Interview

Scalable-Gründer zum Siemens-Deal: "Der Startschuss"

Update: 18.01.2017
Sebastian Schick
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Auf einen Blick
  • Der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital wird sich künftig um die Altersvorsorge der Siemens-Mitarbeiter kümmern.
  • Durch die Kooperation mit Siemens Private Finance erhält Scalable Zugang zu 250.000 potenziellen Neukunden.
  • Im Interview mit biallo.de stellt Scalable-Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit "viele weitere Kooperationen dieser Art" in Aussicht.
Scalable-Gründer Podzuweit: "In fallenden Märkten werden viele Anleger panisch."

Biallo.de: Herr Podzuweit, zuerst einmal Glückwunsch! Scalable hat mit Siemens einen großen Fisch an Land gezogen. Der Konzern hat allein in Deutschland fast 120.000 Mitarbeiter. Was glauben Sie, wie viele Siemens-Mitarbeiter werden Ihren Robo-Advisor nutzen?

Podzuweit: Vielen Dank! Wir haben heute bereits einige Siemens-Mitarbeiter in unserem Kundenkreis. Das liegt auch daran, dass unser typischer Kunde sehr viele Überschneidungspunkte mit vielen Siemens-Mitarbeitern hat: Über 90 Prozent unserer Kunden haben einen Universitätsabschluss, zwei Drittel sind Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker oder Ingenieure. Genau von diesen "smart professionals" gibt es bei Siemens besonders viele. Mit dem "Prüfsiegel" durch Siemens Private Finance wollen wir nun noch mehr Siemens-Mitarbeiter von unserer Dienstleistung überzeugen. Das lässt sich heute aber noch nicht in konkrete Zahlen packen.

Biallo.de: Könnte das Beispiel jetzt Schule machen, nämlich dass Roboter künftig die Altersvorsorge in großen Firmen übernehmen?

Podzuweit: In Zeiten von niedrigen Zinsen und fallenden Renten wird der Vermögensaufbau für klassische Privatanleger immer wichtiger, aber auch immer komplexer. In dieser Situation wollen viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern mit Rat zur Seite stehen und ihnen die Auswahl erleichtern. Wenn man als Unternehmen nach kosteneffizienten und individuell variierbaren Finanzdienstleistungen Ausschau hält, landet man automatisch bei digitalen Vermögensverwaltern. Deshalb ist unsere Kooperation mit Siemens Private Finance hoffentlich nur der Startschuss für viele weitere Kooperationen dieser Art.

Biallo.de: Das heißt, Sie verhandeln derzeit mit weiteren namhaften Firmen?

Podzuweit: Wir sind immer offen für potentielle B2B-Partner. Allerdings müssen solche Kooperationen für alle Seiten einen klaren Mehrwert haben.

Biallo.de: Jetzt bekommen die Siemens-Mitarbeiter einen Vorzug als Neukunden von Scalable. Sie können den Service schon ab 5.000 Euro Anlagevolumen nutzen und zahlen in den ersten sechs Monaten keine Gebühren. Verärgern Sie damit nicht einen Teil Ihrer bisherigen Kunden?  

Podzuweit: Von einer echten Kooperation müssen alle Seiten profitieren. Siemens Private Finance empfiehlt uns im Bereich Vermögensaufbau exklusiv an 250.000 aktuelle und ehemalige Siemens-Mitarbeiter. Im Austausch bieten wir diesen Siemens-Mitarbeitern vergünstigte Konditionen. Es handelt sich also um ein typisches Mitarbeiterangebot. Das kennen und verstehen unsere bestehenden Kunden.

Biallo.de: Die Robo-Advisors sind günstiger als klassische Vermögensverwalter. Was spricht noch für die Roboter-Berater?

Podzuweit: Klassische Vermögensverwalter öffnen ihre Pforten nur für Menschen ab einem Vermögen von einer Million Euro. Für einen Großteil der Privatanleger war die Vermögensverwaltung bisher also gar keine Alternative. Das ändert sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten. Digitale Vermögensverwalter geben auch Privatanlegern Zugang zu dieser Dienstleistung. Dabei sind die Kosten ein enorm wichtiger Aspekt. Selbst minimale Kostenunterschiede entscheiden maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg eines langfristigen Vermögensaufbaus. Darüber hinaus verwalten wir das Vermögen jedes einzelnen Kunden zugeschnitten auf seine persönliche Finanzsituation und seine individuelle Risikotoleranz. Wir überwachen das Geld unserer Kunden rund um die Uhr und schichten es automatisch um, damit das Risiko in den einzelnen Portfolios stets konstant bleibt.

Biallo.de: Funktioniert Ihr System auch in stark fallenden Märkten?

Podzuweit: Genau dieser Aspekt war uns bei der Entwicklung unserer Risikomanagement-Technologie extrem wichtig. In fallenden Märkten werden viele Anleger panisch, steigen viel zu früh aus dem Kapitalmarkt aus und realisieren Verluste. In Aufwärtsphasen stehen sie dann sehr häufig an der Seitenlinie und verpassen die Rendite. Diesen Kreislauf können wir nur durchbrechen, wenn wir als Finanzdienstleister die Verlustrisiken transparent machen und sie effektiv begrenzen. Genau das tun wir mit unserer Risikomanagement-Technologie. Im Zuge des Brexit-Votums hat unsere Technologie auch ihren Lackmustest bestanden: Wir konnten unsere Kunden effektiv vor Verlusten schützen. Im Ergebnis haben viele unserer Kunden ihre Anlagesumme und ihre Risikokategorie erhöht.

Biallo.de: Derzeit betreuen Sie Kundenvermögen von rund 120 Millionen Euro. Wann wollen Sie die Milliarde knacken?

Podzuweit: Dafür brauchen wir noch etwas Geduld.

Biallo-Lesetipp

Sichere Geldanlage, satte Renditen: Das versprechen sogenannte Robo-Advisors. Biallo.de hat die digitalen Vermögensverwalter getestet. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel " Robo-Advisor im Vergleich".



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