Sterbegeldversicherung Abschließen oder nicht?

von Klaus Winter
03.12.2014
Auf einen Blick

Sinnvolle Absicherung oder einfach nur Versicherungs-Nepp? An Sterbegeldversicherungen scheiden sich die Geister.

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Die Befürworter argumentieren emotional: Würdevolle Beerdigungen kosten heute schnell einige tausend Euro – und wenn das Geld nicht da ist, kommt oft nur eine einfache Bestattung infrage, die auch noch die Familie finanziell belastet – für viele Menschen ist das eine unerträgliche Vorstellung. Die Gegner argumentieren eher rational: Was als Sicherheit verkauft wird, ist nichts anderes als ein schlecht verzinster Sparvertrag. Und den kann man auch ohne Versicherungslösung bekommen.
 

Emotionalität gegen Vernunft?

Die Rahmendaten einer solchen Sterbegeldversicherung können vielleicht etwas Klarheit in die Diskussion bringen. Wer als heute 60-Jähriger bei der Hanse Merkur einen solchen Vertrag abschließt, zahlt für eine Versicherungssumme von 10.000 Euro monatlich einen Beitrag von rund 37 Euro. Die 10.000 Euro werden nach einer Wartezeit von drei Jahren ausgezahlt – nur bei einem Unfall würde es das Geld auch ohne Wartezeit geben. Die Beitragszahlung endet nach 25 Jahren, der Schutz bleibt aber auch darüber hinaus bestehen. Eingezahlt werden also maximal 11.031 Euro für eine garantierte Leistung von lediglich 10.000 Euro. Auf den ersten Blick also wirklich ein schlechtes Geschäft.
 

Würdevoller Abschied hat keinen Preis

Anders sähe es natürlich aus, wenn die Versicherung bereits nach ein paar Jahren zur Auszahlung kommt. Nach fünf Jahren sind gerade einmal etwas mehr als 2.000 Euro in die Sterbegeldversicherung eingezahlt worden – dennoch gibt es die vollen 10.000 Euro, um die Beerdigungskosten zu begleichen. Der Vergleich mit einer Kapitalanlage hinkt also gewaltig. Die Sterbegeldversicherung ist eben kein Sparvertrag, sondern eine Versicherung und bietet vor allem die Sicherheit, dass man auch dann eine würdevolle Beerdigung bekommt, wenn die Kasse eher leer ist.

Sterbegeldversicherung: Eine „Arme-Leute-Lösung“?

Das Argument der leeren Kassen führt häufig dazu, dass die Sterbegeldversicherung vor allem dann als sinnvoll angesehen wird, wenn keine oder nur geringe finanzielle Mittel vorhanden sind. Was dabei vergessen wird: Auch wenn es älteren Menschen finanziell gut geht, kann sich das im Alter relativ schnell ändern. Vor allem eine längere Pflegebedürftigkeit kann das Ersparte schnell reduzieren oder sogar komplett aufbrauchen. Und kein Pflegeheim oder Sozialversicherungsträger wird Rücksicht darauf nehmen, dass man gerne noch eine Rücklage für die eigene Beerdigung hätte. Hier punktet die Sterbegeldversicherung: Denn Leistungen aus Sterbegeldversicherungen sind nicht pfändbar, wenn die Versicherungssumme 3.579 Euro nicht übersteigt (Bundesgerichtshof, AZ: VII ZB 47/07). Dabei gilt: Ist die Versicherungssumme der Sterbegeldversicherung höher, sind zumindest die erwähnten 3.579 Euro sicher.


Was ist die Alternative?

Natürlich sind Sterbegeldversicherungen nicht die einzige Möglichkeit, die finanzielle Belastung durch anfallende Beerdigungskosten abzufedern. So wissen viele nicht, dass die Deutsche Rentenversicherung für die ersten drei Monate nach dem Tod eines Ehegatten die volle Rente auszahlt, die der verstorbene Ehepartner bekommen hätte. Erst nach Ablauf dieser Frist wird die Rente deutlich gekürzt. Zudem stehen oft Mittel aus Sterbebeihilfen im öffentlichen Dienst zur Verfügung, die gesetzliche Unfallversicherung kann bei einem tödlichen Unfall ebenfalls zur Zahlung verpflichtet sein, und auch betriebliche Regelungen können für diesen Fall Leistungen vorsehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de