Robin attackiert Scalable: Unser Ziel ist die Nummer eins

Interview Robo-Advisory Robin attackiert Scalable: Unser Ziel ist die Nummer eins

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
15.12.2017
Auf einen Blick
  • Die Deutsche Bank hat ihre digitale Vermögensverwaltung in dieser Woche offiziell präsentiert. Robo-Advisor Robin ist eine Kombination aus Mensch und Maschine.

  • Bereits im kommenden Jahr will die Deutsche Bank mit ihrer Online-Vermögensverwaltung einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen.

  • Im Interview mit biallo.de erklären Chefanlagestratege Ulrich Stephan und Robo-Advisory-Leiter Oliver Dreiskämper das hybride Modell hinter Robin.

 

 

 

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Der Markt für digitale Vermögensverwaltung wächst rasant. Expertenschätzungen zufolge wird das Marktvolumen allein in Deutschland bis 2020 von derzeit rund einer Milliarde Euro auf dann 20 Milliarden Euro ansteigen. Von diesem Kuchen will sich die Deutsche Bank ein großes Stück abschneiden. Vor kurzem hat sie ihren Robo-Advisor "Robin" ins Rennen geschickt. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Oliver Dreiskämper, Leiter Robo Advisory für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zeigen sich im Interview mit biallo.de überzeugt, dass Robin schon bald die Marktführerschaft erobern wird.

Vor gut zwei Wochen haben Sie Ihren digitalen Vermögensverwalter Robin gestartet. Sind Sie mit der Resonanz bislang zufrieden?

Dreiskämper: Wir sind absolut zufrieden. Wir haben Robin am 27. November live geschaltet. Die Webseiten wurden aber bislang noch nicht aktiv vermarktet, da wir Robin erst diese Woche offiziell präsentiert haben. Dennoch gab es bereits im Vorfeld viele Rückfragen und großes Interesse sowohl von bestehenden als auch neuen Kunden. Das Volumen steigt stetig und es läuft alles stabil. Alles in allem ein gelungener Start.

Ihre Ziele sind durchaus ambitioniert. Sie wollen bereits im kommenden Jahr einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen. Das würde eine Milliarde Euro an verwaltetem Kundenvermögen bedeuten, wenn der Markt in Deutschland wirklich – wie von Experten prognostiziert – auf rund fünf Milliarden Euro steigen wird. Das heißt, ihr Ziel ist ganz klar die Nummer eins?

Stephan: Wenn man Marktführer ist wie die Deutsche Bank, dann kann man sich keine Ziele stecken, die in eine andere Richtung gehen. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass man ehrgeizig ist. Wir haben ein hervorragendes Produkt, das bisher gut angenommen wird. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir bis jetzt null Werbung gemacht und Robin mit einem Softlaunch in den Markt eingeführt haben. Wir gewinnen täglich neue Kunden dazu.

Es gibt derzeit circa 30 aktive Player in Deutschland. Was glauben Sie, wie viele davon in den nächsten Jahren überleben werden?

Stephan: Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube Mifid II und die ganzen regulatorischen Regelungen, die dadurch auf die Anbieter zukommen, werden schon zu einer Konsolidierung im Markt führen. Die Anforderungen werden deutlich steigen. Die Vernetzung und die ganzen Abfragen, welche die Unternehmen machen müssen, sind sehr aufwendig. Hinzu kommt das Thema Research, das mit Mifid II gesondert ausgewiesen werden muss. Auch das kostet natürlich erst mal Geld. Das bedeutet: Wenn man das alles umsetzen will, was wir bei der Deutschen Bank jetzt schon machen – die Einbringung von aktivem Know-how –, dann wird das alles noch mal aufwendiger. Von daher glaube ich schon, dass es eine gewisse Konsolidierung geben wird.

Dreiskämper: Absolut! Denn die Modelle tragen sich vor allem durch Skalierung. Im amerikanischen Markt sieht man ganz klar: Die etablierten Player können durch ihr Kundennetzwerk schneller wachsen als die kleineren Wettbewerber. Nicht jeder Anbieter wird auf ein Kundenvolumen kommen, das ihn langfristig trägt. Von daher wird es zwangsläufig zur Konsolidierung kommen müssen.

Werden Sie die Konsolidierung nutzen, um auf Einkaufstour gehen?

Dreiskämper: Unser Ziel ist es, organisch zu wachsen. Die Frage einer Beteiligung oder Übernahme stellt sich uns heute nicht.

Herr Stephan, sie kommen ja eigentlich aus dem Universum der aktiv gemanagten Fonds. Jetzt kümmern Sie sich bei Robin um passive Produkte. Kommen sie da nicht in einen Gewissenskonflikt?

Stephan: Nein, ganz und gar nicht. Es kommt auch immer darauf an, was man machen möchte. Wir verfolgen überwiegend eine Top-Down-Betrachtung aus volkswirtschaftlichen und kapitalmarkttheoretischen Erwägungen und da kommt man mit ETFs wunderbar zurecht. Zumal die Vielfalt hier sehr groß ist. Damit will ich aber nicht sagen, dass wir nicht auch in der Lage sind, einen Bottom-Up-Ansatz zu fahren, um mit Einzeltiteln etc. eine Zusatzperformance zu erzielen. Allerdings ist die Methodik eine völlig andere.

Heißt das, es besteht die Option, die Produktpalette von Robin irgendwann durch aktiv gemanagte Fonds zu erweitern?

Stephan: Darüber kann man nachdenken. Das Problem dabei ist, dass Sie dann eine weitere Management-Komponente berücksichtigen müssen. Dadurch steigt natürlich die Komplexität und das Ganze ist für den Anleger nicht mehr so transparent. So, wie das Modell jetzt aufgebaut ist, ist es für den Kunden leichter nachvollziehbar, wie Entscheidungen getroffen werden und welches Ergebnis letztlich dabei herauskommt. Wenn das Ganze transparent ist und weniger komplex, hat es für den Kunden nur Vorteile.

Sie verfolgen die sogenannte Value-at-Risk-Strategie. Jetzt gibt es kritische Stimmen, die behaupten, Sie hätten da von Ihrem Wettbewerber Scalable Capital abgekupfert. Was entgegnen Sie denen?

Dreiskämper: Wir machen es ja anders, von daher finde ich den Vorwurf nicht gerechtfertigt. Natürlich gibt es in der Kapitalmarkttheorie bestimmte Modelle, die State of the Art sind – wie etwa das GARCH-Modell oder Copula, mit denen Sie rein ökonometrische Parameter erfassen. Da sind wir sicherlich ähnlich wie die Konkurrenz auf dem neusten Stand des ökonometrischen Wissens. Aber im Gegensatz zum Wettbewerb fließt bei uns das gesamte Kapitalmarkwissen der Deutschen Bank ein. Und das ist doch ein wesentlicher Unterschied. Wir glauben sogar, dass wir hier den besseren Ansatz gefunden haben.

Der eigentliche Stresstest für die Robos steht ja noch aus. Spätestens dann, wenn die Aktienmärkte die Trendwende einläuten und gegen Süden laufen. Wer wird dann besser performen? Der Roboter oder doch der Fondsmanager?

Stephan: Es wird Fondsmanager geben, die sehr konservativ aufgestellt sind und dann möglicherweise gute Resultate erzielen werden. Robin ist darauf ausgelegt, auch in schwierigen und turbulenten Märkten das Risiko im Portfolio stabil zu halten. Dieses Verhalten haben wir in sehr detaillierten und ausgiebigen Tests verifiziert. Wir haben aber auch ein hohes Konfidenzniveau, indem wir auf der einen Seite ein sehr stringentes Risikomanagement über das ganze Instrument legen und auf der anderen Seite eine intensive aktive Allokation betreiben, wodurch wir sehr schnell auf veränderte Marktgegebenheiten reagieren können. Zusammen mit den sehr disziplinierenden quantitativen Methoden gibt uns das doch ein gewisses Vertrauen. Natürlich werden wir eine negative Performance in einer starken Abschwungphase nicht komplett verhindern können, weil wir auch nicht in die Zukunft blicken können. Aber wir denken, dass Robin seine Stärken gerade in den turbulenten Phasen zeigen wird und wir da insgesamt gut durchkommen werden.

Setzen Sie da auch auf Absicherungsstrategien wie etwa Short-ETFs?

Stephan: Das könnten wir theoretisch tun. Aber dann können Sie das mathematisch im jetzigen Modell nicht mehr richtig greifen, wenn negative Zahlen in die Berechnung einfließen.

Dreiskämper: Das hängt immer vom Investmentansatz und der Philosophie ab. Wir sagen: Wir gehen ein stabiles Risiko ein und versuchen so optimiert zu steuern, dass wir nur die Risiken nehmen, die Ertragschancen bieten. Hier kommt Herr Stephan ins Spiel. Ansonsten überwachen wir die Portfolios täglich. Wenn sich das Risiko in einem Markt ändert, berücksichtigen wir das entsprechend. Wir können dem Kunden versprechen, dass wir sein Risiko stabil halten – aber nicht, dass es niemals Verluste gibt.

Anders als bei den Wettbewerbern gibt es bei Robin keine prognostischen Charts zur möglichen Rendite oder wie sich das Portfolio in der Vergangenheit mit der aktuellen Zusammensetzung entwickelt hätte. Wird sich das noch ändern?

Dreiskämper: Wir prüfen derzeit noch, wie wir das dem Kunden optimal darstellen können. Der Regulator verlangt, dass solche graphischen Darstellungen für den Kunden nachvollziehbar sein müssen. Meiner Meinung nach ist das nicht bei allen Wettbewerbern gut gelöst. Wir arbeiten an einer Lösung, die wir dem Kunden mit gutem Gewissen anbieten können. Die Metriken haben wir soweit, es ist einfach eine Frage der transparenten und einfachen Darstellung für den Kunden.

Stephan: Man sollte den Kunden hier auch nicht auf die falsche Fährte locken. Die Gefahr ist groß, dass man da etwas hineinschreibt, was eigentlich nicht überprüfbar ist. Auf der Risikoseite ist das kein Problem. Auf der Ertragsseite funktioniert das nicht, weil sie nicht prognostizierbar sind. Entsprechend würde ich sogar davor warnen, dem Kunden etwas in Aussicht zu stellen, was man dann seriöser Weise gar nicht erfüllen kann.

Die berühmte Glaskugel hat leider keiner. Dennoch die Frage an den Chefanlagestrategen der Deutschen Bank: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Aktienmärkte in den nächsten Monaten ein?

Stephan: Ich gehe fest davon aus, dass wir höhere Schwankungen sehen werden. Vor allem nach einer so langen Phase wie in diesem Jahr mit extrem niedriger Volatilität. Das wird sicher nicht so ruhig bleiben und entspräche einer Normalisierung der Märkte. Insgesamt befinden wir uns in einem zyklischen Aufschwung. Mit anhaltend guter Konjunktur sowie guter Stimmung bei den Unternehmen dürften die Gewinne weltweit weiter steigen und auch die Aktienmärkte noch ein Stück zulegen. Allerdings werden die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen.

Was bedeutet das für den Dax?

Stephan: Unser Dax-Ziel für 2018 liegt bei 14.100 Punkten.

Herr Stephan und Herr Dreiskämper, vielen Dank für das Gespräch.

 

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de