Der richtige Versicherungsschutz für Jecken

Karneval Der richtige Versicherungsschutz für Jecken

Ines Baur
von Ines Baur Kevin Schwarzinger
09.02.2018
Auf einen Blick
  • In einigen Tagen herrscht in einigen Teilen der Republik Ausnahmezustand - es ist der Höhepunkt der Karnevals- bzw. Faschingssaison.

  • Der Anbieter "Appsichern" bietet in Kooperation mit der Bayerischen eine spezielle Jecken-Versicherung für 5,99 Euro am Tag an.

  • Zu teuer, sagen Experten und empfehlen stattdessen die klassische Unfallversicherung.
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Karneval, Fasching oder Fasnacht: Wie auch immer Närrinnen und Narrhalesen es nennen – gefeiert wird, was das Dreigestirn hergibt. Leider geht es dabei nicht immer ohne Blessuren vonstatten. Wer kommt für Schäden auf, sollte im Partygetümmel jemand zu Schaden kommen?

Party beim Arbeitgeber

Veranstaltet das eigene Unternehmen eine Karnevalsfeier, sind die Kollegen bei eventuell auftretenden Unfällen über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Und das sowohl auf der Feier selbst als auch auf dem Hin- und Heimweg. Zieht allerdings ein kleines Grüppchen nach der Party privat weiter, erlischt der gesetzliche Versicherungsschutz.

Kostüm kaputt

Klassiker: das Zigarettenbrandloch im Kostüm. Hier springt die private Haftpflichtversicherung ein, insofern der Schadensverursacher eine besitzt. Unabhängig vom Karneval gilt jedoch die goldene Regel: Die Privat-Haftpflicht ist eine der wichtigsten Policen überhaupt. Denn wer anderen einen Schaden zufügt, haftet dafür in unbegrenzter Höhe und mit dem gesamten Vermögen.

"Kommt jemand durch mein Verschulden zu Fall und verletzt sich schwer, müsste ich ohne entsprechenden Versicherungsschutz aus eigener Tasche unter Umständen lebenslang eine Rente zahlen", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

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Feiern bis der Arzt kommt

Rutscht der Narrhalese aus und verletzt sich die Hand an Glasscherben, ist das ein Fall für die Krankenversicherung – gesetzlich oder privat. Erleidet der Jeck allerdings schwere Verletzungen mit Langzeitfolgen, fängt die Kosten lediglich eine private Unfallversicherung auf. 

D’r Zoch kütt – Süßes als Wurfgeschoss

Wenn der Zug kommt, ist der Karnevalist durch die Haftpflichtversicherung des Veranstalters geschützt. Dieser haftet, sollte eine Person durch einen Festwagen verletzt werden.

Aber: Wer beim Straßenkarneval mitmacht, muss mit den Risiken leben. Sieht sich der Karnevalist dem Rosenmontagsumzug vom Straßenrand aus an, muss er mit tieffliegenden Kamellen rechnen.

Das Amtsgericht Aachen wies die Klage nach Schmerzensgeld eines Karnevalisten ab, der am Kopf verletzt wurde und eine Platzwunde erlitt (Az.:13 C 250/05).

Ein Urteil in der Karneval-Hochburg Köln fiel ähnlich aus. Dass man von einer Kamelle am Kopf verletzt werde, gehöre zum "allgemeinen Lebensrisiko", so das Amtsgericht Köln (Az.: 123 C 254/10).

Vergleich Unfallversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Tarif Comfort 71,40 Euro weiter
2 KAB-Schutz-TOP 74,97 Euro weiter
3 Tarif Basic Trend 80,92 Euro weiter
4 CIF Pro Classic 82,11 Euro weiter
5 GVO-VIT 85,68 Euro weiter
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Eine Karnevalsversicherung ist kein Freibrief

So manche finanzielle Folge fängt die private Unfallversicherung auf. Beim Thema Alkohol gibt es allerdings unterschiedliche Klauseln. Nicht jeder Versicherer zahlt, wenn der Verunglückte zum Zeitpunkt des Unfalls angetrunken war. Manche Policen beinhalten eine Promille-Grenze.

Party hin, Karneval her. Alkohol am Steuer ist tabu. Wer alkoholisiert Auto fährt, riskiert Leib und Leben von sich selbst und anderen. Zudem kann Alkohol am Steuer eine teure Angelegenheit werden. Zum einen drohen hohe Strafen. Zum anderen kann die Kfz-Versicherung bei Trunkenheit die Leistung verweigern.

Das regelt die sogenannte Trunkenheitsklausel in den allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB): "Der Versicherer ist von der Verpflichtung zur Leistung frei (...), wenn der Fahrer infolge Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen."

Jecken Schutz – was ist versichert?

Der Versicherungsmarkt bietet neben klassischen Unfallversicherungen, die man für mindestens zwölf Monate abschließt, auch situationsbezogene Kurzzeit-Versicherungen. Solche Policen können Verbraucher zum Beispiel über den Anbieter "Appsichern" abschließen. Speziell für die fünfte Jahreszeit gibt es den sogenannten Jecken-Schutz. Kostenpunkt: 5,99 Euro für 24 Stunden.

Kritiker sind skeptisch. Ihrer Meinung nach ist es sinnvoller, wenn Verbraucher sich im Vorfeld über die Tarife erkundigen und nicht hastig per Smartphone einen Vertrag abschließen, ohne sich ausreichend informiert zu haben.

Auch der Preis der Kurzzeit-Versicherungen steht in der Kritik. 5,99 Euro kostet der 24-Stunden-Schutz. Auf den ersten Blick nicht teuer, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Verbraucher mit einer klassischen Unfallversicherung wesentlich günstiger fahren.

Beispiel: Drei Tage Faschingsgetümmel kosten bei "Appsichern" 17,97 Euro. Ein Monat schlägt mit 167,72 Euro zu Buche, ein Jahr knapp 2.200 Euro. Die maximale Versicherungssumme beläuft sich auf 50.000 Euro – viel zu wenig kritisieren Branchenkenner. Die ausgezahlte Versicherungssumme bei Verlust oder Funktionseinschränkungen der betroffenen Gliedmaßen orientiert sich - wie bei Unfallversicherungen üblich - nach einem speziellen Index, der sogenannten Gliedertaxe. So erhalten Geschädigte bei Verlust des Zeigefingers beispielsweise zehn Prozent der Versicherungssumme – das sind 5.000 Euro.

Zum Vergleich: Es gibt gute Unfall-Policen mit einer Versicherungsgrundsumme von 100.000 Euro für einen 30-jährigen Angestellten bereits für knapp 100 Euro im Jahr.

Biallo-Tipp: Als Versicherungsgrund­summe empfehlen Experten das Zwei- bis Dreifache des Brutto­jahres­einkommens in Kombination mit einer sogenannten Progression von 225 oder 350 Prozent. Die Progression sorgt dafür, dass Verbraucher bei einer schweren Behinderung ein Vielfaches der Versicherungssumme bekommen.

Keine Konkurrenz zur klassischen Verischerungsbranche

Anbieter, wie "Appsichern", sehen ihre Produkte nicht als Konkurrenz zu klassischen Policen. "Wir würden nie auf die Idee kommen, Leuten zu raten, ihren kompletten Hausstand über kurzfristige Lösungen abzusichern", erklärt Lennart Wulff, Geschäftsführer von "Appsichern".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de