Mehr Geld durch die Betriebsrente

Altersvorsorge Mehr Geld durch die Betriebsrente

von Horst Peter Wickel
26.07.2017
Auf einen Blick
  • Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz erhalten Arbeitnehmer beim Ansparen der Betriebsrente mehr staatliche und betriebliche Fördermittel.

  • Vor allem Geringverdiener werden künftig stärker gefördert. Kritik gibt es allerdings am sogenannten Garantieverbot.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Wenn Sie schon heute zu den Riester-Sparern gehören, können Sie sich über eine Erhöhung der staatlichen Grundzulage freuen. Statt 154 Euro gibt es ab 2018 jährlich 175 Euro, die Kinderzulage beläuft sich auf 185 Euro für bis Ende 2007 geborene und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder.

Auch die Arbeitgeber sollen sich bei der betrieblichen Altersversorgung künftig am Ansparen beteiligen. Schon heute werden bei einer weit verbreiteten Form der Betriebsrente, der sogenannten Entgeltumwandlung, Teile des Gehalts oder von Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld zu einer betrieblichen Altersversorgung umgewandelt. Für diese Beiträge sind keine Sozialabgaben fällig, auch nicht für die Arbeitgeber, die das eingesparte Geld nicht selten behalten haben.

Sollen wir Sie weiter zum Thema Altersvorsorge auf dem Laufenden halten? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Neue und alte Entgeltumwandlung

Ihr Arbeitgeber wird bei neuen Entgeltumwandlungs-Vereinbarungen ab 2019 verpflichtet, den von ihm ersparten Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen in pauschalierter Form (mindestens 15 Prozent des umgewandelten Entgelts) zu Ihren Gunsten an die durchführende Versorgungseinrichtung weiterzuleiten.

Bei bestehenden Entgeltumwandlungs-Vereinbarungen hat Ihr Arbeitgeber etwas länger Zeit. Erst ab 2022 wird der Arbeitgeberzuschuss eingeführt, damit den Firmen genügend Zeit bleibt, um sich darauf einzustellen.

Entgeltumwandlung müssen Sie künftig widersprechen

Erstmals sieht das Gesetz bei Entgeltumwandlungen sogenannte Opting-out-Modelle vor. Das sind Modelle, mit denen eine Entgeltumwandlung im Betrieb als allgemeine Verpflichtung im Tarifvertrag festgeschrieben werden kann. Allerdings haben Sie als Arbeitnehmer dann ein Widerspruchsrecht, wenn Sie nicht teilnehmen wollen. Auch nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer können die Anwendung von solchen einschlägigen tariflichen Regelungen vereinbaren.

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Geringverdiener profitieren besonders

Geringverdiener mit einem Bruttoeinkommen von maximal 2.200 Euro sollen bei der betrieblichen Altersvorsorge künftig stärker gefördert werden. Arbeitgeber werden künftig einen staatlichen Zuschuss von bis zu 144 Euro bekommen, wenn sie selbst mindestens 240 Euro pro Jahr für die betriebliche Altersvorsorge ihrer gering verdienenden Mitarbeiter zahlen.

Garantien gibt es nicht mehr

Wenn sich die Tarifpartner bei Ihrem Arbeitgeber auf ein Modell (Tarifpartnermodell) einigen, werden die Arbeitgeber "enthaftet", d.h. sie müssen Höhe und Auszahlung der neuen Betriebsrenten künftig nicht mehr garantieren.

Stattdessen gibt es dann eine neue, wenig verbindliche "Zielrente". Arbeitgeber werden von der Haftung allerdings nur befreit, wenn sie die neue Form der Betriebsrente auf der Grundlage von Tarifverträgen anbieten.

Viel Kritik am neuen Gesetz

Im Koalitionsvertrag hatte die Regierung versprochen, die betriebliche Altersversorgung (bAV) insgesamt zu stärken. Der Fondsverband BVI bejubelte das neue Gesetz als "Meilenstein für die betriebliche Altersversorgung". Nach BVI-Meinung erhalten die Arbeitnehmer die Aussicht auf eine "profitablere Altersvorsorge, weil die Kapitalanlage von den Kosten der Garantie befreit wird".

Richard Herrmann, Vorstand des bAV-Beraters Heubeck, geht davon aus, dass "der Schritt weg von den Zinsgarantien hin zu renditeträchtigeren Anlagen auf lange Sicht gesehen mehr Chancen als Risiken" biete. So sei etwa eine höhere Startrente möglich, und mit der richtigen Anpassungsstrategie könne man zudem "ein ständiges Auf und Ab bei den Rentenleistungen weitgehend vermeiden".

Marktexperten bezweifeln allerdings, dass die Tarifvertragsparteien in der Lage sind, eine neue, tarifvertraglich geregelte Sozialpartner-Welt zu schaffen. Da Arbeitgeber erst 2019 selbst Geld zur Betriebsrente nach diesem Modell beisteuern müssen, raten Verbraucherschützer von Stiftung Warentest beim Abschluss neuer Verträge zu warten, bis der Arbeitgeber etwas zur Betriebsrente dazugibt.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Horst Peter Wickel
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de