Fidelity Wealth Expert: "Der Markt bietet im Moment gute Chancen"

Robo-Advisor im Interview Fidelity Wealth Expert: "Der Markt bietet im Moment gute Chancen"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
28.02.2019
Auf einen Blick
  • Der digitale Vermögensverwalter Fidelity Wealth Expert (FWE) hat im Oktober 2018 sein Debüt gefeiert. Der Robo-Advisor ist eine Kombination aus Mensch und Maschine.

  • Das Besondere: Fidelity Wealth Expert berechnet in 1.000 Simulationsszenarien die Erfolgschancen der Sparziele seiner Kunden.

  • Wie die Anlagestrategien von FWE genau funktionieren und wie die Experten die aktuelle Lage an den Finanzmärkten einschätzen, erfahren Sie im folgenden Interview.
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Die Digitalisierung krempelt nicht nur die Produktionsindustrie um, auch in der Geldanlage breitet sich der Megatrend aus. Bestes Beispiel: die digitale Vermögensverwaltung. Immer mehr Banken und Asset-Manager bieten ihren Kunden einen sogenannten Robo-Advisor an – sei es in Eigenregie oder über die Kooperation mit einem Fintech. So auch Fidelity International, eine der größten Fondsgesellschaften der Welt.

Im Oktober 2018 hat Fidelity seine digitale Vermögensverwaltung "Fidelity Wealth Expert" gestartet. Claudia Barghoorn, Leiterin Privatkundengeschäft und digitale Vermögensverwaltung bei Fidelity International, und Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International, erklären im Interview, wie der Robo-Advisor genau funktioniert und wie die Fidelity-Experten die Lage an den Finanzmärkten im Moment einschätzen.

Biallo.de: Der Name Fidelity dürfte für regen Kundenzulauf sorgen. Sind Sie mit der Nachfrage bislang zufrieden?

Claudia Barghoorn: Fidelity ist ein bekannter Name im Markt, der auch für entsprechendes Kundenwachstum sorgt. Wir sehen eine steigende Nachfrage und haben auch schon verschiedene Partnerschaften, die sich in dieser Richtung anbahnen.

Mit welchen potenziellen Partnern sprechen Sie gerade?

Barghoorn: Das sind verschiedene Branchen und Industrieunternehmen, auch andere Finanzdienstleister. Ein Kooperationspartner ist beispielsweise der Daimler Vorsorge und Versicherungsdienst.

Jetzt zählt Fidelity Wealth Expert in Deutschland zu den günstigsten Robo-Advisorn, was die Vermögensverwaltungsgebühr angeht. Die Mindestanlage liegt allerdings bei 10.000 Euro. Warum haben Sie die Einstiegshürde nicht niedriger gesetzt?

Barghoorn: Ein gewisser Mindestanlagebetrag ist in der Vermögensverwaltung sinnvoll, damit man gut arbeiten kann. In Summe betrachtet ist unsere Mindestanlage relativ gering. Wir halten 10.000 Euro für angemessen. Nichtsdestotrotz: Wenn wir über die Zeit anderslautendes Kundenfeedback erhalten sollten, kann man über die Höhe der Mindestanlage sicher diskutieren. Bis dato haben wir dazu nichts Negatives gehört, sondern erhalten eher positiven Zuspruch.

Im Unterschied zu anderen Anbietern sind bei Ihnen die Fragen zur Ermittlung des Risikoprofils sehr ausführlich. Außerdem muss der Anleger eine Erfolgschance von mindestens 60 Prozent erzielen, um überhaupt anlegen zu können. Lässt sich der Wert wirklich so genau berechnen?

Andreas Telschow: Das liegt daran, dass unsere Anlageberatung und Vermögensverwaltung auf zielorientiertem Sparen basiert. Das heißt, der Kunde kann ein Ziel eingeben, auf das er hin spart. Von daher ist eine gewisse Planbarkeit wichtig. Wir wissen natürlich auch: Ergebnisse am Kapitalmarkt lassen sich nicht exakt prognostizieren. Das ist auch gar nicht unser Anspruch. Dennoch berechnen wir hier zahlreiche Kapitalmarktsimulationen, um dem Kunden eine gewisse Planbarkeit zu bieten. Wir haben rund 1.000 historische Kapitalmarktsimulationen, die wir durchrechnen, und unter Verwendung dieser Annahmen muss in 60 Prozent – also in 600 dieser 1.000 Simulationen – das Finanzziel erreicht oder übertroffen sein. In diesen Simulationen sind dann auch Gebühren und Entgelte berücksichtigt.

Wie viele Risikoklassen gibt es bei Fidelity Wealth Expert?

Telschow: Aktuell sind es sieben Risikoklassen beziehungsweise Risikoprofile. Diese variieren mit dem Aktienanteil, also mit dem offensiven Part, von zehn bis zu 100 Prozent.

Sie setzen ausschließlich auf aktiv gemanagte Fonds. Ist ein Portfolio mit ETFs auch geplant?

Barghoorn: Wir glauben an das aktive Management, daher haben wir uns für den Launch für diesen Ansatz entschieden. Wir schauen uns natürlich an, wie sich der Markt entwickelt. Passive Produkte haben durchaus einen gewissen Zuspruch. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt auch passive Strategien anbieten werden. Aktuell ist das jedoch nicht geplant.

Neben Aktien und Anleihen investiert Fidelity Wealth Expert auch in alternative Anlageklassen. In welche genau?

Telschow: Das ist eine breite Anlageklasse, die wir in unterschiedlichen Ausprägungen einsetzen. Die wesentlichen Bausteine sind Rohstoffe, Infrastruktur-Investments, es können erneuerbare Energien sein, aber auch der Immobilienmarkt wird abgedeckt. Das Ziel dieser alternativen Anlageklasse ist, mehr Diversifikation ins Portfolio zu bekommen, also eine möglichst breite Streuung zu erzielen. Im Übrigen sind das alles börsengehandelte Produkte, in die wir investieren.

Sie betreiben aktives Risikomanagement. Das heißt, die Gewichtung der jeweiligen Anlageklassen ändert sich je nach Marktlage. Wie gehen Sie hier genau vor?

Telschow: Das sind taktische Entscheidungen, die auch die Basis einer Vermögensverwaltung bilden. Aktives Management bedeutet auch, dass sich ein Anlageexperte das Portfolio anschaut und gegebenenfalls Änderungen vornimmt. Das Rebalancing findet immer dann statt, wenn es aus Marktsicht für nötig gehalten wird. Hierbei handelt es sich immer um eine Kombination aus Mensch und Technologie. Es gibt also nicht allein den technologischen Trigger, der ein Rebalancing auslöst. Vielmehr werden die Portfolios laufend von unseren Investmentexperten überprüft und – falls nötig – angepasst. Das geschieht zum einen, um Abwärtsrisiken zu reduzieren, aber auch, um offensive Anlagen zu erhöhen, wenn die Märkte steigen. Dabei gibt es keine festgelegte Häufigkeit für das Rebalancing.

Im abgelaufenen Quartal gab es heftige Turbulenzen an den Aktienmärkten. Wie haben Sie die Portfolios abgesichert?

Telschow: Wenn man das Schlussquartal 2018 betrachtet, haben wir die Portfolios durchaus defensiver aufgestellt gegenüber der strategischen Allokation. Wir haben den Aktienanteil von 90 bis 100 Prozent im offensiven Portfolio nicht voll ausgeschöpft und stattdessen defensive Klassen übergewichtet. Wenn man das noch granularer auf den Bereich der Anklageklassen runterbricht, dann haben wir Industrieländer – insbesondere amerikanische und japanische Aktien – reduziert zugunsten der Schwellenländer. Unserer Meinung nach dürften die Schwellenländer von einem schwächeren Dollar und der Entspannung auf der Zinsseite profitieren. Wir haben auch bei den Anleihen das Thema Investmentgrade im defensiven Bereich übergewichtet, um mehr Ausgleich reinzubekommen.

Wie schätzen Ihre Experten die weitere Entwicklung ein? Ist die akute Gefahr bereits gebannt?

Telschow: Im Gegensatz zum abgelaufenen Quartal oder zum Gesamtjahr 2018 an sich glauben wir, dass es Zeit ist, für 2019 die Positionierung zu überdenken. Positive Renditen im gesamten Markt sind sicher nicht mehr so einfach zu erzielen, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Das ist Fakt. Die Kursschwankungen, die wir im letzten Quartal gesehen haben, werden weiter anhalten. Das bedeutet unterm Strich eine erhöhte Volatilität, mehr Schwankungen für Investoren, aber auch mehr Chancen.

Wir sind aktuell der Ansicht, dass mittlerweile eine etwas risikofreudigere Anlagenpolitik angebracht ist. Das spiegeln wir auch in den Portfolios wider. Im Moment haben wir Aktien und Anleihen wieder übergewichtet und die Liquidität entsprechend verringert. Der Markt bietet gerade für aktive Manager im Moment gute Chancen: Es gibt Preisverzerrungen an den Märkten, Über- wie Unterbewertungen, und das kann ein aktiver Manager sehr gut darstellen.

Wie schätzen Sie die Rezessionsgefahr in den USA ein?

Telschow: Wir sehen aktuell keine Rezessionsgefahr in den USA. Natürlich verlieren die USA an Wachstumstempo. Das hat im Umkehrschluss aber auch den Effekt, dass die Bewertungen im Vergleich zu anderen Regionen wieder auf ein Normalmaß runterkommen und der US-Markt weiterhin defensiven Charakter besitzt. Wir haben die USA zuletzt von negativ auf neutral eingestellt, gerade auch im Hinblick auf das günstigere Bewertungsniveau.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf den Robo-Advisor-Markt in Deutschland. Da hätte man sich vor einem Jahr etwas mehr Tempo erwarten können. Warum hinkt der deutsche Markt dem US-Markt so hinterher?

Barghoorn: Das hat sicher auch mit der Mentalität und Sozialisierung zu tun. Die Deutschen sind mit Geld anders aufgewachsen, der berühmte Sparstrumpf ist immer noch sehr verhaftet. Eine aktuelle Studie, die wir mit Yougov umgesetzt haben, zeigt, dass Tagesgeld hierzulande immer noch einen Anteil von rund 30 Prozent einnimmt und damit deutlich vor Aktien und Fonds liegt, die jeweils weniger als 20 Prozent ausmachen. Das ist natürlich auch ein Thema für uns: Wie können wir helfen, dass Menschen verstehen, dass aktives Investieren sinnvoll ist? Das ist auch einer der Gründe, warum wir bei Fidelity Wealth Expert Sparpläne anbieten, weil Anleger dort mit kleineren Beträgen ab 250 Euro pro Monat am Kapitalmarkt partizipieren können. Aber da haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis sich die Mentalität stärker gewandelt hat. Daran arbeiten wir.

Manche Experten gehen trotzdem davon aus, dass sich der Markt der digitalen Vermögensverwalter in den kommenden drei Jahren auf knapp 30 Milliarden Euro verzehnfachen wird. Sind Sie auch so optimistisch?

Barghoorn: Grundsätzlich sollte man immer realistische Ziele haben und wir sehen auch, dass der Markt derzeit stark umkämpft ist. Für uns gibt es drei zentrale Trends, die in diesem Zusammenhang wichtig sind und die für das Potenzial des Marktes sprechen: Zum einen das Thema Regulierung. Menschen haben einen großen Bedarf an Beratung, gleichzeitig wird Beratung immer stärker reguliert– Stichwort Mifid II. Dadurch verändert sich das Angebot an Beratungsleistungen, womöglich reduzieren Finanzdienstleister ihre Beratung sogar.

Zweitens gibt es eine starke Nachfrage nach digitalen Angeboten. Digitalisierung greift in viele Bereiche immer stärker ein und zeigt neue Möglichkeiten auf, auch in der Geldanlage. Der dritte Trend ist das Thema Vermögenstransfer von einer Generation zur nächsten. Aktuell wird so viel Vermögen vererbt wie nie zuvor. Die Erben fragen sich natürlich: Wo kann ich mein Geld investieren? Wie gehe ich mit dem Geld um, das mir meine Eltern vererbt haben? Das wird die Auseinandersetzung der Deutschen mit dem Thema in Zukunft stärker forcieren und uns Möglichkeiten eröffnen zu wachsen.

Frau Barghoorn und Herr Telschow, vielen Dank für das Interview.

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Sebastian Schick
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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de