Renteneinkünfte viel niedriger als gedacht

Versorgungslücke im Alter Renteneinkünfte viel niedriger als gedacht

Max Geißler
von Max Geißler
17.10.2017
Auf einen Blick
  • Die Versorgungslücke vieler Rentner ist größer als gedacht – vor allem in den alten Bundesländern.

  • Eine einfache Überschlagsrechnung zeigt, ob Ihre Einkünfte im Rentenalter ausreichen.

  • Mit kostengünstigen ETFs lassen sich Versorgungslücken zuverlässig schließen.
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Der neue Versorgungsatlas von Union Investment offenbart ein überraschendes Ergebnis. Vor allem im Westen und Süden Deutschlands klaffen große Versorgungslücken in Sachen Rente. In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen die Fehlbeträge um ein Drittel höher als in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen oder Sachsen.

Nach Berechnungen der Forscher beträgt die monatliche Versorgungslücke in den alten Bundesländern im Schnitt 700 Euro, in den neuen Bundesländern dagegen nur 450 Euro. In einkommensstarken Regionen wie Stuttgart oder Hamburg fehlen künftigen Ruheständlern bis zu 800 Euro im Monat. Im Bundesdurchschnitt haben Rentner 656 Euro monatlich zu wenig.

Als Ursache für die niedrigeren Fehlbeträge in den neuen Bundesländern sehen die Forscher die geringeren Lebenshaltungskosten an, die das niedrigere Durchschnittseinkommen mehr als kompensieren. Der geringere Verdienst führt trotz niedrigerer Altersrenten zu einer geringeren Versorgungslücke.

Finanzbedarf richtig einschätzen

Viele Berufstätige vertrauen darauf, dass die Einnahmen aus gesetzlicher und betrieblicher Rente sowie dem Riester-Vertrag im Alter ausreichen werden. Doch das klappt nur selten. Häufig erreichen die Renteneinkünfte nicht mal die Hälfte der früheren Gehaltshöhe. Zudem schröpfen Steuern und Sozialabgaben das verfügbare Alterseinkommen.

Allein der Beitrag für die gesetzliche Kranken- und Pflegekasse verschlingt mehr als zehn Prozent der gesetzlichen Rente. Hinzu kommt die Steuer. Startet die Rente 2017, sind 74 Prozent der Rentenzahlungen steuerpflichtig. Mit jedem Jahr, das die Rente später beginnt, wächst dieser Satz um zwei Prozentpunkte an.

Versorgungslücke im Handumdrehen ermitteln

Rentenexperten empfehlen als Ruhestandseinkommen 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Die nachfolgende Überschlagsrechnung zeigt, dass dies oft nicht reicht. Angenommen Sie verdienen aktuell 2.800 Euro netto im Monat, 2.100 Euro davon benötigen Sie, um Ihren Lebensunterhalt komplett zu decken, der Rest bleibt für Sparen, Urlaub und Neuanschaffungen.

2.100 Euro entsprechen 75 Prozent des letzten Nettoeinkommens – erreichen das Ihre Renteneinkünfte? Stellen Sie dem anvisierten Versorgungsbedarf Ihre verfügbaren Renteneinkünfte gegenüber. Wichtig: Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten Sie Nettobeträge ermitteln.

Rechnen Sie wie folgt:

Bedarf:                                                                2.100 €

gesetzliche Rente (netto)                           - 1.300 €

Betriebsrente (netto)                                     - 200 €

Riester-Rente (netto)                                      - 150 €

Fehlbetrag                                                        = 450 €

  • Ergebnis: Das Renteneinkommen reicht nicht annähernd, um das Versorgungsziel von 75 Prozent des letzten Nettoverdienstes zu erreichen. Es bleibt eine Versorgungslücke von knapp 20 Prozent oder 450 Euro. Sollten Ihre Ausgaben im Ruhestand über der 75-Prozent-Grenze liegen, ist der Finanzbedarf im Alter sogar noch größer.

Fonds und ETFs schließen Versorgungslücke

Damit Sie keine Abstriche am gewohnten Lebensstandard im Alter machen müssen, sollten Sie rechtzeitig mit dem Sparen beginnen. Ein Sparplan mit kostengünstigen Indexfonds hilft, die Rentenlücke zuverlässig zu schließen. Wichtig ist, dass Sie auch bei Engpässen am Ball bleiben.

Dax-ETFs haben zum Beispiel in den vergangenen fünf Jahren fast 80 Prozent Plus erwirtschaftet, auf Zehnjahressicht sind es trotz nachhaltiger Finanz- und Börsenkrise mehr als 50 Prozent. Legen Sie monatlich 150 Euro beiseite, so haben Sie bei fünf Prozent Rendite nach 30 Jahren ein Fondsvermögen von 125.000 Euro angespart. Das reicht bei einer Rendite von drei Prozent aus, um sich 30 Jahre lang jedoch Monat 500 Euro auszahlen zu lassen.

  • Biallo-Tipp: Unsere ETF-Übersichten zeigen Ihnen eine Auswahl der besten Indexfonds.
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de