Sicherheit und Sparen Patchwork-Familien richtig versichern

von Horst Peter Wickel
10.10.2015
Auf einen Blick

Jede siebte Familie in Deutschland ist mittlerweile eine Patchwork-Familie. Mit den richtigen Versicherungen schaffen Sie Sicherheit – und sparen Geld.

Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Aus „Vater-Mutter-Kind“, also dem traditionellen Familienmodell, ist bundesweit in zahlreichen Lebensgemeinschaften längst „Mutter-Freund-Stieftochter“ oder „Papa-Vati-Adoptivsohn“ geworden: Laut Statistischem Bundesamt wächst in Deutschland derzeit jedes vierte Kind in sogenannten alternativen Lebensformen auf. Hierzu gehören Alleinerziehende ebenso wie Patchwork-Familien.

Für diese neu gemischten Lebensgemeinschaften (benannt nach den Patchworkdecken, bei denen unterschiedliche Stücke aus Stoff oder Leder zusammengenäht werden) lohnt es sich, einen Blick auf den bestehenden Versicherungsschutz zu werfen. Dabei ergeben sich zahlreiche Einsparmöglichkeiten, aber unter Umständen wird dann auch deutlich, dass die vereinbarten Versicherungssummen nicht ausreichen.

Beispiele Haftpflicht- und Hausratversicherung

Beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heißt es dazu: "Wer mit Kindern und einem Partner in ein neues Zuhause zieht, bringt zumeist die eigene Haftpflichtversicherung mit. Gekündigt werden darf immer der jüngere Vertrag." Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) bestätigt: „Neu zusammenlebende Paare brauchen nur eine für die gesamte Patchwork-Familie." Die Kinder sind auf jeden Fall mitversichert. Kinder, die nur am Wochenende zu Besuch kommen und ansonsten beim Ex-Partner leben, sollten über diesen bei der Haftpflichtversicherung mitversichert sein.

Tipp:

Sie suchen eine günstige Haftpflichtversicherung? Mit dem Biallo-Vergleich Haftpflichtversicherung finden Sie mit wenigen Klicks einen günstigen Tarif.

Auch bei der Hausratversicherung reicht eine Police. Allerdings müssen die Partner darauf achten, dass die im Vertrag genannte Versicherungssumme noch stimmt. BdV-Beraterin Boss sagt: „Zieht ein Partner dazu, bringt er vielleicht noch seinen Fernseher oder seine Musikanlage mit – deswegen müsste möglicherweise die Versicherungssumme erhöht werden.“ Auch bei einem gemeinsamen Umzug in eine größere Wohnung sollte dieser Betrag an den Wert des Hausrats angepasst werden.

Etwas komplizierter: Lebensversicherung

Bei bestehenden Kapital- und Risikolebensversicherungen müssen neue „Patchworker“ unbedingt genau in den Vertrag schauen, wer dort als Begünstigter eingetragen ist. Im Fall von Lebensversicherungen müssen homosexuelle Paare den Partner genauso als Bezugsberechtigten für die Hinterbliebenenleistungen eintragen lassen, wie auch Patchwork-Familien die leiblichen beziehungsweise Stiefkinder sowie den Gatten oder Partner. „Es ist vollkommen egal, ob das Paar verheiratet ist, das gleiche Geschlecht hat oder es sich nicht um das leibliche Kind handelt“, sagt Gabriele Hoffmann vom GDV: „Hauptsache, die Partner oder Kinder sind namentlich eingetragen.“ Denn wenn beispielsweise der Versicherungsnehmer einer kapitalbildenden Lebensversicherung stirbt, könnte seine im Vertrag benannte Exfrau die Hinterbliebenenleistung erhalten, wenn die neue Partnerin und ihre Kinder als Begünstigte nicht eingetragen sind. Gleiches gilt für reine Risikolebensversicherungen und für die Rentengarantiezeiten bei privaten oder betrieblichen Rentenversicherungsverträgen im Falle des Todes des Versicherungsnehmers. Eine schriftliche Änderung an den Versicherer reicht aus.

Wenn Patchwork-Familien finanzielle Verpflichtungen für den Fall der Fälle absichern wollen, sollten sie auch das deutsche Erbrecht beachten. Nicht verheiratete Lebenspartner und ihre „Stiefkinder“ gelten nach dem deutschen Erbrecht als „Fremde“. Sie haben keinen Pflichtteilsanspruch, erhalten nur einen geringen Freibetrag und müssen darüber hinaus den höchsten Steuersatz entrichten. Im Vergleich zu verheirateten Paaren verlieren Lebenspartner und Stiefkinder bei einer Erbschaft in der Regel eine Menge Geld, bei manchen privaten Altersvorsorgeprodukten ist ein Hinterbliebenenschutz für Unverheiratete nicht möglich – oder mit erheblichen Nachteilen verbunden. Bei einer Riester-Rente etwa muss in einem solchen Fall die staatliche Förderung zurückgezahlt werden.

Versicherungsexperten raten unverheirateten Patchwork-Paaren auf jeden Fall, sich über Kreuz zu versichern, das heißt, der Mann schließt eine Risikolebensversicherung auf das Leben der Frau ab und umgekehrt. Dann ist der jeweilige Partner Versicherungsnehmer, Beitragszahlender und Bezugsberechtigter zugleich, die versicherte Person ist der Partner beziehungsweise die Partnerin. Mit diesem „Trick“ fällt in der Regel keine Erbschaftssteuer an. Weil das Erbrecht „wilde Ehen“ benachteiligt, würde die Auszahlung sonst in die Erbmasse fallen und ab einem Freibetrag von gerade mal 20.000 Euro Erbschaftssteuer anfallen.

Tipp:

Bei welchen Versicherern Sie eine gute und günstige Risikolebensversicherung abschließen können, erfahren Sie im Biallo-Vergleich Risikolebensversicherung.

Auf jeden Fall alle Versicherungen überprüfen

Die Partner in Patchwork-Familien sollten darüber hinaus gemeinsam alle Regelungen für die private Altersvorsorge oder ihre Berufsunfähigkeit unter die Lupe nehmen. So kann es sinnvoll sein, die monatliche Zusatzrente im Alter oder die Höhe der Absicherung bei Invalidität zu erhöhen, wenn der Vertrag das erlaubt. Patchwork-Partner sollten daran denken, dass das neue Familienglück oft mit größeren Investitionen verbunden ist (neues Haus, größeres Auto). Die entsprechenden Zahlungen einer Versicherung sollten ausreichen, um die Hinterbliebenen vor einem finanziellen Fiasko zu bewahren.

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 
Ihre Meinung ist uns wichtig
Horst Peter Wickel
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Horst Peter Wickel
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Horst Peter Wickel
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de