Altersvorsorge Sind Ihre Betriebsrenten wirklich in Gefahr?

Altersvorsorge Sind Ihre Betriebsrenten wirklich in Gefahr?

von Horst Peter Wickel
20.12.2015
Auf einen Blick

Die anhaltend niedrigen Zinsen bringen die Pensionswerke vieler Mittelstandsbetriebe in Schwierigkeiten. Aber die Mitarbeiter müssen sich wenig Sorgen machen.

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Die meisten Arbeitnehmer, die einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) abgeschlossen haben, müssen sich wohl keine Sorgen machen, vor allem dann nicht, wenn sie eine Direktversicherung abgeschlossen haben. „Moderne Pensionszusagen aus Gehaltsverzichtsvereinbarungen sind weitestgehend bei Versicherungsunternehmen rückgedeckt und die Höhe der Rente an die Leistung aus dem Versicherungsvertrag gekoppelt. In diesen Fällen ergibt sich aus dem derzeit niedrigen Zinsniveau keine Auswirkung auf die Pensionsrückstellung, da gleichzeitig die Leistungsverpflichtung sinkt“, erklärt Norbert Steinle, Experte für betriebliche Altersversorgung bei der Nürnberger Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Rödl & Partner.

Selbst Arbeitnehmer, die von ihrem Chef eine Direktzusage für die Betriebsrente bekommen haben, müssen sich keine Gedanken machen. Steinle erklärt: „Im Gegensatz zum Arbeitsplatz sind die bereits verdienten Betriebsrenten durch die gesetzliche Insolvenzsicherung gesichert.“
Viele Arbeitgeber sind allerdings unter Druck geraten, vor allem die, die ihren Mitarbeitern Direktzusagen für die Betriebsrente gemacht haben.

Pensionsrückstellungen sind Pflicht

Obwohl das „Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge“ (BetrAVG) insgesamt fünf Durchführungswege für die Betriebsrente anerkennt, müssen nämlich für die Pensionszusage (auch Direktzusage genannt) Pensionsrückstellungen gebildet werden. Der Grund hierfür ist, dass nur bei der Direktzusage sowohl die Versorgungszusage selbst als auch die Verpflichtung zu ihrer Erfüllung beim Arbeitgeber verbleiben. Und für diese Pensionen müssen Arbeitgeber Rückstellungen bilden – zu dem Zweck, eine vom Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer gemachte Zusage zur betrieblichen Altersvorsorge erfüllen zu können.

Zinsflaute zwingt zum Umdenken

Infolge der Zinsflaute denkt, so eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Towers Watson, jedes zweite mittelständische Unternehmen über die strategische Ausrichtung seiner Pensionswerke nach. Im Fokus der Überlegungen steht die Veränderung der Pensionszusagen sowie die Schließung der Versorgungswerke der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Die Niedrigzinsphase betreffe alle Mittelständler mit nennenswerten Pensionsverpflichtungen. Welche Folgen daraus für jedes einzelne Unternehmen entstehen, hänge maßgeblich von der Gestaltung der bAV ab. Towers Watson rät Unternehmen, regelmäßig zu analysieren, welche bilanziellen Auswirkungen sie durch ihre Pensionswerke erwarten können. Pensionspläne seien wichtig, um Nachfinanzierungen zu vermeiden, die sogar zu einer Überschuldung führen können.

Rechnungszins erneut gesunken

Schuld an den Finanzierungsproblemen für die Pensionsverpflichtungen ist die Niedrigzinsphase: Die meisten Mittelständler bilanzieren nach dem Handelsgesetzbuch (HGB), dessen Rechnungszins sich aus den durchschnittlichen Marktzinsen von Unternehmensanleihen mit höchster Bonität der letzten sieben Jahre zusammensetzt.

Weil seit sieben Jahren Zinsflaute herrsche und in der Berechnung das letzte Jahr mit höheren Zinsen (2008) durch die niedrigen Zinsen von 2015 ersetzt würden, sank der Rechnungszins in diesem Jahr noch einmal merklich ab. Bei einem niedrigeren Rechnungszins müssten die Unternehmen höhere Pensionsrückstellungen bilden. Das wiederum spiegelt sich negativ in der Gewinn- und Verlustrechnung wider.

Rödl-Experte Steinle meint: „Wer Pensionsrückstellungen in der Bilanz hat, wird diese Rückstellungen im Jahr 2015 und – sofern sich bei den Bilanzregeln keine Änderungen ergeben – voraussichtlich auch noch in den darauf folgenden vier Jahren zusätzlich um zehn bis 15 Prozent pro Jahr erhöhen müssen.“ Nach Steinles Erfahrungen versuchen viele Unternehmen zur Zeit die Möglichkeit, ihre Verpflichtungen entgeltlich auf einen externen Versorgungsträger – üblicherweise Pensionsfonds – zu übertragen. Aber: „Meist stellt sich jedoch schnell heraus, dass eine vollständige Übertragung noch weitaus teurer ist als die anstehende Erhöhung der Pensionsrückstellungen.“ Somit bleibe den Betrieben relativ wenig Spielraum, sich auf die zusätzlichen Belastungen vorzubereiten – außer ihre operative wirtschaftliche Leistungskraft zu erhalten oder noch zu verbessern.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de