Kampf gegen Altersarmut: Was bringt die Rentenreform?

Rentenpläne der Bundesregierung Kampf gegen Altersarmut: Was bringt die Rentenreform?

Ines Baur
von Ines Baur
13.07.2018
Auf einen Blick
  • Immer mehr Menschen in Deutschland haben Angst vor der Altersarmut und fürchten, auf die Grundsicherung im Alter angewiesen zu sein.
  • Die Regierung will mit dem "Rentenpaket für Deutschland" gegensteuern. Geplant ist unter anderem eine Stabilisierung von Rentenniveau und Beitragssatz bis 2025.
  • Kritiker monieren, dass die Maßnahmen nicht für die Armutsprävention geeignet seien.
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Wer hat nicht eine Oma, die beim Rentenbescheid sorgenvoll die faltige Stirn runzelt? Nein, kein Jammern auf hohem Niveau. Es geht bei vielen alten Menschen um Existentielles wie Essen, Miete, Strom, etc. Diese Angst greift auf die nächsten Generationen über. Denn deren Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Schon jetzt muss jeder zweite Rentner mit weniger als 800 Euro im Monat auskommen. Ohne eine grundlegende Rentenreform, Eigeninitiative und private Altersvorsorge werden wohl auch die nächsten Generationen mit Sorgen auf ihren Bescheid schauen. 

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Die Bundesregierung hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt. Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) hat an diesem Freitag seine Pläne für die Rentenreform vorgestellt. Das "Rentenpaket für Deutschland" soll neues Vertrauen schaffen, sagte Heil in Berlin. Auf die Absicherung im Alter "muss in Deutschland Verlass sein, und zwar auch in Zukunft".

Die Maßnahmen sollen vor allem Geringverdienern, Müttern, Erwerbsgeminderten und Beziehern von Grundsicherung zugute kommen. Zudem wird die sogenannte doppelte Haltelinie bis 2025 festgezurrt: So soll das Rentenniveau bis dahin nicht unter 48 Prozent des Durchschnittslohnes sinken und die Beiträge nicht über 20 Prozent steigen. Das alles kostet zusätzlich 30 Milliarden Euro pro Jahr, wovon elf Milliarden Euro der Steuerzahler trägt. Das Rentenpaket soll Anfang 2019 in Kraft treten.

Die wichtigsten Maßnahmen der Rentenreform:

  • Wer eine Erwerbsminderungsrente beantragt, soll künftig genauso behandelt werden, als hätte er bis zum regulären Renteneintrittsalter gearbeitet. Davon würden laut Heil zusätzlich rund 170.000 Menschen profitieren, die sonst Grundsicherung im Alter beantragen müssten.

  • Geringverdiener sollen bei den Beitragszahlungen entlastet werden. Sie müssten erst ab einer Einkommensgrenze von 1.300 Euro statt bislang 850 Euro den vollen Satz Sozialbeiträge zahlen, ohne dadurch Renteneinbußen zu befürchten. Wer 850 Euro im Jahr verdient, hätte somit pro Jahr 270 Euro mehr in der Tasche.

  • Auch für ältere Mütter sind Verbesserungen vorgesehen. Für jedes vor 1992 geborene Kind gibt es zusätzlich ein drittes Jahr Erziehungszeit. Laut Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) würde Stand heute jede vierte Rentnerin von der Mütterrente profitieren.

  • Um die Beitragsobergrenze von 20 Prozent des Durchschnittslohnes "auch im Fall unvorhergesehener Entwicklungen" zu halten, soll ein Demografiefonds eingerichtet werden. Aus Steuermitteln sollen von 2021 bis 2024 jährlich rund zwei Milliarden Euro einfließen.

Bereits im Vorfeld gab es heftige Kritik vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln an den Rentenplänen der Reghierung. "Das Gros der Maßnahmen ist nicht geeignet, um treffsichere Armutsprävention zu betreiben", sagte Jochen Pimpertz, Experte für soziale Sicherung der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Alles, was jetzt draufgesattelt wird, müssen jüngere Beitrags- und Steuerzahler zusätzlich zahlen."

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Ob die Rentenpläne der Regierung die Angst vor Altersarmut eindämmen können, wird sich zeigen. Fakt ist: Eine private Altersvorsorge ist für viele Arbeitnehmer unverzichtbar geworden, weil die gesetzliche Rente oft einfach nicht mehr ausreicht. 

Biallo-Tipp: Eine Absicherung in jungen Jahren, etwa mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer privaten Rentenversicherung, ist ein probates Mittel im Kampf gegen die Altersarmut. Eine gute Alternative sind auch die sogenannten Robo-Advisor. Hier können Sparer bereits mit geringen monatlichen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de