Finanzcheck für junge Familien: Finanzielle Hilfen für werdende Eltern

Ratgeber der Woche Finanzcheck für junge Familien: Finanzielle Hilfen für werdende Eltern

Caroline Benzel
von Caroline Benzel
15.03.2019
Auf einen Blick
  • Wenn aus Paaren Eltern werden, gibt es eine Menge zu organisieren. Nicht nur die Erstausstattung, sondern auch das Arbeitsleben, Kindergeldantrag, Elternzeit und Elterngeld.

  • Wichtig ist es daher zu wissen, wann die jungen Eltern – vor oder nach der Geburt – bei welchem Amt den entsprechenden Antrag stellen.
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Wenn aus Paaren Eltern werden, gibt es viel zu tun. Nicht alles ist so angenehm wie der Kauf der schönsten Babysachen und die gemeinsame Vorfreude im Geburtsvorbereitungskurs. Auch finanziell will die Geburt eines neuen Erdenbürgers vorbereitet sein. Werdende Mütter und Väter sollten sich frühzeitig überlegen, wie die Zeit vor und nach der Geburt aussehen soll. Es gilt zu entscheiden, wer sich wann um den Nachwuchs kümmern soll, wer wann Elternzeit nimmt und wie das Kind krankenversichert wird.

  • Biallo-Tipp: Nicht verheiratete Eltern müssen etwas mehr Papierkram erledigen, sollten sich also besonders frühzeitig informieren.

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Mutterschutz und Mutterschaftsgeld

Schwangere genießen umfassende Rechte, die ihre Gesundheit und die des ungeborenen Kindes schützen sollen.

Mutterschutz

Werdende Mütter, die in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, dürfen grundsätzlich sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt nicht arbeiten. Das regelt das Mutterschutzgesetz, das Mutter und Kind vor gesundheitlichen Gefahren am Arbeitsplatz schützen soll. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten steigt die Schutzfrist nach der Geburt auf zwölf Wochen. Bei medizinischen Frühgeburten und bei sonstigen vorzeitigen Entbindungen verlängert sich die Mutterschutzfrist nach der Geburt um die Tage, die vor der Entbindung nicht in Anspruch genommen werden konnten. Wird bei dem Kind innerhalb von acht Wochen nach der Entbindung eine Behinderung festgestellt, kann die Mutter eine Verlängerung der Schutzfrist von acht auf zwölf Wochen beantragen.

Wichtig: Während der gesamten Schwangerschaft, also vom ersten Tag an und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung, besteht Kündigungsschutz. Das gilt sowohl für ordentliche als auch für fristlose Kündigungen.

Selbstständige und Freiberufler genießen indes keinen Mutterschutz und können selbst entscheiden, wie lange sie arbeiten.

In manchen Branchen kann es auch zu einem generellen Beschäftigungsverbot kommen. So dürfen Erzieherinnen aufgrund der Infektionsgefahr in Betreuungseinrichtungen meist während der gesamten Schwangerschaft nicht arbeiten. Auch Akkord-, Fließband-, Mehr-, Sonntags- oder Nachtarbeit ist Schwangeren verboten. Arbeit nach 20 Uhr muss von der zuständigen Aufsichtsbehörde genehmigt werden.

Neben dem generellen Beschäftigungsverbot, gibt es auch die Möglichkeit eines individuellen Beschäftigungsverbotes. Dieses kann von jedem niedergelassenen Arzt ausgesprochen werden. Mögliche Gründe für ein Beschäftigungsverbot sind eine Mehrlingsschwangerschaft, eine Risikoschwangerschaft oder eine drohende Frühgeburt. Der Arzt kann auch festlegen, dass die Schwangere nur noch in Teilzeit arbeiten, oder bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausführen darf. In dem Fall könnte eine Schwangere also durchaus noch arbeiten, aber vielleicht in einem anderen Arbeitsbereich.

  • Biallo-Tipp: Seit 2018 fallen auch Schülerinnen und Studentinnen unter die Regelungen des Mutterschutzgesetzes.

Mutterschutzlohn

Wenn eine Frau aufgrund eines generellen oder individuellen Beschäftigungsverbotes weniger oder gar nicht mehr arbeitet, muss sie dennoch keine finanziellen Einbußen befürchten. In einem solchen Fall bekommt die Schwangere von ihrem Arbeitgeber mindestens ihren bisherigen Lohn, der dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen oder der letzten drei Monate entspricht, in denen die Frau abgabepflichtig gearbeitet hat. Die Arbeitgeber müssen diesen Mutterschutzlohn so lange bezahlen, bis die Schwangere das Mutterschaftsgeld der Krankenkasse bekommt, also bis zu sechs Wochen vor der Geburt. Das gilt auch, wenn die Schwangere an einem anderen Arbeitsplatz als vor Eintritt der Schwangerschaft arbeiten muss.

Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld wird während der Schutzfristen vor und nach der Geburt und am Entbindungstag gezahlt. Das Mutterschaftsgeld der gesetzlichen Krankenkassen erhalten nur freiwillig- oder pflichtversicherte Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen, die Anspruch auf Zahlung von Krankengeld haben. Maximal gibt es 13 Euro pro Tag. Die Differenz zum Nettoeinkommen während der Schutzfrist zahlt der Arbeitgeber mit dem sogenannten Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld. Um Mutterschaftsgeld und den Arbeitgeberzuschuss zu erhalten, müssen die Schwangeren eine ärztliche Bescheinigung über den voraussichtlichen Entbindungstermin vorlegen.

Privat versicherte oder geringfügig beschäftigte Schwangere bekommen Mutterschaftsgeld in Höhe von maximal 210 Euro vom Bundesversicherungsamt bezahlt. Auch in diesem Fall zahlt der Arbeitgeber den Differenzbetrag zum durchschnittlichen Nettogehalt.

  • Biallo-Tipp: Das Mutterschaftsgeld nach der Entbindung zahlen die gesetzlichen Krankenkassen erst aus, sobald die Geburtsurkunde vorliegt. In manchen Städten kann das Ausstellen der Geburtsurkunde Monate dauern, weshalb Eltern damit rechnen sollten, dass es zu Verzögerungen bei der Auszahlung des Mutterschaftsgeldes nach der Geburt kommen kann. In vielen Geburtskliniken ist es möglich, die Geburtsurkunde noch innerhalb der Klinik zu beantragen. Es empfiehlt sich deshalb, wichtige Unterlagen wie Geburtsurkunden der Eltern mit in die Krankenhaustasche zu packen. Normalerweise erhalten Eltern eine Liste über die notwendigen Unterlagen direkt bei der Geburtsanmeldung.

Ebenfalls wichtig: Mütter, die Elterngeld beantragen wollen, können nicht beides gleichzeitig haben. Sie müssen sich entweder für Mutterschaftsgeld oder Elterngeld in den acht Wochen nach der Geburt entscheiden. Bekommen Sie Mutterschaftsgeld, werden gleichzeitig Anspruchsmonate des Elterngeldes verbraucht, selbst wenn sie gar kein Elterngeld beziehen.

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Checkliste Finanzen: Worum sich Eltern vor und nach der Geburt kümmern müssen

Vor der Geburt

  • Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren und klären, ob während der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot gilt
  • Beim Arzt eine Bescheinigung über den Geburtstermin beantragen
  • Mutterschaftsgeld bei Krankenkasse oder Bundesversicherungsamt beantragen
  • Geplante Elternzeit mindestens sieben Wochen vor Beginn dem Arbeitgeber mitteilen
  • Unterlagen für Geburtsurkunde vorbereiten, zum Beispiel Heiratsurkunden und Geburtsurkunden der Eltern heraussuchen
  • Klären, ob das Kind gesetzlich oder privat versichert wird
  • Unterlagen für Elterngeldantrag vorbereiten

Nach der Geburt

  • Geburtsurkunde beantragen
  • Krankenkasse informieren und Versicherung des Kindes klären
  • Nicht verheiratete Paare: gegebenenfalls Vaterschaft anerkennen
  • Geburtsurkunde an Krankenkasse schicken, wegen Mutterschaftsgeld
  • Geplante Elternzeit mindestens sieben Wochen vor Beginn dem Arbeitgeber mitteilen
  • Kindergeld beantragen, sobald die Steueridentifikationsnummer eingetroffen ist
  • Falls nicht automatisch erfolgt: Anmeldung des Kindes beim Einwohnermeldeamt
  • Elterngeld beantragen

Kindergeld oder Kinderfreibeträge

Zusätzlich zu Elterngeld und Elternzeit können Eltern sich über weitere finanzielle Hilfen freuen. Ab der Geburt des Kindes haben Eltern entweder Anspruch auf Kindergeld oder auf den sogenannten Kinderfreibetrag. Sowohl Kindergeld als auch Kinderfreibetrag werden pro Kind gewährt. Was für die Eltern günstiger ist, ermittelt das Finanzamt jedes Jahr automatisch bei der Berechnung der Einkommensteuer.

Kindergeld

Die Höhe des Kindergeldes pro Kind hängt von der Anzahl der Kinder ab. Für das erste und zweite Kind gibt es derzeit 194 Euro pro Kind. Für das dritte Kind bekommen Eltern 200 Euro Kindergeld und für jedes weitere jeweils 225 Euro. Ab Juli 2019 können Eltern sich über mehr Kindergeld freuen. Wichtig zu wissen: Kindergeld gibt es nicht automatisch, sondern muss bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Gezahlt wird es bis zum 18. Lebensjahr des Kindes.

Das Kindergeld kann bis zum 25. Lebensjahr verlängert werden, wenn sich das Kind nach dem 18. Geburtstag noch in der Ausbildung oder einem Studium befindet. Gleiches gilt für Sprösslinge, die das Freiwilliges Soziale Jahr (FJS) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) ableisten. Für volljährige Kinder mit Behinderung kann das Kindergeld in bestimmten Fällen sogar bis über die Altersgrenze von 25 Jahren hinaus gezahlt werden.

So viel Kindergeld gibt es:

ab 01.07. 2019

seit 01.01.2018

seit 01.01.2017

1. und 2. Kind

204 Euro

194 Euro

192 Euro

3. Kind

210 Euro

200 Euro

198 Euro

ab 4. Kind

235 Euro

225 Euro

223 Euro

  • Biallo-Tipp: Damit Eltern den Antrag auf Kindergeld stellen können, muss das Kind schon eine Steueridentifikationsnummer haben. Diese wird den Eltern nach der Geburt automatisch zugesandt. Die wichtigsten Informationen zum Kindergeld finden Sie im Merkblatt Kindergeld der Familienkasse.

Kinderfreibetrag

Anders als das Kindergeld, wird der Kinderfreibetrag nicht ausgezahlt, sondern ist ein Freibetrag, der vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wird. Dieser wirkt sich dann steuermindernd auf die Berechnung der Einkommensteuer aus. Falls Eltern monatliche Kindergeldzahlungen erhalten, können diese als Vorausleistungen auf den Kinderfreibetrag zum Jahresende betrachtet werden. Ab wann genau der Freibetrag besser ist als das Kindergeld, hängt von der Anzahl der Kinder und dem gemeinsamen Einkommen ab. Bei verheirateten Eltern mit einem Kind, ist der Steuervorteil ab einem gemeinsamen Einkommen von 72.000 Euro höher als das Kindergeld. Den Kinderfreibetrag gibt es bis zum 18. Lebensjahr des Kindes automatisch. Bis zum 25. Lebensjahr des Kindes gibt es den Freibetrag nur für Kinder, die noch in Ausbildung sind. Falls das Kind behindert ist und nicht für sich selbst sorgen kann, wird der Kinderfreibetrag auch über das 25. Lebensjahr hinaus gewährt.

Die steuerlichen Kinderfreibeträge pro Kind und Steuerjahr:

2019

2018

2017

2016

7.620 Euro

7.428 Euro

7.356 Euro

7.248 Euro

Elterngeld und Elternzeit

Elterngeld und Elternzeit werden als Begriffe oft synonym verwendet. Richtig ist: Für Eltern die Elternzeit nehmen, kann das Elterngeld die finanziellen Einbußen abmildern.

Elternzeit

Dauer und Beginn
Angestellte Mütter und Väter können bis zum achten Lebensjahr ihres Kindes maximal drei Jahre lang eine unbezahlte Auszeit von ihrem Job nehmen oder auf Wunsch in Teilzeit arbeiten. Nach dem dritten Lebensjahr dürfen maximal zwei Jahre Elternzeit genommen werden. Die Elternzeit beginnt frühestens mit der Geburt des Kindes. Allerdings können Mütter frühestens im Anschluss an den Mutterschutz in Elternzeit gehen. Gut zu wissen: Eltern können die Elternzeit dann beginnen, wenn sie es möchten. So kann die Elternzeit etwa auch ab dem ersten Geburtstag beginnen. Wie lange die Elternzeit dauert, können Eltern frei entscheiden. Sie können die ganzen drei Jahre Elternzeit nehmen oder nur einen Teil davon. Elternzeit ist sogar für einzelne Monate, Wochen oder Tage möglich.

Lesen Sie auch: Ab 2019 ist befristete Teilzeit möglich

Rechte und Pflichten
Die Elternzeit muss dem Arbeitgeber mindestens sieben Wochen vor Beginn schriftlich angezeigt werden. Eine andere Frist gilt, wenn das Kind nach dem 1. Juli 2015 geboren ist und Vater oder Mutter erst nach dem dritten Geburtstag des Kindes Elternzeit nehmen wollen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber schon 13 Wochen vor Beginn der Elternzeit informiert werden. Während der Elternzeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz. Nach Ende der Elternzeit dürfen Mütter und Väter in den meisten Fällen wieder zu ihrem alten Arbeitsplatz zurückkehren. Wer nicht komplett aus dem Job aussteigen, sondern Teilzeit arbeiten möchte, darf maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten. Voraussetzung für den Anspruch auf Elternzeit ist, dass Vater oder Mutter, die diese Zeit in Anspruch nehmen wollen, mit dem Kind in einem Haushalt leben und es selbst betreuen.

Elternzeit ist in jeder Form von Arbeitsverhältnis möglich. Das gilt auch für befristete Verträge, Teilzeit-Tätigkeiten, Minijobs oder Tätigkeiten im Home-Office. Voraussetzung ist, dass der Arbeitsvertrag nach deutschem Recht geschlossen wurde. Es ist nicht erforderlich, dass der oder die Angestellte auch in Deutschland ihren Wohnsitz hat. Für Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter, Soldatinnen und Soldaten gibt es spezielle Formen der Elternzeit. Selbständige können ihre Zeit selbst einteilen, und haben deshalb kein Recht auf Elternzeit. Sie müssen sich selbst organisieren, haben aber wie angestellte Eltern auch ein Recht auf Elterngeld.

Basiselterngeld und Elterngeld Plus

Für Eltern, die nach der Geburt des Kindes beruflich kürzertreten, soll das Elterngeld einen finanziellen Ausgleich schaffen. Elterngeld gibt es sogar für Eltern, die vor der Geburt gar kein Einkommen hatten. Inzwischen gibt es zwei Arten des Elterngeldes: Basiselterngeld und Elterngeld Plus. Hinzu kommt der sogenannte Partnerschaftsbonus, wenn beide Elternteile Elterngeld beantragen. Was das Ganze kompliziert macht: Alle Komponenten können auf Wunsch miteinander kombiniert werden, sodass beide Elternteile sowohl Basiselterngeld als auch Elterngeld Plus beziehen können. Die Mindesthöhe des Basiselterngelds liegt bei 300 Euro im Monat, die Maximalhöhe bei 1.800 Euro. Wer Elterngeld Plus beantragt, bekommt mindestens 150 Euro und höchstens 900 Euro im Monat ausbezahlt – allerdings für den doppelten Zeitraum.

Basiselterngeld
Das klassische Basiselterngeld können Eltern in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes in Anspruch nehmen. Alleinerziehende bekommen das Geld normalerweise problemlos für den gesamten Zeitraum. Bei Paaren gibt es eine Besonderheit: 14 Monate werden nur gewährt, wenn beide Partner Elternzeit nehmen. Wenn nur ein Elternteil sich um den Nachwuchs kümmert, gibt es das Elterngeld nur für zwölf Monate. Damit es 14 Monate lang Geld gibt, muss auch der zweite Partner mindestens für zwei Monate Elterngeld beantragen und sich um den Nachwuchs kümmern. Natürlich können Eltern auch jede andere Aufteilung der Elternmonate wählen – etwa, dass jeder sieben Monate in Anspruch nimmt.

Das Basiselterngeld beträgt mindestens 65 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens, nicht weniger als 300 Euro und maximal 1.800 Euro im Monat. Höhere Beträge kann es nur geben, wenn bereits Kinder im Haushalt leben oder wenn Zwillinge, Drillinge oder weitere Mehrlinge geboren werden. Ein Geschwisterbonus von zehn Prozent wird zusätzlich zum Elterngeld gewährt, wenn im Haushalt mindestens ein Kind unter drei, oder zwei Kinder unter sechs Jahren leben. Auch wenn ein behindertes Kind unter 14 Jahren im Haushalt lebt, gibt es den Geschwisterbonus. Bei Mehrlingsgeburten werden die Mehrlinge zusammen wie ein Kind unter zwei Jahren behandelt. Den Mindestbetrag von 300 Euro können auch Eltern bekommen, die vorher kein Einkommen erzielt haben.

In Monaten mit Basiselterngeld, in denen der jeweilige Elternteil kein Einkommen hat, beträgt das Elterngeld 65 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens. Sprich: Wer vorher 2.000 Euro netto verdient hat, bekommt davon 65 Prozent Elterngeld, also 1.300 Euro pro Monat. Wer Basiselterngeld bezieht und gleichzeitig arbeitet, bekommt einen Teil des Elterngeldes abgezogen. Wer gleichzeitig arbeitet, bekommt 65 Prozent des Differenzbetrages zwischen dem Nettoeinkommen vor und nach der Geburt. Wer also vorher 2.000 Euro netto verdient hat, und mit Teilzeitarbeit nach der Geburt 1.000 Euro netto verdient, bekommt nur noch 65 Prozent des Differenzbetrages, also 65 Prozent von 1.000 Euro. Das macht dann 650 Euro Elterngeld, anstatt 1.300 Euro Elterngeld. Immerhin kommen durch Teilzeitarbeit und gemindertes Elterngeld in diesem Fall 1.650 Euro zusammen, also rund 350 Euro mehr, als durch den alleinigen Elterngeldbezug zu erzielen wäre.

Ein Elternteil, das wie in unserem Beispiel zwölf Monate Elterngeld bezieht, ohne dazuzuverdienen, bekommt also insgesamt 15.600 Euro an Elterngeld ausgezahlt. Wer indes die zwölf Monate lang auch in Teilzeit arbeitet, bekommt nur 7.800 Euro an Elterngeld ausgezahlt. Wer sechs Monate komplett in Elternzeit geht und sechs Monate in Teilzeit arbeitet, bekommt insgesamt 11.700 Euro Elterngeld.

  • Biallo-Tipp: Das Beispiel zeigt, dass Eltern genau kalkulieren müssen. Denn wer in Teilzeit arbeiten geht und dann Geld in die Kinderbetreuung investieren muss, fährt unter Umständen schlechter, als wenn ein Partner gleich ganz zu Hause bleibt. Eine Lösung kann sein, ganz oder teilweise Elterngeld Plus zu beantragen.

Elterngeld Plus
Das Elterngeld Plus richtet sich an Eltern, die nach der Geburt wieder in Teilzeit arbeiten möchten. Sie können das Elterngeld doppelt so lange beziehen wie das klassische Elterngeld, also maximal 28 Monate lang. Voraussetzung für die vier Extra-Partnermonate ist auch hier, dass beide Partner beruflich kürzertreten, also dass einer der beiden mindestens vier Monate Elterngeld Plus bezieht. Während der Monate, in der sie Elterngeld Plus beziehen, dürfen Mutter oder Vater maximal 30 Wochenstunden arbeiten. Während das Elterngeld Plus also bestenfalls doppelt so lange wie das klassische Elterngeld bezahlt wird, bekommen Eltern gleichzeitig nur die Hälfte des klassischen Elterngeldes ausbezahlt.

Grundsätzlich ist das Prinzip des Elterngeld Plus einfach erklärt, es gibt die Hälfte des Basiselterngeldes für einen doppelt so langen Zeitraum. Doch letztendlich geht es nicht darum, dass Eltern mit dem Geld länger auskommen sollen. Die Grundidee ist, dass Eltern, die in Teilzeit arbeiten, weniger benachteiligt werden. Denn wie oben beschrieben, führt Einkommen dazu, dass das Elterngeld schrumpft.

Das ist auch beim Elterngeld Plus so, allerdings mit einer Besonderheit: Bei der Berechnung des Elterngeld Plus wird zusätzlich der sogenannte Deckelungsbetrag herangezogen. Der Deckelungsbetrag beträgt genau die Hälfte des Betrages, den Eltern als Basiselterngeld monatlich bekommen würden, wenn sie nicht arbeiten. Das bedeutet: Wer vor der Geburt 2.000 Euro netto verdient hat, bekommt mit 65 Prozent des Nettogehalts ein Basiselterngeld von 1.300 Euro – so lange nichts dazuverdient wird. Der Deckelungsbetrag fürs Elterngeld Plus liegt also in diesem Fall bei 650 Euro, der Hälfte des maximalen Basis-Elterngeldanspruchs.

Wenn Mutter und Vater in dieser Konstellation nach der Geburt arbeiten wollen und Elterngeld Plus beziehen, kommt unter dem Strich mehr raus als beim Basiselterngeld. Der Grund: Auch beim Elterngeld Plus wird das Elterngeld auf den Differenzbetrag zwischen Nettoeinkommen vor und nach der Geburt bezahlt. Liegt das Einkommen bei 1.000 Euro, beträgt der Differenzbetrag zum Einkommen vor der Geburt ebenfalls 1.000 Euro, es gibt also 650 Euro Elterngeld im Monat.

Da dies genau dem Deckelungsbetrag entspricht, wird davon auch nichts mehr abgezogen. In diesem Fall erhielte also der arbeitende Elternteil 24 Monate lang 650 Euro, insgesamt also 15.600 Euro. Das entspricht genau dem Elterngeldbetrag, den Eltern ohne Nebenverdienst bekommen hätten. Hätte sich der Elternteil für Basiselterngeld und Teilzeit-Arbeit entschieden, so hätte es nur 7.800 Euro an Elterngeld gegeben, genau die Hälfte.

  • Biallo-Tipp: Auf dem Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt es einen detaillierten Elterngeld- und Elterngeld Plus-Rechner mit dem Sie Ihre Optionen durchrechnen können. Hilfe und Beratung gibt es auch bei den örtlichen Elterngeldstellen. Zusätzlich haben sich diverse Dienstleister etabliert, die Eltern helfen, das Elterngeld so zu beantragen, dass sie den ihnen zustehenden Höchstbetrag bekommen. Die Preise der Dienstleister liegen je nach Beratungspaket zwischen 90 und 280 Euro. Kostenpflichtige Hilfe gibt es beispielsweise auf Portalen wie Elterngeld.net und Elternzeit.de.

Elterngeld beantragen

Gerade wenn Eltern in Teilzeit arbeiten wollen, oder vielleicht einige Monate Elterngeld und einige Monate Elterngeld Plus beziehen wollen, kann eine Beratung und Hilfestellung beim Antrag sinnvoll sein. Auch bei Selbständigen und Freiberuflern kann die Antragstellung schwierig sein, da sie häufig ein wechselndes Einkommen haben. Eltern, die in Berlin oder Sachsen wohnen, können Elterngeld bereits online beantragen. Weitere Bundesländer sollen folgen.

Falls der Online-Antrag nicht möglich ist, müssen Eltern sich an eine der örtlichen Elterngeldstellen wenden. Wichtig zu wissen: Wer ab der Geburt des Kindes Elterngeld bekommen will, darf den Antrag maximal drei Monate nach der Geburt stellen. Das gilt auch für nachträgliche Änderungen. Sie können höchstens drei Monate rückwirkend beantragt werden. Da viele Elterngeldstellen überlastet sind, empfiehlt es sich, vorab nachzufragen, wie lange die Bearbeitung der Anträge im Schnitt dauert. Immer wieder gibt es Eltern, die Monate warten müssen, bevor das erste Geld fließt.

Folgende Unterlagen brauchen Eltern für die Antragstellung:

  • Geburtsurkunde oder Geburtsbescheinigung des Krankenhauses
  • Nachweise über das bisherige Einkommen
  • Bescheinigungen über Mutterschaftsgeld und Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld
  • Privatversicherte: Bescheinigungen über Krankentagegeldbezüge während des Mutterschutzes
  • Gegebenenfalls Bescheinigungen über Arbeitszeiten während des Elterngeldbezugs

Kinderzuschlag und Sozialhilfe

Familien und Alleinerziehende mit geringem Einkommen können weitere finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen. Dazu gehören der sogenannte Kinderzuschlag und die Sozialhilfe.

Kinderzuschlag

Der Kinderzuschlag wird gemeinsam mit dem Kindergeld bei der Familienkasse beantragt. Er beträgt maximal 170 Euro pro Kind und wird ab Juli 2019 auf 185 Euro erhöht. Er wird in der Regel erst einmal für sechs Monate bewilligt. Die maximale Bezugsdauer beträgt 36 Monate.

Voraussetzung ist, dass die Eltern ein gemeinsames Bruttoeinkommen von mindestens 900 Euro haben. Bei Alleinerziehenden muss das Mindesteinkommen bei 600 Euro liegen. Die Höchsteinkommensgrenze darf nicht überschritten werden. Außerdem: Die Eltern dürfen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II (ALG II ) oder Sozialgeld haben, wenn sie den Kinderzuschlag bekommen wollen.

Sozialhilfe für Kinder

Wenn Eltern Sozialleistungen beziehen, sei es ALG II oder eine Grundsicherung, so können auch Kinder Unterstützung erhalten. Die Höhe der Zahlung richtet sich nach der sogenannten Regelbedarfsstufe. Bis zum sechsten Lebensjahr sind Kinder in der Regelbedarfsstufe 6. Hier bekommen Eltern pro Kind 245 Euro im Monat ausbezahlt. Zwischen dem siebten Bis zum 14. Lebensjahr bekommen sie 302 Euro pro Monat, zwischen dem 15. und 18. Lebensjahr 332 Euro. Eltern, die ALG II beziehen, müssen die Leistungen für ihre Kinder beim Jobcenter beantragen.

  • Biallo-Tipp: Eltern und Alleinerziehende können sich in Beratungsstellen sozialer Dienste über mögliche finanzielle Hilfen beraten lassen.

Krankenversicherung für den Nachwuchs

Ob der Nachwuchs nach der Geburt gesetzlich oder privat versichert wird, hängt von dem Versicherungsstatus der Eltern ab. Sind beide Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung, so kommt das Baby nach der Geburt ebenfalls in die gesetzliche Krankenversicherung – als familienversichertes Mitglied, ohne dass die Eltern dafür bezahlen müssen. Anders sieht es aus, wenn ein Elternteil gesetzlich und der andere privat versichert ist. Das Kind kann dann in jedem Fall in die private Krankenversicherung – wobei für das Kind eine separate, kostenpflichtige Versicherungspolice abgeschlossen werden muss. Ob eine kostenfreie Familienversicherung möglich ist, hängt von diversen Faktoren ab, unter anderem davon, ob die Eltern verheiratet sind und was der privat versicherte Elternteil verdient. Es empfiehlt sich also, vor der Geburt bei der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung nachzufragen, welche Möglichkeiten es gibt, das Kind versichern zu lassen.

  • Biallo-Tipp: Vor allem finanziell ist die kostenlose Familienversicherung eine gute Sache. Wer seinem Kind indes den Schutz einer privaten Krankenversicherung ermöglichen will, kann die Gelegenheit nutzen, das Kind nach der Geburt ohne Gesundheitsprüfung bei der privaten Versicherung unterzubringen.

Lesen Sie auch: Steuerfreie Vorsorge für die Patchworkfamilie

Unterhalt

Jedes Kind hat grundsätzlich Anspruch auf Unterhalt durch seine Eltern. Wenn das Kind bei einem Elternteil aufwächst, so ist der andere Elternteil verpflichtet, Barunterhalt zu leisten. Die Höhe des Barunterhalts hängt vom Einkommen der unterhaltspflichtigen Person, dem Alter des Kindes und der Anzahl von Personen ab, denen Unterhalt zusteht. Der Barunterhalt muss monatlich im Voraus bezahlt werden. Der gesetzliche Mindestunterhalt beträgt seit Anfang 2019:

  • für Kinder bis 5 Jahre 354 Euro
  • für Kinder bis 11 Jahre 406 Euro
  • für Kinder bis 17 Jahre 476 Euro
  • für Kinder ab 18 Jahren 527 Euro

Falls der unterhaltspflichtige Elternteil nicht, oder nur unregelmäßig Unterhalt bezahlt, können die Kinder einen sogenannten Unterhaltsvorschuss bekommen. Dieser muss in der Regel beim zuständigen Jugendamt beantragt werden.

Lesen Sie auch: Mehr Unterhalt für Trennungskinder ab 2019

  • Biallo-Tipp: Als Leitfaden für die Höhe des Unterhalts in Abhängigkeit vom Einkommen gilt die sogenannte Düsseldorfer Tabelle.
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Biallo-Spezialistin rund um das Thema Mobilfunk. LTE, NFC, UMTS - sie weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für unsere Leser wichtig sind. Nach ihrem Studium der Publizistik hat sie sich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Caroline Benzel arbeitet für Print- und Online-Medien sowie fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de