Diese Policen sichern Ihre Existenz ab

Ratgeber Diese Policen sichern Ihre Existenz ab

Annette Jäger
von Annette Jäger Fritz Himmel
29.11.2019
Auf einen Blick
  • Familien mit Kindern sollten sich unbedingt gegen existenzielle Risiken versichern.

  • Die drei wichtigsten Policen sind die Berufsunfähigkeits-, die Risikolebens- und die Privathaftpflichtversicherung.

  • Bei allen dreien lohnt es sich, Kosten und Leistungen genau zu vergleichen, um den besten Anbieter zu finden.
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Familien gleichen kleinen Unternehmen. Nicht nur, was die Organisation des täglichen Familienlebens angeht – auch, was die Finanzen betrifft. Kinder großziehen, eine Ausbildung finanzieren, vielleicht eine Immobilie abbezahlen: Es sind immense Summen, die im Laufe eines Familienlebens monatlich zu stemmen sind.

Umso wichtiger ist es, sich gegen existentielle finanzielle Risiken abzusichern:

  • das Risiko, wegen Krankheit oder Unfall berufsunfähig zu werden und kein Einkommen mehr zu haben,
  • das Risiko des Todesfalls eines Elternteils und der damit verbundene Einkommensverlust sowie
  • das Risiko, andere zu schädigen und Schadensersatzansprüche erfüllen zu müssen.

Der richtige Versicherungsschutz ist deshalb ein essentieller Familienbegleiter. Die Krankenversicherung ist ohnehin obligatorisch. Drei weitere Policen sichern die finanzielle Existenz: die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Risikolebensversicherung und die private Haftpflichtversicherung. Auf den folgenden Seiten werfen wir einen genauen Blick auf diese drei Versicherungsprodukte – was sie absichern, welche Versicherungssummen sinnvoll sind, auf welche Details Sie beim Abschluss achten müssen und was sie kosten.

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Berufsunfähigkeitsversicherung

Warum ist sie wichtig?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele unterschätzen das Risiko, berufsunfähig zu werden – dabei sprechen die Statistiken eine deutliche Sprache: Rund jeder Vierte wird mindestens einmal in seinem Leben berufsunfähig, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Am häufigsten sind psychische Erkrankungen der Grund dafür, aber auch Erkrankungen des Skeletts (zum Beispiel Rückenleiden) und Krebsleiden gehören dazu. Auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kann man sich in solchen Fällen nicht verlassen, sie leistet in der Regel zu wenig und der gewohnte Lebensstandard lässt sich damit nicht aufrechterhalten.

Vor diesem Hintergrund kommt der Berufsunfähigkeitsversicherung eine große Bedeutung zu. Sie sichert das finanzielle Risiko ab, wegen Krankheit oder wegen eines Unfalls nicht mehr arbeiten zu können. In diesem Fall zahlt der Versicherer eine monatliche Rente für die Dauer der Berufsunfähigkeit bis zum Rentenalter. In der Regel erhält man die volle Monatsrente ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit. Es lohnt sich, die Police in jungen Jahren abzuschließen, denn es fällt eine umfassende Gesundheitsprüfung an. Wer chronische Erkrankungen hat, muss meist Aufschläge zahlen oder wird unter Umständen sogar ganz abgelehnt. Auch für Berufe, die eine erhöhte Gefahr für die Gesundheit darstellen, sind Risikoaufschläge zu zahlen.

Die passende Rentenhöhe

Damit die Police im Ernstfall auch wirklich existenzrettend ist, muss die Rentenhöhe ausreichend hoch sein. Als Faustregel gilt: 70 bis 80 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens sollten als Rente abgesichert sein. Bei der Berechnung der Rentenhöhe kann man frei verfügbare Einkünfte aus anderen Quellen als dem Arbeitseinkommen einkalkulieren, wie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder auch vorhandenes Vermögen. Die Laufzeit sollte unbedingt bis zum Renteneintritt gelten.

Beiträge

Gerade junge Familien scheuen häufig den Abschluss einer Police, weil der Risikoschutz nicht gerade preiswert ist. Aber die Investition lohnt sich. Wer zwei Kinder zu versorgen und eine Immobilie abzubezahlen hat und nicht mehr arbeiten kann, ist schnell mit einer gewaltigen Versorgungslücke konfrontiert.

Beitragsstruktur

Wer eine Police abschließt, sollte die Beitragsstruktur der Berufsunfähigkeitsversicherung kennen: Die Versicherer weisen zwei Beiträge auf – einen Tarif- und einen Zahlbeitrag, auch Brutto- und Nettobeitrag genannt.

Tarifbeitrag: Das ist die vertraglich festgelegte Prämie, die für den jeweiligen Versicherungsschutz kalkuliert wurde. Sie weist den Maximalbeitrag aus, den der Versicherungsnehmer zu bezahlen hat.

Zahlbeitrag: Tatsächlich bezahlt der Versicherungsnehmer aber nur den günstigeren Zahlbeitrag. Das liegt daran, dass den meisten Verträgen das Modell Beitragsverrechnung zu Grunde liegt: Die Unternehmen beteiligen ihre Kunden an den erwirtschafteten Überschüssen, Gewinne werden somit direkt mit den Beiträgen verrechnet und statt des Tarifbeitrags kann das Unternehmen den günstigeren Zahlbeitrag anbieten. Allerdings gibt es für diese Überschüsse keine Garantie. Erwirtschaftet das Unternehmen geringere Überschüsse, steigt der Zahlbeitrag – maximal bis zum Tarifbeitrag.

Deshalb müssen Kunden bei Abschluss einer Police immer beide Beträge im Augen haben. Gut ist, wenn die Tarife eine möglichst geringe Differenz zwischen Zahl- und Tarifbeitrag aufweisen. Als Faustregel gilt: Die Spanne zwischen beiden Werten soll nicht mehr als 30 Prozent betragen. Ist die Differenz dagegen sehr groß, stellt sich die Frage nach der realistischen Kalkulation des Anbieters, der möglicherweise mit einem geringen Zahlbeitrag auf Kundenfang geht. In einem sehr guten Brutto-Netto-Verhältnis stehen zum Beispiel die Hannoversche, die Allianz, die Dialog und die Nürnberger. Ein besonderes Merkmal weist die Canada Life auf: Sie macht als einer von wenigen Anbietern keinen Unterschied zwischen Brutto- und Nettobeitrag und gewährt einen Festpreis über die gesamte Laufzeit.

Lesen Sie auch: Wie viel Elterngeld Familien bekommen können.

Tarifbeispiele

Beispiel 1: Ein 30 Jahre alter Assistenzarzt, Nichtraucher, muss für eine garantierte monatliche Rente 2.500 Euro bei einer Vertragslaufzeit von 37 Jahren ab rund 85 Euro im Monat an Beitrag bezahlen (Überschussverwendung als Sofortrabatt). Die Canada Life garantiert die 85 Euro für die gesamte Vertragslaufzeit als Festpreis. Andere machen einen Unterschied zwischen Zahlbeitrag und Tarifbeitrag: So verlangt zum Beispiel die Hannoversche 89 Euro Zahlbeitrag und 119 Tarifbeitrag – die Maximalsumme, die der Beitrag während der Laufzeit erreichen kann. Etwas höher ist die Differenz bei der Europa: 89 Euro Zahlbeitrag, 149 Euro Tarifbeitrag. Die Allianz verlangt 106 Euro Zahlbeitrag und 131 Euro Tarifbeitrag.

Tipp: Die Beitragsbeispiele gelten für den versicherten Beruf des Assistenzarztes. Bei einem anderen zu versichernden Beruf können unter Umständen andere Unternehmen günstigere Angebote machen, sprich: Ein günstiger Anbieter in einer Berufssparte kann ein teurer in einer anderen sein.

Beispiel 2: Ein 25 Jahre alter IT-System-Kaufmann muss für eine garantierte monatliche Rente von 1.500 Euro bei einer Vertragslaufzeit von 42 Jahren ab rund 47 Euro an Beitrag im Monat bezahlen (Überschussverwendung als Sofortrabatt). Die Nürnberger verlangt einen Zahlbeitrag von rund 47 Euro, einen Tarifbeitrag von rund 70 Euro. Zum Vergleich: Die Bayerische verlangt rund 50 Euro Zahlbeitrag und 81 Euro Tarifbeitrag, ähnlich auch die Gothaer.

Gesundheitsfragen

Detaillierte Fragen zum Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers sind Teil jeder Versicherungspolice. Angaben zu Krankenhausaufenthalten oder Behandlungen von Krankheiten in den vergangenen Jahren sind Routine. Auch wenn manche Fragen vielleicht pingelig erscheinen oder sich der Versicherte nicht mehr an den damals harmlosen Sportunfall in der Schule erinnern kann: Der Versicherungsnehmer sollte diesen Fragenteil gründlich beantworten. Ungenaue oder unvollständige Angaben bei den Gesundheitsfragen sind einer der größten Knackpunkte, weshalb Versicherungsunternehmen Rentenzahlungen unter anderem aus Berufsunfähigkeitsversicherungen verweigern. Bei einer arglistigen Täuschung – wenn der Versicherungsnehmer absichtlich falsch geantwortet hat, wohl wissend, dass der Versicherer seinen Versicherungsantrag in dieser Form nicht annehmen würde, – kann der Versicherer den Vertrag anfechten mit der Folge, dass der Vertrag von Anbeginn an nichtig ist und keine Leistungspflicht besteht.

Vereinfachte Gesundheitsfragen

Manche Unternehmen bieten Policen mit vereinfachten Gesundheitsfragen an, also einem reduzierten Abfragekatalog. Für manche Berufssparten wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare oder Ingenieure gibt es sogar immer wieder von den Unternehmen ausgerufene Aktionszeiträume, in denen sie solche Policen abschließen können, sagt Versicherungsberater Stefan Albers. Das ist durchaus vorteilhaft, wenn man bereits Vorerkrankungen hat, die zu einem Ausschluss oder einem Risikoaufschlag führen würden. Allerdings werden oft an anderer Stelle Leistungen reduziert: Die Rentenhöhe ist dann beispielsweise begrenzt, ebenso die Nachversicherungsoptionen und die Leistungsdynamik.

Checkliste zur Beantwortung von Gesundheitsfragen

Lückenlos alle Erkrankungen und gesundheitlichen Probleme auflisten im gefragten Zeitraum. Dabei aber nur das erwähnen, was auch tatsächlich bei Ärzten und anderen Therapeuten dokumentiert ist.

Im Zweifelsfall auch belanglose Krankheiten nennen.

Bei Unsicherheit den behandelnden Arzt fragen.

Immer nur die Beschwerden dokumentieren, die zum Arztbesuch geführt haben, nicht die genaue Diagnose.

Nie von Versicherungsvertretern oder -vermittlern verleiten lassen, Vorerkrankungen nicht zu erwähnen, weil sie angeblich belanglos sind.

Den Hausarzt über den Versicherungsantrag informieren. Alle Nachforschungen des Versicherers, die nichts mit dem gesundheitlichen Zustand des Patienten zu tun haben, sollten nicht beantwortet werden.

Tipp: Um die Gesundheitsfragen korrekt zu beantworten, sollten Versicherungsnehmer zwingend einen Blick in ihre Patientenakte bei den diversen behandelnden Ärzten und Therapeuten werfen. Wer sich nicht mehr an alle Arztbesuche erinnert, kann sich an seine Krankenkasse wenden und an die kassenärztliche Vereinigung.

Lesen Sie auch: So lässt sich Demenz finanziell absichern.

Wichtige Leistungsdetails

Noch wichtiger als der monatliche Beitrag sind gute Leistungen eines Vertrags. Diese Details sollten Sie im Blick haben:

Nachversicherungsoptionen: Neue Lebenssituationen wie die Geburt von weiteren Kindern oder der Kauf einer Immobilie machen möglicherweise eine höhere monatliche Rente nötig. Sie sollte sich während der Laufzeit ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen lassen.

Abstrakte Verweisung: Darauf sollte der Anbieter verzichten. So ist der Versicherungsnehmer geschützt davor, auf einen anderen Beruf ausweichen zu müssen, wenn er berufsunfähig wird.

Sechs-Monats-Prognose: Entscheidend ist für den Versicherungsnehmer die Frage, für wie lange er voraussichtlich berufsunfähig sein muss, damit die Versicherung die Rente ausbezahlt. Manchen Versicherern reicht es aus, wenn der behandelnde Arzt eine voraussichtliche sechsmonatige Berufsunfähigkeit bescheinigt, um die Rente auszubezahlen. Andere Versicherer verlangen eine Prognose von drei Jahren, die ein Arzt oft nur sehr schwer machen kann. Der Versicherungsnehmer hat es demnach schwerer, an seine monatliche Rente zu kommen.

Anerkennung ab Beginn der Erkrankung: Manchmal ist zu Beginn einer Krankheit noch gar nicht absehbar, dass aus dem Leiden eine Berufsunfähigkeit wird. Ist der Versicherungsnehmer länger als sechs Monate nicht in seinem Beruf einsatzfähig, zahlen viele Versicherer rückwirkend ab Eintritt der Berufsunfähigkeit.

Rückwirkende Zahlung: Manchmal vergehen Monate und Jahre, bis ein Versicherungsnehmer begreift, dass er nie wieder in seinem Beruf arbeiten kann. Günstig ist es dann, wenn die Versicherung bei verspäteter Meldung der Berufsunfähigkeit bis zu drei Jahren rückwirkend die Rente auszahlt.

Leistungsdynamik: Auf die Beitragsdynamik legt man meist großen Wert. Sie sorgt dafür, dass der Beitrag kontinuierlich etwas ansteigt, um die Inflationsrate über die gesamte Laufzeit der Police auszugleichen. Die Leistungsdynamik vergisst man dabei häufig. Dabei ist sie mindestens genauso wichtig. So wird im Rentenfall der Inflationsausgleich bei der Auszahlung berücksichtigt. Beide Dynamiken sollten bei 2,5 Prozent liegen.

Lesen Sie auch: Langzeitkrankheit finanziell absichern.

Risikolebensversicherung

Warum ist sie wichtig?

Eine Risikolebensversicherung sichert den Todesfall ab: Stirbt in einer Familie ein Elternteil, ist das ein erheblicher finanzieller Einschnitt. Nun muss der verbleibende Elternteil alleine das Einkommen erwirtschaften und gleichzeitig die Kinder betreuen.

Die Risikolebensversicherung leistet in diesem Fall eine Kapitalzahlung, mit der man entweder das fehlende Einkommen ausgleichen oder aber auch eine Haushaltshilfe zur Versorgung der Kinder einstellen kann. Die Versicherung ist ein Muss für alle, die im Todesfall Hinterbliebene zu versorgen haben.

Versicherungssumme

Die Versicherungssumme ist das Kernstück der Police. Viele sichern eine viel zu niedrige Summe ab. Sie unterschätzen die Kosten, die für eine Familie anfallen. Wie hoch die Summe sein muss, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Wie viele Kinder gibt es und wie alt sind sie? Bis zum Alter von 25 Jahren, was in etwa dem Ende der Ausbildungszeit entspricht, sollte man die finanzielle Versorgung der Kinder einberechnen.
  • Ist eine Immobilie abzubezahlen?
  • Gibt es Vermögen, auf das man im Ernstfall zurückgreifen könnte?
  • Eine Witwenrente kann man bei der Berechnung mit einkalkulieren.
    Als Faustregel gilt: Wer einen Partner und zwei Kinder (Alter drei und fünf Jahre) absichern möchte, muss rund 450.000 Euro Versicherungssumme ansetzen.

Immobilienabsicherung

Wer eine Immobilie abzubezahlen hat, sollte auf zwei Risikolebensversicherungen setzen: eine zur finanziellen Absicherung der Familie, die andere, um die Restschuld der Immobilie abzusichern. Letztere kann eine Police mit fallender Versicherungssumme sein: Je mehr man vom Kredit abbezahlt hat, desto geringer wird die Versicherungssumme und damit auch die Beitragszahlung.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
gebundener
Sollzins
 
1.
1.000,00
0,50%
0,50%
1.000,00
0,50%
0,50%
2.
1.002,50
0,52%
0,51%
Betrag 300.000 €, Laufzeit 10 Jahre, Beleihung 60 %

Wichtige Details

Zwei Policen: Jeder Elternteil benötigt eine Police. Auch wenn nur einer von beiden das Haupteinkommen verdient. Fällt der Elternteil, der die Kinder betreut, aus, ist eventuell jemand einzustellen – eine Haushaltshilfe, ein Au-Pair oder Kindermädchen –, der diese Aufgabe übernimmt. Auch das kostet Geld. Nicht zu vergessen: Derjenige, der das Haupteinkommen verdient, muss in der Regel nach dem Tod des Partners seinen Job zeitlich reduzieren, um die Familie zu versorgen, was wiederum Einkommenseinbußen bedeuten kann.

Laufzeit: Sie sollte so lange sein, wie Bedarf besteht – also bis die Kinder aus dem Haus sind und finanziell auf eigenen Beinen stehen und/oder das Haus abbezahlt ist. Gegen Ende der Laufzeit kann man unter Umständen die Versicherungssumme verringern.

Nachversicherungsoption: Die Versicherungssumme muss sich nachträglich ohne erneute Gesundheitsprüfung nach oben anpassen lassen, wenn sich die Lebensumstände ändern und ein höherer Finanzbedarf entsteht.

Überkreuzversicherung: Bei hohen Versicherungssummen wird im Leistungsfall Erbschaftssteuer fällig. Um das zu vermeiden, sollten sich Partner überkreuz versichern: derjenige, der finanziell abgesichert werden soll, wird der Versicherungsnehmer, derjenige, dessen Todesfallrisiko versichert werden soll, wird die versicherte Person.

Tipp: Bei Policen mit über 400.000 Euro Versicherungssumme, verlangt der Versicherer oft eine ärztliche Untersuchung vor Vertragsabschluss. Wer das umgehen möchte, kann zwei Policen bei verschiedenen Anbietern mit jeweils der halben Versicherungssumme abschließen.

Beiträge

Wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, fließen Alter und Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers in die Beitragsberechnung mit ein. Auch bei der Risikolebensversicherung werden Fragen zum Gesundheitszustand gestellt. Ebenso ist die Beitragsstruktur angelegt wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung – es gibt einen Tarif- und einen Zahlbeitrag, Kunden sollten auch hier darauf achten, dass keine allzu große Differenz zwischen beiden Beiträgen besteht, so bleibt das Verteuerungsrisiko der Police überschaubar.

Bei einer Risikolebensversicherung kann der Versicherungsnehmer übrigens getrost auf den billigsten Anbieter zurückgreifen. Vorausgesetzt, der Vertrag gewährt die Option der Nachversicherung, so dass man die Versicherungssumme möglicherweise veränderten Lebensumständen, die durch Heirat, Geburt oder den Kauf einer Immobilie entstehen, anpassen kann. Die Bedingungen oder Leistungen der einzelnen Anbieter muss man ansonsten nicht groß vergleichen, denn der Versicherungsfall – der Tod des Versicherungsnehmers – ist überall derselbe. Bei einer solchen Police kann man durchaus auch auf einen Direktversicherer zurückgreifen, denn in der Regel gibt es nur wenig Beratungsbedarf auf Seiten der Kunden, so dass man nach Abschluss der Police seine Beiträge bezahlt und keine weitere Betreuung benötigt.

Tarifbeispiel: Ein 30 Jahre alter kaufmännischer Angestellter muss für eine Versicherungssumme von 450.000 Euro (gleichbleibend über die Vertragslaufzeit von 30 Jahren) ab rund 25 Euro im Monat an Zahlbeitrag bezahlen. Bei vielen Versicherern gibt es einen großen Unterschied zwischen Zahl- und Tarifbeitrag: Bei Cosmos Direkt kann der Betrag von rund 29 Euro Zahlbeitrag auf maximal 63 Euro Tarifbeitrag steigen. Bei der Hannoverschen von rund 27 Euro auf 61 Euro. Einen stabilen Versicherungsbeitrag gewährt die Dela mit 28 Euro über die gesamte Laufzeit oder die Canada Life mit rund 34 Euro.

Private Haftpflichtversicherung

Warum ist sie wichtig?

Eine private Haftpflichtversicherung gehört ausnahmslos in jeden Haushalt – ob Familie oder Single. Sie deckt Schäden ab, die man anderen zufügt, seien es Sach- oder Personenschäden. Viele unterschätzen ihre Wichtigkeit. Wie oft kommt es schon vor, dass man aus Unachtsamkeit als Radfahrer eine andere Person umfährt, die deshalb dann den Rest ihres Lebens im Rollstuhl verbringt? Stimmt, das kommt nicht oft vor – aber wenn, dann zahlt man der geschädigten Person lebenslang eine Rente. Dafür haftet man laut Gesetz in unbegrenzter Höhe, sprich mit seinem gesamten Vermögen. Eine Police sichert die gesamte Familie ab.

Versicherungssumme

Die Deckungssumme sollte so hoch wie möglich sein. Zu 15 Millionen Euro Mindestsumme rät der Bund der Versicherten. Viele Versicherer decken aber auch schon 50 Millionen Euro ab oder mehr. Versicherungsberater Stefan Albers rät, lieber auf eine Deckungssumme von 50 Millionen Euro zu setzen und einen Selbstbehalt im Schadensfall zu vereinbaren, falls einem die Beitragszahlung zu hoch ist, als einen Tarif mit zehn Millionen Euro ohne Selbstbehalt zu vereinbaren.

Auf diese Leistungen kommt es an

Die private Haftpflichtversicherung ist gespickt mit Leistungsdetails. Diese Leistungen können wichtig sein für Familien:

Deliktunfähige Kinder: Kinder bis sieben Jahre sind laut Gesetz für Schäden, die sie verursachen, nicht haftbar zu machen. Im Straßenverkehr gilt sogar eine Altersgrenze von zehn Jahren. Als Eltern muss man dann auch nicht für die Schäden aufkommen, die Kinder anrichten. Man kann sich aber moralisch dazu verpflichtet fühlen. Dann sollte man darauf achten, dass die Police deliktunfähige Kinder mitversichert. Meist sind die Schäden in der Summe auf 3.000 oder 5.000 Euro begrenzt. Das reicht auch aus. Einen Aufpreis sollte man für dieses Extra aber nicht bezahlen. Dann lieber auf eine Police setzen, die diese Leistung ohne Aufpreis absichert.

Internetschäden: Neuere Haftpflichtversicherungen decken Internetschäden mit ab. Denn die Übermittlung und Bereitstellung elektronischer Daten, etwa durch E-Mail oder im Internet, ist mit Risiken verbunden, die zur Haftung führen können. So kann der Nutzer beispielsweise unwissentlich einen Virus verbreiten und damit nachhaltig Schaden anrichten.

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Freizeitrisiken: Gehören Surfen, Kitesport oder Motorbootfahren zu den Hobbys, muss die Police Schäden, die dabei entstehen können, auch absichern - bei Bedarf auch eine "Wettkampfteilnahme".

Au-Pair: Beschäftigt man ein Au-Pair zur Betreuung der Kinder, kann die Absicherung von Schäden, die das Au-Pair verursacht, von Bedeutung sein.

Schlüsselverlust: Wohnt man beispielsweise in einem Wohnungskomplex mit Schließanlage oder verfügt man über Büroschlüssel, ist es ratsam, den Verlust der Schlüssel mit zu versichern. Gerade wenn mehrere Familienmitglieder mit Schlüsseln ausgestattet sind, steigt das Risiko, diese auch zu verlieren. Dann muss man möglicherweise gleich eine ganze Schließanlage ersetzen.

Forderungsausfalldeckung: Der Vertrag sollte eine Forderungsausfalldeckung enthalten. Diese Klausel ermöglicht es, Leistungen zu erhalten, wenn man selbst der Geschädigte ist. Fügt einem nämlich eine andere Person einen Schaden zu und verfügt diese Person weder über eine Privathaftpflichtpolice noch über ausreichend privates Vermögen, um für den Schaden aufzukommen, springt die eigene Police ein und gewährleistet die Finanzierung. Es werden jedoch nur Schäden anerkannt, für die ein rechtskräftiges Urteil besteht und die eine festgelegte Mindesthöhe erreichen.

Be- und Entladeschäden: Beim Be- und Entladen des Autos rollt der Einkaufswagen oder der Kinderwagen in ein fremdes Auto und verursacht Schäden. Eigentlich ist das ein Fall für die Kfz-Haftpflichtversicherung, mit der unangenehmen Folge, dass man dann in seinem Schadensfreiheitsrabatt schlechter eingestuft wird. Bessere Haftpflichttarife decken solche Schäden inzwischen.

Der richtige Tarif

Wer bereits eine Police hat, sollte überprüfen, ob die versicherten Leistungen noch der Lebenssituation entsprechen. Neue Tarife leisten immer umfassender und sichern neue Risiken ab und sind deshalb nicht teurer. Ein gutes Beispiel sind Drohnen: Sie sind in älteren Tarifen oft gar nicht erfasst, in neueren, besseren – also Komfort- oder Premiumtarifen – sind sie jedoch inzwischen versichert.

Tatsächlich sind in den besseren Tarifen oft viele Extras enthalten, die sonst nur über eine Zusatzversicherung gedeckt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Baumaßnahmen in größerem Umfang, Öltanks, oder Ähnliches. Es lohnt sich also, einen genauen Blick auf die Komfortleistungen zu werfen: Sollte dieser Tarif 30 Euro teurer sein als die Basisabsicherung, dafür aber viele Extras versichern, für die man sonst eine separate Versicherung abschließen müssten, lohnt sich der Aufpreis.

Für rund 80 bis 90 Euro Jahresbeitrag ist eine ganze Familie gut abgesichert – mit 50 Millionen Euro Deckungssumme – und hat viele Extras im Vertrag: zum Beispiel Schlüsselverlust, Forderungsausfalldeckung, Schäden durch deliktunfähige Kinder, Drohnen, Sportwettbewerbe.

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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de