Mehr Rente für die Pflege

Soziales Mehr Rente für die Pflege

von Horst Peter Wickel
04.06.2017
Auf einen Blick
  • Die meisten Pflegebedürftigen werden ehrenamtlich betreut.

  • Der Gesetzgeber stärkt nun fleißige Angehörige.
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Rund 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts pflegebedürftig. Rund 75 Prozent von ihnen werden ehrenamtlich in ihrer häuslichen Umgebung versorgt, zumeist von ihren Ehefrauen, Töchtern und Schwiegertöchtern.

Bisher waren es mindestens 14 Stunden pro Woche, die Sie für die Pflege Ihrer Angehörigen aufbringen mussten, um Rentenansprüche für die Pflege zu erwerben. Seit Januar 2017 sind es nur noch zehn Stunden, verteilt auf mindestens zwei Wochentage.

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Schon seit 1995 können Sie für die Pflege auch Rentenpunkte bekommen. Die Rentenbeiträge bezahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen. Nach wie vor gilt: Als Pflegende oder Pflegender dürfen Sie nicht mehr als regelmäßig 30 Wochenstunden beruflich tätig sein. Wenn Sie selbst bereits im Ruhestand sind, haben Sie keinen Anspruch, Ihre Altersrente durch die Pflege aufzustocken.

Nur geringe Zusatzrente durch Pflege

Das Positive gleich zu Beginn: Als Pflegende oder Pflegender selbst müssen Sie für Ihr Rentenplus nichts in die Rentenkasse einzahlen. Allerdings können Sie Ihre Altersrente lediglich um Beträge von 5,22 bis maximal 29,30 Euro pro Monat aufstocken.

Die Berechnung dieser Beträge ist äußerst kompliziert. Die Pflegekasse muss dabei so tun, als ob Sie für die Pflege Gehalt beziehen, und auf dieses fiktive Gehalt wird dann ein Rentenbeitrag errechnet. Je höher der Pflegegrad und je weniger professionelle Hilfe Sie bei der Pflege bekommen, desto mehr Rente können Sie für Ihre Tätigkeit erhalten.

Am höchsten ist dieses fiktive Gehalt, wenn Sie Menschen mit Pflegegrad 5 versorgen, also Schwerstbeeinträchtigte mit besonderen Pflegeanforderungen. Das können Patienten mit schwerer Demenz, mit Krebserkrankungen im Endstadium oder Wachkomapatienten sein. Wenn Sie sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen mit Pflegegrad 1 kümmern, werden Ihnen wegen des eher geringen Pflegeaufwands hingegen keine Rentenpunkte zugeschrieben. Dazu kommt, dass das Rentenplus geringer ausfällt, wenn ein Pflegebedürftiger auch Pflegesachleistungen beansprucht.

Kritik von Sozialverbänden

Zwar betrachten Sozialverbände wie der VdK die neuen Regelungen durchaus als Gewinn, aber sie kritisieren nicht nur die geringe Höhe der zusätzlichen Rentenpunkte, sondern vor allem die Tatsache, dass die Rentenansprüche beim Bezug von Pflegesachleistungen gekürzt werden.

"Damit wird ein Anreiz geschaffen, dass der Pflegende lediglich Pflegegeld bezieht", kritisiert Olaf Christen, Referent für Pflege beim Sozialverband VdK Deutschland. "Pflegende Angehörige benötigen in der Regel schon frühzeitig professionelle Unterstützung. Dies mit Kürzungen bei den Rentenansprüchen zu verbinden, ist das falsche Signal."

Anmeldung bei der Pflegekasse erforderlich

Der Rentenanspruch wird nicht automatisch gewährt, sondern Sie müssen ihn bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragen. Dafür müssen Sie dann den "Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen" ausfüllen. Am einfachsten gehen Sie dazu in eine Beratungsstelle der Pflegekasse, auch der VdK berät seine Mitglieder gern. Eine Beratung können Sie auch bei der Deutschen Rentenversicherung telefonisch unter der Rufnummer 0800/10 00 48 00 erhalten.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de