Gewagte Weihnachtsgeschenke

Über den Tellerrand... Gewagte Weihnachtsgeschenke

von Norbert J. Breuer
06.12.2018
Auf einen Blick
  • In seiner monatlichen Glosse blickt Norbert J. Breuer über den Tellerrand – pointiert, unterhaltsam und stets mit einem gewissen Augenzwinkern. 
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"Großzügige Handlungen wie das Schenken oder Spenden lösen im Gehirn Glücksgefühle aus", resümiert Frau Prof. Dr. So Young Park von der Uni Lübeck.

Entsetzlich stillos, ja respektlos bleibt es, wenn nicht-notleidende Erwachsene verkünden, sie wünschten sich nur Bargeld. Zumal sie, wie wir nun wissen, ihrem Umfeld damit womöglich verderben, was gesundheitsfördernd ist.

Schenken macht also Freude. Ist aber auch schwer. Beispiel: Was schenken wir Tante Therese? Natürlich kann man ihr als Nichtschwimmerin zum Fest eine Taucherbrille schenken. Ja doch: zum Zwiebelschneiden, Tränen ade. Zum Geschenk gehört schließlich auch die Phantasie des Beschenkten. Sonst würde man Kindlein nicht mehr mit Bauklötzen beglücken.

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Freilich: In unseren Landen gibt es zunehmend Leute, denen man nichts mehr zu schenken vermag, weil sie – wie es verdrossen heißt – "schon alles haben".

Doch selbst solche Zeitgenossen (m/w) freuen sich stets herzlich über Buchgeschenke, wenn sie zu ihnen und ihrer Weltsicht passen.

Ich habe rasch eine kleine Auswahl an Büchern zusammengestellt, die zu Weihnachten manch einem/einer Freude bereiten könnten:

  • "Denksport für Hunde – Knobelspiele schnell und einfach selbstgemacht" – Christina Sondermann
  • "Allerlei Pilze sammeln und geschwind aufessen" (Autor verstorben)
  • "Sabine leckt alle Töpfe aus" – Bodo Wildt
  • "Wie funktioniert Gott?" – Quellen: AT und NT
  • "Wie frau Männer dressiert" – Claudia Vanderborg
  • "Sind Weiber Menschen?" – Max Funke
  • "Gefahrvolle Floßfahrt", in: "Lurchis gesammelte Abenteuer"
  • "Mythos Bernsteinzimmer" – Maurice Philip Remy
  • "Unbezähmbare Angélique" – Anne Golon

Nehmen wir nun an, im etwas durchwachsenen Kreise Ihrer zu Beschenkenden befinden sich ein veganer Pfadfinder; eine diplomierte Hundeführerin, die in ihrer Freizeit strippt; eine krallengespickte Feministin; ein Granit-Nazi; ein agnostischer Atheist; eine 17-jährige, schamhafte Novizin; Tante Therese (Spezialitäten: Quittengelee und Königsberger Klopse), dem romantischen Schauder und RTL 2 zugetan; ein alter, grimmiger Hagestolz mit wüstem Zauselbart.

Sie müssen Ihren Buchhaufen nun auseinanderklauben und neun Bücher auf acht Personen aufteilen, und zwar individuell passend, wobei nur eine/r zwei kriegen darf. Bitte bedenken Sie: Eine durch Achtlosigkeit oder gar Würfeln erfolgte Falschzuordnung kann zu tiefgreifenden, ja irreversiblen Verstimmungen bis hin zu Handgreiflichkeiten unterm Christbaum führen.

Der Knaller "Unbezähmbare Angelique" beispielshalber käme nur für Damen in Frage. Doch auch hier ist Behutsamkeit geboten, denn Angie landet im Harem und wird auf einem Sklavenmarkt ersteigert. Der "Evangelische Filmbeobachter" kritisierte schon früh "die gehäufte Darstellung von brutalen und zum Teil scheußlichen Aktionen sei wertlos und für Jugendliche wie Erwachsene in jeder Hinsicht überflüssig." Für die Feministin wie die Novizin keinesfalls geeignet – doch allemal für Tante Therese.

Wer null Risiko eingehen möchte, dem böte sich als Geschenklösung ein Goldklumpen an. Selbst wenn man das Edelmetall schon besitzt, kann man gar nicht genug davon in seinen Tresor wuchten. Die Zeiten sind schließlich unruhig. Eichelhäher und Eichhörnchen zeigen uns beispielgebend, wie man vorsorgt: Sie verstecken eine enorme Anzahl ihrer Nahrungspretiosen in Bodendepots – indes weit mehr, als sie nachher wiederfinden. Eingedenk dessen sollte der Mensch nicht zu viele Tresore anlegen.

Der Gebrüder Grimm "Hans im Glück" wurde für siebenjährige treue Dienste mit einem großen Klumpen Gold belohnt. Altmodisch, aber kultiviert. Heutzutage hingegen werden Mitarbeiter, wie bei Zalando jüngst 250-mal zu besichtigen, gerne mit einem algorithmischen Fußtritt verabschiedet.

Hinter Aurum, so der lateinische Name des Goldes, waren sie ja immer her: von Räuber Hotzenplotz bis Christoph Kolumbus – der jedoch sehr wenig davon fand; im Gegensatz zu seinem Nachrücker, dem spanischen Konquistador Hernán Cortés, einem der abgefeimtesten Schurken der Weltgeschichte.

Wenn wir schon beim Kriminellen sind: Vielleicht muss es ja auch nicht immer physisches Gold sein. Zumal – ist es denn auch echt? Im Sommer stand in Göttingen ein junger Mann vor den Gerichtsschranken, verdächtig, der dortigen Sparkasse für 300.000 Euro Goldmünzen und - barren verkauft zu haben, welche teilweise außen nur hauchdünn vergoldet waren. Drinnen war aber Wolfram (Dichte 19,25 g/cm³), das ein ähnlich spezifisches Gewicht wie Gold (Dichte 19,33 g/cm³) aufweist; ein Kilogramm Wolfram kostet jedoch weniger als ein Gramm Gold. Von diesen nun habe die Sparkasse arglos an die Nord-LB weiterveräußert, selbige wiederum an die LB Baden-Württemberg. Dort endlich nahm der Ringelreihen ein Ende, denn Schwaben sind argwöhnisch. Ganz zu Recht, wie sich zeigte – die Barren wurden als Fälschungen enttarnt.

Etliche dieser Pseudo-Goldbarren sollen gar eingeschmolzen worden sein. Und wenn man nun just die mit Wolfram gekauft hat? Goldbarren kann man schließlich gegen Bargeld erstehen. Da ist dann später, im Gegensatz zu den Buchgeschenken oberhalb, keine Zuordnung mehr möglich. Wenn Ihnen Opa Hugo zu Weihnachten also einen Goldbarren schenken sollte, kratzen sie ruhig mal unauffällig daran, doch Obacht: Auch Wolfram glänzt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, könnte sich echten römischen Münzen zuwenden: wie dem beliebten, traditionell wolframfreien Aureus aus sieben Gramm Gold mit einem Goldwert von 200 Euro. Selbst in schlechtem Zustand zahlt man dafür leicht über 1.000 Euro.

Etwa 75 Prozent aller Münzfunde entstammen der unruhigen spätrömischen Epoche, allenfalls 15 Prozent den Friedenszeiten seit Kaiser Augustus, der Pax Romana (27 v. Ch. bis 180 n. Ch.). Sie wurden neben Linden (können um die 1.000 Jahre alt werden) vergraben, neben Brücken, in Felsspalten, in Kellergewölben versteckt. Und da liegen sie teilweise heute noch. Oft ziemlich tief, denn das Leben einstmals spielte sich eine halbe Etage unter uns ab. Auf Äckern liegen sie weit oben. Doch kaum haben sie ein goldenes Amulett gefunden, droht hierzulande die Abgabepflicht, alldieweil es einer Mätresse von Pippin dem Kurzen gehört haben könnte.

Allerorten prangt Gold als Name. Das "Golden Goal, der Goldene Schuß, das "Goldene Blatt", James Bonds "Golden Eye", "Golden Toast", Goldenes Sportabzeichen, Goldener Bär, "Golden Girls", Goldener Oktober, Elvis‘ Golden Records, die Goldene Schallplatte und die Goldenen Zwanziger Jahre.

Homöopathen zufolge gibt es sogar den "Gold-Typen". Er sei ängstlich, blass, blutleer, erschöpft und nervös. Dagegen nimmt der Ärmste nicht etwa goldfarbenes Distelöl, sondern täglich je fünf sogenannte Globuli. Letztere enthalten kein physisches Gold – lediglich die sogenannte Gold-Schwingung. Die Arznei passe "in gesunden Tagen zu Macht und Reichtum, andernfalls zu Krankheiten, welche von organischer Destruktion bis hin zu schweren Depressionen" reichen. Bei zu geringem Selbstwertgefühl sollen sie heben, weswegen mein Arzt mir von der Einnahme dringlich abgeraten hat.

Und wo bleibt das Silber? Na ja, die Judas’schen 30 Silberlinge (vielleicht waren es römische Denars oder Tyros-Schekel – Gegenwert heute: ca. 11.000 Euro) waren natürlich kein Ruhmesblatt. Und Silber ist vergleichsweise ganz schön voluminös – fürs flunderflache Schließfach zu dominant.

Zuweilen ist es zum Fest ja auch schlicht mit einem goldenen Herzen getan. Wenn selbiges noch mit einem goldig-antiken Täschlein der einstigen Luxusmarke "Goldpfeil" aufgepeppt wird, ist die Festfreude bei Ihrem Rauschgoldengel garantiert.

Harmonische Weihnachten – mit reichlich güldenem Lametta natürlich – für Sie alle!

Zum Autor

Norbert J. Breuer ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Universität Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

Schon früh ist Breuer als Buchautor – unter anderem in den Verlagen CAMPUS und ULLSTEIN – hervorgetreten. Seine ausnehmend vielseitigen publizistischen Beiträge erscheinen im In- und Ausland. Mehr Information finden Sie unter www.breuer-exportmarketing.de.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de