Ab Juli Mini-Frührente beziehen – und später Steuern sparen

Flexi-Rente Ab Juli Mini-Frührente beziehen – und später Steuern sparen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
10.03.2017
Auf einen Blick
  • Ab Juli dieses Jahres gelten neue Regeln zu Teilrenten. Diese machen künftig – mehr als das bisher geltende Rentenrecht – einen gleitenden Übergang in den Ruhestand möglich.

  • Die Neuregelungen sind auch vor dem Hintergrund der gesetzlichen Regelungen zur Rentenbesteuerung interessant. Für Teilrentner eröffnen sich günstige Gestaltungsmöglichkeiten.
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Die ab Juli dieses Jahres geltenden neue Regeln eröffnen Versicherten mehr Spielraum zur Kombination von Frührente und Rente als bisher. Im Folgenden erfahren Sie:

  • Welche Regelungen zum Hinzuverdienst und zur Teilrente ab Mitte 2017 gelten.
  • Mit welcher Steuerbelastung Rentner derzeit rechnen müssen und wie sich diese Belastung zukünftig entwickelt.
  • Wie der frühzeitige Eintritt in eine Teilrente, insbesondere in eine Zehn-Prozent-Teilrente zur Reduzierung der künftigen Steuerbelastung genutzt werden kann.

1. Neue Hinzuverdienstregeln zum gleitenden Übergang in den Ruhestand und zur Teilrente

Das Flexi-Rentengesetz sieht eine grundlegende Neugestaltung der Teilrenten und der Hinzuverdienstregeln vor. Die ab Juli 2017 geltende Regelung lässt den Versicherten mehr Spielraum zur Kombination von Frührente und Rente als bisher. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, sind dabei beliebige Kombinationen von Arbeit und Rente möglich.

Wichtig ist zunächst der Hinweis: Die Hinzuverdienstregeln gelten nur bis zum Erreichen des regulären Rentenalters, das für den Jahrgang 1952 bei 65 Jahren und sechs Monaten liegt und für jeden jüngeren Jahrgang bis zur Grenze von 67 Jahren ansteigt. Ab Erreichen der Altersgrenze ist ein Rentenbezug in beliebiger Höhe möglich. Allerdings besteht auch für reguläre Altersrentner die Möglichkeit, nur einen Teil ihrer Rente zu beziehen. Das ist sowohl für die Höhe der späteren Rente als auch steuerlich von Interesse.

Bei vorgezogenen Altersruhegeldern ist dagegen ab Juli generell ein jährlicher Hinzuverdienst von 6.300 Euro erlaubt, was einem regelmäßigen monatlichen Hinzuverdienst von 525 Euro entspricht. Zudem wird das, was über einen Hinzuverdienst von 6.300 Euro hinausgeht, nur zu 40 Prozent auf die Altersrente angerechnet.

Diese Hinzuverdienstregeln gelten für die Altersrente für langjährig Versicherte, für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte und die Schwerbehindertenrente.

Bei diesen Renten erfolgt künftig eine "gleitende" Anrechnung. Die bisherigen rigiden Abstufungen (Ein-Drittel-, Halb- und Zwei-Drittel-Rente mit dem jeweils individuell zu errechnenden möglichen Hinzuverdienst) entfallen damit ab Juli 2017. Was ein Frührentner in einem einzelnen Monat nebenher verdient, interessiert die deutsche Rentenversicherung nicht. Entsprechend müssen auch keine einzelnen Gehaltsnachweise abgegeben werden.

Wichtig zudem: Die Hinzuverdienstgrenze bezieht sich nicht auf zwölf Monate des Rentenbezugs (also etwa auf die Zeit von Mai 2017 bis April 2018), sondern auf Kalenderjahre.

Zum 1. Juli des Folgejahrs wird jeweils spitz abgerechnet

Ob überhaupt und wie viel vom Zuverdienst auf die Rente angerechnet wird, wird zunächst auf Grundlage einer Prognose errechnet. Auch beim Einkommen stimmen Prognosen fast nie hundertprozentig - etwa wegen Überstunden oder weil es zwischenzeitlich zu tariflichen Lohnerhöhungen gekommen ist. Deshalb wird auf Basis der kompletten Gehaltsabrechnung(en) eines Kalenderjahrs zum 1. Juli des Folgejahrs spitz abgerechnet.

Und "spitz" ist dabei durchaus wörtlich gemeint. Denn die Abrechnung erfolgt auf den Cent genau. Stellt sich bei dieser Spitzabrechnung heraus, dass das Arbeitseinkommen höher war als prognostiziert, so kommt es nachträglich zu einer Rentenkürzung. Und umgekehrt.

Es gibt allerdings für Sie eine recht einfache Möglichkeit der Spitzabrechnung zu entgehen. Sie können von vornherein nämlich die Höhe Ihrer Teilrente festlegen, wobei diese mindestens zehn Prozent Ihrer Vollrente betragen muss.

Beispiel: Eigentlich haben Sie einen Frührentenanspruch in Höhe von monatlich 1.500 Euro. Sie entscheiden sich jedoch, zunächst nur zehn Prozent davon - in diesem Fall also 150 Euro - in Anspruch zu nehmen. Diese Variante kann Steuervorteile bringen (siehe 3.), ist aber auch vor dem Hintergrund der zu erwartenden Rentenabschläge sinnvoll. Denn Rentenabschläge fallen nur auf den Teil der Rente an, den Sie beziehen. In diesem Fall würden also auf neun Zehntel der Rente keine Abschläge anfallen. Zudem erwerben Sie durch die Weiterarbeit auch zusätzliche Rentenansprüche.

Wenn Sie diese Variante wählen, legen Sie damit gleichzeitig den Rahmen für Ihren Hinzuverdienst fest. Ob Sie diesen Rahmen ausschöpfen, ist dann Ihre Sache.

Im gewählten Zehn-Prozent-Beispiel hätten Sie beispielsweise einen "Spielraum" für ein jährliches Bruttoeinkommen von bis zu 46.800 Euro. Ob Sie dieses Einkommen in einer vollen Stelle oder in einer 90-Prozent-Stelle oder auch mit einer stärkeren Arbeitszeitverkürzung erzielen, ist dabei im Übrigen völlig uninteressant - zumindest für die Rentenversicherung. Niemand fragt danach, wie viele Stunden Sie wöchentlich vor und nach dem Teilrentenbezug gearbeitet haben, es kommt nur auf die Höhe des Hinzuverdienstes an.

Biallo-Tipp:

Im Biallo-Rentenrechner finden Sie alle Informationen zu Ihrem möglichen Rentenbeginn. Mit wenigen Klicks erhalten Sie eine Übersicht über die möglichen Rentenformen: Biallo-Rentenrechner

Wenn dieser in einem Kalenderjahr 46.800 Euro beträgt, sieht die Rechnung der Deutschen Rentenversicherung folgendermaßen aus: Zunächst ziehen Sie den Freibetrag von 6.300 Euro ab. Damit kommen Sie auf 40.500 Euro. 40 Prozent hiervon sind 16.200 Euro. Wenn Sie diesen Betrag auf den Monat herunterbrechen, kommen Sie auf 1.350 Euro. Genau dies ist der Betrag, um den Sie ohnehin - aus eigener Entscheidung - ihre Rente gekürzt haben. Sie erhalten ja als Teilrente nur 150 Euro.

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass Sie die selbst gewählte "Verdienstmarke" überschritten haben, so kommt es im Nachhinein dennoch wieder zu einer Spitzabrechnung. Sanktionen oder gar Strafzahlungen haben Sie dabei nicht zu befürchten. Sie müssen lediglich Teile der bereits bezogenen Rente zurückzahlen bzw. einkalkulieren, dass in den kommenden Monaten jeweils ein Teil Ihrer Rente einbehalten wird, weil eine Verrechnung mit Ihren aktuellen Ansprüchen erfolgt. Wenn Sie allerdings die Zehn-Prozent-Marke reißen - also Ihre Teil-Rente nach Anrechnung des Hinzuverdienstes weniger als zehn Prozent Ihrer Rente betragen würde - fällt die Altersrente ganz weg. Das wäre im oben durchgerechneten Beispiel bei einem Bruttojahreseinkommen in Höhe von 46.900 Euro der Fall.

Weitere Komplikation: Hinzuverdienstdeckel

Sperrig wird die Hinzuverdienstregelung für Frührentner durch einen zusätzlichen "Hinzuverdienstdeckel". Das ist ein individuell zu errechnender Höchstbetrag des erlaubten Hinzuverdienstes. Alles, was über diesen "Deckel" hinausgeht, wird voll auf die Rente angerechnet. Der Hinzuverdienstdeckel entspricht der Bezugsgröße (Durchschnittsentgelt des vorvergangenen Kalenderjahres) multipliziert mit der Anzahl an Entgeltpunkten des Jahres mit den meisten Entgeltpunkten in den letzten 15 Jahren vor Rentenbeginn.

Beispiel: Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer hat immer 50 Prozent mehr als der Durchschnitt aller Rentenversicherten verdient. Damit ist er in den letzten 15 Jahren immer auf etwa 1,5 Entgeltpunkte gekommen. Die monatliche Bezugsgröße beträgt derzeit 2.975 Euro. Damit liegt sein Hinzuverdienstdeckel derzeit bei monatlich 4.462,50 Euro.

Feste Teilrente auch für reguläre Altersrentner

Die Variante "fester Teilrentenbetrag" ist auch für diejenigen interessant, die bereits das reguläre Rentenalter erreicht haben bzw. bereits die reguläre Altersrente erhalten. Für die Betroffenen spielt zwar die Hinzuverdienstregelung keine Rolle mehr. Doch auch sie können sich entscheiden, nicht die volle Rente, sondern einen beliebigen Teilbetrag der Rente in Anspruch zu nehmen (mindestens aber zehn Prozent der Stammrente) und den Rest - ganz nach Belieben und Möglichkeiten - durch Erwerbstätigkeit zu decken. Das hat unter anderem die Folge, dass der Teil der Rente, den sie nicht in Anspruch nehmen, von nun an jedes Jahr beträchtlich steigt - und zwar um 0,5 Prozentpunkte für jeden Monat, den die reguläre Altersrente "verspätet" beantragt wird. Hinzu kommen noch die Rentenansprüche aus der weiteren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, für die darüber hinaus ebenfalls der 0,5-Prozent-Zuschlag gilt.

2. Rente und Steuer

Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass 2017 rund 4,4 Millionen der insgesamt etwa 20 Millionen Rentner Steuern zahlen müssen. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linken vom 29.11.2016 hervor. Zu einem großen Teil dürfte es sich dabei um Rentner handeln, die neben dem gesetzlichen Altersruhegeld noch weitere Renten erhalten. Doch inzwischen müssen auch Alleinstehende, die 2017 in Rente gehen und eine Rente von brutto - also vor dem Abzug der Sozialversicherungsbeiträge - 1.300 Euro erhalten, mit einer geringen Steuerbelastung von monatlich elf Euro rechnen. Bei einer Monatsrente von 1.500 Euro sind es bereits 33 Euro.

Doch Achtung: Dies gilt nur für alleinstehende Rentner, die außer den Sozialversicherungsbeiträgen und den für alle geltenden Freibeträgen keine weiteren absetzbaren Ausgaben haben. Und zudem nur für Neurentner des Jahres 2017.

Biallo-Tipp:

Einen verlässlichen Rechner zur Rentenbesteuerung bietet Ihnen die private Internetseite http://www.n-heydorn.de/rentenbesteuerung.html. Hier erfahren Sie nicht nur, wie hoch in Ihrem Fall die Steuerbelastung ausfallen wird. Der Rechner zeigt zudem direkt die Nettorente an. Wichtig ist jedoch: Achten Sie auf die korrekte Angabe Ihres Renteneintrittsjahres. Sie können mit diesem Rechner auch die Steuerbelastung kalkulieren, mit der Sie - beispielsweise - rechnen können, wenn Sie 2025 in Rente gehen. Die Werte, die dann ausgeworfen werden, sind so etwas wie "Obergrenzen" Ihrer Steuerbelastung. Denn der Rechner kalkuliert auch für die Zukunft mit dem aktuellen Grundfreibetrag bei der Steuer.

Ob und wie viel Steuer Sie von Ihrer Rente entrichten müssen, hängt davon ab, wann Sie in Rente gegangen sind bzw. gehen werden. Denn seit 2005 steigt Jahr für Jahr der steuerpflichtige Teil der Rente. Dafür werden die Rentenversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer zunehmend von der Steuer freigestellt.

Das neue Prinzip nennt sich dabei nachgelagerte Besteuerung. Der Übergang zu diesem Prinzip zieht sich über einige Jahrzehnte hin. Für diejenigen, die 2005 bereits in Rente waren, sind 50 Prozent der 2005 bezogenen Rente steuerfrei. Derzeit - Stand 2017 - sind 74 Prozent der Brutto-Rente eines Neurentners steuerpflichtig. Bis 2020 kommen bei dieser Steuertreppe jährlich zwei Prozentpunkte dazu. 2020 sind dann schon 80 Prozent der Rente steuerpflichtig. Der zu versteuernde Anteil steigt dann jährlich noch um einen Punkt. Wenn Sie ab 2040 in Rente gehen, müssen Sie Ihre volle gesetzliche Rente versteuern.

Jahr des RenteneintrittsBesteuerungsanteil in Prozent
200550
200652
200754
200856
200958
201060
201570
201774
202080
202585
203090
203595
2040100

Quelle: § 22 Einkommensteuergesetz (EStG), biallo.de

Hierbei wird folgendermaßen gerechnet: Nehmen wir an, Sie sind im Januar 2017 in Rente gegangen und beziehen 2017 insgesamt eine Bruttorente von 18.000 Euro. Davon sind 74 Prozent steuerpflichtig. Das sind 13.320 Euro. Steuerfrei bleiben 4.680 Euro. Diesen Betrag müssen Sie sich für die Zukunft merken. Denn künftig ist dies Ihr Steuerfreibetrag.

Das bedeutet für Sie: Künftige Rentensteigerungen sind für Sie voll steuerpflichtig. Wird die Rente im Juli 2018 beispielsweise um zwei Prozentpunkte erhöht, dann erhalten Sie - da die Rentenerhöhung jeweils ab Juli greift - 180 Euro mehr an Rente. Der steuerpflichtige Teil Ihrer Rente steigt dann auf (13.320 + 180 =) 13.500 Euro. Auf diese Weise werden auch Rentner, die zunächst keine Steuern entrichten mussten, in Zukunft häufig steuerpflichtig.

Auf diesen Teil Ihrer Einkünfte greift der Fiskus nicht zu

Steuerpflichtige Bezüge bis zur Höhe des steuerlichen Grundfreibetrags bleiben für Sie steuerfrei. Der Freibetrag liegt 2017 bei 8.820 Euro.

Hinzurechnen müssen Sie noch:

  • einen Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro,

  • einen Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro (für Rentner),

  • Ihre vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die bei einer Bruttorente von monatlich 1.500 Euro jährlich 1.971 Euro betragen,

  • Ihren persönlichen Rentenfreibetrag, der bei einem Renteneintritt im Januar 2017 und einer Rentenhöhe von brutto 1.500 Euro genau 4.680 Euro beträgt.

Steuerfrei bleiben damit bei einer monatlichen Rente in Höhe von brutto 1.500 Euro insgesamt 15.609 Euro. Von den 2.391 Euro, die darüber hinausgehen, werden Sie vom Finanzamt zur Kasse gebeten.

3. Steuerliche Vorteile durch den Teilrentenbezug

Wenn Sie sich die Tabelle zur Rentenbesteuerung ansehen, wird schnell klar, dass es einen beträchtlichen Unterschied macht, in welchem Jahr Sie in Altersrente gehen. Paragraf 22 Einkommensteuergesetz regelt hierzu: "Der der Besteuerung unterliegende Anteil ist nach dem Jahr des Rentenbeginns und dem in diesem Jahr maßgebenden Prozentsatz ... zu entnehmen".

Welcher Prozentsatz dabei zählt, richtet sich demnach auch - so das Bundesfinanzministerium - "nach dem Jahr des Rentenbeginns". Das geht aus dem Schreiben des Ministeriums vom 19. August 2013 ("Einkommensteuerrechtliche Behandlung von Vorsorgeaufwendungen und Altersbezügen, Geschäftszeichen: IV C 3 - S 2221/12/1001 0:004 ) hervor. Darin heißt es ausdrücklich, dass bei der Rentenbesteuerung "der ursprünglich ermittelte Prozentsatz maßgebend" ist. Dies gilt auch beim Wechsel von einer Teilrente in eine spätere Vollrente - und umgekehrt. In diesen Fällen gilt: "Für den erhöhten oder verminderten Rentenbetrag bleibt der ursprünglich ermittelte Prozentsatz maßgebend" (Randziffer 223).

Mehr noch: Am ursprünglichen Renteneintrittsjahr ändert sich selbst dann nichts, wenn "die bewilligte Rente bis auf 0 Euro gekürzt (wird), z.B. weil eigene Einkünfte anzurechnen sind". Diese Kürzung der Rente "unterbricht die Laufzeit der Rente nicht", ist dort zu lesen (Randziffer 221).

Gerade wenn Sie aus rein steuerlichen Gründen die Variante einer Mini-Teilrente wählen möchten, ist die zuletzt zitierte Passage des Schreibens des Bundesfinanzministeriums für Sie wichtig. Denn möglicherweise beabsichtigen Sie ja gar nicht, Ihre Arbeitszeit und damit Ihr Gehalt zu verringern. Das bedeutet: Wählen Sie die Variante der Zehn-Prozent-Teilrente, so kann sich bei der Spitzabrechnung später tatsächlich eine Kürzung der Rente auf "0 Euro" ergeben. Das würde - wenn es bei der derzeitigen Rechtsauslegung des Bundesfinanzministeriums bleibt - für den Besteuerungsprozentsatz keinerlei negativen Folgen haben. Ob sich an dieser Rechtsauslegung künftig etwas ändert, kann natürlich nicht vorausgesagt werden. Wer auf "Nummer sicher" gehen will, sollte möglichst nur so viel zu seiner Rente hinzuverdienen, dass diese bei der folgenden Spitzabrechnung nicht unter die Zehn-Prozent-Marke fällt.

Folgendes Beispiel zeigt, welche Auswirkungen die Wahl einer Teilrente für die spätere Steuerbelastung der Vollrente hat.

Nehmen wir einen 63-jährigen Arbeitnehmer, der derzeit (2017 also) eine Bruttojahresrente in Höhe von 18.000 Euro erhalten könnte. Unterstellen wir, er nimmt nun nur zehn Prozent der Rente in Anspruch und arbeitet bis 2020 weiter. Dann kann er die reguläre Altersrente erhalten. Seine zu erwartende Jahresrente dürfte dann rund 22.000 Euro betragen.

Steuerfrei wären davon - nach dem "Treppenstand" von 2017 - 26 Prozent. Das sind (26 Prozent x 22.000 =) 5.720 Euro. Würde der Beispielrentner dagegen erstmals 2020 Rente beantragen, so wären davon nur 20 Prozent steuerfrei, also 4.400 Euro. Der Vorteil beim Steuerfreibetrag würde sich also auf 1.320 Euro belaufen - und zwar lebenslang. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent macht das immerhin ein Plus von 330 Euro. Für ein Jahr. Auf Dauer kommen da einige 1.000 Euro zusammen.

Noch vorteilhafter ist die Aufschiebung des Vollrentenbezugs

Noch weit interessanter kann der frühe Bezug einer kleinen Teilrente für diejenigen sein, die beabsichtigen, zunächst keinen Rentenantrag zu stellen und über das reguläre Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Die Betroffenen erarbeiten dann zum einen durch die rentenversicherungspflichtige Beschäftigung ein weiteres Rentenplus und profitieren später beim Rentenantrag von einem Zuschlag von 0,5 Prozentpunkte für jeden Monat des Rentenaufschubs. Die Altersrente kann bei diesem Modell bei zwei Jahren Weiterarbeit - im Beispielfall bis 2022 - um etwa 17 bis 18 Prozent steigen. Aus einer Jahresrente von 22.000 Euro würde dann eine Rente von ca. 26.000 Euro.

Normalweise - also ohne vorherigen Teilrentenbezug - wären 2022 schon 82 Prozent dieser Rente steuerpflichtig. Der Steuerfreibetrag würde sich damit auf (18 Prozent x 26.000=) 4.680 Euro belaufen.

Wenn sich der Betreffende dagegen 2017 für den Bezug einer Teilrente von zehn Prozent der Vollrente entscheidet (oder für ein anderes Teilrentenmodell) gilt der "eingefrorene" Prozentsatz von 2017. Steuerpflichtig wären dann nur 74 Prozent der Rente. 26 Prozent wären steuerfrei. Der Steuerfreibetrag würde sich auf 6.760 Euro belaufen. Ein Plus von gut 2.000 Euro. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent würde dies immerhin eine Steuerersparnis von rund 500 Euro bedeuten.

Wichtig noch: Die hier skizzierten Regeln sind nicht neu. Sie gelten auch bisher schon für das bis Ende Juni 2017 geltende starre Teilrentenmodell mit den drei Möglichkeiten (Drittel-, Halb- und Zwei-Drittel-Rente).

Diesen Beitrag stellen wir Ihen aus als pdf-Dokument bereit. Sie können es hier herunterladen: "Ab Juli Mini-Frührente beziehen - und später Steuern sparen"

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de