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Auf einen Blick
  • 2022 bleibt Arbeitnehmern mehr Netto vom Bruttolohn.

  • Während es bei den Sozialversicherungsbeiträgen nur wenig Änderungen gibt, steigt der steuerliche Grundfreibetrag deutlich.

  • Auch beim Mindestlohn ist in mindestens zwei Schritten ein Anstieg beschlossen.

  • Eltern erhalten pandemiebedingt weiterhin länger Kinderkrankengeld und Entschädigungen bei Kita- und Schulschließungen.
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In 2022 gibt es einige Änderungen, die direkte Auswirkungen auf die Finanzen haben. So wird beispielsweise das Arbeitslosengeld 2 angehoben und es gibt Änderungen beim Wohngeld. Auch Pflegebedürftige und deren Angehörige sollen finanziell entlastet werden. Nicht zuletzt profitieren auch Angestellte von Steueränderungen, die mehr Netto in der Lohntüte zur Folge haben.

Der Grund für die positive Nettolohnentwicklung zum Jahreswechsel: 2022 steigt der steuerliche Grundfreibetrag beträchtlich. Bei den Sozialversicherungen bleibt die Beitragsbelastung weitgehend konstant. Der auf Arbeitnehmer anfallende Gesamtsozialversicherungsbeitrag bleibt 2022 im Schnitt weiterhin bei 19,975 Prozent. Für Kinderlose ab 23 Jahren sind es 0,35 Prozentpunkte mehr, also 20,325 Prozent.

Die Entwicklung im Einzelnen:

  • Bei der Rentenversicherung bleibt der Beitragssatz unverändert bei 18,6 Prozent. Versicherte zahlen davon 9,3 Prozent. Spätestens 2024 ist ein Anstieg zu erwarten.
  • Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung beträgt weiterhin 2,4 Prozent. Arbeitnehmer zahlen davon die Hälfte.
  • Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung beträgt für Versicherte mit Kind 3,05 Prozent. Diesen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für Kinderlose kommt überall ein Zuschlag hinzu. Dieser steigt 2022 von 0,25 auf 0,35 Prozentpunkte. Ihn tragen bundesweit allein die Versicherten (ohne Arbeitgeberbeteiligung). In Sachsen gelten Sonderregelungen mit höherem Arbeitnehmeranteil.
  • Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibt es bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Hinzu kommt ein “kassenindividueller Zusatzbeitrag”. Dieser beträgt 2022 im Schnitt aller Kassen 1,3 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Kassen sind nach wie vor beträchtlich.

Wer 2022 mehr für seine Krankenversicherung zahlen muss und wer nicht, entscheidet sich in diesen Tagen. Einige Krankenkassen werden 2022 ihren Zusatzbeitrag erhöhen, manche vielleicht auch senken. Die meisten Kassen treffen ihre Entscheidung erst kurz vor Jahresschluss – oder in der ersten Jahreshälfte 2022.

Biallo-Tipp: Sonderkündigungsrecht bei jeder Beitragserhöhung

Wenn Ihre gesetzliche Krankenkasse Ihren Beitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Dabei müssen Sie eine Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten einhalten. Die Kündigung müssen Sie nicht mehr persönlich erklären. Sie können einfach eine neue Kasse wählen. Diese kümmert sich dann um die Kündigungs- und Wechselmodalitäten.

Beitragssätze zur Sozialversicherung 2022 (in Prozent)

insgesamt Arbeitnehmeranteil
 Allgemeine Rentenversicherung  18,6  9,3
 Arbeitslosenversicherung  2,4  1,2
 Krankenversicherung, allgemein  14,6  7,3
 durchschnittlicher Zusatzbeitrag  1,3  0,65
 Pflegeversicherung  3,05  1,525
 Insgesamt  39,95  19,975
 Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung für Kinderlose  0,35  0,35
 

Kaum Änderungen bei den Beitragsbemessungsgrenzen

Für besserverdienende Arbeitnehmer ist die Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) der Sozialversicherungen erfreulich. Im Westen sinkt diese Grenze bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung sogar leicht um 50 Euro im Monat auf 7.050 Euro (siehe Tabelle). In den neuen Bundesländern steigt sie dagegen um 50 Euro monatlich. Die BBG markiert die Einkommensgrenze, bis zu der Beiträge fällig werden.

Die bundeseinheitliche Beitragsbemessungsgrenze der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist weiterhin deutlich niedriger und liegt 2022 unverändert bei 4.837,50 Euro.

Beitragsbemessungsgrenzen 2022 monatlich (jährlich) in Euro

West
Ost
 Allgemeine Rentenversicherung  7.050,–  6.750,–
 Knappschaftliche Rentenversicherung  8.650,–  8.350,–
 Arbeitslosenversicherung  7.050,–  6.750,–
 Kranken- und Pflegeversicherung  4.837,50  4.837,50
 

Versicherungspflichtgrenze unverändert

Die Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt 2022 wie bisher bei brutto 5.362,50 Euro pro Monat. Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, liegt die für sie geltende besondere Versicherungspflichtgrenze unverändert bei 4.837,50 Euro im Monat.

Wer ein höheres Arbeitsentgelt bezieht, ist in der Regel versicherungsfrei und kann sich zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Die Möglichkeit zum Eintritt in die PKV nutzen immer weniger Arbeitnehmer. Inzwischen gibt es 3,02 Millionen gut Verdienende (Jahresschnitt 2020), die (weiterhin) freiwillig gesetzlich versichert sind. 2010 waren es erst 1,72 Millionen.

 

Neue Steuerregelungen

Neue Steuerregeln sorgen bei fast allen Arbeitnehmern 2022 für ein höheres Nettoeinkommen. So gelten auch 2022 verbesserte Regelungen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Rentenversicherungsbeiträgen. Vor allem aber steigt der steuerfreie Grundfreibetrag von 9.744 Euro auf 9.984 Euro. Der Kinderfreibetrag bleibt dagegen unverändert bei 8.388 Euro. Weiterhin werden die Tarifeckwerte des Einkommensteuertarifs angepasst. Der Steuertarif wird – wenn man sich ein Koordinatensystem vorstellt – um 1,17 Prozent “nach rechts” verschoben. Hierdurch soll die sogenannte kalte Progression ausgeglichen werden. Der progressive – also mit zunehmendem Bruttoeinkommen immer mehr ansteigende – Steuertarif würde ansonsten dazu führen, dass Lohnsteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Besteuerung “aufgefressen” werden.

Da insbesondere sehr gut verdienende Arbeitnehmer von steuerlichen Entlastungen profitieren, verzeichnen diese zum Jahreswechsel ein besonders hohes Netto-Plus. Arbeitnehmer mit Steuerklasse I oder IV, die monatlich brutto 6.000 Euro verdienen, kommen immerhin – ohne weitere steuerliche Absetzbeträge – auf ein monatliches Plus von 20 Euro (mit Kind, keine Kirchensteuer). Bei 8.000 Euro brutto sind es bereits 28 Euro. Zum Vergleich: Bei einem monatlichen Brutto von 2.000 Euro beträgt das Monatsplus nur sechs Euro.

 

Dauerhafte Entlastung für Alleinerziehende

Erfreulicher sieht die Situation für Alleinerziehende aus. Durch das Jahressteuergesetz 2020 wurde der zunächst nur „Corona-bedingt“ um 2.100 Euro erhöhte Entlastungsbetrag ab 2022 dauerhaft auf 4.008 Euro jährlich festgelegt. Dieser Betrag gilt für das erste Kind. Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro hinzu. Ein Entlastungsbetrag in Höhe von 4.008 Euro bringt Alleinerziehenden mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.000 Euro immerhin eine jährliche Entlastung um rund 1.000 Euro. Zumeist ist das Einkommen (und damit auch die steuerliche Entlastung) der Betroffenen allerdings weit niedriger.

Wie sich der monatliche Nettolohn zum Jahreswechsel 2021/22 verändert1

Bruttolohn Nettolohn  
   2021  2022  monatliches Plus in 2022
 2.000 Euro  1.436 Euro  1.442 Euro  6 Euro
 3.000 Euro  2.005 Euro  2.015 Euro  10 Euro
 4.000 Euro  2.541 Euro  2.553 Euro  12 Euro
 5.000 Euro  3.051 Euro  3.067 Euro  16 Euro
 6.000 Euro  3.573 Euro  3.593 Euro  20 Euro
 7.000 Euro  4.043 Euro  4.068 Euro  25 Euro
 8.000 Euro  4.566 Euro  4.594 Euro  28 Euro

1Annahmen: Steuerklasse I/IV, keine Kirchensteuer, mit Kind(ern), gesetzlich kranken- und rentenversichert, 1,3 % Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung in 2022

 

Neuer Freistellungsanspruch für Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer, die einem behinderten Menschen im Krankenhaus zur Seite stehen, wurden zusätzliche Rechte eingeführt: Nach dem neuen Paragraf 44b Absatz 4 Sozialgesetzbuch (SGB) V haben sie nun einen Anspruch auf Freistellung vom Arbeitgeber. Dieser Anspruch auf unbezahlte Freistellung gilt auch für nicht gesetzlich Krankenversicherte. Das neue Freistellungsrecht gilt bereits seit dem 5. Oktober 2021. Demnächst haben die Betroffenen, wenn sie die Begleitung im Krankenhaus übernehmen und deshalb einen Verdienstausfall haben, auch einen Anspruch auf Krankengeld. Dies gilt allerdings erst ab November 2022.

 

Elektronische Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung

Der „gelbe Schein“, den Beschäftigte zum Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit (AU) benötigen, soll bald der Vergangenheit angehören. Ab Anfang 2022 gilt: Alle Arztpraxen müssen die AU-Bescheinigungen an die Krankenkassen elektronisch übermitteln (eAU). Die Patienten erhalten weiterhin eine Papierbescheinigung für sich und für den Arbeitgeber.

Ab dem 1. Juli 2022 sind die Krankenkassen dann zur elektronischen Weiterleitung der AU-Daten an die Arbeitgeber verpflichtet.

  • Biallo-Tipp: Nach wie vor besteht für längerfristig Erkrankte die Pflicht, sich spätestens am Tag nach dem Auslaufen ihrer vorherigen AU-Bescheinigung erneut arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Läuft die Bescheinigung an einem Freitag aus, so reicht es auch, sich am folgenden Montag beim Arzt vorzustellen.
 

Wichtig in Corona-Zeiten: Länger Kinderkrankengeld auch bei Kita- und Schulschließungen

Auch für das Jahr 2022 wird der Anspruch auf das Kinderkrankengeld, das regulär für zehn (bei Alleinerziehenden: 20) Arbeitstage pro Kind gezahlt wird, verlängert. Es wird wie 2021 auch 2022 für maximal 30 Arbeitstage, für Alleinerziehende längstens für 60 Arbeitstage pro Kind gezahlt. Bei mehreren Kindern können die Elternteile 2022 für maximal 65 Arbeitstage Kinderkrankengeld bekommen. Bei Alleinerziehenden sind es höchstens 130 Arbeitstage. Das Kinderkrankengeld gibt es weiterhin nicht nur, wenn ein Kind krank ist, sondern bis zum 19. März 2022 besteht der Anspruch auch, wenn

  • Schulen und Kitas zur Verhinderung von Infektionskrankheiten vorübergehend geschlossen werden,
  • die Präsenzpflicht in einer Schule aufgehoben wird,
  • der Zugang zum Kinderbetreuungsangebot eingeschränkt wird oder
  • das Kind aufgrund einer behördlichen Empfehlung die Einrichtung nicht besucht.

Elternteile, die selbst oder deren Kinder privat krankenversichert sind, bekommen aber kein Kinderkrankengeld. Eine Verlängerung der Regelung über den 19. März 2022 ist zu erwarten.

 

Weiterhin Entschädigung bei Kita- und Schulschließungen

Wenn kein Anspruch auf Kinderkrankengeld besteht, haben erwerbstätige Elternteile, die ihre unter 12-jährigen Kinder aufgrund pandemiebedingter Schul- oder Kitaschließungen oder ausgesetztem Präsenz- oder Hybridunterricht zu Hause betreuen müssen und deshalb nicht arbeiten können, nach Paragraf 56 Absatz 1a Infektionsschutzgesetz weiterhin einen Anspruch auf Entschädigung. Auch dieser mögliche Anspruch wurde zunächst bis zum 19. März 2022 verlängert. Wenn Kinderkrankengeld bezogen wird, gibt es für betroffene Elternteile nicht gleichzeitig die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetzes.

 

Mindestlohn

Zum 1. Januar 2022 steigt der Mindestlohn von 9,60 auf 9,82 Euro und soll zum 1. Juli 2022 nochmals auf 10,45 Euro angehoben werden. SPD, Grüne und FDP wollen den Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde erhöhen. Wann es zu dieser deutlichen Anhebung kommen wird, ist noch offen.

 

Corona-Regeln zum Kurzarbeitergeld

Der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld, der Anspruch auf erhöhte Leistungssätze und die Hinzuverdienstmöglichkeiten während der Kurzarbeit wurden (zunächst) bis zum 31. März 2022 verlängert.

Unternehmen können bis zum 31. März 2022 für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld beantragen, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Auch Leiharbeitnehmer können bis zum 31. März 2022 unterstützt werden. Die Sozialversicherungsbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden werden Arbeitgebern bis Ende März 2022 zur Hälfte erstattet, bei Teilnahme der Arbeitnehmer an einer beruflichen Weiterbildung erfolgt unter bestimmten Voraussetzungen eine volle Erstattung.

Das Kurzarbeitergeld wird für Arbeitnehmer in Kurzarbeit, die einen Entgeltausfall von mindestens 50 Prozent haben, von Januar 2022 bis März 2022 weiterhin auf bis zu 87 Prozent des entfallenen Nettoentgelts aufgestockt.

Bis zum 31. März 2022 bleibt es während der Kurzarbeit weiter möglich, in einem seit Beginn der Kurzarbeit neu aufgenommenen Minijob bis zu 450 Euro anrechnungsfrei hinzuzuverdienen.

Über den Autor Rolf Winkel
ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“. Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".
  Rolf Winkel