Hinterbliebenenrente So viel dürfen Rentner hinzuverdienen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
18.08.2014
Auf einen Blick

Wer eine Hinterbliebenenrente erhält, der darf „nebenher“ einer Erwerbstätigkeit nachgehen - allerdings nur in begrenztem Rahmen ohne Abzüge.

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Wer den Ehe- oder Lebenspartner verliert, für den ist häufig die Arbeit nicht nur um des Geldes willen wichtig. Witwen und Witwer, die selbst noch keine Altersrente erhalten, nehmen mitunter sogar nach dem Tod ihres Partners wieder eine Arbeit auf, oder verlängern ihre Arbeitszeit. Nicht zuletzt kann das helfen, besser mit der Trauer zurecht zu kommen. Gut zu wissen: Selbst bei höheren Monatseinkünften von 2.500 Euro brutto und mehr fällt die (große) Witwer- oder Witwenrente häufig nicht weg. Sie wird allerdings gekürzt. Nach der Anhebung der Freibeträge zum 1. Juli bleibt jetzt aber noch etwas mehr übrig. Wie dabei gerechnet wird, zeigt folgendes Beispiel:

Eine Witwe aus München erhält eine monatliche Hinterbliebenenrente von 990 Euro. Sie nimmt eine Arbeit auf, bei der sie Bruttoeinkünfte aus Arbeit von 2.000 Euro im Monat erzielt. Wie viel davon auf ihre Hinterbliebenenrente angerechnet wird, wird in drei Schritten ermittelt:

1. Schritt: Ermittlung der Nettoeinkünfte

Zunächst wird das rechnerische Nettoeinkommen der Witwe bestimmt. Hierbei kommt es nicht darauf an, was der Arbeitgeber ihr netto für ihre Arbeit überweist. Die Rentenversicherung hat vielmehr ihre eigenen Regeln zur Umrechnung von Brutto in Netto. Bei Hinterbliebenen, die selbst noch keine Altersrente erhalten, wird zur Berechnung ihrer fiktiven Nettoeinkünfte aus Arbeit ein pauschaler Abzug von 40 Prozent vorgenommen. Deshalb werden die monatlichen Arbeitseinkünfte der Witwe aus München rechnerisch pauschal um 800 Euro (40 Prozent von 2.000 Euro) reduziert. Ihre anrechenbaren Nettoeinkünfte betragen damit nur 1.200 Euro.

Achtung: Der Wert von 40 Prozent gilt nicht für Bezieher einer Altersrente, die nebenher noch regelmäßig mehr als 450 Euro monatlich verdienen. Bei ihnen werden von den Bruttoeinkünften aus Erwerbstätigkeit pauschal nur 30,5 Prozent abgezogen, um die Nettoeinkünfte zu ermitteln. Bei Minijobs, bei denen für Altersrentner keinerlei Abzüge anfallen, gilt das Prinzip: „Brutto = Netto“. Hier wird also kein Abzug vorgenommen.

2. Schritt: Gegenüberstellung von Nettoeinkommen und Freibetrag

Bei den Hinterbliebenenrenten zählen Einkünfte aus Arbeit nur (zum Teil) als anrechenbar, wenn sie die – jährlich neu festgesetzten – Freibeträge übersteigen. Der Freibetrag wurde zum 1. Juli angehoben und beträgt seitdem im Westen monatlich 755,30 Euro und im Osten 696,70 Euro. In unserem Beispiel erzielte die Witwe durch ihre Arbeit zuletzt im Schnitt Nettoeinkünfte von 1.200 Euro. Sie übersteigen den Freibetrag für die Hinterbliebenenrente damit um  444,70 Euro (1.200 Euro – 755,30 Euro). Würde die Witwe in den neuen Ländern leben, so würde sich ein „Überschussbetrag“ von  503,30 Euro (1.200 Euro – 696,70 Euro) ergeben.

3. Schritt: Ermittlung des anrechenbaren Einkommens auf die Hinterbliebenenrente

Der so errechnete „Überschussbetrag“ wird nicht voll, sondern nur zu 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Von den überschüssigen 444,70 Euro der Münchener Witwe werden also 177,88 Euro auf ihre Hinterbliebenenrente von 990 Euro angerechnet. Tatsächlich bleiben davon also  812,12 Euro (990 – 177,88) übrig. In den neuen Bundesländern würden  201,32 Euro (40 Prozent von 503,30 Euro) auf die Hinterbliebenenrente angerechnet, diese würde damit also von 990 Euro auf 788,68 Euro reduziert.

Tipp: Die letzte Rentenanpassung hat erst am 1. Juli stattgefunden. Wenn Witwen oder Witwer danach – etwa wegen einer Verlängerung ihrer Arbeitszeit – höhere Einkünfte erzielen, schadet dies bei ihrer Hinterbliebenenrente zunächst nicht. Der Einkommenszuwachs wird erst im nächsten „Rentenjahr“ bei ihrer Hinterbliebenenrente berücksichtigt – also erst ab Juli 2015.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de