Individuellen Pflegemix zusammenstellen

Alternativen zum Pflegeheim Individuellen Pflegemix zusammenstellen

Annette Jäger
von Annette Jäger
24.02.2017
Auf einen Blick
  • Wer pflegebedürftig wird, muss heute längst nicht mehr ins Pflegeheim. Es gibt viele Alternativen.

  • Die jüngste Pflegereform hat die Pflege zu Hause deutlich gestärkt.

  • Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige könnten künftig boomen.

 

 

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 "Die meisten Menschen wollen trotz Pflegebedürftigkeit zu Hause bleiben", sagt Jens Werner, Pflegeberater bei Barmer. Seit 2011 gibt es die Pflegeberater bei den Krankenkassen, die zum Thema Pflege beraten, von der Organisation bis zur Finanzierung. "Wenn ein soziales Umfeld vorhanden ist und die Wohnung mit einfachen Maßnahmen umgebaut werden kann, ist der Verbleib in den eigenen vier Wänden auch in hohen Pflegegraden heute gut möglich", meint Werner.

Mehr Geld für Pflege zu Hause

Seit Januar sind die Zuschüsse für die Pflege zu Hause deutlich gestiegen. Wer heute als Demenzpatient in Pflegegrad 3 ist (früher Pflegestufe I plus eingeschränkte Alltagskompetenz), bekommt zum Beispiel 609 Euro im Monat mehr als früher, um sich von einem ambulanten Pflegedienst zu Hause pflegen zu lassen. Schon ab Pflegegrad 1 stehen alle Zuschüsse für die Gründung einer Pflege-Wohngemeinschaft zur Verfügung und alle, die zu Hause gepflegt werden, erhalten bereits ab Pflegegrad 1 den zweckgebundenen Entlastungsbetrag von 125 Euro, um eine Haushaltshilfe, Fahrdienste oder eine Begleitung zum Arzt zu finanzieren.

Pflege individuell zusammenstellen

Heute gibt es nicht mehr nur die Wahl zwischen der Pflege im Heim oder zu Hause durch Angehörige. "Heute kombiniert sich der Pflegebedürftige aus einer Vielzahl von Möglichkeiten seinen individuellen Pflegemix", sagt Werner. Am häufigsten wird bei ihm das Modell der Tagespflege angefragt. Dabei behalten die Pflegebedürftigen ihren Lebensmittelpunkt zu Hause, werden von Angehörigen versorgt, eventuell auch von einem ambulanten Pflegedienst, gehen aber für zwei oder drei Tage in der Woche tagsüber in eine Pflegetageseinrichtung.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Tagespflege

Zur Finanzierung einer Tagespflege können Betroffene nicht nur Zuschüsse für die Pflege zu Hause - also Pflegesachleistungen oder Pflegegeld - in Anspruch nehmen, sondern zusätzlich Zuschüsse für die Tagespflege, die neuerdings genauso hoch sind wie die Pflegesachleistungen. Ein Pflegebedürftiger in Pflegegrad 2 (vormals Pflegestufe I ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) kann so auf monatlich 1.503 Euro kommen (inklusive Entlastungsbetrag von 125 Euro). Zieht er in ein Heim, wären es nur 770 Euro im Monat.

Wohngemeinschaften im Kommen

Auch Wohngemeinschaften (WGs) für Pflegebedürftige setzen sich nach und nach durch. An die 3.700 gibt es bereits in Deutschland. Jede hat eine andere Ausrichtung, besonders für Demenzpatienten wächst das Angebot. Für Alleinstehende kann dies eine attraktive Möglichkeit sein, in Gemeinschaft zu leben. Die Bewohner unterstützen sich gegenseitig, holen sich aber auch Haushaltshilfen, einen ambulanten Pflegedienst, oder einen Sozialarbeiter hinzu und bleiben dabei stets die Hausherren.

Finanzierung von Wohngemeinschaften

Die Pflegereform könnte zu einem Gründer-Boom von WGs führen. Denn jetzt gibt es frühzeitig umfassende finanzielle Förderung: Zur WG-Gründung gibt es bis zu 2.500 Euro pro Person als Anschubfinanzierung, maximal 10.000 Euro pro Wohngruppe. Für den altersgerechten Umbau der Wohnung stehen außerdem 4.000 Euro pro Person zur Verfügung, maximal 16.000 Euro pro Gruppe. Läuft die WG erst mal, erhalten die Mitbewohner neben den üblichen Zuschüssen zur Pflege zu Hause einen Wohngruppenzuschlag von 214 Euro pro Monat, um eine organisatorische, betreuende oder hauswirtschaftliche Unterstützung zu finanzieren.

Sie möchten mehr erfahren? In unserem kostenlosen sechsseitigen Dossier informieren wir Sie ausführlich rund um das Thema "Alternativen zum Pflegeheim". Dieser Beitrag steht Ihnen als PDF-Download zur Verfügung. Das "Thema der Woche" ist ein Service der Verbraucher-Redaktion Biallo & Team GmbH. 

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de