Negativzinsen und Inflation bedrohen die Altersvorsorge

Rente Negativzinsen und Inflation bedrohen die Altersvorsorge

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
19.03.2017
Auf einen Blick
  • Einer jüngsten Umfrage zufolge hat jeder fünfte Deutsche Angst, in die Altersarmut abzurutschen.
  • Negativzinsen und steigende Inflation sorgen für große Verunsicherung unter den Verbrauchern.
  • Anlageexperten raten zum Vermögensaufbau mit ETFs, allerdings sollten Anleger die gestiegene Crashgefahr berücksichtigen.
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Negativzinsen und steigende Inflation – ein gefährlicher Mix, der fleißige Sparer de facto teilenteignet. Kein Wunder, dass die Angst vor Altersarmut um sich greift. Laut einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) sorgt sich jeder Fünfte, in die Altersarmut abzurutschen. Weitere 21 Prozent wissen nicht, ob sie im Alter mit ihrem Geld gut auskommen. Nur jeder dritte Deutsche kennt seine gesetzliche Rentenhöhe zum jetzigen Zeitpunkt.

Großes Misstrauen in Institutionen

"Die Verunsicherung der Verbraucher in Sachen Altersvorsorge ist sehr groß", sagt Holger Junghans, Partner bei PwC Deutschland. Nur ein geringer Teil vertraue auf die Beratungskompetenz von Banken, Versicherungen, Maklern oder Vater Staat. Mehr als die Hälfte der Befragten verlässt sich lieber auf das eigene Urteil und nimmt die Altersvorsorge selbst in die Hand.

Das Problem dabei: Sparguthaben werfen kaum noch Zinsen ab. Immer mehr Banken reichen den negativen Einlagezins der EZB an Kunden weiter und drehen kräftig an der Gebührenschraube. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die erste Großbank auch Strafzinsen von Kleinsparern kassiert. Hinzu kommt die Geldentwertung. Die Inflationsrate ist im Februar auf 2,2 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit fast fünf Jahren.

Der Sparer ist der Dumme

Doch die EZB macht derzeit keine Anstalten, von ihrer Negativzinspolitik abzuweichen. "Die Sparer werden erkennen müssen, dass die EZB alles daran setzen wird, die Zinsen unter der Inflationsrate zu halten", sagt Professor Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums. Profiteure sind die EU-Staaten, die ihre Schulden "weginflationieren". Der Sparer guckt in die Röhre.

Nie war der Anlagenotstand größer, um privat fürs Alter vorzusorgen. Die Nachfrage nach der staatlich geförderten Riester-Rente lässt seit Jahren zu wünschen übrig. Viele Banken bieten sie gar nicht mehr an. Nicht viel besser sieht es bei der Rürup-Rente aus. Daran rütteln auch nicht die enormen Steueranreize für gut verdienende Selbständige und Freiberufler. Die Crux bei beiden Produkten: Sie sind für Verbraucher schwer verständlich. Experten bemängeln auch die Ineffizienz von Riester und Rürup.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Aktien und Fonds als Alternative?

Die Deutschen gelten generell als Aktienmuffel. Laut Deutschem Aktieninstitut liegt die Aktionärsquote hierzulande nur bei rund sechs Prozent. Zum Vergleich: In den USA besitzt jeder Vierte Anteilsscheine von Unternehmen. Dennoch: In Deutschland haben Aktien beziehungsweise börsengehandelte Indexfonds - sogenannte ETFs - in den vergangenen Monaten enormen Zulauf erhalten.

"Wer heute langfristig Vermögen aufbauen will, der kommt an Wertpapieren nicht mehr vorbei", meint Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wir raten schon seit Jahren zu ETF-Sparplänen. Dadurch können Sparer bereits mit monatlichen Beträgen von 50 Euro langfristig an der Wertentwicklung der weltweiten Indizes partizipieren und ihr Risiko breit diversifizieren."

Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet den zugrundeliegenden Aktienindex eins zu eins ab. Vorteil: Mit einem ETF können Anleger ihr Risiko breiter streuen als mit der Einzelanlage in Aktien. Außerdem sind ETFs günstiger als aktiv gemanagte Fonds, da die Ausgabeaufschläge entfallen und die Verwaltungskosten meist nur zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent im Jahr liegen. Die günstigere Kostenstruktur wirkt sich natürlich positiv auf den Zinseszinseffekt aus.

Nach dem Crash ist vor dem Crash

Allerdings sollten Anleger das Risiko bei einem Investment in Aktien und Fonds nicht außer Acht lassen. Allein der deutsche Leitindex Dax hat sich seit März 2009 mehr als verdreifacht. Größere Rücksetzer wie 2008, als sich die internationalen Aktienmärkte innerhalb weniger Wochen mehr als halbierten, sind nicht ausgeschlossen. Deshalb wäre es zum jetzigen Zeitpunkt zu riskant, die gesamte Anlagesumme auf einmal in Aktien oder Fonds zu stecken.

Als Alternative bieten sich Fondssparpläne an - vor allem, wenn sich die Aktienmärkte - wie jetzt - in der Spätphase des Bullenmarktes befinden. Vorteil: Mit einem Fondssparplan profitieren Anleger vom sogenannten Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). So werden Kursschwankungen langfristig besser ausgeglichen. Fällt der Börsenkurs, erhalten Anleger für ihren monatlichen Sparbetrag mehr Anteile, als wenn der Kurs höher stehen würde. Dadurch verbilligt sich der durchschnittliche Einstiegskurs.

Biallo-Tipp

Online-Broker wie Consorsbank, Comdirect und DKB offerieren Sparpläne mit ausgewählten ETFs bereits zum Nulltarif. Bei unserem Kooperationspartner Fondsdiscount erhalten Sie rund 19.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag. Die Depotführung ist kostenlos. Falls Sie bereits ein Depot besitzen, können Sie Ihr Portfolio gratis auf das Gebührenmodell von Fondsdiscount übertragen. Mit dem Online-Vermittlerwechsel transferieren Sie auch bereits vorhandene Sparpläne und handeln die betreffenden Fonds künftig ohne Ausgabeaufschlag. Dadurch erhöhen Sie Ihre Rendite.

Ein Vermögensaufbau mit Aktien oder Fonds sollte immer langfristig orientiert sein. Das sogenannte Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Wer in den vergangenen Jahrzehnten einen Dax-Aktienkorb kaufte und diesen mindestens 15 Jahre hielt, hat zu jedem Zeitpunkt eine positive Rendite erzielt. Das ist allerdings keine Garantie, dass das auch die nächsten 50 Jahre so sein wird.

Unser Tipp: Wenn Sie Ihre Geldanlage nicht komplett selbst in die Hand nehmen wollen oder können, sind sogenannte Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Bei den digitalen Vermögensverwaltern gibt es Beratung, Sparplan, Konto- und Depotführung bereits für unter einem Prozent pro Jahr - inklusive Fonds- und Transaktionskosten.

Am kostengünstigsten ist es allerdings, wenn Sie sich selbst einen ausgewogenen Mix zusammenstellen - zum Beispiel aus sicheren Festgeldanlagen (siehe unten) und einem ETF, der einen breit gestreuten Index wie den MSCI World abbildet. Der Weltaktienindex MSCI World spiegelt die Entwicklung von 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen wider. Mit unserem ETF-Vergleich erhalten Sie eine detaillierte Übersicht, wie die börsengehandelten Indexfonds in den vergangenen Jahren performt haben.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de