Private Haftpflichtversicherung Böses Erwachen: Police ersetzt nur Zeitwert

Private Haftpflichtversicherung Böses Erwachen: Police ersetzt nur Zeitwert

Annette Jäger
von Annette Jäger
10.08.2016
Auf einen Blick

Die private Haftpflichtversicherung ersetzt nur den aktuellen Wert einer Sache - meist zu wenig für einen Neukauf. Das müssen Sie wissen:

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Wer bei Freunden aus Versehen den Fernseher vom Sockel wirft, wiegt sich in Sicherheit: „Das zahlt meine Haftpflichtversicherung." Das stimmt. Jedoch ersetzt die private Haftpflichtversicherung - soweit eine Reparatur nicht möglich ist oder sich nicht lohnt - nur den Zeitwert. Das heißt: so viel, wie der Fernseher zum Zeitpunkt des Unfalls noch wert ist.

„Bei technischen Geräten ist der Preisverfall leider rasant“, sagt Versicherungsberater Thorsten Rudnik. So kann es gut sein, dass die private Haftpflichtversicherung für das vor wenigen Jahren teure Stück nur noch 100 Euro bezahlt - zum Ärger des Geschädigten. Denn dafür bekommt er kein neues Gerät.

Private Haftpflichtversicherung: Zeitwert gilt laut Gesetz

"Den Zeitwert zu erstatten, ist keine Willkür des Versicherers, sondern die Gesetzeslage“, klärt Rudnik auf. Der Geschädigte soll nach dem Schaden nicht besser dastehen, als vor dem Schaden. Das Geld reicht, um einen gleichwertigen Fernseher auf dem Gebrauchtmarkt zu kaufen. Das Risiko jedoch, ein Gerät zu erwerben, das nicht einwandfrei ist, trägt der Geschädigte.

Nicht voreilig regulieren

Diese Tatsache bringt Sie als Schadensverursacher, vor allem wenn es sich um einen Unfall bei Freunden oder Bekannten handelt, oft in eine missliche Lage. Moralisch mögen Sie sich verpflichtet fühlen, das Gerät zu ersetzen. Viele regulieren deshalb den Schaden zunächst auf eigene Kosten, indem Sie einen neuen Fernseher kaufen. Das Staunen ist dann aber groß, wenn Sie erfahren, dass Ihre private Haftpflichtversicherung nur den Zeitwert ersetzt. Auf dem Differenzbetrag zum Neuwert bleiben Sie sitzen.

Mein Tipp: Regulieren Sie nie voreilig einen Schaden, sondern warten Sie ab, was Ihr Versicherer leistet.

Auch andere Policen ersetzen nur den Zeitwert

Geht es um Schäden, die Sie anderen zufügen, ersetzt Ihr Versicherer immer nur den Zeitwert. Klassisches Beispiel: die Kfz-Haftpflichtversicherung. Verursachen Sie einen Unfall und eine Reparatur des Autos des Geschädigten lohnt sich nicht, handelt es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Dann schaut der Versicherer in die sogenannte Schwackeliste – eine Liste zur Bewertung von Fahrzeugen – und ersetzt den dort angegebenen Zeitwert. Zum Ärger des Geschädigten, denn ob er für das Geld einen gleichwertigen Gebrauchtwagen erhält, mit dem Makel, dass er ihn aus fremder Hand übernehmen muss, ist dahingestellt.

Welche Police ersetzt den Neuwert?

Das Gegenteil vom Zeitwert ist der Neuwert: Dann bekommen Sie genau den Betrag von der Versicherung, der nötig ist, um einen Gegenstand neu anzuschaffen. Auch wenn dieser inzwischen teurer ist als zum Zeitpunkt der ursprünglichen Anschaffung. Es gibt im privaten Versicherungsbereich drei Sparten, die den Neuwert erstatten: 
Hausratversicherung

Gebäudeversicherung
Kfz-Kaskoversicherung

Für Hausrat- und Wohngebäudeversicherung gilt: Heben Sie unbedingt Belege und Unterlagen der Anschaffungen auf. Sonst können Sie im Schadensfall kaum nachweisen, wie teuer eine Sache war und wie viel Sie heute kosten würde. Dann müssen Sie sich auf die Schätzung des Versicherers verlassen, der den Wert vielleicht niedriger ansetzt.

Auch die Kfz-Kaskoversicherung ersetzt den Neuwert des eigenen PKWs bei Diebstahl oder Totalschaden, auch wenn dieser nicht mehr nagelneu ist. Voraussetzung ist, dass eine Neupreisentschädigung im Vertrag eingeschlossen ist. Sie gilt je nach Versicherer bis zu 24 Monaten nach Kauf des Autos.

Biallo-Tipp:

Haben Sie bereits eine Hausratversicherung? Falls nicht, dann lohnt sich ein Blick auf das Angebot der Gothaer Hausratversicherung. Diese Versicherung überzeugt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de