Kfz-Versicherung: Mit dem Elektroauto auf der sicheren Seite

Elektromobilität Kfz-Versicherung: Mit dem Elektroauto auf der sicheren Seite

Peter Rensch
von Peter Rensch
28.12.2018
Auf einen Blick
  • Spezielle Versicherungspolicen für E-Fahrzeuge sind Mangelware. Einige Versicherer verlangen höhere Versicherungsprämien, da die Kosten bei Schäden am Elektroantrieb deutlich höher sein können als bei einem Verbrennungsmotor.

  • Der Versicherungsschutz sollte den Akku einschließen; dieser gehört zu den teuersten Bauteilen. Versichert sein sollten auch Schäden durch Bedienungsfehler wie etwa Überladen sowie auch Folgeschäden.

  • Empfehlenswert ist zudem ein Versicherungsschutz für den Fall, dass das Fahrzeug abgeschleppt werden muss. Die Abschleppen von E-Autos ist aufwendiger als das konventioneller Pkw.
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Immer mehr Elektroautos sollen in den nächsten Jahren auf deutschen Straßen zugelassen werden. Neben der Umweltfreundlichkeit überzeugen die E-Mobile mit deutlich niedrigeren Verbrauchsausgaben, weniger Verschleißteilen sowie geringeren Wartungskosten wie Ölwechseln und Reparaturen an Kupplung oder Auspuff. Für Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb erhalten Sie eine Kaufprämie von 4.000 Euro, für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge 3.000 Euro. Ab der Erstzulassung genießen Sie eine 10-jährige Steuerbefreiung und kommen in den Genuss von kommunalen Sonderrechten wie beispielsweise günstigeres Parken.

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Schäden bei Elektroautos um ein Viertel teurer

Selbstverständlich müssen auch E-Mobile wie jedes andere Kfz versichert werden. Auch wenn es sich um ein nachhaltig umweltfreundliches Fahrzeug handelt, hat der Kauf dieser Variante keine positive Auswirkung auf die Versicherungsprämie. Spezielle Policen sind Mangelware und Vergünstigungen kaum im Angebot. Einige Versicherer verlangen sogar höhere Versicherungsprämien, da die Kosten bei Schäden am Elektroantrieb höher sein können als bei einem Verbrennungsmotor.

Lesen Sie auch: Was sie zu E-Prämie, Steuer und Co. wissen sollten

Christian Weishuber, Leiter Kommunikation Sachversicherung der Allianz Deutschland AG berichtet: "Grundsätzlich sind Elektrofahrzeuge genauso Fahrzeuge wie Autos mit herkömmlichen Antriebssystemen. Generell zeigen unsere Untersuchungen, dass Elektrofahrzeuge ein ähnliches Schadengeschehen wie konventionell betriebene Autos aufweisen. Bei den typischen Unfallschweren sind Komponenten der Hochvoltanlage meist nicht direkt betroffen. In unseren Unfallanalysen fiel aber auf, dass Elektrofahrzeuge weniger häufig in Unfälle verwickelt sind - und zwar um 25 Prozent! Positiv zu vermerken ist die Beobachtung, dass die Elektrofahrzeuge bisher unauffällig sind, was die Häufigkeit von Fahrzeugbränden betrifft."

Die Schäden bei Elektrofahrzeugen sind etwa ein Viertel teurer als bei Autos mit Verbrennungsmotoren und erklärt Weishuber weiter: "In einer detaillierten Analyse zeigen sich folgende wesentliche Gründe für erhöhte Schadenkosten:

  • Zum einen gibt es noch Optimierungspotential beim Crashverhalten mit Blick auf das Deformationsverhalten und Reparaturfreundlichkeit.
  • Zum anderen ist es derzeit noch aufwendiger, Elektrofahrzeuge zu reparieren, weil nicht jede Werkstatt dafür optimal ausgerüstet ist. So sind spezielle Schulungen ebenso notwendig wie die entsprechende Werkstattausrüstung."

Akku sollte mitversichert sein

Ganz wichtig ist, dass der Akku im Versicherungsschutz integriert ist. Er gehört zu den teuersten Bauteilen in der Elektromobilität. Achten Sie darauf, dass auch Schäden durch Bedienungsfehler mitversichert sind wie z.B. durch Überladen oder Tiefen-Entladen. Darüber hinaus sollten auch Folgeschäden abgedeckt sein, die beispielsweise durch Funktionsfehler des Stromspeichers entstehen können, da Feuer durch Kurzschluss im Elektroantrieb hohe Kosten verursachen.

Rainer Grim von der R+V-Produktentwicklung Kraftfahrt-Betrieb rät bei einer Kfz-Versicherung für Elektroautos, darauf zu achten, dass nachfolgende Absicherungen in der Police vorhanden sind:

  • Eine adäquate Absicherung der Akkumulatoren (Neupreisentschädigung).
  • Neupreisentschädigung für das E-Fahrzeug.
  • Absicherung vom Ladekabel und/oder mobilen Ladegerät.
  • Absicherung der Ladeinfrastruktur (Induktionsladeplatte/Wandladestation (Wallbox).
  • Gegebenenfalls eine Absicherung der Mobilität bei Beschädigung oder Totalschaden des Elektrofahrzeugs.
  • Abschleppen des E-Fahrzeugs bei leerem Akku zur nächsten Stromtankstelle.
  • Absicherung der Ladekarte (z.B. bei Diebstahl).
  • Gegebenenfalls ein Nachlass auf den Versicherungsbeitrag für das E-Fahrzeug.

Wenn Sie das Elektroauto ohne Akku kaufen und über den Hersteller mieten oder leasen, müssen Sie den Kraftspeicher nicht versichern, da er über den Hersteller abgedeckt ist.

Dr. Christian Buric, Sprecher ADAC SE erklärt: "Zunächst ist mal zu schauen, wem die Antriebsbatterie gehört? Ist sie gemietet oder Eigentum. Bei einer speziell auf Elektroautos ausgerichteten Versicherung ist wichtig, dass der Hochvoltbereich abgesichert ist."

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Biallo-Tipp

Achten Sie darauf, dass der Abschleppvorgang Bestandteil des Versicherungsschutzes ist, um im Schadensfall richtig abgesichert zu sein. Zur Erklärung: Beim Abschleppvorgang kann durch die Achsenbewegung Strom erzeugt werden, wodurch Schäden am Fahrzeug verursachen werden könnten.

Versicherungsschutz für Abschleppen

Im Gegensatz zu Fahrzeugen, die durch einen Verbrennungsmotor angetrieben werden, ist das Abschleppen von Elektroautos aufwendiger und komplizierter. Das führt zu höheren Kosten beim Abschleppen und erhöht das Risiko von Schäden am Antrieb. Allerdings achten die EuPS (Elektrisch unterwiesene Personen wie die Pannenhelfer vom ADAC) darauf, das die Fahrzeuge nicht abgeschleppt, sondern aufgebockt werden, damit kein Schaden entsteht.

Trotz finanzieller Zuschüsse und Steuerbefreiungen ist die Anschaffung eines Elektroautos in der Regel teurer als ein herkömmlicher Pkw. Die Haftpflichtversicherung deckt nur Schäden ab, die beim Unfallgegner verursacht werden. Sie sollten deshalb prüfen, ob es nicht sinnvoller ist, eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abzuschließen, um auch für Schäden an Ihrem E-Mobil versichert zu sein.

Vergleichen Sie Preise und Leistungen der Versicherer

Die Versicherungspakete speziell für Elektroautos befinden sich noch in der Entwicklungsphase und die meisten Versicherer orientieren sich an den bisherigen Tarifmodellen für Pkw. Achten Sie auf Rabatte für umweltfreundliche Modelle.

Noch einmal Christian Weishuber: "Bei der Versicherung von E-Fahrzeugen sollte der Kunde darauf achten, dass die speziellen Risiken eines Elektrofahrzeugs mitversichert sind. Bereits seit 2015 bietet die Allianz in der Kfz-Versicherung einen speziellen Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge an. Darin enthalten: die Allgefahrendeckung für die Batterie. Diese greift zum Beispiel, wenn eine Batterie beschädigt wird, weil die Hinweise des Herstellers zum richtigen Laden oder zum Umgang mit der Batterie (z.B. zur Vermeidung einer Tiefentladung) nicht beachtet wurden."

Lesen Sie auch: Wie Anleger vom Elektro-Boom profitieren

Es lohnt sich deshalb einen Vergleich anzustellen, wer welche Leistungen zu welchem Preis anbietet. Prüfen Sie hierbei jedoch nicht nur die Kosten, sondern auch die Details vom Versicherungsschutz, damit die vorgenannten Bedingungen wie Akku-Schutz & Co. integriert sind.

Der ADAC-Experte gibt abschließend noch einen Blick in die Zukunft: "Insgesamt drängt das Elektroauto auf den Massenmarkt. Wenn die Batteriekosten noch weiter sinken und auch die Hersteller günstigere Autos für das "große Publikum" schaffen, dürfte sich diese Situation der Gesamtkosten eines Stromers entzerren."

Die Pkw-Hersteller seien schon jetzt in der Vorbereitung in den nächsten Jahren E-Autos nach dem Baukastenprinzip zu produzieren. Damit sinken auch die Kosten, weil leichter in Masse hergestellt werden kann. In vielen Fällen wurden bis dato noch gar keine Elektroautos als solche produziert, sondern herkömmlichen Autos ein Elektromotor verpasst. Das wird jetzt anders. Dr. Buric weiter: "Die Autos werden anders gefertigt und sind für die Batterien optimiert. Auch das Denken in Modulen hält Einzug. Damit kann dann auch das Thema Vollkasko bei E-Autos noch differenzierter und spezifischer betrachtet werden."

Vollkaskoversicherung empfehlenswert

Dazu Dr. Christian Buric: "Die Vollkaskoversicherung (VK) enthält immer die Leistungen der Teilkaskoversicherung. Zusätzlich leistet sie auch, wenn das Kfz durch einen selbst verschuldeten Unfall oder durch Vandalismus beschädigt wird. Beim Elektroauto ist es derzeit nicht immer leicht einzuschätzen, ob hier beispielsweise ein erhöhtes Vandalismusrisiko vorliegt. Wichtig auch bezüglich des E-Autos: Bei Abschluss einer VK kann man unterschiedliche Selbstbeteiligungen für Voll- und Teilkasko wählen. Wie lange ein Fahrzeug tatsächlich VK versichert sein soll, hängt auch von den finanziellen Verhältnissen des einzelnen ab. Hierbei muss berücksichtigt werden, ob man zum Beispiel bei einem Totalschaden die finanziellen Mittel selbst aufbringen kann, um weiterhin mobil zu bleiben oder lieber den etwas höheren Versicherungsbeitrag bezahlt und somit bei einem selbstverschuldeten Schaden abgesichert ist."

Dies empfiehlt auch Christian Weishuber: "Ob der Kunde sich für einen Vollkaskoschutz für sein Elektrofahrzeug entscheidet oder nicht, hängt vom Wert des Fahrzeugs und von der individuellen Risikobereitschaft des Kunden ab. Bei neuen Fahrzeugen ist eine Vollkaskoversicherung sicherlich immer sinnvoll."

Der Experte der R+V, Rainer Grim, sieht dies ähnlich: "Hier gibt es keine Unterschiede zu anderen Antriebsarten. Allerdings handelt es sich bei Elektrofahrzeugen in der Regel um neuwertigere Fahrzeuge. Folglich wäre in diesen Fällen der Abschluss einer Vollkasko zu empfehlen."

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Fazit

Die Versicherungsangebote für Elektroautos befinden sich noch in der Anfangsphase. Sie sollten deshalb vor Abschluss einer Police detailliert prüfen, ob tatsächlich alle wichtigen Details mitversichert sind und die Prämie akzeptabel ist. Ein Vergleich ist mehr als empfehlenswert.

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Peter Rensch

ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de