Versicherung Kfz

Versicherung Beim Auto verleihen auf Nummer sicher gehen

Annette Jäger
von Annette Jäger
27.04.2016
Auf einen Blick

Wer sein Auto an Freunde verleiht, sollte vorher ein paar Versicherungsfragen klären. Es lohnt sich, falls es zu einem Unfall kommt. Das sollten Sie wissen:

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Leihen Sie guten Freunden Ihren großen Kombi, wenn diese eine Schrankwand transportieren wollen? Oder wechseln sie sich bei Urlaubsfahrten mit ihrem guten Freund am Steuer ab? Wenn ja, dann klären Sie besser vorher, wie Sie vorgehen, wenn der Freund einen Unfall verursacht.

Sie haben Nachteile beim Schadenfreiheitsrabatt

Wenn Sie als Fahrzeughalter Ihr Auto verleihen, zahlt Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung zwar genauso den Schaden am Fahrzeug des Unfallgegners als wären Sie selbst der Unfallverursacher. Doch Sie müssen eine Rückstufung ihrer Schadenfreiheitsklasse in Kauf nehmen und zwar nicht nur um eine Stufe, sondern gleich um mehrere Stufen. „Eine Rückstufung erfolgt unabhängig davon, wie hoch der Schaden ist“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das hat zur Folge, dass Ihre Versicherungsprämie gleich über mehrere Jahre ansteigt, nicht selten kommen hier Summen von weit mehr als 1.000 Euro zusammen. Auch ein vereinbarter Selbstbehalt ist zu bezahlen.

Ein Beispiel: Sie sind in Schadenfreiheitsklasse 10 in der Haftpflichtversicherung versichert. Nach einem Unfall stuft Sie der Versicherer in Stufe 2 zurück. Das macht im Beispiel fast 240 Euro mehr an Versicherungsprämie pro Jahr. Jahr für Jahr rutschen Sie - vorausgesetzt Sie bleiben unfallfrei - wieder eine Stufe nach oben, der Versicherungsbeitrag reduziert sich wieder stufenweise. Erst nach acht Jahren haben Sie wieder Stufe 10 erreicht.

Kommt es bei dem Unfall zum Schaden am eigenen Auto, wirkt sich das auf die Vollkaskoversicherung aus, in der Sie ebenfalls zurückgestuft werden oder – falls Sie keinen Vollkaskoschutz haben – müssen Sie den Schaden aus eigener Tasche begleichen.
 

Fair: Bitten Sie den guten Freund zur Kasse!

Da scheint es nur fair zu sein, wenn der Unfallverursacher, der Entleiher des Fahrzeugs, für diese Kosten, also für die Beitragserhöhung und den Selbstbehalt in der Kfz-Haftpflicht- wie auch in der Vollkaskoversicherung, aufkommt. Versicherer mit gutem Service rechnen Ihnen den genauen Betrag aus. „Kleinere Schäden von ein paar Hundert Euro könnte man auch selbst bezahlen, ohne es über die Versicherung laufen zu lassen und ohne den Schadenfreiheitsrabatt zu gefährden“, rät Grieble. Das können Sie als Versicherungsnehmer aber auch erst später entscheiden und mit ihrem Versicherer klären, wenn die Rechnung der Kfz-Werkstatt vorliegt.

Mein Tipp: Sollten Sie Ihr Auto verleihen, ist ein Vollkaskoschutz unbedingt zu empfehlen. Nur so stellen Sie sicher, dass Schäden am eigenen Fahrzeug auch bezahlt werden. Kommt es zum Totalschaden könnte der Freund womöglich finanziell überfordert sein.
 

Guter Rat: Vertrag schützt vor Ärger

Weil die meisten wohl beim privaten Autoverleih nicht darüber nachdenken, was eigentlich bei einem Unfall passiert, sollten Sie dies vorher mit Ihrem Freund klären. Um auf Nummer zu gehen, können Sie im Vorfeld einen kurzen, knappen Vertrag unter Freunden - Ihnen als Autohalter und Ihrem Freund als Entleiher – aufsetzen und darin festhalten, was im Schadensfall von wem zu bezahlen ist. Datum und Unterschrift von beiden nicht vergessen! „Zu bedenken bleibt, dass das Auto durch einen Unfall möglicherweise an Wert verliert, auch wenn der Schaden einwandfrei repariert ist. Gerade bei wertvolleren Autos kann sich das nachteilig auswirken“, gibt Grieble zu bedenken.

Versicherung: Fahrerkreis erweitern

Es gibt noch eine Tücke im Versicherungsschutz: haben Sie möglicherweise im Versicherungsvertrag nur sich selbst als Fahrer versichert, weil das Versicherungsprämie spart? Dann haben Sie ein Problem, wenn Sie Ihr Auto an einen Freund verleihen. „Er ist dann kein Fahrer des vertraglich vereinbarten Nutzerkreises“, sagt Grieble. Zwar ist bei einem Unfall immer der Schaden am anderen Fahrzeug versichert, aber Sie als Versicherungsnehmer haben mit einer satten Vertragsstrafe zu rechnen – „ein bis zwei Jahresprämien sind oft fällig“, so der Versicherungsexperte. Bei manchen Versicherern können Sie eine Tagespolice abschließen, um kurzfristig den Fahrerkreis zu erweitern, andere Versicherer erlauben es aus Kulanz, hin- und wieder weitere Fahrer zuzulassen, vorausgesetzt, diese werden im Vorfeld gemeldet. Verleihen Sie Ihr Auto öfter an dieselbe Person, kann es lohnen, den Fahrerkreis dauerhaft zu erweitern.
 

Private Haftpflichtversicherung zahlt nicht

Und noch ein Wort zu Ihrem Freund, der sich Ihr Auto leiht: Möglicherweise geht er davon aus, dass ein Schaden, den er verursacht, durch seine private Haftpflichtversicherung gedeckt ist, weil er Schaden am Eigentum eines anderen verursacht hat, gibt Grieble zu bedenken. Das ist ein Irrtum. Bei allen Schäden, die das Auto betreffen, greift die Autoversicherung, aber nie die private Haftpflichtversicherung!

Hier lesen Sie weiter, wenn Sie im Alter mehr für Ihre Kfz-Versicherung bezahlen sollen - es aber nicht wollen oder warum schummeln bei der Kilometerangabe nicht so sinnvoll ist.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de