Zahlen jetzt auch Sparkassen-Kunden drauf?

Negativzinsen Zahlen jetzt auch Sparkassen-Kunden drauf?

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
08.12.2016
Auf einen Blick
  • Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon erwägt Negativzinsen für wohlhabende Privatkunden.
  • Kleinsparer sollen außen vor bleiben.
  • Erste Sparkasse führt zum Jahreswechsel Strafzinsen für Geschäftskunden ein.
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Die Botschaft kommt von ganz oben: Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon kann sich offenbar vorstellen, dass die Sparkassen die Negativzinsen der EZB an vermögende Kunden weiterreichen. Zwar sei die Einführung von Strafzinsen für Privatkunden eine „Operation am offenen Herzen“ und stelle das Grundvertrauen in Frage, sagte Fahrenschon laut Handelsblatt auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Mir ist aber auch klar, dass niemand dauerhaft gegen betriebswirtschaftliche Grundsätze handeln kann“, so Fahrenschon weiter. „Dann sollten wir aber unsere Aufgabe als Sparkasse mindestens dadurch nachkommen, dass kleine Vermögen Schutz genießen.“

Getarnte Negativzinsen

Zumindest die Kleinsparer will Fahrenschon verschonen. Das Tabu, Kleinanleger mit Negativzinsen zu schröpfen, hatte die Volksbank Niederschlesien vor knapp sechs Wochen gebrochen. Dabei zeigte sich die Genossenschaftsbank aus dem sächsischen Görlitz besonders erfinderisch: Sie tarnte den Strafzins als Gebühr. Je höher der Anlagebetrag auf dem Tagesgeldkonto ausfällt, desto mehr steigen die Gebühren. Bis zu einer Anlage von 25.000 Euro beträgt die monatliche Kontoführungsgebühr fünf Euro.

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Anbieter
Zinssatz
 
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Betrag 10.000 €, Laufzeit ohne Laufzeitbindung

Wer zum Beispiel 10.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto zum aktuellen Zinssatz von 0,01 Prozent anlegen will, der muss monatlich fünf Euro Gebühren zahlen. Macht am Jahresende ein Entgelt von 60 Euro. Abzüglich einem Euro, den die Zinsen abwerfen, liegt die Strafgebühr damit bei 59 Euro, also bei knapp 0,6 Prozent – deutlich mehr als die 0,4 Prozent, welche die EZB von Banken verlangt, wenn diese überschüssiges Geld bei ihr zwischenparken. Auf Nachfrage von biallo.de nutzt derzeit kein Kunde das Tagesgeld-Konto der Volksbank Niederschlesien.

Erste Sparkasse führt Negativzinsen ein

Ab 1. Januar 2017 wird auch die erste Sparkasse Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben: die Sparkasse Allgäu mit Sitz in Kempten. Allerdings betrifft es nicht Privatkunden, sondern lediglich Geschäftskunden. Der Strafzins kommt als „Verwahrentgelt“ daher. Der Freibetrag liegt bei 250.000 Euro. Alle Beträge darüber werden mit 0,4 Prozent p.a. belastet. Zur Begründung heißt es in einem Schreiben an die Kunden: „Sehr gerne hätten wir die EZB-Kosten auch weiterhin vollständig für unsere Kunden aufgefangen, jedoch müssen wir auch betriebswirtschaftlich denken und handeln."

Biallo-Lesetipp

Negativzinsen im Privatkundenbereich waren in der deutschen Bankenwelt lange Zeit tabu. Erstmals führte die Deutsche Skatbank, eine genossenschaftliche Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, im November 2014 Negativzinsen für private Einlagen auf Tagesgeld- und Girokonten ein. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: "Strafzinsen: Jetzt trifft es auch Kleinsparer"

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de