Wann fällt Abgeltungssteuer an?

Zinsen von Auslandsbank Wann fällt Abgeltungssteuer an?

Max Geißler
von Max Geißler
28.09.2017
Auf einen Blick
  • Die Besteuerung ausländischer Kapitalerträge in Deutschland erfolgt nicht einheitlich. Es kommt darauf an, wo die Bank ihren Sitz hat.

  • Gezahlte Quellensteuer im Ausland können Anleger mit ihrer Einkommensteuererklärung verrechnen lassen.

  • Nicht alle ausländischen Banken ermöglichen Freistellungsaufträge. Hier lohnt ein Blick in die FAQ’s.
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Credit Agricole, Deniz-Bank, Ferratum Bank – viele ausländische Banken bieten attraktive Zinsen auf Fest- und Tagesgeld. Deutsche Sparer machen davon reichlich Gebrauch, schließlich ist Geld anlegen bei Auslandsbanken heute kein Problem mehr. Die Kontoeröffnung via Internet geht schnell und problemlos vom heimischen PC aus, bei mancher Bank sogar mit Videoidentifikation, etwa bei Moneyou oder Renault Bank Direkt.

Niederlassung entscheidet über Steuerabzug

Genau wie bei deutschen Banken werden die Zinserträge direkt auf dem Tagesgeldkonto gutgeschrieben. In Sachen Steuern bestehen jedoch Unterschiede. Manche ausländische Geldhäuser erheben genau wie deutsche Banken 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidarzuschlag und führen die Abgaben automatisch ans Finanzamt ab, andere erheben keine Abgeltungssteuer. Wie eine Bank verfährt, hängt davon ab, ob sie eine Adresse oder Niederlassung in Deutschland hat oder nicht. Conorsbank und Deniz-Bank haben beispielsweise deutsche Niederlassungen und unterliegen daher deutschem Steuerrecht. Bei der maltesischen Ferratum Bank oder der niederländischen Amsterdam Trade Bank ist das nicht der Fall. Hier erhalten Anleger die Zinsen komplett ausgezahlt und müssen sich selbst um die Versteuerung kümmern.   

Kein Freistellungsauftrag bei Auslandsbank

Aus der Art der Besteuerung ergibt sich ein weiterer Unterschied: Bei deutschen Geldhäusern bzw. Banken mit inländischer Niederlassung können Anleger Freistellungsaufträge erteilen, um Zinsen vor dem Zugriff des Finanzamts zu schützen. Bis zu 801 Euro pro Jahr an Kapitaleinkünften bleiben so je Sparer steuerfrei. Bei reinen Auslandsbanken geht das nicht.

Biallo-Tipp: Angaben, wie Zinserträge besteuert werden, finden Sie auf der Internetseite der jeweiligen Bank, zumeist unter FAQ’s oder unter „Häufige Fragen“. 

Ob im In- oder Ausland, mit dem Biallo-Newsletter erfahren Sie immer, wo es die besten Zinsen gibt.

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Ausländische Zinsen dem Finanzamt melden

Nach einer Erhebung der Zeitschrift Finanztest versenden Auslandsbanken jeweils im ersten Quartal des Jahres eine Aufstellung über ausgezahlte Zinserträge des Vorjahres. Sparer haben dann Zeit bis Ende Mai ihre Steuererklärung zu vervollständigen und diese beim Finanzamt einzureichen. Die erhaltenen Zinsen tragen Sie in Zeile 15 der Anlage Kapitalerträge (KAP) ein. Erhalten Sie Zinszahlungen von mehreren ausländischen Banken, fließen diese als Gesamtsumme ein. Vorsicht: Schummeln lohnt sich nicht, da die Auslandsbank die Zinserträge dem deutschen Fiskus meldet!

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
120,00
1,20%
2.
116,00
1,16%
3.
105,00
1,05%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate

Zinsen verrechnen lassen

Da jeder Sparer in Deutschland einen Zinsfreibetrag von 801 Euro genießt, erhebt das Finanzamt nur Steuern auf darüber hinaus gehende Kapitaleinkünfte. Dies gilt sowohl für ausländische wie inländische Kapitalerträge. Außerdem können Sie im Ausland einbehaltene Steuern auf Kapitalerträge mit der deutschen Einkommensteuer verrechnen lassen. Dies kann zum Beispiel bei in Österreich erzielten Zinseinkünften der Fall sein. Denn bis Ende 2016 erhob unser Nachbarland eine 35-prozentige EU-Zinssteuer auf alle Erträge. Der Steuerabzug war obligatorisch. Um Doppelbesteuerung zu vermeiden, wird die österreichische Steuerschuld mit der deutschen Abgeltungssteuer verrechnet. Unter die Abgeltungssteuergrenze von 25 Prozent fällt die Abgabenlast aber nicht.

Biallo-Tipp: Seit 2017 hat Österreich das Steuerverfahren umgestellt und erhebt jetzt genau wie Deutschland eine 25-prozentige Quellensteuer. Von dieser kann man sich mittels einer sogenannten Ansässigkeitsbescheinigung befreien lassen. Die Formulare erhalten Sie entweder von der Bank oder beim Bundeszentralamt für Steuern.    

Geringverdiener zahlen weniger

Anleger mit niedrigem Einkommen und einem Grenzsteuersatz von weniger als 25 Prozent zahlen eine geringe Kapitalertragsteuer. Der Steuersatz richtet sich dann nach dem individuellen Steuersatz des Anlegers. Über die so genannte Günstigerprüfung berechnen die Steuerbeamten automatisch, ob man mit dem Individualtarif oder mit der Abgeltungsteuer besser fährt. Zuviel gezahlte Abgeltungsteuer gibt es dann zurück. Dazu müssen Sie ihre Kapitalerträge aber in jedem Fall beim Fiskus abrechnen.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de