Robo-Advisor im Interview: "Coindex soll kein Zocker-Instrument sein"

Kryptowährungen Robo-Advisor im Interview: "Coindex soll kein Zocker-Instrument sein"

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
12.06.2019
Auf einen Blick
  • Mit Coindex startet im Sommer Deutschlands erster Robo-Advisor für Krytpowährungen. Das Start-up verspricht eine "sichere und vollautomatische Geldanlage unter Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen". Biallo.de hat mit Gründer und CEO Kai H. Kuljurgis gesprochen.
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Herr Kuljurgis, mit Coindex steht Deutschlands erster Robo-Advisor für Kryptowährungen in den Startlöchern. Coindex verspricht eine indexbasierte Krypto-Geldanlage in drei einfachen Schritten. Wie funktioniert das genau?

Kai Kuljurgis: Der Nutzer kommt durch verschiedene Marketing-Kanäle und Partnerschaften auf unsere Website und kann hierüber die Web-Applikation aufrufen. Die drei Schritte, von denen wir sprechen, bestehen klassisch aus der Anmeldung sowie einigen Anlegerinformationen, die der Kunde dann über das Video-Ident-Verfahren validieren muss. Im dritten und letzten Schritt muss der Anleger sein Portfolio konfigurieren, in dem er eine der angebotenen Strategien auswählt und den Analgebetrag festlegt. Auf Wunsch ist auch ein monatlicher Sparplan möglich. Die Steuerung unseres Vermögensmanagers läuft dabei über eine Web-Applikation, eine Mobile-App ist aber auch für die Zukunft geplant.

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Nun hat sich Ihr Unternehmen zur Aufgabe gemacht, Kryptowährungen für die breite Masse zugänglich zu machen. Birgt das Investment in Kryptowährungen für Anfänger nicht ein sehr hohes Risiko?

Kuljurgis: Da haben Sie absolut recht. Allerdings ein Risiko, das es auch bei vielen anderen Anlageklassen gibt. Zur Klarstellung: Coindex soll kein Zocker-Instrument sein. Als digitaler Vermögensmanager wollen wir unsere Kunden dabei unterstützen, langfristig Vermögensaufbau zu betreiben. Und dabei auch Anlegern unter die Arme zu greifen, die bisher wenig Erfahrung mit Krypto-Assets gemacht haben.

Es gibt Empfehlungen von Vermögensverwaltern, die sagen: Zwischen drei und sieben Prozent des privaten Sparvermögens sollten für ein gut diversifiziertes Anlageportfolio in Kryptowerte wie Bitcoin und Co. investiert werden. Coindex wird das Vehikel für die breite Masse zur einfachen Umsetzung dieser Empfehlung sein.

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Ist so eine Geldanlage wirklich für die breite Masse geeignet, wenn im schlimmsten Fall der Totalverlust droht? Angesichts der immer wiederkehrenden Negativschlagzeilen könnte das vielen Anlegern zu heiß sein.

Die Angst vor Kryptowährungen, die ja medial gestreut wird, kommt oftmals von unqualifizierter Stelle. Also von Leuten, die die extrem komplexen Zusammenhänge bezüglich Kryptowährungen in der Tiefe nicht durchdringen. Wie bereits erwähnt, soll Coindex kein Zocker-Instrument sein. Viele große Finanzportale und Broker laben sich an der oftmals noch herrschenden Unwissenheit der Anleger, indem beispielsweise Optionen oder CFDs auf Kryptowerte als "echtes Investment" in Kryptowerte verkauft werden.

Bei Coindex erwirbt der Anleger sehr transparent und mit unserer Bank-Kooperation von einer deutschen Gegenpartei ein direktes Exposure zu den Kryptowerten. Unsere Mission ist der Aufbau einer deutschen Trustbrand für das Thema Geldanlage in Kryptowerte.

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Zum Thema Gebühren halten Sie sich auf Ihrer Internetseite noch bedeckt, obwohl der Markteintritt quasi bereits vor der Tür steht. Mit welchen Kosten müssen Anleger denn rechnen?

Kuljurgis: Wir werden bis zum Start die Gebühren transparent kommunizieren. Wir sind hier aktuell noch in Verhandlungen, nicht zuletzt mit dem Regulator. Deswegen haben wir bislang noch keine konkreten Zahlen veröffentlicht. Grundsätzlich wird eine Verwaltungsgebühr fällig. Diese ist abhängig von der Höhe des verwalteten Vermögens. Zusätzlich fällt eine kleine Performance-Gebühr an, die sich aber nur nach dem High-Water-Mark-Prinzip richten wird, sprich, nur wenn der Höchststand eines Portfolios erreicht wird. Und wie eben auch üblich bei solchen Dienstleistungen kauft der Anleger zu Coindex-Preisen ein. Wie das auch bei vergleichbaren Marktteilnehmer-Produkten der Fall ist, muss sich natürlich auch Coindex irgendwo diese Assets beschaffen.

Sie konnten neben namhaften Investoren auch eine deutsche Traditionsbank als Partner gewinnen. Können Sie uns verraten, um welches Institut es sich handelt?

Kuljurgis: Wir bitten um Verständnis, dass wir das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten können. Dabei geht es viel weniger um Geheimniskrämerei als um die Tatsache, dass wir uns noch in der Abstimmung mit dem Regulator befinden und diesen Prozess dadurch nicht gefährden möchten. So viel sei verraten: Es handelt sich hierbei um eine Privatbank.

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Bereits jetzt können sich Anleger auf einer Warteliste eintragen. Wie fällt das Feedback aus?

Kuljurgis: In die Warteliste haben sich, bereits bevor wir mit der offiziellen Bewerbung der Aktion begonnen haben, mehr als 300 Personen eingetragen. Wir arbeiten allerdings schon seit Sommer 2018 an diesem Projekt. Dabei konnten wir eine Community aus mehr als 2.000 Personen aufbauen, die uns bei verschiedenen Tests in der Vergangenheit unterstützt haben.

Deshalb haben wir unser Produkt besonders im Hinblick auf das Nutzererlebnis eng auf das Feedback unserer Community abgestimmt. Dazu hatten wir eine Art Demo-Modus auf unserer Website, wo sich Nutzer ein Demo-Portfolio einrichten konnten. Dafür mussten sie sich durch die komplette digitale Antragsstrecke klicken. So ist etwa unser Sparplan ein konkretes Ergebnis dieser Tests, da uns viele Nutzer darauf angesprochen haben und sich eine solche Funktion gewünscht haben.

Wie ist es mit der Datensicherheit für Anleger bestellt?

Kuljurgis: Sicherheit und Transparenz stehen für uns an erster Stelle. Und das war auch eine unserer Triebfedern. Denn wir wollen nicht nur die einfachste und beste, sondern auch die sicherste Anlaufstelle für Geldanlagen in Krypto-Assets in Deutschland werden – und das ist natürlich ein extrem großes Unterfangen. Um die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, arbeiten wir zum einen intensiv mit unserer Kooperationsbank zusammen. Alle Nutzer- beziehungsweise Transaktionsdaten sind mit einer sogenannten AES-256-Verschlüsselung abgesichert. Zudem ist die gesamte von uns genutzte IT-Infrastruktur unter Sicherheitsaspekten absolut auf Banken-Niveau – technisch ist sie sogar deutlich moderner und skalierbarer.

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Für viele Experten steht fest: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten ETFs auf Kryptowährungen erscheinen. In den USA warten bereits zahlreiche Anbieter auf die Genehmigung durch die Börsenaufsicht. Im Falle einer Legalisierung könnten andere Anbieter einfach einen ETF auf Ihren entwickelten Index aufsetzen. Sehen Sie da nicht eine Gefahr für Ihr Geschäftsmodell? Immerhin würden sich Anleger die Verwaltungsgebühren sparen.

Kuljurgis: In Deutschland gibt es sogar schon solche Angebote, zwar nicht für den Privat- aber für institutionelle Anleger – so zum Beispiel bei unseren Freunden von der Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Postera Capital, die auch zum Kreis unserer Investoren gehören. Wir versprechen uns deshalb sogar eher Synergien davon, wenn es sowohl Angebote für private Anleger als auch professionelle Investoren auf dem Markt gibt.

Wenn jetzt jemand im großen Stil anfangen würde, wirklich für den Retail geeignete Fonds auf unseren Index aufzulegen, dann wäre das für uns grundsätzlich erstmal eine gute Sache. Denn wir haben ja durchaus den Anspruch, dass unser cdx®-Index, der erste Deutsche Krypto-Index mit Wertpapierkennnummer, als Benchmark beziehungsweise Referenzwert für solche Produkte genutzt werden kann. Ich glaube allerdings an den Vorteil unseres digitalen Vermögensmanagers im Vergleich zu herkömmlichen ETFs.

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Welche Vorteile sind das?

Kuljurgis: Der erste und wichtigste Vorteil ist, dass Anleger über uns einen direkten Zugang zu den Kryptoassets erhalten. Wenn ein Investor in Coindex investiert, dann gehören die Assets, die in seinem Portfolio adaptiert werden, nur ihm. Er kann das jederzeit kündigen und sich die Assets daraus überweisen lassen. Das bietet den Vorteil, dass Anleger dadurch spannende Zusatzpotenziale haben. Wenn sich beispielsweise mal die Use-Cases (Anwendungsfälle, Anm. d. Red.) materialisieren, die hinter diesen ganzen Krypto-Assets stehen, dann hat man natürlich einen Vorteil, wenn einem diese Assets direkt gehören.

Außerdem braucht man für einen Fonds immer noch ein Depot und einen Händler. Das heißt, man hat schon mal zwei Marktteilnehmer, die bezahlt werden müssen. Natürlich streicht sich auch jeder Fondsbetreiber eine Verwaltungsgebühr ein. Sollte jetzt wie in Ihrem Beispiel jemand einen Fonds auf unseren Index auflegen, wären auch wir noch in der Nahrungskette, da wir dafür natürlich eine Linzenzgebühr kassieren. Daher denke ich, dass wir kostentechnisch mehr als konkurrenzfähig sind.

Wie viele User haben Sie sich in den kommenden zwölf Monaten nach Markteintritt vorgestellt?

Kuljurgis: Das hängt natürlich auch immer von der Marktlage ab. Für die kommenden zwölf bis 18 Monate ab Start, ist unser Anspruch auf jeden Fall mindestens 30 bis 50 Millionen an Kundengelder einzusammeln.

Herr Kuljurgis, vielen Dank für das Gespräch!

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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