Zehntausende deutsche Kunden betroffen

Schweizer Banken tricksen bei Provisionen Zehntausende deutsche Kunden betroffen

Horst Biallo
von Horst Biallo
18.02.2017
Auf einen Blick
  • Schweizer Banken haben zu Unrecht hohe Vertriebsvergütungen kassiert.
  • Auch deutsche Anleger haben Anspruch auf Erstattung.
  • Geldhäuser ziehen alle Register, um Betroffene abzuwimmeln.
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Die Rechtslage ist eindeutig: Schweizer Banken haben über Jahre hinweg hohe Vertriebsprovisionen (Retrozessionen) eingestrichen, die eigentlich den Anlegern zustehen. Das hat das Schweizer Bundesgericht bereits im Oktober 2012 in letzter Instanz klargestellt. Doch ehemalige und aktuelle Kunden, die nun eine Erstattung der sogenannten Retrozessionen beantragen, müssen mit heftigem Widerstand rechnen. Und viele Deutsche, die - legal oder illegal - Geld in der Schweiz gebunkert haben, kennen dieses Urteil gar nicht und lassen viel Geld einfach liegen.  

"Seit einigen Monaten zeigt sich immer deutlicher, dass Banken sämtliche Register ziehen, um Ansprüche ins Leere laufen zu lassen", sagt Herbert Notz, Geschäftsführer der De Iure AG in Zürich. Der Bayer betreut allein über 100 Deutsche, deren Banken beim Kauf von Fonds, Zertifikaten und sonstigen Wertpapieren hohe Rückvergütungen von Emittenten der jeweiligen Produkte erhalten und entgegen der Rechtsprechung, nicht an die Kunden weitergeleitet haben.   

Es geht um sehr viel Geld  

Die Erstattungsansprüche betragen meist 0,5 bis 0,75 Prozent des Depotwerts pro Jahr. Bereits bei 500.000 Euro und fünfjähriger Kundenbeziehung geht es im Schnitt um Ansprüche zwischen 12.500 und 18.750 Euro. "Wie hoch die Ansprüche im Einzelfall sind, hängt vor allem davon ab, welche Anlageprodukte die Bank vermittelt hat. Bei ehemaligen Schwarzgeldkunden wurden mit Vorliebe seitens der Banken Produkte gekauft, die möglichst hohe Provisionen beinhalten. Somit geht es in der Regel um hohe fünf-, in Einzelfällen sogar sechsstellige Beträge“, sagt Notz.     

Das Problem: Die Schweizer Banken reagieren meist nicht auf Erstattungsanträge und schicken erst auf - zum Teil mehrfache - Nachfrage eine Standardantwort. Darin behaupten sie oft, sie hätten gar keine Vertriebsprovisionen (Retros) erhalten oder könnten deren Höhe nicht mehr ermitteln. Zudem wird gerne argumentiert, dass kein Vermögensverwaltungsmandat vorlag und die Ansprüche bereits verjährt sind. 

Das Geld liegt förmlich auf der Straße  

Experte Notz rät Anlegern dringend, sich auf keinen Fall von solchen Ausreden abspeisen zu lassen. „In der Regel haben die Banken sehr wohl Provisionen erhalten und können diese auch ermitteln“, sagt er. Und dass Anleger ohne Vermögensverwaltungsmandat keine Ansprüche geltend machen könnten, sei keinesfalls geklärt – im Gegenteil. „Es gibt mittlerweile mehrere anderslautende Urteile in der Schweiz“, so Notz. Allerdings habe die Branche bislang ein letztinstanzliches – und damit bindendes – Urteil verhindert.     

Wer hartnäckig bleibt, hat wirklich gute Chancen auf eine Erstattung. „Wir bevorzugen generell außergerichtliche Lösungen und konnten auf diesem Weg bereits Vergleiche bis zu 50.000 Euro je Fall abschließen“, sagt Notz. Das viele Geld der Anleger liegt also auf der Straße. Und Notz hilft dabei, es aufzuheben.

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de