Immobilien und Aktien werden immer häufiger verschenkt

Schenken statt vererben Immobilien und Aktien werden immer häufiger verschenkt

Ines Baur
von Ines Baur
18.05.2018
Auf einen Blick
  • Nach der Erbschaftswelle rollt jetzt eine Schenkunswelle über Deutschland.

  • Schenkungen über 100.000 Euro könnten sich laut einer Studie in den
    nächsten Jahren verdreifachen.

  • Aktien und Fonds werden künftig genauso häufig verschenkt wie Schmuck und Diamanten.

  • Bargeld und Überweisungen bleiben die Nummer eins unter den Schenkungen. Den zweiten Platz werden künftig Immobilien erobern.

  • Das Steuersparmotiv als Anlass für Schenkungen gewinnt an Bedeutung.
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Es ist schöner mit warmen Händen zu geben als mit kalten. Dieses Sprichwort nehmen sich offenbar immer mehr Deutsche zu Herzen. Denn Geschenke als vorweggenommenes Erbe werden immer beliebter. Das zeigt die Studie "Schenkungen in Deutschland 2018", welche die Quirin Privatbank mit dem Marktforschungsinstitut Yougov erhoben hat. Hierfür wurden 7.300 Bundesbürger repräsentativ befragt.

Fast die Hälfte aller Deutschen ab 18 Jahren (43 Prozent) hat schon mal eine Schenkung im Wert von über 1.000 Euro erhalten. Mehr als jede fünfte Schenkung davon ist ausdrücklich als vorweggenommene Erbschaft über die Bühne gegangen. Insgesamt beläuft sich gut jede vierte Schenkung (27 Prozent) auf über 10.000 Euro, in Bayern sogar jede dritte. Und die Häufigkeit sowie die Umfänge von Schenkungen dürften laut Studie künftig stark zunehmen.

"Schenkungen und Erbschaften haben in Deutschland eine exponentiell wachsende Bedeutung – nach der Erbschaftswelle wird Deutschland nun quasi von einer Schenkungswelle überrollt", kommentiert Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank, die Ergebnisse der Studie.

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Häufigkeit von großen Schenkungen könnte sich verdreifachen

Aktuell möchten sechs von zehn Deutschen gerne selbst Geschenke ab einem Wert von 1.000 Euro machen. Diese Quote ist in allen Bundesländern in etwa gleich hoch. Regionale Unterschiede gibt es beim Umfang. So könnte in Bayern laut Studie jede vierte künftige Schenkung mehr als 100.000 Euro betragen. In Berlin und Thüringen kommt nur jede zehnte Schenkung auf diesen Wert. Betrachtet man die ganze Bundesrepublik könnten in Zukunft sechsstellige Schenkungen in jedem sechsten Fall (rund 17 Prozent) anstehen. Bisher gab es derart hohe Schenkungen nur in sechs Prozent aller Fälle.

"Immobilien sind ein wesentlicher Grund, dass die Wahrscheinlichkeit sechsstelliger Geschenke in Deutschland künftig auf fast das Dreifache steigen kann", erklärt Karl Matthäus Schmidt. "In Bayern und Rheinland-Pfalz könnte Grundbesitz laut unserer Studie künftig sogar schon in jeder zweiten Schenkung enthalten sein."

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Diamanten, Aktien, Immobilien und Geld

Geld wird nach wie vor am häufigsten in Deutschland verschenkt (60 Prozent). Abgeschlagen dahinter: Schmuck und Diamanten (16 Prozent), Immobilien (15 Prozent), Gold (11 Prozent), Aktien und Fonds (6 Prozent) sowie Kunst (4 Prozent). Die Gewichtung dürfte sich in den nächsten Jahren aber deutlich verschieben. Denn 40 Prozent aller Befragten könnten sich vorstellen, eine Immobilie zu verschenken. 20 Prozent würden gerne zu Lebzeiten Aktien und Fonds übertragen.

"Wertpapiere könnten laut unserer Untersuchung künftig genauso häufig wie Schmuck verschenkt werden. Für die Anlageberatung entstehen daraus neue Möglichkeiten", erklärt Schmidt. "Denn bislang besaßen die über 50-Jährigen in Deutschland deutlich häufiger Aktien und Fonds als jüngere Erwachsene. Im Zuge der Schenkungs- und Erbschaftswelle kann sich das Verhältnis zugunsten der Jüngeren verändern."

Steuern sparen mit Schenkungen

Ob sich die Großmutter an den strahlenden Augen der Enkelin erfreuen möchte, wenn sie den Diamantohrring schenkt oder der Großgrundbesitzer schlicht und einfach dem Nachwuchs die Erbschaftsteuer ersparen möchte – die Motive der Schenkungswelle sind different. Fest steht aber: Die Bayern haben am wenigsten Lust auf Erbschaftssteuer. Denn in keinem anderen Bundesland wollen so viele Menschen mit Schenkungen die Erbschaftssteuer vermeiden (30 Prozent). Und auch wenn den Berlinern und Saarländern der steuerliche Aspekt bisher nicht so wichtig erscheint, geht der Trend bundesweit in eine eindeutige Richtung: Spielte der Steuervorteil bei Schenkungen bislang nur in vier Prozent aller Fälle eine Rolle, möchte man in Zukunft bei gut jeder vierten Schenkung (27 Prozent) darauf achten.

"Schenkungen als vorgezogene Erbschaften können tatsächlich signifikante Steuervorteile bringen, insbesondere durch neue Freibeträge alle zehn Jahre" gibt Schmidt zu bedenken. "Dennoch ist auch hier sehr genau auf mögliche Fallstricke zu achten, die im Zweifel mit einem Berater besprochen werden müssen."

Schenkungssteuer - was ist das?

Bemerkenswert ist, dass 39 Prozent der Deutschen die geltende Schenkungssteuerpflicht nicht kennen (West 35 Prozent / Ost 41 Prozent). Unter den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 58 Prozent. Allerdings glauben insgesamt auch zwei Drittel aller Deutschen, "dass die Steuerpflicht auf Geschenke von kaum jemand in Deutschland beachtet wird". Der Schein könnte allerdings trügen. Denn die Anzeige einer erhaltenen Schenkung beim zuständigen Finanzamt ist auf jeden Fall Pflicht. Unterschlägt man dem Finanzamt eine Schenkung über den Freibetrag hinaus, ist das Steuerhinterziehung.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de