Schadensregulierung Wenn sich die Versicherung Zeit lässt

Schadensregulierung Wenn sich die Versicherung Zeit lässt

von Horst Peter Wickel
15.03.2016
Auf einen Blick
Bei der Regulierung von Versicherungsschäden lässt sich die Versicherung manchmal viel Zeit, selbst bei klaren Fällen. Was Versicherte unternehmen können.
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Für die meisten Versicherten steht fest: in der Regel zeigt sich erst im Schadensfall, wie gut eine Versicherung wirklich ist. Bei einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Produkt und Markt“ im Auftrag der Gothaer-Versicherung nannten 22 Prozent der Befragten die Schnelligkeit der Erstattung als wichtigsten Punkt für die Kundenzufriedenheit. Bei der Gothaer-Versicherung gefiel 81 Prozent der Befragten das Tempo bei der Regulierung, 78 Prozent lobten auch die Höhe der Entschädigung.

Versicherung - Nervige Wartezeiten

Allerdings müssen Verbraucherschützer in vielen Fällen feststellen, dass sich die eine oder andere Versicherung bei der Regulierung Zeit lässt. „Oftmals wird die Schadensregulierung verzögert“, bestätigt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die Wartezeit kostet in der Regel nicht nur Geld, sondern vor allem Nerven. BdV-Beraterin Boss erklärt: „Sind alle nötigen Erhebungen zur Feststellung des Versicherungsfalles und des Umfangs der Leistung des Versicherers beendet, dann ist die Geldleistung des Versicherers fällig.“ So sprach das Amtsgericht Erlangen einem Geschädigten das Recht zu, bei einem einfachen Sachverhalt und eindeutiger Verschuldensfrage bereits nach zwei Wochen Klage auf Ersatz seines Schadens zu erheben (Urteil AG Erlangen, Az.: 1 C 1787/04).

Allerdings versuchen Versicherungen nach Einschätzung der Verbraucherschützer in manchen Fällen, diese Erhebungen zu verzögern. Zwar gibt die Rechtsprechung der Versicherung die Möglichkeit, zum Beispiel ein Unfallgeschehen sorgsam zu prüfen, aber Fachleute gehen davon aus, dass dafür maximal vier bis sechs Wochen Zeit ins Land gehen dürfen.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Versicherung - Hinweis auf die Rechtsprechung oder auf den Ombudsmann

Dieser Zeitraum kann sich nochmals um drei Wochen verlängern, wenn die Versicherung zum Beispiel Polizeiakten zu einem Unfall einsehen will. Wenn ein Versicherungsnehmer dann allerdings noch immer keine Rückmeldung von der Versicherung erhalten hat, kann er den Klageweg beschreiten. Oftmals reicht wohl schon der Hinweis an die Versicherung, dass man um die Rechtsprechung bei diesem Thema weiß. Natürlich kann sich der Versicherte nach Angaben des BdV auch an den Ombudsmann für Versicherungen wenden, wenn eine Verzögerung durch die Versicherung erkennbar ist.

Abschlagszahlungen von der Versicherung

Auf eine weitere Möglichkeit weist BdV-Beraterin Boss hin: „Sind diese Erhebungen nicht bis zum Ablauf eines Monats seit der Anzeige des Versicherungsfalls beendet, kann der Versicherte Abschlagszahlungen in Höhe des Betrags verlangen, den der Versicherer voraussichtlich mindestens zu zahlen hat.“ Aber der Lauf dieser Frist ist gehemmt, solange die Erhebungen infolge eines Verschuldens des Versicherten nicht beendet werden können (nach Paragraf 14 VVG).

Schaden der Versicherung sofort melden

Auf jeden Fall sollten Versicherte nach Unfällen oder Einbrüchen den Schaden unverzüglich (so § 30 VVG) an ihre Versicherung melden, denn sonst kann die Versicherung die Zahlung verweigern oder kürzen. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, den Schaden möglichst zu begrenzen. Im Einzelfall kann das bedeuten: Aufstellen eines Warndreiecks nach einem Autounfall, sofortige Sperre von gestohlenen EC- oder Kreditkarten etc.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de