Riester-Sparen: Vier Varianten im Überblick

Altersvorsorge Riester-Sparen: Vier Varianten im Überblick

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
02.09.2018
Auf einen Blick
  • Der Riester-Vertrag muss zur eigenen Risikoeinstellung und privaten Lebensplanung passen.

  • Die private Riester-Rente wird durch Zulagen vom Staat kräftig unterstützt.

  • Der größte Kritikpunkt an vielen Verträgen sind die hohen und intransparenten Kosten.
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Das Wort Riester ist in der Bevölkerung in Ungnade gefallen. Die Kosten seien zu hoch, die Wirkung zu gering. Doch es lohnt sich immer noch, einen Blick auf das Riester-Modell zu werfen. Riester-Verträge sind ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge, der sich nicht so einfach ersetzen lässt. Der Staat bietet Ihnen viele finanzielle Anreize und Förderungen.

Finden Sie Ihren persönlichen Riester-Vertrag

Riester ist nicht gleich Riester. Inzwischen gibt es viele unterschiedliche Vertragsarten. Sie sollten den Vertrag wählen, der am besten zu Ihrer Lebensplanung passt. In jungen Jahren ist es leicht, risikoreicher zu sparen, als kurz vor dem Renteneintritt. Das ist besonders heute in Zeiten extrem niedriger Zinsen relevant. Sie planen, ein Haus zu bauen? Dann ist Wohn-Riestern vielleicht genau der richtige Vertrag. Besonders relevant sind diese vier Varianten:

Riester-Banksparplan

Der Riester-Banksparplan gehört zu den einfachsten und sichersten Riester-Produkten. Leider ist er derzeit auch wenig ertragreich. Aufgrund der niedrigen Zinsen bieten außerdem zunehmend weniger Banken diesen Riester-Vertrag an. Der Zins ist an den Referenzzinssatz gekoppelt, der seit einiger Zeit extrem niedrig liegt.

Die meisten Anbieter verwenden entweder die "Umlaufrendite” oder den "gleitenden Referenzzins". Die Umlaufrendite reagiert dabei schneller auf sich verändernde Zinssätze. Das kann sich positiv oder negativ auswirken: Steigen die Zinssätze, profitieren Sie auch sehr schnell davon. Bei fallenden Zinsen sind Sparer wiederum im Nachteil. Für risikoscheue Personen ist dies ein sicherer Vertrag, allerdings ohne das Potenzial auf eine kräftige Wertsteigerung.

Dafür gehören Riester-Banksparpläne zu den vergleichsweise günstigeren Produkten. Es fallen in der Regel keine oder geringere Abschlusskosten an. So lohnt sich der Banksparplan auch noch wenige Jahre vor der Rente. Prüfen Sie trotzdem, welche Kosten zum Ende der Einzahlungsphase in Betracht kommen. Einige Anbieter berechnen eine zusätzliche Gebühr für die Verrentung, also monatliche Auszahlung der Beträge.

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Riester-Rentenversicherung

Die Riester-Rentenversicherung zählt zu den klassischen Verträgen. Der Versicherer übernimmt die Anlage der Gelder und sichert von vornherein einen festen Zins über die gesamte Laufzeit zu, den Garantiezins. Der Höchstsatz wird vom Staat vorgegeben und liegt seit 2017 bei nur noch 0,9 Prozent.

Die Anbieter dürfen diesen Zins nach unten unterschreiten, aber keine höheren Versprechungen machen. Der Staat will damit die Versicherer zur Zurückhaltung drängen, damit die Gelder sicher angelegt werden. Der Garantiezins ist also eine Art Sicherheitsnetz. Die Rendite kann (zum Rentenbeginn) den Garantiezins jedoch deutlich übersteigen, wenn die Anlage der Gelder sehr erfolgreich gewesen ist. Anbieter dürfen aber eben maximal den Garantiezins fest zusichern.

Dabei gilt es jedoch einiges zu beachten: Der Garantiezins zählt nur auf einen Teil der monatlichen Sparrate und auch die Kosten sind hier noch nicht berücksichtigt. Die tatsächliche Rendite zum Rentenbeginn kann also theoretisch aufgrund der Kosten unter dem zugesicherten Zins liegen. Das verwässert den Begriff Garantiezins etwas. In der Realität ist der Garantiezins daher nur begrenzt aussagekräftig. Sie sollten sich nicht nur auf diesen Wert stützen.

Fondssparplan

Der Fondssparplan ist besonders für jüngere Leute interessant, die noch viele Jahre in den Vertrag einzahlen. Der Anbieter investiert die Einzahlungen in Aktien und Anleihen. Diese bieten deutlich höhere Renditechancen. Gleichzeitig ist die Rendite allerdings nicht planbar und von vornherein völlig unbekannt. Das führt zu einem deutlich höheren Risiko. Im Laufe der Ansparphase bewegen sich die Kurse auf und ab. Sie bekommen über all die Jahre also einen durchschnittlichen Kurs und investieren nicht nur zu einem festen Zeitpunkt.

Dieser Durchschnittskosten-Effekt ist eines der Erfolgsrezepte von Sparplänen. In der Vergangenheit erzielten Wertpapiere über einen langen Zeitraum meist positive Renditen. Trotzdem besteht die theoretische Möglichkeit einer negativen Entwicklung. Das sollte Ihnen bewusst sein. Alles verlieren können Sie dabei nicht. Der Online-Anbieter für Riester-Fondsparpläne Fairr.de erklärt: "Bei Rentenbeginn müssen so alle geleisteten Beiträge, sowie die Sonderzahlungen in Form von staatlichen Zulagen, in voller Höhe zur Verfügung stehen.” Im Zweifel fehlt also nur die Rendite.

Lesen Sie auch: Fondssparen – Sieben Denkfehler, die Rendite kosten

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Wohn-Riester

Eine noch recht neue Variante ist der 2009 entstandene Wohn-Riester (auch Eigenheimrente genannt). Verbraucher haben die Option, die staatlichen Riester-Zulagen auf Riester-Bausparverträge und Riester-Immobiliendarlehen zu nutzen. Alternativ können Mittel aus bestehenden Riester-Verträgen entnommen werden, wenn diese für den Erwerb eines Eigenheimes genutzt werden. Das kann dabei sowohl ein Haus aber auch eine Wohnung sein.

Im Gegensatz zu den bisherigen Riester-Produkten erhalten Verbraucher in der Rentenzeit allerdings keine oder geringe Zahlungen, können dafür jedoch mietfrei wohnen. Das ist der große Unterschied beim Wohn-Riester. Die übrigen Verträge unterliegen zur Rentenzeit der Besteuerung. Um diesen Unterschied auszugleichen, unterliegen auch Wohn-Riestern einer nachgelagerten Besteuerung. Sie müssen also die Steuern zahlen, ohne dabei ein Einkommen aus dem Riester-Vertrag zu haben.

Vorsicht: Wenn die geförderte Immobilie später verkauft oder vermietet wird. Hier kann es zu hohen Rückforderungen der staatlichen Zulage kommen.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
643,33
1,37%
2.
655,00
1,44%
3.
658,33
1,49%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung 60 %

Kosten bei Riester-Verträgen beachten

Tatsächlich sind die Kosten der größte Kritikpunkt an nahezu allen Riester-Verträgen. Die Verbraucherzentrale fordert sogar vom Staat ein "kosteneffizientes Basisprodukt für die Altersvorsorge.” Denn durch die Absenkung des Rentenniveaus ist eine private Vorsorge unabdingbar geworden. Die Produktinformationsblätter sollten Verbraucher seit vergangenem Jahr besser über die Kosten aufklären. In einer Untersuchung der Verbraucherzentrale wird allerdings klar, der Schritt hat wenig zur Transparenz beigetragen.

Der Online-Anbieter Fairr.de versucht, die Lücke zu füllen, und verspricht günstige Riester-Verträge. Sina Szpitalny von Fairr.de erklärt: [Wir verzichten] "auf jegliche Extrakosten wie Abschlussprovisionen oder Ausgabeaufschläge". Nach eigenen Angaben ist Fairr.de der einzige Anbieter, "der eine private Altersvorsorge mit Fondssparplänen anbietet, die in renditestarke und kostengünstige ETFs investieren".

In den vergangenen Jahren haben sich die Aktienmärkte gut entwickelt und davon profitiert auch Fairr.de: "Bei einer durchschnittlichen Ansparphase von Zeiträumen jenseits der 20 Jahre [...], rechnen wir mit den historischen Renditen von circa sieben Prozent vor Kosten." Das wäre ein erfreuliches Ergebnis zum Rentenbeginn. Achten Sie bei Verträgen also nicht nur auf die mögliche Performance, sondern noch viel mehr auf die Kosten.

Diese Zulagen schenkt Ihnen der Staat

Das wohl wichtigste Argument für die Riester-Verträge sind die umfangreichen Zulagen vom Staat. Der Staat unterstützt Sie finanziell beim Sparen für die Rente. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, gilt es ein paar Punkte zu beachten. Die Mindestsparrate beträgt vier Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr oder maximal 2.100 Euro (inklusive staatliche Zulagen). Ein höherer Betrag ist immer möglich. Der Gesetzgeber sieht auch eine absolute Untergrenze vor, so müssen mindestens 60 Euro pro Jahr eingezahlt werden.

Wird die vorgesehene Mindestsparrate nicht erreicht, kürzt sich auch die staatliche Förderung. Bei Gehaltsanpassungen sollten Sie also auch an Ihren Riester-Vertrag denken. Der Staat hat bei der Riester-Novelle im Jahr 2002 das Rentenniveau der gesetzlichen Rentenkasse abgesenkt. Alle Bürger müssen nun selber diese Differenz während der Arbeitszeit ansparen, um nicht schlechter dazustehen. Der Staat nutzt die Mindestsparrate, um Bürger zu motivieren, ausreichend viel für das Alter vorzusorgen.

Lesen Sie auch: Riester-Vertrag als Steuersparmodell nutzen

Beispiele für die staatlichen Zulagen:

Ein Arbeitnehmer, der im Jahr 2017 ein Einkommen von 60.000 Euro verdiente, muss davon 2.100 Euro (Mindestgrenze) im laufenden Jahr in den Riester-Vertrag einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen. Er zahlt 1.925 Euro aus eigener Tasche, die restlichen 175 Euro schenkt ihm der Staat.

Ein Arbeitnehmer, der 2017 hingegen 35.000 Euro verdiente, muss davon mindestens 1.400 Euro (vier Prozent vom Brutto; 1225 Euro Eigenanteil plus 175 Euro Grundzulage) einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen. 

Ein Arbeitnehmer, der 2017 nur wenig (oder gar nicht) gearbeitet hat und 1.000 Euro verdiente, muss trotzdem dieses Jahr den Mindestbetrag von 60 Euro in den Riester-Vertrag einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen.

Wenn Sie diese Sparraten einhalten, schenkt Ihnen der Staat die sogenannte Grundzulage von 175 Euro pro Jahr. Diese ist 2018 deutlich gestiegen. Bis zum vergangenen Jahr lag der Betrag bei 154 Euro. Und noch im Jahr 2003 lag die Grundzulage bei gerade einmal 38 Euro. Es geht also bergauf für Riester. Die Politik hat Riester weder vergessen noch vernachlässigt. Und natürlich kommen auch alte Verträge in den Genuss der jetzt höheren Zulage.

Noch lukrativer ist die jährliche Kinderzulage. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren ist, schenkt der Staat immerhin jährlich 185 Euro. Die Zulage beträgt sogar 300 Euro jährlich für alle Kinder, die nach 2008 geboren sind. Die Zulage bleibt, solange Sie mindestens einen Monat im Jahr Kindergeld erhalten.

Der Berufseinsteiger-Bonus ist im Gegensatz zu den vorherigen Zulagen eine einmalige Zahlung von 200 Euro. Der Bonus richtet sich dabei nicht nur an Berufsstarter, sondern allgemein an junge Leute. Wer zum 1. Januar im Jahr des Vertragsabschlusses noch 25 Jahre jung ist, darf sich über das einmalige Extra freuen.

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Sicherheit wird bei Riester-Verträgen groß geschrieben

Riester-Verträge bieten ein hohes Maß an Sicherheit. Die staatlichen Vorgaben und Regulierung der Verträge sorgen dafür, dass die Einzahlungen im Alter auch sicher auf Ihrem Konto landen. Die Verträge sind auch vor der Anrechnung auf Arbeitslosengeld II (Hartz 4) geschützt. Ein Unterschied zu klassischen (Fond-)Sparplänen etwa, die immer öfter als Alternative zu Riester-Produkten empfohlen werden.

Genauso bleibt während der Erwerbslosigkeit der Anspruch auf die vollen staatlichen Zulagen bestehen, sofern mindestens fünf Euro im Monat (60 Euro im Jahr) eingezahlt werden. Der Riester-Vertrag kann aber auch während der Arbeitslosigkeit pausiert und später fortgeführt werden.

Wer kommt in den Genuss von Riester?

Die meisten Bürger dürfen sich über die staatlichen Riester-Zulagen freuen. Nur wenige Personengruppen sind von Riester-Verträgen ausgeschlossen. In erster Linie sind das Selbstständige, die nicht in einer staatlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Für sie bleibt die Rürup-Rente als staatlich geförderte Altersvorsorge. Außerdem sind Studenten und Bezieher einer regulären Vollrente von den Riester-Leistungen ausgeschlossen.

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Ab wann lässt sich die Rente auszahlen?

In der Regel beginnt die Auszahlung der Riester-Rente mit der regulären Altersrente, also je nach Jahrgang zwischen dem 65. und 67. Lebensjahr. Wenn Sie den Vertrag noch vor 2012 abgeschlossen haben, liegt der frühestmögliche Auszahlungsbeginn bei 60 Jahren. Diese Grenze wurde ab 2012 auf 62 Jahre angehoben. Wer eine frühere Auszahlung wünscht, muss auf einen Teil der staatlichen Zulagen verzichten.

Steuererklärung bei Riester-Verträgen

Sie können in der Steuererklärung zusätzlich bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Das Finanzamt überprüft von sich aus, was für Sie persönlich besser ist: die Riester-Zulagen oder der Sonderausgabenabzug. Der Sonderausgabenabzug wird insbesondere bei einem höheren Einkommen interessant.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de