Rente mit 63 Unfreiwilliges Ende der Altersteilzeit kann drohen

Rente mit 63 Unfreiwilliges Ende der Altersteilzeit kann drohen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
22.10.2014
Auf einen Blick

Die abschlagsfreie Rente ab 63 soll für Arbeitnehmer ein Segen sein. Für manchen kann sie aber zum Fluch werden – besonders für Ältere, die in Altersteilzeit sind.

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„Die Altersteilzeit endet, sobald ein Anspruch auf eine abschlagsfreie Rente besteht.“ Eine solche oder eine ähnliche Regelung steht in den meisten Verträgen über eine Altersteilzeit (ATZ). Standardmäßig sind die Verträge so formuliert, dass schon die Möglichkeit, eine solche Rente beziehen zu können, zu einem Ende der ATZ führt.

Heikel können solche bislang als unproblematisch angesehenen Regelungen werden, seitdem im Juli dieses Jahres die neue abschlagsfreie Rente ab 63 eingeführt wurde. Damit droht nun manchem älteren Arbeitnehmer plötzlich ein vorzeitiges Ende seiner Altersteilzeit.
Dazu ein Beispiel: Ein im Januar 1952 geborener Schlosser hat einen Altersteilzeit-Vertrag, der bis zum 31.07.2017 läuft. Denn ab August 2017 kann er mit 65 Jahren und sechs Monaten die Regelaltersrente erhalten, die immer abschlagsfrei gezahlt wird. Da er bereits mit 18 Jahren ins Arbeitsleben eingetreten ist und seitdem ununterbrochen gearbeitet hat, erfüllt er nun jedoch schon nach seinem 63. Geburtstag ab dem 01.02.2015 die Voraussetzungen für die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Die Folge: Bei seiner Altersteilzeit tritt dann ein sogenannter „Störfall“ ein. Dieser führt zu einer Rückabwicklung des ATZ-Arbeitsverhältnisses. Da Altersteilzeiter in der Regel das sogenannte Blockmodell gewählt haben, haben sie in den ersten Altersteilzeit-Jahren sozusagen „vorgearbeitet“, jedoch nur das halbe Gehalt (plus Aufstockungsbeträge) erhalten. So haben sie dem Arbeitgeber eine Art zinsloses Darlehen (Wertguthaben) gegeben. Dieses wird nun (vorzeitig) aufgelöst.

Altersteilzeit endet vorzeitig

Die Betroffenen erhalten so eine Nachzahlung. Das hört sich zunächst prima an. Doch die vorzeitige Beendigung der Altersteilzeit bringt für die Älteren meist eine erhebliche finanzielle Einbuße. Denn die Altersrente, die sie nun erhalten können, ist meist weit niedriger als ihre Vergütung während der ATZ (Altersteilzeitentgelt plus Aufstockungsbeträge). Zudem fällt die Rente wegen der fehlenden weiteren Versicherungszeit niedriger aus. Wie können diese Nachteile vermieden werden?

Störfälle vermeiden: Gar nichts tun

Zunächst einmal dürfte es für Altersteilzeiter häufig sinnvoll sein, erst einmal gar nichts zu unternehmen und abzuwarten, ob der Arbeitgeber auf sie zukommt. Bevor eine verbindliche Rentenauskunft der Rentenkasse vorliegt, ist schließlich überhaupt nicht klar, ob jemand die Voraussetzungen für die abschlagsfreie Rente ab 63 überhaupt erfüllt. Und niemand ist verpflichtet, von sich aus eine entsprechende Auskunft bei der Rentenversicherung einzuholen.
Falls der Arbeitgeber sich wegen der Störfallproblematik an einen Altersteilzeiter wendet, kann immer noch eine Rentenauskunft eingeholt werden. Dann sollte man diesen aber in jedem Fall auf eine Gesetzesänderung hinweisen, die im Juni 2014 im letzten Moment zusammen mit dem neuen Rentenpaket verabschiedet wurde.

Danach muss ein Arbeitgeber in keinem Fall Nachteile von Seiten der Arbeitsagenturen befürchten, wenn die Altersteilzeit auch über den Zeitpunkt hinaus andauert, an dem ein Altersteilzeiter Anspruch auf eine abschlagsfreie Altersrente hat. Insbesondere wird ein eventuell bestehender Anspruch des Arbeitgebers auf Förderung der Altersteilzeit durch die Arbeitsagentur nicht gefährdet. Bei einer Fortführung der ATZ bleibt damit auch die Beitragsfreiheit der Aufstockungsleistungen erhalten. Auch der Vorteil bei der Steuer – die in den meisten Fällen geringe Belastung durch den sogenannten Progressionsvorbehalt – bleibt bestehen.

Tarifvertrag kann Altersteilzeit retten

Durch diese gesetzliche Neuregelung ist jedoch kein Arbeitgeber verpflichtet, die Altersteilzeit von älteren Arbeitnehmern fortzusetzen, die nun die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch nehmen können. Dies kann allerdings tariflich vereinbart werden. So geschah es etwa in der Metall- und Elektroindustrie. Hier haben die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall einen Anpassungstarifvertrag zu tariflichen Altersteilzeit-Regelungen abgeschlossen. Anders sieht es bei den (vielen) Altersteilzeitlern aus, bei denen keine solchen tariflichen Anpassungsregelungen vorliegen – zum Beispiel weil in ihrem Bereich gar keine Tarifbindung der Altersteilzeit-Arbeitsvertragsparteien besteht. Hier sollten möglichst rasch die Altersteilzeit-Verträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer so abgeändert werden, dass mit dem möglichen Anspruch auf die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte kein vorzeitiges Ende der Altersteilzeit verbunden ist. Ob so eine Fortführung der Alersteilzeit erreicht werden kann, ist dann allerdings Verhandlungssache. Helfen kann hierbei der Betriebsrat.

Ausgezahltes Guthaben neu anlegen

Scheitern alle Versuche, die Altersteilzeit fortzusetzen, wird das angesparte Wertguthaben ausgezahlt. Dann fallen auf einen Schlag auf die ausgezahlte Summe Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an. Wer diesen Schaden zumindest begrenzen will, sollte prüfen, ob die Auszahlung ganz oder teilweise per Entgeltumwandlung in eine bestehende betriebliche Altersversorgung eingezahlt werden kann. Alternativ dazu kommt die Nutzung des Guthabens für eine (Rürup-)Rentenversicherung in Frage. Denn hierbei sind immerhin 78 Prozent der Einzahlung (bis 20.000 Euro pro Jahr, bei Ehepaaren bis 40.000 Euro) steuerfrei.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 
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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de