Riester-Rente: So tricksen Versicherer bei den Kosten

Vorsorgesparen mit Riester Riester-Rente: So tricksen Versicherer bei den Kosten

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
08.02.2019
Auf einen Blick
  • Der Staat fördert Riester-Sparer mit Kindern durch besonders hohe Zulagen.

  • Die doppelte Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten durch Versicherer führt zu spürbaren finanziellen Einbußen beim Riester-Sparen.
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Gerade Familien mit Kindern will der Staat mit der Riester-Rente besonders fördern. Neben Ihrer eigenen Grundzulage von 175 Euro im Jahr, erhalten Sie als Riester-Sparer für alle ab 2008 geborenen Kinder zusätzlich eine jährliche Förderung von 300 Euro, für davor geborene Kinder gibt es 185 Euro. Das lohnt sich: "Die Kinderzulagen gibt es so lange wie auch Kindergeld fließt", sagt Bianca Boss, Pressesprecherin beim Bund der Versicherten.

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Um die kompletten Zulagen zu erhalten, sind jährlich vier Prozent Ihres Bruttovorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag einzuzahlen – maximal 2.100 Euro. Wichtig: Diese Summe brauchen Sie jedoch nicht alleine aufzubringen, denn die staatlichen Zulagen fließen immer in diese Berechnung des Eigenanteils mit ein. Ändert sich während der Vertragslaufzeit zum Beispiel etwas an der Zulagenhöhe, so sinkt oder steigt auch der jeweils zu zahlende Eigenanteil.

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Riester-Kosten – Versicherer belasten Sparer mit Kindern am stärksten

Versicherungsgesellschaften verlangen bei Unterzeichnung eines Riester-Vertrags dafür Abschluss- und Vertriebskosten. Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentralen fand heraus: Einige Versicherer sind hier hinsichtlich der Gebühren besonders kreativ.

Ein Fall: Ein Verbraucher besparte seinen Riester-Vertrag bei der Württembergischen Versicherung mit dem Höchstbetrag von 1.946 Euro, zuzüglich der Grundzulage von 154 Euro. Für die Summe aller Eigenbeiträge zahlte er in den ersten fünf Jahren die für die gesamte Laufzeit anfallenden Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von 4,5 Prozent. Danach wurde er kinderzulagenberechtigt, der Eigenbeitrag sank entsprechend – bei gleichbleibendem Gesamtbeitrag.

Die Württembergische berechnete daraufhin erneut Abschluss- und Vertriebskosten auf die neue Kinderzulage – dieses Mal in Höhe von vier Prozent. Zusätzlich wurde dem Versicherten bereits avisiert, dass nach dem späteren Wegfall der Kinderzulage weitere Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von 4,5 Prozent auf die Erhöhung seines Eigenbeitrags anfallen würden.

Die Abzocke: Obwohl sich in diesem Fall der Gesamtbeitrag des Versicherten über den gesamten Zeitraum nicht verändert hat, zahlt der Riester-Sparer bei jeder zulagenbedingten Änderung des Eigenbeitrags erneut Gebühren.

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"Die doppelte Berechnung von Abschluss- und Vertriebskosten belastet Riester-Sparer mit Kindern am stärksten – also ausgerechnet die Verbraucher, die vom Gesetzgeber als besonders förderungswürdig erachtet werden", kritisiert Sandra Klug vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Das Ziel des Gesetzgebers, mit Riester-Verträgen eine flexible, transparente und in den Kosten klar geregelte Altersversorgung für den Verbraucher zu schaffen, wird durch Anbieter wie die Württembergische konterkariert."

Überprüfen Sie die Kosten bei Ihrer Riester-Rentenversicherung

Es ist zu befürchten, dass auch andere Versicherer für jede Form von Zulagenerhöhung die Abschluss- und Vertriebskosten erneut berechnen. Das kann zum Beispiel auch bei der jüngsten Erhöhung der Riester-Grundzulage um 21 Euro im Jahr 2018 geschehen sein.

"Wir raten jedem Verbraucher mit einer Riester-Rentenversicherung bei seinem Versicherer nachzufragen, wie die Kosten berechnet werden und uns das Ergebnis mitzuteilen", sagt Klug.

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Hier stellt sich wieder die Frage: Wen fördert der Staat? Denn die doppelte Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten ist per Gesetz nicht ausgeschlossen. Dabei führt sie zu spürbaren finanziellen Einbußen bei Verbrauchern und füllt die Geldbeutel der Versicherer.

Der Fall der Württembergischen Versicherung zeigt exemplarisch, wo zum Teil die Probleme der privaten Altersvorsorge unter Riester liegen: "Der Vertrieb hält doppelt die Hand auf, nur weil Teile des Eigenbeitrags zwischenzeitlich durch eine Riester-Zulage ersetzt werden", sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

"Die mehrfache Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten muss gesetzlich unterbunden werden. Kosten dürften nur entstehen, wenn die Gesamtsparleistung der Verbraucher auch wirklich steigt."

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de