Robo-Advisor: Hybrid-Advice mit Erfolgspotential

Analyse Robo-Advisor: Hybrid-Advice mit Erfolgspotential

Kerstin Weinzierl
von Kerstin Weinzierl
28.05.2019
Auf einen Blick
  • Eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman zeigt, dass sich im vergangenen Jahr der Markt der Robo-Advisor auf rund 2,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt hat.

  • Für 2019 wird ein Anstieg des verwalteten Kundenvermögens auf fünf bis sechs Milliarden Euro prognostiziert.

  • Neue Anbieter werden weiter aus dem Boden sprießen. Jedoch haben erste Konsolidierungen bereits eingesetzt.

  • Interessant auch: Die menschliche Komponente wurde bisher unterschätzt. Hybride Robo-Advisor setzen sich immer mehr durch.
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Wer hätte vor ein paar Jahren noch gedacht, dass Computer-Algorithmen die Vermögensverwaltung derart beeinflussen. Nach den jüngsten Erhebungen der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman haben sich die sogenannten Assets under Management (dt.: verwaltetes Kundenvermögen) der Robo-Advisor im vergangenen Jahr von 1,3 auf 2,8 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Dennoch blieb das Wachstum leicht hinter den Erwartungen zurück – nicht zuletzt auch wegen des schwachen Marktumfelds im vierten Quartal 2018. In der ursprünglichen Schätzung vom September 2017 hatte Oliver Wyman für Ende 2018 noch drei bis vier Milliarden Euro prognostiziert.

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"Für das laufende Jahr gehen wir von einem Anstieg auf insgesamt fünf bis sechs Milliarden Euro aus", sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. Im Jahr 2020 dürften die von den Robos verwalteten Kundenvermögen hierzulande erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro knacken. Für 2021 werden nun 15 bis 20 Milliarden Euro erwartet nach zuvor gut 30 Milliarden Euro, was gegegenüber 2018 aber immer noch ein Wachstumspotential von rund 400 bis 600 Prozent bedeutet.

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Gründe für die korrigierte Prognose

Die Experten von Oliver Wyman sehen mehrere Faktoren, warum sich das Wachstum schwächer entwickelt als ursprünglich angenommen. "Viele Anbieter haben die Bedeutung einer bekannten und als vertrauenswürdig empfundenen Marke sowie die Kosten einer direkten Kundenakquise in einem umkämpften Markt unterschätzt", sagt Hübner.

Zudem würden die Robo-Advisor immer noch einen Nischenmarkt von digital- und finanzaffinen Kunden adressieren, die Unterstützung bei der Anlage suchen. "Eine Verbreiterung der Zielklientel durch Verknüpfung mit Girokonten ist auch im Zeitalter von PSD2 und Open Banking weitgehend ausgeblieben", so der Experte weiter.

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Konsolidierung schreitet voran

Noch wachse die Zahl der Robo-Advisor am deutschen Markt – aktuell gebe es rund 40 Anbieter. Aber auch eine Konsolidierung habe bereits eingesetzt und dieser Trend dürfte sich künftig fortsetzen oder gar beschleunigen.

Für eine Überraschung sorgte jüngst zum Beispiel Vaamo, einer der Pioniere der deutschen Robo-Advisor, welcher Ende 2018 vom britisch-italienischen Fintech Moneyfarm übernommen wurde.

Etwa 50 Prozent des verwalteten Kundenvermögens entfallen laut Analyse auf Marktführer Scalable Capital, der stark von der Partnerschaft mit der ING profitiere. "Jedoch dürfte die Anzahl erfolgreicher Bankpartnerschaften limitiert bleiben, weil die meisten Institute eigene Angebote an den Markt gebracht haben", sagt Hübner. Der Experte nennt hier unter anderem die Deutsche Bank  mit Robin sowie Comdirect mit Cominvest.

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Für die restlichen Anbieter mit Fokus auf das Endkundengeschäft komme es darauf an, "möglichst schnell eine kritische Größe von rund 100-200 Millionen Euro an verwaltetem Vermögen zu erreichen, was realistisch betrachtet nicht allen gelingen dürfte", so Hübner.

Nachholpotenzial bei Neobanken und Versicherern

Dennoch sieht Hübner Chancen, dass sich das Wachstum in den kommenden Jahren wieder beschleunigen könnte: "Es wird spannend zu sehen, wie die stark wachsenden Neobanken das Investment-Thema adressieren."

Auch bei den Versicherern gebe es noch großen Nachholbedarf. Bisher verlasse man sich in diesem Segment noch zu sehr auf traditionelle Lebensversicherungsprodukte und Vertriebsstrukturen. "Robo-Advisor könnten einen Teil der Lücke schließen", sagt Hübner.

Am Ende bleibt die Frage: Was könnte für die Robo-Advisor von heute ein Erfolgsmodell der Zukunft sein? Für den Experten ist es der hybride Ansatz, "also die intelligente Verknüpfung aus den Vorteilen der Maschine (...) mit der menschlichen Interaktion und Beratung."

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de