Pionier John Bogle: Gründervater der ETFs

Nachruf Pionier John Bogle: Gründervater der ETFs

von Björn König
18.01.2019
Auf einen Blick
  • Im Alter von 89 Jahren ist John Bogle, US-amerikanische Investmentlegende und Gründer der Fondsgesellschaft Vanguard am Mittwoch verstorben. Er galt als Pionier des sogenannten passiven Investierens.

  • Bis dahin einzigartig war sein Ansatz, Anlegern ohne jegliche Börsenerfahrung über Indexfonds (ETFs) einen kostengünstigen und einfachen Zugang zu allen Wertpapiermärkten der Welt zu ermöglichen.
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Die Welt der Aktien ist vielen Menschen suspekt. Schließlich liegen nirgendwo unendlicher Reichtum und Totalverlust so nahe beieinander wie auf dem Börsenparkett. So ist es nur zu gut verständlich, dass sich Investoren Vorbilder suchen, die sie erfolgreich auf hoher See des Finanzmarktes leiten. Für aktive Anleger sind damit zweifelsohne die Namen Warren Buffett und Peter Lynch verbunden. Viel bedeutender ist aber wohl der Name John Bogle.

Als Gründer der US-amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard galt er als Gründervater der passiven Indexfonds (ETFs) und bot damit unerfahrenen Anlegern erstmals einen kostengünstigen und einfachen Zugang zu den weltweiten Aktienmärkten. Sein Ansatz hat die Börsen bis heute nachhaltig geprägt und machte Vanguard nach Black Rock zum zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt.

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Ein legendäres Zitat

"Suchen Sie nicht die Nadel, kaufen Sie den Heuhaufen." Wegen diesem einen Satz beziehungsweise vielmehr der dahinterstehenden Idee wurde der 1929 in New Jersey geborene Unternehmer und Investor John Clifton "Jack" Bogle von Brokern, Banken und Fondsmanagern belächelt.

In den 1970er Jahren ging er mit seiner damals noch unbedeutendem Investmentfirma Vanguard an den Start. Seine Idee: Statt mühselig nach dem einen wertvollen Edelstein in einem Aktienindex zu suchen, ist es doch viel einfacher, sein Kapital über den ganzen Index zu streuen. Dafür benötigt man nicht viel Erfahrung und schon gar keinen teuren Fondsmanager. Die Idee galt damals als verwegen.

Privatanleger ohne Erfahrung gehen an die Börse und kaufen quasi wahllos einen ganzen Index. An der New Yorker Börse und bei den amerikanischen Banken war man skeptisch, schon auch aus reinem Eigennutz. Denn das Geschäft mit Wertpapieren galt als dessen unangreifbare Bastion. Doch das sollte definitiv nicht so bleiben.

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Vanguard 500: Der Ur-ETF

Bereits 1976, also bereits recht kurzzeitig nach der Gründung von Vanguard, legte das Unternehmen seinen ersten Index-Investment-Trust auf. Er trug später den Namen Vanguard 500 und bildete den US-amerikanischen Leitindex S&P 500 ab. Hohn und Spott ließen nicht lange auf sich warten: So warf man Bogle vor, es sei "unamerikanisch" nur das Mittelmaß bei Investments anzustreben. Die Kritik zielte darauf ab, dass es in einem Index gute sowie schlechte Aktienwerte gibt und sich Anleger damit selbst zwangsweise "faule Eier" ins Nest legen.

Vielmehr als ein Mittelmaß sei bei solchen Anlagen einfach nicht drin. Doch die Schmähkritik ließ Bogle nicht auf sich sitzen. Für ihn ging es nicht darum, dass Anleger den Index schlagen, sondern eine dauerhaft positive Rendite bei überschaubarem Risiko und geringen Kosten erhalten. So einfach war es aber am Anfang auch für Bogle nicht.

Sein Fonds sammelte so wenig Geld ein, dass er nicht einmal in der Lage war, alle Werte des S&P 500 zu kaufen. Neben Bogle selbst beschäftigte Vanguard damals lediglich zwei weitere Analysten. Was anfangs wie ein gigantischer Börsenflop aussah, entwickelte sich zum ultimativen Game-Changer.

So verweist die renommierte US-Zeitschrift "Time" in ihrem Wirtschaftsteil auf die ungeheuren Marktbewegungen von Indexfonds. Waren es 1976 noch null Prozent, sind im Jahr 2015 bereits 22 Prozent der Aktienfonds indiziert. Man kann zweifelsohne davon sprechen, dass John Bogle die Welt des Wertpapierhandels grundlegend verändert hat.

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Was bringt die Zukunft?

Mehr als 40 Jahre, nachdem Vanguard den ersten ETF auflegte, hält das Wachstum ungebremst an. Ein Ende der Erfolgsgeschichte Indexfonds ist vorläufig nicht erkennbar und Vanguard hat sogar gute Aussichten, Black Rock an der Spitze der globalen Vermögensverwalter abzulösen. Der gesamte ETF-Markt ist gigantisch gewachsen und wird dies in Zukunft wohl auch weiter tun.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich Fondsgesellschaften auch mit Nischen-ETFs immer weiter diversifizieren. Gleichwohl gehen Vermögensverwalter mittlerweile auch dazu über, aktiv gemanagte ETFs in ihr Portfolio aufzunehmen. Damit sägen sie allerdings am Grundprinzip der Idee von John Bogle: Nämlich genau dem Ansatz, kostengünstig und ohne Provisionen mit attraktiver Rendite und niedrigem Risiko an den Börsen der Welt zu handeln.

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Biallo-Tipp

ETFs bleiben auch aus unserer Sicht eine attraktive und günstige Anlageform für weniger erfahrene Anleger. Dennoch lohnt es sich in jedem Falle, laufende Kosten und das Renditepotenzial zu vergleichen. Im ETF-Vergleich von biallo.de finden Sie zahlreiche Anbieter für jede Anlagestrategie.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de