Digitale Geldanlage: Mensch statt Maschine?

Digitalisierung Digitale Geldanlage: Mensch statt Maschine?

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
01.09.2017
Auf einen Blick
  • Die Mehrheit der deutschen Anleger vertraut eher der Hausbank als Fintech-Unternehmen.

  • Die automatisierte Geldanlage steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen.

  • Immer mehr Banken bringen eigene Robo-Advisor auf den Markt.
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Shoppen auf Amazon, den Urlaub online buchen oder chatten per Whatsapp. Viele Lebensbereiche hat die Digitalisierung bereits erfasst. Aber in Sachen Geldanlage zeigen sich die Deutschen immer noch misstrauisch, wenn es um die Automatisierung von Prozessen geht.

Eine repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC zeigt: Zwar möchte die große Mehrheit der Deutschen die neuen Finanztechnologien in jedem Fall nutzen, andererseits sagen 81 Prozent, ihnen wäre lieber, wenn die Services von der eigenen Hausbank angeboten würden.

German Angst bremst Fintechs

Dieses mangelnde Vertrauen bremst junge Finanzunternehmen, die etwa mit automatisierten Geldanlagen im Internet werben. Computerprogramme, sogenannte Robo-Advisor übernehmen alle Anlageentscheidungen. Der Anleger muss zunächst einen Online-Fragebogen ausfüllen. Dabei wird der Kunde unter anderem nach Alter, Risikoneigung, Anlagezeitraum und –summe gefragt. Danach schlägt der Computer nach einem bestimmten Algorithmus die Investmentprodukte vor.

Die Robo-Advisors (Roboter Berater) verfolgen in der Regel einen passiven Investmentansatz. Heißt: Sie setzen auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs. Langfristig verspricht die Geldanlage mit künstlicher Intelligenz eine bessere Performance und mehr Rendite.

Vorteil für Anleger: Keine versteckten Gebühren, Ausgabeaufschläge oder sonstige Provisionen. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. So warnen Verbraucherschützer, dass die Robo-Advisors noch keinen Härtetest an der Börse erlebt hätten.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
15,02%
2.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
11,74%
3.
DWS Deutschland LC
DE0008490962
11,29%
Laufzeit: 5 Jahre

Amerikaner an der Spitze

Auch wenn die Mehrheit der deutschen Anleger mit den neuen Finanztechnologien liebäugeln, bleibt der Durchbruch hierzulande noch aus. Während in den USA die größten Robo-Advisors jeweils Milliarden verwalten, steuern alle deutschen Anbieter zusammen 800 Millionen Euro, wie Zahlen der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman zeigen. "Kunden geben ungern ihr Vermögen an unbekannte Start-ups", sagt Sabine Schoon, Bereichsleiterin bei Comdirect.

So beträgt beispielsweise das Anlagevolumen des US- amerikanischen Platzhirsches Vanguard rund 65 Milliarden US-Dollar, während der größte deutsche Anlage-Roboter von Scalable Capital 300 Millionen US-Dollar verwaltet.

Robo-Advisors nach Anlagevolumen (Auswahl)

Top "Robos" nach Anlagevermögen
AnbieterLandAnlagevolumen in Mio. US-Dollar
VanguardUSA65.000
Schwab Intelligent PortfoliosUSA16.000
BettermentUSA9.000
WealthfrontUSA6.500
Scalable CapitalGER300
Quelle: "The Robo-Report" / Back End Benchmarking; Eigene Recherche

Immer mehr Banken wagen sich ins Feld

Auffallend ist, dass sich unter den größten Robo-Advisors ausschließlich Asset Manager beziehungsweise Vermögensverwalter und keine Banken befinden. Doch das Thema gewinnt auch bei Banken weiter an Fahrt. So haben inzwischen die meisten großen Kreditinstitute wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Santander Consumer Bank ihre künstlichen Kollegen in den Einsatz geschickt. Aber nicht nur Privatbanken haben den Trend erkannt, auch Sparkassen wollen künftig bei der automatisierten Geldanlage mitmischen.

So bietet die Deka Bank, das Wertpapierhaus der Sparkassen, mit "Bevestor" eine eigene Robo-Advisor-Lösung an. Der flächendeckende Einsatz ist für das zweite Halbjahr 2018 geplant.

Außerdem beteiligt sich die Hamburger Sparkasse (Haspa) an dem Fintech-Start-up "Investify", einem luxemburgischen Unternehmen, das einen Anlageroboter entwickelt hat. Damit rüsten sich die Sparkassen für die Digitalisierung. 

Geld lieber selbst anlegen?

Wer sich gut mit Finanzprodukten auskennt und gleichzeitig Gebühren sparen will, der kann sich sein Portfolio mittels einem Online-Broker einfach selbst zusammenstellen. Doch im Gegensatz zu den Robos, handeln Menschen oft aus der Emotion heraus. Daher müssen Anleger in schlechten Zeiten der Versuchung widerstehen, vorschnell zu handeln. Ein Algorithmus andererseits behält immer einen kühlen Kopf.

  • Ihre Meinung ist gefragt: Haben Sie schon mal einen Robo-Advisor genutzt? Wie gut sind Sie damit gefahren? Schreiben Sie uns unter: redaktion@biallo.de
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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de