Recht & Steuern

Warum sich die Steuererklärung für Azubis und Studenten lohnen kann

Update: 17.06.2020
Auf einen Blick
  • Das Bundesverfassungsgericht hat letztes Jahr entschieden, dass die Kosten eines Erststudiums auch weiterhin nur eingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden können.

  • Dennoch kann sich die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung für Azubis und Studenten lohnen – besonders beim Zweitstudium.

  • Unterstützen Eltern ihr Kind bei Ausbildung oder Studium, können Sie den sogenannten Ausbildungsfreibetrag geltend machen.

  • Der folgende Ratgeber zeigt, wie Steuervorteile genutzt werden können und welche Kosten überhaupt steuerlich absetzbar sind.
Bildung kostet Geld. Einen Teil davon können sich Azubis, Studenten und deren Eltern von Vater Staat zurückholen.
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Erst der Schulabschluss und danach direkt in die Berufsausbildung oder ins Studium, später noch die notwendige Fortbildung im Beruf. Lebenslanges Lernen ist heute für viele ein notwendiger Bestandteil des Lebens. Der Staat fördert die von Eltern, Kindern und Arbeitnehmern getragenen Bildungskosten mit Steuervorteilen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Hier liegt der Teufel im Detail, denn der Fiskus unterscheidet nach der aktuellen Rechtslage auch weiterhin strikt zwischen Erst- und Zweitausbildung.

Studenten in Erstausbildung

Auf das Urteil hatten Eltern und Studenten seit 2014 gewartet – als der Richterspruch aus Karlsruhe dann im November 2019 endlich kam, war die Enttäuschung vieler Familien groß. Mit Urteil vom 19. November 2019 hat das Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvL 22-27/14) eine seit langem schwelende Rechtsfrage zu Gunsten der Finanzämter entschieden. Aufwendungen für ein Erststudium können auch weiterhin nicht als Werbungskosten abgesetzt werden. Stattdessen mindern sie lediglich als Sonderausgaben das zu versteuernde Einkommen des Kindes, in dem Jahr, in dem sie anfallen.

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Studenten, die gleich nach dem Abitur ein Bachelorstudium beginnen, schauen nach der damit gerichtlich bestätigten Rechtslage steuerlich weiter in die Röhre. Das gilt auch für viele Azubis, die – ohne im Rahmen eines Ausbildungs- oder Dienstverhältnisses eigenes Geld zu verdienen – eine Ausbildung absolvieren und diese aus eigener Tasche bezahlen müssen, zum Beispiel in der Physiotherapie, Altenpflege oder Logopädie. Ihre selbst getragenen Studien- und Ausbildungskosten sind nach dem Willen des Gesetzgebers nur bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Geltend macht man diese Summe durch die freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung. Mit der Steuererklärung für 2019 fragt die Behörde im Formular "Anlage Sonderausgaben" in den Zeilen 13/14 nach Kosten der eigenen Berufsausbildung.

Der Haken: Studenten erzielen normalerweise nur geringe steuerpflichtige Einkünfte und haben – wie jeder andere Steuerzahler auch – von vornherein den Grundfreibetrag von derzeit 9.168 Euro (2019; 2020: 9.408 Euro) steuerfrei zur Verfügung.

Sonderausgaben senken aber nur im Jahr ihres Entstehens die Steuerlast – sie lassen sich nicht wie Werbungskosten in andere Steuerjahre verlagern. Mit anderen Worten: Steuervorteile gibt es für Studenten im Erststudium nur, wenn in jedem Studienjahr aus Nebenjobs und anderen Einkunftsquellen ein ausreichend hohes Einkommen erzielt worden ist, das mit den Ausbildungskosten steuersparend verrechnet werden kann. Einkünfte aus Minijobs zählen dabei nicht mit – sie bleiben bei der Steuererklärung ohnehin außen vor, weil der Arbeitgeber den Lohn pauschal versteuert. Liegen die erzielten Einkünfte unter dem Grundfreibetrag, verpufft der Sonderausgabenabzug nutzlos. Die steuerlich nicht verwerteten Studienkosten dürfen nicht in spätere Jahre vorgetragen werden.

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Das Urteil aus Karlsruhe ist ärgerlich, weil die steuerliche Ungleichbehandlung von Bildungskosten in der Erstausbildung und im Zweitstudium weiter bestehen bleibt. Doch auf den zweiten Blick lassen sich die Folgen des Urteils zumindest in gut situierten Familien mit einer cleveren Gestaltung leicht umgehen. Die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten eines Erststudiums scheitert ja in der Praxis in erste Linie daran, dass Studenten oft nicht über genügend eigenes Einkommen verfügen, um den gesetzlich vorgesehen Sonderausgabenabzug von maximal 6.000 Euro optimal auszuschöpfen. Genau da können Steuersparfüchse gegenhalten.

  • Biallo-Tipp: Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat mit rechtskräftigem Urteil vom 13. Dezember 2016 (Az. 11 K 2951/15) einen besonders cleveren Steuerspartrick von Eltern abgesegnet. Die Mutter war Eigentümerin eines Firmengrundstücks, welches an den Ehemann und Vater für dessen Handwerksbetrieb vermietet war. Zur Finanzierung des Studiums räumte die Mutter ihrer Tochter ein auf fünf Jahre befristetes unentgeltliches Nießbrauchrecht an dem Grundstück ein. In der Folge flossen die Mietzahlungen des Vaters direkt seiner Tochter zu. Diese finanzierte damit ihr Studium, blieb aber durch die Ausnutzung ihres Grundfreibetrages (2019: 9.168 Euro) sowie die Abziehbarkeit ihrer Studienkosten (als Sonderausgaben: 6.000 Euro) steuerlich unbehelligt. Der Vater konnte die Mietzahlungen im Gegenzug weiterhin als Betriebsausgaben der Firma steuerlich absetzen – die Mutter hatte keine Mieteinnahmen zu versteuern. Unterm Strich ein klarer Punktsieg für die Familie.

Das rechtlich einwandfreie Gestaltungsmodell funktioniert auch mit Mietwohnungen und Mietshäusern oder der befristeten Übertragung eines Wertpapierdepots. Wegen der rechtlichen Details sollten Eltern allerdings vor Abschluss der vertraglichen Regelungen einen versierten Steuerberater konsultieren.

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Azubis, Duales Studium, Promotion und Master-Studium

Steuerlich besser gestellt sind Studenten und Azubis, bei denen die Ausbildung oder das Studium ausdrücklich Gegenstand des abgeschlossenen Arbeitsvertrages ist oder die ein Zweitstudium oder eine zweite Ausbildung absolvieren. Da sie bereits einen regulären Ausbildungsgang abgeschlossen haben oder steuerpflichtige Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit erzielen, sind im Gegenzug alle Bildungsausgaben ohne Wenn und Aber als Werbungskosten abzugsfähig. Kostenerstattungen des Arbeitgebers mindern aber die abzugsfähigen Werbungskosten. Gelder aus steuerfreien Stipendien werden bis zu 30 Prozent gegengerechnet.

Von dieser Regelung profitieren neben normalen Lehrlingen zum Beispiel auch Beamtenanwärter, Referendare und Zeitsoldaten, die bei vollen Bezügen an der Hochschule der Bundeswehr ein Studium absolvieren, sowie Lehrlinge, denen der Ausbildungsbetrieb ein duales Studium an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie ermöglicht. Auch Studierende im Erststudium nach abgeschlossener Berufsausbildung und Studis im Zweitstudium haben diesen steuerlichen Vorteil. Selbst Doktoranden, die sich arbeitsvertraglich zu einer Promotion verpflichtet haben, bekommen den akademischen Titel nach dieser Regelung vom Fiskus gesponsert.

  • Biallo-Tipp: Damit das Finanzamt ein Studium als Zweitausbildung akzeptiert, muss die davor absolvierte Erstausbildung einen zeitlichen Mindestumfang von zwölf Monaten und durchschnittlich 20 Stunden wöchentlich umfasst haben und mit einer Prüfung abgeschlossen worden sein. Kürzere Lernzeiten wertet das Finanzamt seit 2015 nur noch als berufsvorbereitende Maßnahmen. Anders als früher akzeptieren die Finanzämter nicht mehr den Trick, etwa nach dem Erwerb des Taxiführerscheins, einer Ausbildung zum Rettungssanitäter oder Flugbegleiter oder nach der Grundausbildung bei der Bundeswehr ein Studium aufzunehmen.

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Vergleichendes Beispiel: Jan nimmt gleich nach dem Abitur ein Studium auf, Hannah hingegen macht erst eine Ausbildung zur Krankenschwester und beginnt danach ein Medizinstudium. Im Jahr 2019 entstehen Jan und Hannah Studienkosten von jeweils 10.000 Euro. Beide studieren in Vollzeit und haben deshalb in diesem Jahr keine steuerpflichtigen Einkünfte.

2019 Jan (Studium=Erstausbildung) Hannah (Studium=Zweitausbildung)
Brutto-Einnahmen 0 € 0 €
- Werbungskosten
- - 10.000 €
Gesamtbetrag der Einkünfte 0 € - 10.000 €
- Sonderausgaben
- 6.000 € -
Zu versteuerndes Einkommen 0 € - 10.000 €
Einkommensteuer 2019 0 € 0 €
Verlustvortrag 2020 0 € 10.000 €

Jan kann seine Studienkosten nur begrenzt auf einen Höchstbetrag von 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzen. Diese wirken sich steuerlich aber nicht aus. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus 2019 ist das sogar rechtens. Hannah kann dagegen ihre Studienkosten voll als Werbungskosten absetzen und in künftige Jahre verschieben.

Im Jahr 2020 erzielen beide jeweils als Werkstudent oder im Nebenjob Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit von 25.000 Euro.

2020 Jan (Studium=Erstausbildung) Hannah (Studium=Zweitausbildung)
Brutto-Einnahmen 25.000 € 25.000 €
- Werbungskosten
- 1.000 € (Pauschbetrag) - 10.000 €
Gesamtbetrag der Einkünfte 24.000 € 15.000 €
- Sonderausgaben
- 6.000 € - 36 € (Pauschbetrag)
- Verlustabzug aus Altjahren (hier: 2019)
- - 10.000 €
Zu versteuerndes Einkommen 18.000 € 4.964 €
Einkommensteuer 2020 1.829 € 0 €
Solidaritätszuschlag 2020 100,59 € 0 €

Hannah spart also im Jahr 2020 im Vergleich zu Jan über 1.930 Euro Steuern, weil das Finanzamt ihr Studium als Zweitausbildung anerkennt und deshalb die Kosten seit 2019 als Werbungskosten steuerlich absetzbar sind.

Diese Kosten können Azubis und Studenten absetzen

Allgemein gilt: Studierende und Azubis können alle mit ihrer Ausbildung verbundenen Kosten steuerlich geltend machen.

Biallo-Tipp: Sammeln sie alle Quittungen und Belege über Studienausgaben und bewahren sie alles auf, bis das Finanzamt im Steuerbescheid alle Ausgaben akzeptiert hat. Seit 2017 muss man die Belege zwar nicht mehr mit der Steuererklärung einreichen – diese müssen aber vorgehalten werden und auf Verlangen der Beamten eingereicht werden.

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  • Mietkosten und Maklergebühren für die Anmietung einer Studentenbude oder eines Platzes im Studentenwohnheim.

    Biallo-Tipp
    : Wohnraum in Universitätsstädten ist knapp und teuer. Oft akzeptieren Vermieter Studenten ohne Einkommen nicht als Mieter, sondern wollen mit den Eltern einen Mietvertrag abschließen. Dann gibt es aber Probleme mit dem Steuerabzug der Mietaufwendungen, weil das Kind keine eigenen Aufwendungen hatte. Clevere verhandeln mit dem Vermieter, dass das Kind anmietet und die Eltern für die Mietzahlung bürgen.

    Wer noch bei den Eltern wohnt, kann sein WG-Zimmer am Studienort unter bestimmten Bedingungen auch als Zweitwohnsitz steuerlich abrechnen. Der Ausbildungsort darf dazu nicht "Lebensmittelpunkt sein" und man muss am Erstwohnsitz mindestens zehn Prozent der Kosten (Miete, Nebenkosten, Lebensmittel) selbst bezahlt haben. Ein kostenloses Zimmer im Haus der Eltern ohne eigenen Kostenbeitrag funktioniert also nicht. Erkennt das Finanzamt die "doppelte Haushaltsführung" an, gibt es pro Monat bis zu 1.000 Euro Werbungskosten (Anlage N Seite 3). Dabei zählen Posten wie Miete am Ausbildungsort, Familienheimfahrten und für die ersten drei Monate Verpflegungspauschalen. Sie betragen bei mehr als acht Stunden Abwesenheit am Tag zwölf Euro und bei 24 Stunden Abwesenheit 24,00 Euro. Die Kosten für Einrichtungsgegenstände und Hausrat zur Ausstattung des Zweitwohnsitzes gibt es nach einem aktuellen Urteil des BFH vom 4. April 2019 (Az. VI R 18/17) obendrauf – sie sind nicht mit dem Höchstbetrag von 1.000 Euro abgegolten.

  • Ausbildungs-, Studien-, Prüfungs- und Zulassungsgebühren sowie Kosten für Nachhilfeunterricht, Kurse, Lehrgänge und Repetitorien, Gebühren für die Nutzung von Bibliotheken und Datenbanken (Anlage N Zeilen 46 bis 48), Ausgaben für Telefon und Internet sowie Portokosten für Briefe an die Hochschule (zum Beispiel bei einem Fernstudium – Anlage N Zeilen 46 bis 48), Lernmittel wie Fachbücher, Büromaterial, Lernsoftware, notwendige Kleidung wie ein Laborkittel, Kopier- und Bindekosten (Anlage N Zeilen 42 bis 43), Kosten für ein Arbeitszimmer (Anlage N Zeile 44) und Büromöbel wie ein Schreibtisch, Regale oder Bürostuhl sowie Ausgaben für Laptop, Drucker, Scanner, Taschenrechner oder Tablet (Anlage N Zeilen 42 bis 43).

    Biallo-Tipp
    : Sind die einzelnen Gegenstände teurer als 487,90 Euro (bis 2017) oder 952,00 Euro (ab 2018) gewesen, kann man die Kosten nur über mehrere Jahre verteilt geltend machen. Laptops zum Beispiel über drei Jahre, Büromöbel über 13 Jahre.

  • Rechtsanwaltskosten und Gerichtsgebühren im Zusammenhang mit der Vergabe eines Studienplatzes (Anlage N Zeilen 46 bis 48), Reise- Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Teilnahme an Kongressen, Tagungen, Sprach- und Studienreisen, sofern sie integraler Bestandteil des Studiums sind (Anlage N Zeilen 49 bis 57), Zinsen und Gebühren für Bildungsdarlehen (zum Beispiel BAföG oder KfW-Studienkredite – Anlage N Zeilen 46 bis 48). Die Tilgungsraten zählen allerdings nicht mit.

    Biallo-Tipp
    : Schließen sie den Kreditvertag selbst ab, wenn sie die Kosten steuerlich absetzen wollen. Verwandte dürfen Ihnen das Geld dafür zur Verfügung stellen.

  • Fahrtkosten zur Bildungseinrichtung zählen ebenfalls mit (Anlage N Zeilen 31 bis 39). Bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln werden die Ticketkosten akzeptiert. Einschränkungen gibt es aber bei Pkw-Nutzung. Bei einem normalen Vollzeitstudium wird wie bei normalen Arbeitnehmern nur die Pendlerpauschale gerechnet – es zählt nur die einfache Entfernung zwischen Wohn- und Studienort mit 0,30 Euro täglich für jeden Entfernungskilometer.
    Fahrten zu auswärtigen Studienveranstaltungen wie Repetitorien, privaten Arbeits- und Lerngemeinschaften zählen dagegen bei Benutzung eines Pkw mit 0,30 Euro für jeden gefahrenen Kilometer (Anlage N Zeilen 49 bis 57).

    Biallo-Tipp
    : Um später nachweisen zu können, dass man diese Veranstaltungen auch besucht hat, bewahrt man Mails, Einladungen und Seminarunterlagen mindestens so lange auf, bis die Bildungsmaßnahme steuerlich abgerechnet wurde.

  • Auslandssemester: In einem vom Bund der Steuerzahler angestrengten Musterprozess muss der Bundesfinanzhof noch entscheiden, ob Studenten auch die Kosten eines Auslandssemesters steuerlich geltend machen können. In dem anhängigen Streitfall studierte die Klägerin im Fach International Business an der Fachhochschule Dortmund. Die Studienordnung schreibt zwei Auslandsemester vor, die sie in London und Dublin absolvierte. Der Fiskus will die Kosten für diese Auslandsstudien aber bisher nicht akzeptieren.

    Biallo-Tipp
    : Betroffene Studenten machen sämtliche Kosten ihres Auslandsaufenthaltes als Werbungskosten geltend und legen nach einer ablehnenden Entscheidung des Finanzamtes Einspruch ein und beantragen ein "Ruhen des Verfahrens" unter Berufung auf das unter dem Az. VI R 3/18 anhängige Revisionsverfahren.

  • Meisterprämie: In manchen Bundesländern (zum Beispiel Niedersachsen und Bayern) können Absolventinnen und Absolventen mit einem Meisterabschluss im Handwerk nach erfolgreich abgelegter Meisterprüfung eine Prämie von einmalig 4.000 Euro (Niedersachsen) beantragen. Diese Prämie kann steuerfrei einkassiert werden – sie mindert auch nicht die für den Besuch der Meisterschule aufgewendeten und steuerlich abzugsfähigen Kosten.

  • Stipendium: Werden die Studienkosten über ein steuerfreies Stipendium finanziert, darf das Finanzamt die abziehbaren Kosten kürzen – allerdings nicht in voller Höhe sondern nur um maximal 30 Prozent der erhaltenen Stipendiumsgelder. Das hat ein Stipendiat erfolgreich vor dem Finanzgericht Köln erstritten (rechtskräftiges Urteil vom 15. November 2018 – Az 1 K 1246/16).

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Wie kommt man konkret an die Steuerrückzahlung?

Azubis und Studenten im Zweitstudium (auch Master, Duales Studium, Promotion) setzen sämtliche Ausbildungskosten als Werbungskosten ab – auch für Jahre, in denen gar keine steuerpflichtigen Einkünfte erzielt worden sind. Der Clou: Wirken sich die Kosten im Studienjahr nicht aus, überträgt der Fiskus diese ohne weiteres in künftige Steuerjahre. So bringen die Studienkosten auch Jahre später noch einen Steuervorteil, wenn man das erste Geld verdient.

  • Biallo-Tipp: Dazu muss man freiwillig eine Steuererklärung abgeben. Im Hauptvordruck 2019 wird dazu ganz oben auf Seite 1 in Zeile 2 statt "Einkommensteuererklärung" zunächst das Feld "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs" angekreuzt. Dazu füllt man die Rückseite der Anlage N aus und macht sämtliche Studienkosten als Werbungskosten geltend. Die notwendigen Formulare gibt es beim örtlichen Finanzamt oder im Internet auch direkt zum Download. Eine Online-Abgabe ist auch über das Elsterportal möglich.

Die Verlustfeststellung geht auch rückwirkend für alte Jahre. Es gilt allerdings eine strikte Verjährungsfrist von sieben Jahren. Die Erklärung für das Jahr 2013 muss also spätestens am 31. Dezember 2020 beim Finanzamt im Briefkasten liegen, wenn das Amt die Studienkosten als Verluste feststellen soll.

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Das können Eltern mit Kindern in Ausbildung absetzen

Die meisten Studenten und Azubis kommen in der Ausbildung nicht ohne die finanzielle Hilfe ihrer Eltern über die Runden. Vater Staat gewährt deshalb auch Eltern mit Kindern in Ausbildung zahlreiche Steuervergünstigungen. Die von den Eltern getragenen Studienkosten ihrer Kinder können allerdings nicht direkt von der Steuer abgezogen werden.

Solange das in Erstausbildung befindliche Kind das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, gibt es uneingeschränkt Kindergeld oder alternativ über die Steuererklärung Kinderfreibeträge. Neben dem direkten Kinderfreibetrag (2019: 2.490 Euro; 2020: 2.586 Euro) gibt es einen besonderen Ausbildungsfreibetrag von 1.320 Euro pro Elternteil und Kind.

Die Freibeträge lassen sich unter Umständen auf Großeltern übertragen, wenn diese den Enkeln finanzielle Unterstützung in der Ausbildung leisten. Das Finanzamt prüft im Rahmen der Steuererklärung automatisch, ob Kindergeld oder die Steuerfreibeträge eine höhere Steuerersparnis bringen.

Faustregel
: Bei einem vergleichsweise hohen Jahreseinkommen der Eltern von 50.000 Euro und mehr zahlen sich die Steuerfreibeträge aus – bei niedrigerem Einkommen ist meist das Kindergeld günstiger. Bei der Berechnung des Solidaritätszuschlages und der Kirchensteuer werden aber generell nur die Kinderfreibeträge berücksichtigt. Die Berechnung dieser Zusatzabgaben nimmt das Finanzamt automatisch im Steuerbescheid vor. Übernehmen die Eltern auch noch Zahlungen für eine Basiskrankenversicherung des Kindes, sind diese Beiträge bei ihrer Steuerabrechnung uneingeschränkt absetzbar (Zeilen 31 bis 42 Anlage Kind).

  • Biallo-Tipp: Um diesen Vorteil optimal auszuschöpfen, muss im Rahmen der Steuererklärung für jedes Kind die Anlage KIND vollständig ausgefüllt werden. Mit dem Kindergeld oder den Kinderfreibeträgen sind von den Eltern getragene Kosten für Schulbücher, Klassenfahrten und Pausenverpflegung abgegolten – diese können nicht zusätzlich steuerlich abgezogen werden. Ausnahmen gelten für Nachhilfeunterricht, wenn das Kind eine Lese- oder Rechtschreibschwäche hat. Dann können die Kosten für Nachhilfestunden als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend gemacht werden (Zeile 18 der Anlage Außergewöhnliche Belastungen).

Eine Falle lauert für junge Leute unter 25, die nach dem Abschluss eines Erststudiums oder einer Ausbildung weiterlernen und zugleich Vollzeit arbeiten. In diesem Fall zahlt Vater Staat den Eltern kein Kindergeld mehr, wenn der Hauptjob bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden im Vordergrund steht. Das hat der BFH gerade erst in zwei Urteilen vom 20. Februar und 21. März 2019 bestätigt (Az. III R 17/18 und III R 42/18).

  • Biallo-Tipp: Der Kindergeldanspruch im Aufbaustudium bleibt erhalten, wenn man nur in den Semesterferien Vollzeit arbeitet oder ansonsten strikt unter der 20-Stunden-Grenze bleibt.

Bekommt man kein Kindergeld mehr für das weiterhin studierende Kind, sind die dennoch getragenen Kosten einer Basis-Kranken- und Pflegeversicherung über die Anlage Vorsorgeaufwand (Zeilen 40 bis 44) steuerlich absetzbar.

Zieht die Familie aus beruflichen Gründen um und muss der Nachwuchs deshalb Nachhilfestunden nehmen, um den Anschluss in der neuen Schule nicht zu verlieren, können Eltern die notwendigen Kosten als berufsbedingte Werbungskosten steuerlich geltend machen (Zeilen 46 bis 48 / Anlage N). Das Finanzamt akzeptiert bei Umzügen bis März 2019 bis zu 1.984 Euro, ab April 2019 bis zu 2.045 Euro. Als Werbungskosten absetzbar sind tatsächlich gezahlte Nachhilfekosten bis zur Hälfte der genannten Höchstbeträge in voller Höhe, darüber hinaus zu 75 Prozent bis der höchstmögliche Abzug ausgeschöpft ist.

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Eigenes Vermögen oder Einkünfte des Kindes spielen seit 2012 grundsätzlich keine Rolle mehr, um für eine Erstausbildung oder ein Studium die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Nach Aufnahme einer weiteren Berufsausbildung oder eines Zweitstudiums gilt das jedoch nicht mehr uneingeschränkt. Kindergeld und Freibeträge gibt es für Eltern zwar weiter. Das Kind darf aber nicht mehr unbegrenzt nebenher arbeiten. Eine Erwerbstätigkeit mit bis zu 20 Stunden regelmäßiger wöchentlicher Arbeitszeit, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein Minijob sind allerdings unschädlich.

  • Biallo-Tipp: Oft gibt es bei mehrstufigen Ausbildungsgängen Streit mit den Behörden um den Kindergeldanspruch, weil nicht ganz klar ist, wann die Erstausbildung abgeschlossen wurde und ein zweiter Studiengang begonnen hat. Betroffene Eltern können sich auf Schützenhilfe des Bundesfinanzhofs berufen. Denn der hat bereits mit Urteil vom 3. September 2015 (Az. VI R 9/15) entschieden, dass mehraktige Ausbildungen, konsekutive Master-Studiengänge und studienintegrierte Ausbildungen bis zum angestrebten Berufsziel als Teil der Erstausbildung anzusehen sind. Das gilt für den Masterstudiengang vor allem dann, wenn dieser zeitlich und unmittelbar auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist. Wird ein Studium dagegen erst Jahre später oder in einem anderem Fachgebiet fortgesetzt, gilt dies nicht mehr als Teil der Erstausbildung sondern als Zweitstudium.

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Für auswärts studierende Kinder spendiert das Finanzamt einen Extrapauschbetrag von 924 Euro (Zeilen 61-64 Anlage KIND). Der Nachweis tatsächlich entstandener Ausgaben ist hier nicht notwendig. Die Behörde kürzt den Freibetrag aber zeitanteilig, wenn die Voraussetzungen für seine Gewährung nicht in allen Kalendermonaten des Jahres vorgelegen haben.

Schulgeld für Privatschulen und Internate können Eltern bis zu einem Maximalbetrag von 5.000 Euro (30 Prozent der Kosten ohne Unterbringung und Verpflegung) als Sonderausgaben absetzen. Dazu müssen die Zeilen 65-67 der Anlage Kind ausgefüllt werden.

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Unterstützen Eltern ihre in Ausbildung befindlichen Kinder, für die weder sie noch andere Anspruch auf Kindergeld haben, können sie die Aufwendungen ohne weiteren Nachweis als außergewöhnliche Belastungen bis zur Höhe von 9.168 Euro (2019) steuerlich abrechnen (Anlage "Unterhalt"). Anders als beim Ausbildungsfreibetrag führen allerdings alle Einkünfte und Bezüge des Kindes oberhalb des Freibetrages von 624 Euro jährlich dazu, dass der Steuervorteil abgeschmolzen wird.

  • Biallo-Tipp: Vor dem Bundesfinanzhof ist ein Revisionsverfahren (Az. VI R 43/17) anhängig, in dem die Richter klären müssen, ob das Finanzamt den Unterhaltshöchstbetrag um die Hälfte kürzen darf, wenn das unterstützte Kind mit seinem Lebensgefährten in einer eigenen Haushaltsgemeinschaft zusammenlebt. Betroffene Eltern legen gegen ablehnende Steuerbescheide Einspruch ein und warten den Ausgang des Musterprozesses in Ruhe ab.

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