieben werden, besteht die Gefahr, dass sie als vergleichbar mit anderen Stellen erscheinen. Christof Kühl und Elena Haft, Rechtsanwälte aus Nürnberg, warnen Arbeitgeber: "Das könnte Forderungen der Mitarbeiter nach sich ziehen, die sich benachteiligt fühlen."

Für die betriebliche Praxis raten sie, ausreichende sachliche Argumente, z.B. Know-how, Zusatzausbildung und Erfahrungen, genau zu dokumentieren, wenn einzelnen Beschäftigten eine höhere Vergütung als vergleichbaren Mitarbeitern des anderen Geschlechts gewährt wird.

Nur Gang zum Arbeitsgericht hilft

Konsequenzen haben die Ansprüche auf Auskunft über das Vergleichsentgelt ohnehin nicht. Das neue Gesetz leitet jedenfalls daraus keinen Anspruch auf eine Lohnanpassung ab. Selbst wenn ein Lohnunterschied zu Mitarbeitern mit einer vergleichbaren Tätigkeit besteht, bleibt wie bisher nur der gerichtliche Weg, um ein höheres Entgelt zu erstreiten.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de