Was tun bei Reisemängeln?

Urlaub Was tun bei Reisemängeln?

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
17.06.2017
Auf einen Blick
  • Der heißersehnte Urlaub kann sich schnell zum Reinfall entpuppen.

  • Verlangen Sie bei Hotelmängeln oder Flugverspätungen Ihr Geld zurück.
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Bald machen sich wieder viele junge Menschen auf den Weg in die Feierhochburgen Südeuropas. Ruhe steht dann meist nicht auf dem Programm. Wer dagegen Erholung sucht und eine entsprechend geräuscharme Wohnlage wünscht, sollte die Hotelbeschreibung genau studieren. Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt vor der „Katalogsprache einiger Reiseveranstalter“.

So seien die Begriffe "belebt" oder "aufstrebend" Hinweise auf eine laute Umgebung. Wenn also von einer belebten Lage die Rede sei, gebe es nicht selten Diskotheken und Bars in der Nachbarschaft. Das Wort „aufstrebend“ könnte darauf hinweisen, dass im Umfeld einige Großbaustellen zu finden sind. Hat der Reiseveranstalter das vorher entsprechend ausgewiesen, ist eine Reklamation oft erfolglos. Ganz anders ist es, wenn das Hotel als ruhig beworben wurde, das aber nicht zutrifft. Urlauber sind gut beraten, den Urlaubskatalog aufzubewahren.

Wie gehen Verbraucher gegen einen verkorksten Urlaub vor?

"Ist im Rahmen der Urlaubsreise ein Mangel vorhanden, sollten Touristen diesen möglichst schnell bei der örtlichen Reiseleitung anzeigen", sagt Gollner. Dem Veranstalter muss die Möglichkeit eingeräumt werden, das Problem zu lösen. Ansonsten entfällt das Recht auf spätere Preisminderung.

Wenn das am Urlaubsort nicht möglich ist, sollten Reisende das unmittelbar nach ihrer Ankunft per Fax oder Einschreiben mit Rückschein erledigen. Die Ansprüche müssen nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg jedoch spätestens einen Monat nach der geplanten Rückkehr beim Veranstalter eingegangen sein.

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Wie viel kann man einfordern?

"Zur Ermittlung der Schadensansprüche dient die ADAC-Liste der Reiseurteile", rät Gollner. Einblicke in diese Auflistung gewährt der Automobilclub auf seiner Internetseite. Aber auch die Angaben in der sogenannten Frankfurter Tabelle seien ein Maßstab. Die Tabelle wird vom Frankfurter Landgericht herausgegeben, da hier besonders viele Reisestreitigkeiten verhandelt werden. Sie dient der Abschätzung von Preisminderungen. Aussichten auf Erfolg hat aber nur, wer Mängel detailliert dokumentieren kann. Grundsätzlich hilfreich sind Fotos und Zeugen.

Was gilt bei Flugverspätungen?

Auch verspätete Flüge können Reisende reklamieren. Sie können dann bis zu 600 Euro erhalten. Dem liegt die Fluggastordnung zugrunde. Die Höhe einer Ausgleichszahlung richtet sich nach Verspätung und Flugstrecke. Versorgungsleistungen wie Essen, Getränke. Bei Strecken über 3500 Kilometer mit Start oder Ziel außerhalb der EU beträgt die Ausgleichsleistung 600 Euro, wenn die Maschine mindestens vier Stunden zu spät abhebt und keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen. Der europäische Gerichtshof hat übrigens entschieden, dass technische Probleme am Flugzeug, die trotz regelmäßiger Wartung entstehen, nicht als außergewöhnliche Umstände gelten (Az. C-257/14).

Anspruch auf Verpflegung

Die Fluggesellschaft muss Sie unter bestimmten Voraussetzung auch verpflegen. Das gilt in diesen Fällen:

  • Mindestens zwei Stunden Verspätung ab einer Flugstrecke von 1.500 Kilometer.
  • Drei oder mehr Stunden Verspätung bei einem Flug in der EU über 1.500 Kilometer oder einem Flug über die EU-Grenze hinaus mit 1.500 bis 3.500 Kilometern Strecke.
  • Bei einer Flugstrecke von mehr als 3.500 Kilometern über die EU-Grenze hinaus, wenn sich der Abflug um Minium vier Stunden verspätetet.  

Was tun, wenn sich die Fluggesellschaft weigert?

Dann gibt es im Wesentlichen zwei Anlaufstellen: Abgewiesene Passagiere können sich kostenlos an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Dort prüfen Juristen den Fall und geben schließlich beiden Parteien eine Empfehlung, die aber nicht bindend ist. In den allermeisten Fällen kann auf diesem Weg eine für beiden Seiten akzeptable Lösung erzielt werden.

Möglichkeit zwei: Sie gehen direkt zu einem Anwaltsbüro, das sich auf Fluggastrecht spezialisiert hat. Der Druck von Rechtsexperten kann durchaus zu einem schnellen Einlenken der Airlines führen. Bei Erfolg bekommt der Online-Anwalt dann einen Prozentsatz der Erstattung, bis zu 30 Prozent sind üblich. Wichtig: Ein seriöser Anbieter verlangt nur im Erfolgsfall etwas.

Lese-Tipp: Auch Pflegebedürftige und Pflegende können Urlaub machen.

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MangelMinderungAktenzeichen
Änderung der Flugzeiten, des Flughafens und Verringerung der Reisedauer um einen Tag100 % des TagesreisepreisesAG Hannover, Az. 426 C 9598/11, BeckRS 2012, 23177
Nicht zur Verfügung stehendes Gepäck50 % pro UrlaubstagLG Frankfurt a.M., Az: 2-24 S 44/06, RRa 2007, 269
Hotel in einem unfertigen baulichen Zustand; Baulärm von 7.00 – 18.00 Uhr50 % des ReisepreisesLG Frankfurt, Az: 2-24 S 61/10, RRa 2011, 64
Ersatzunterkunft ohne Badestrand trotz Buchung60 % des ReisepreisesOLG Frankfurt a.M., Az: 16 U 118/97, NJW-RR 1999, 202
Quelle: ADAC, Juristische Zentrale, München

Biallo-Tipp

Musteranschreiben finden sich im Internet, etwa bei flugrechner.com. Sollte die Fluggesellschaft nicht zahlen wollen, kann man sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden oder einen Online-Fachanwalt einschalten.

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Thomas Brummer
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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de